Keramik aus Giesston

Das neue Jahr ist von Grippe, grässlich viel Korrekturarbeit für die Schule und einer darauffolgenden Blogger-Lethargie bestimmt worden. Es ist Indre von MiMA zu verdanken, dass ich endlich aus diesem Zustand gerissen wurde. Auf ihrem wunderbaren Blog hat sie nämlich die Frage nach dem Handwerk der Giesston-Verarbeitung gestellt. Und da ich zwar keine Keramikerin, aber Vermittlerin von allerlei Kunst, Gestaltung und dem entsprechenden Handwerk bin, möchte ich hier zeigen, wie man schnell und einfach seine Giesston-Kollektion realisieren kann. Meine Schälchen, welche als Anschauungsobjekte dienen, habt ihr schon bei früherer Gelegenheit kennengelernt.
Man verzeihe mir unprofessionelles Vorgehen oder Behandeln des Materials in der folgenden Anleitung. Für meine Ansprüche und die Rahmenbedingungen, welche mein Schaffen prägen, ist das Vorgehen jedoch praktikabel. Und damit wahrscheinlich auch für alle von Euch, welche sich erstmals mit dieser Technik versuchen wollen. 
Ton muss gebrannt werden. Einen Brennofen, wo ihr Euer Material brennen lassen könnt, findet ihr in Keramikateliers. Es lohnt sich aber auch, in Kultur- und Kurszentren oder Jugendwerkstätten und ähnlichem anzufragen. Auch Schulen wie Gymnasien sind oft in Besitz eines solchen Ofens, welcher ohne Probleme angeworfen werden kann. Eine nette Anfrage kann sich also durchaus lohnen. 
Da ich im Moment nicht die Zeit habe, ein eigenes Projekt zu realisieren und für euch fotografisch zu dokumentieren, seht ihr hier einige Fotos vom Gipsnegativ und den fertig gebrannten und glasierten Schälchen. Bild 3 (oben) ist entsprechend nur zur Verdeutlichung gedacht. Das glasierte, fertige Objekt sitzt in der Realität nie im Gipsnegativ.
Stattdessen möchte ich euch mit einigen einfachen Zeichnungen das Vorgehen verdeutlichen. 
Schälchen aus Giesston
Zuerst benötigt man eine Form-Vorlage. Ich schaue mich meist beim Hartplastikgeschirr in den Brockis um. Spottbillig ist das und oft perfekt geeignet. Wichtig ist, dass sich die Form – und damit auch am Schluss das entstandene Tongefäss – wieder aus dem Gipsnegativ herauslösen lässt. Wenn das so aussieht wie bei Variante I, funktioniert das Herauslösen nach oben hin nicht. Variante II passt aber tipptopp. Alles klar?
Herstellen der Gips-Negativform
Man benötigt eine Schüssel, welche etwas grösser und tiefer ist als das Gefäss. Ich verwende jeweils ein speziell angefertigtes, einfaches System aus zugeschnittenen Holzbrettchen. Um eine quadratische Bodenplatte herum werden vier Seitenwände gestellt und mit Spannklammern zusammengehalten. Mit Tonwürstchen werden die Ritzen abgedeckt. Der Vorteil ist, dass man nicht immer neue Gefässe braucht, weil sich die Brettchen ganz einfach wieder vom Gips lösen lassen. Aber wie gesagt, eine grössere Schüssel geht auch.

Etwas Gips wird gemäss Anleitung* angerührt. Ich verwende Modelliergips, der ist schön fein.
* Etwas kaltes Wasser in Gummibecher geben. Gips hinzufügen, bis eine Insel entsteht. Von Hand so lange vorsichtig mischen, bis sich das Pulver aufgelöst hat.

Den Boden giessen und etwas abbinden lassen. In der Zwischenzeit das Gefäss auf der Aussenseite fein mit Vaseline einstreichen und mit feuchtem Sand füllen. Dieses Gewicht verhindert später allzu starken Auftrieb im flüssigen Gips. Das Gefäss in den etwas festgewordenen, aber noch nicht harten Boden drücken. Darauf achten, dass unten keine Luftblase entsteht und dass das Gefäss ganz gerade steht. Anschliessend genügend Gips anrühren und bis oben hin aufgiessen. Gründlich abbinden lassen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Wenn der Gips getrocknet ist, kann das Plastikgefäss vorsichtig entfernt werden. Vielleicht muss das Gipsnegativ anschliessend noch gründlicher austrocknen.

Ausgiessen der Form

Der Giesston muss gemäss Anleitung mit Wasser angerührt werden. Ich verwende die C19 Steingut-Giessmasse von Bodmer Ton AG. Aber da gibt es bestimmt auch andere gute Anbieter mit entsprechenden Produkten. Wichtig ist, dass das Verhältnis von Pulver und Wasser genau stimmt.

Die angerührte Giessmasse wird vorsichtig in die Negativform gefüllt. Der Gips entzieht der Flüssigkeit Feuchtigkeit, dadurch trocknet sie am Rand leicht an. Wenn man nun nach einiger Zeit (mein Erfahrungswert für kleine Schalen liegt bei 20-30 min) die Giessmasse wieder ausleert (zurückleeren zur vorbereiteten Menge, man kann diese immer wieder verwenden), bleibt also ein dünner Rand und somit das neue Gefäss zurück. Je länger man wartet, desto dicker wird diese Wand.

Falls sich von der Giessmasse beim Ausleeren eine „Nase“ bildet, kann man diese vorsichtig mit einem feuchten Schwämmchen entfernen. Das Gefäss trocknen lassen. Bei diesem Vorgang zieht es sich leicht zusammen und löst sich automatisch vom Gips, so dass es nachher einfach herausgehoben werden kann.

