Halloween

Der Hype um Halloween hat mich bis anhin kalt gelassen. Das grosse Geschäft um Grusel-Gadgets kann mir nichts anhaben, das halbierte Eichhörnchen unterm Gästebett (gestern) deckt meinen Ekelbedarf vollkommen. Wenn am Donnerstag der letzten ganzen Woche vor Weihnachten alle Kinder (und das sind einige!) des Dorfes mit ihren Bochseltieren die archaische Bochselnacht feiern, zum Schluss des Umzuges „Freut euch des Lebens“ durch die Nacht singen (schreien) und die von den Kerzen angewärmten Runkelrüben einen süsslichen Duft verströmen, dann berührt mich dies weit mehr als einige dekorativ ausgehöhlten Kürbisse. Und für die hibbelige Vorfreude auf „Trick-or-Treat“ fehlen mir wohl einfach die Kinder im entsprechenden Alter.

Berühren kann man mich allerdings mit „Memento mori“ (Gedenke deiner Sterblichkeit). Denn Allerseelen und Allerheiligen lassen uns zwar über unseren Tellerrand hinausdenken, führen uns aber immer wieder auf uns selbst, unsere Lebendigkeit, unsere Menschlichkeit und intensiv zu erfahrende Endlichkeit zurück. Ich war genauso alt wie meine jetzige „Kundschaft“, als ich mich zeichnerisch, fotografisch und malerisch intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte.

Als ich mich heute Morgen unverhofft einem bettelndem, hochmotivierten Grüppchen gegenübersah, konnte und wollte ich deshalb nicht an meinen Plänen festhalten. Während die Jugendlichen hingebungsvoll ihren Klassenkameraden in den Tod verwandelten (seine sehr charakteristische Haarpracht hatte er sich tags zuvor extra hierfür abrasieren lassen!), spürte ich vor allem sprühendes Leben, Zusammenhalt, Engagement, Energie. Während das pinselnde Grüppchen immer grösser wurde, kümmerte sich eine Person um die kulinarische Versorgung des Modells und fütterte es mit Bananen, während eine andere es immer wieder mit einem Haarföhn anpustete und dadurch ein bisschen wärmte. Anatomiekunde war nie spannender, und das Rumlungern und Sich-Zeigen in den Gängen während der grossen Pause verriet den Stolz aller Beteiligten.

Ich empfinde es immer wieder als riesiges Privileg, mit meiner beruflichen Tätigkeit so viel Lebensfreude, Individualität, Begeisterungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Handlungskompetenz begleiten und fördern zu dürfen.

3 Kommentare zu „Halloween“

  1. wow! so mag ich halloween! ich bin sehr begeistert vor dem werk der jungen künstler! und ihrer zusammenarbeit! – gestern wurde ich von einem fremden mädchen einfach so erschreckt – sie hatte sich direkt hinter meiner wohnungstür versteckt, als ich gerade mit einem freund telefonierend, dessen sohn in der nacht davor beinahe gestorben wäre, rauskam – ich habe noch nie viel von halloween gehalten, aber gestern habe ich das ganze tamtam zum erstenmal selbst als derartig respektlos empfunden, ich war wirklich schockiert… lange habe ich dann mit dem wirbelwind über halloween, allerheiligen und allerseelen gesprochen, über die zeit, in der wir das gefühl haben, dass die tür zur anderswelt offen steht. dass wir mit respekt und voll liebe denen begegnen (zumindest in gedanken), die einmal teil unseres lebens waren, und dass wir keinen grund haben, sie zu verschrecken oder zu vergruseln. und dass es kein fest ist, bei dem es um geschenke geht, sondern einfach an das aneinander denken und füreinander dasein.
    lieben gruß dir! – ich find toll, wie du das machst.
    dania

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