Mit feinem Schleifpapier können unerwünschte Unregelmässigkeiten entfernt oder die obere Kante akzentuiert werden.

Nach gründlicher Trocknung muss das Gefäss gebrannt werden (Rohbrand). Anschliessend kann es noch glasiert* werden. Die Technik des Glasierens erkläre ich hier jetzt erstmal nicht. Lasst es mich wissen, falls ein Bedürfnis dafür besteht.
*Ich habe meine Gefässe mit der Effektglasur „Maui glanz“ von Bodmer Ton AG, und in einem zweiten Vorgang noch mit einer Transparentglasur glasiert. Da ich die Gefässe für Tee verwende, war mir die leicht raue Oberfläche des aussen unbehandelten Tons an den Lippen unangenehm, obwohl mir die etwas unregelmässige Optik sehr gefiel. Geschliffen habe ich ausschliesslich die obere Kante. 

Weiterführung

Da MiMA von einer Lampenkollektion schreibt, möchte ich noch zwei weitere Bemerkungen anfügen: Als Ausgangslage können natürlich auch mehrere Gefässe miteinander zu einer neuen Form kombiniert werden. Einfach darauf achten, dass keine hinterfangenen Formen entstehen. Wenn man in die fertige Negativform einen Korkzapfen oder etwas ähnliches klebt, erhält man das benötigte Loch, durch welches man später das Stromkabel ziehen kann.

Ihr seht, das Ganze ist keine Hexerei. Besonders toll ist übrigens, dass man mit einer Negativform ziemlich schnell ganze Serien herstellen kann. Und deshalb ist das eine super Sache, wenn man besondere Geschenke herstellen möchte.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spass und Erfolg beim Giessen eurer eigenen Keramik!

8 Kommentare zu „Keramik aus Giesston“

  1. wie lustig, ich habe gerade gestern mit meinen keramikerpapa über das gießen von tongefäßen gesprochen 🙂 eine ganz ganz feine anleitung, die du uns hier schenkst, liebe m. und deine schälchen gefallen mir hervorragend.

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  2. welch feine anleitung! die scheu vorm brennen immer mehr ablegend, muss nur noch die zeit dafür gefunden werden. danke!
    vorsichtige anfrage, ob denn meine post angekommen ist…
    liebgruß
    dania

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  3. Wow!
    Sio feine Schalen und darum herzlichen Dank für die Anleitung. Sollte hier mal wieder zeit übrig bleiben, dann kommt das auf meine !Möchte ich mal probieren“-Liste. Nur schade, dass sich zement und Gips nicht vertragen, sonst könnte man das nämlich bestens auch für die Betonarbeiten nutzen. Andererseits … eine dünne Silikonschicht könnte Beton und Gips trennen, dann würde sich der Beton lösen … und … ach danke für den Anstoß! 🙂

    Liebste Grüße von Katja, die sich auch für die Glasurarbeiten interessiert

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  4. liebe dania
    brennen ist total einfach. einfach keramik einfüllen, ofen einschalten (entsprechende programme sind vorprogrammiert) und alles am schluss wieder herausnehmen und sich freuen. backen halt.
    beschämte antwort: ja natürlich! ich wollte aber ein ebenso analoges dankeschön zurückschicken. und bin grässlich im verzug mit meinen plänen. danke deshalb jetzt erstmal hier. und bald dort.

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  5. nein, bitte, nicht beschämt sein, ich weiß doch, wie das so ist mit der zeit! es ist nur so einiges nicht angekommen, daher die frage.
    mir ist in der schule beim ton brennen einige male was gerissen, daher mein zögern…
    alles liebe
    dania

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  6. Hab vielen Dank für die Anleitung (und auch für den Post mit den Frischlingskrähen, die mir so gefallen). Eine Frage bleibt – ist die Größe der Form dem Umstand geschuldet, dass Deine Holzbrettchen für verschiedenste Modelle genutzt werden, oder funktioniert es besser, wenn die Form so groß ist? Ich, auf ständiger Suche nach Platzsparmöglichkeit, würde es nämlich sonst so klein wie möglich anlegen, wenn ich mich dranwage (habe noch ein halbes Jahr lang sehr unkomplizierte schulische Brennmöglichkeiten, muss man ja ausnutzen).

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  7. Tatsächlich glaube ich, dass man ein beliebiges Gefäss für den Gips verwenden kann. Und dieses kann natürlich auch entsprechend kleiner sein (es ist nur ein ganz kleines „Teeschälchen“, viele wollen auch grössere Gefässe herstellen). Ob man den „Gipsklotz“ danach jedoch wieder rausbringt, weiss ich nicht. Mit etwas Vaseline vorbehandelt, sollte Stürzen aus einer passenden Form möglich sein. Ist ja aber für den eigenen Gebrauch ja vielleicht nicht einmal nötig, die „Verpackung“ kann ja auch dranbleiben. Vorteil der Brettchen ist, dass man sie durchs Auseinanderklappen gut vom Gips lösen und dadurch immer wieder verwenden kann, was für eine Schule Sinn macht. Zudem sind die Brettchen bei Nichtgebrauch platzsparend in einer grossen Kiste zu stapeln und zu verräumen; ebenfalls sehr wichtig für die Schulkompatibilität. Für den einmaligen Gebrauch lohnt sich die Herstellung des „Brettchen-Systems“ eigentlich nicht. Ausprobieren würde ich Plastikschalen, Konservendosen und evt. sogar stabile kleine Kartonschachteln. Vielleicht bindet der Gips schneller ab als sie – feuchtigkeitsbedingt – auseinanderfallen. Lass es mich wissen, ob es funktioniert!

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