Stolperstein: Geburtsvorbereitung II


Wie immer bei meinen in ganz loser Folge hingeschriebenen Stolpersteinen möchte ich betonen, dass ich andere persönliche Erlebnisse, Meinungen oder Standpunkte nicht abwerten oder kritisieren möchte. Erfahrungen sind unterschiedlich und führen zu unterschiedlichen Haltungen. Und meine eigene entspricht jeweils nur einem momentan aktuellen Gefühl oder einem Gedanken und ist selbst von Veränderungen nicht ausgeschlossen. Dogmen, Polemik, Fundamentalismus etc. liegen mir fern.

Mein letzter Stolperstein beschäftigte sich mit Geburtsvorbereitungen, wie sie mich vor der Geburt des Frischlings umtrieben. Sie betrafen vor allem meine Funktion als Frau und Mutter. Nicht nur der Frischling wurde geboren, auch ich als Mutter durfte und musste mich an diese neue Lebensaufgabe herantasten. Dieses grosse Neusortieren bleibt jetzt aus. Ich bin ja jetzt bereits Mutter.

Dieses Mal ist es das kleine Kind, welches im Zentrum meiner Gedanken zur Geburtsvorbereitung steht. Wie kann ich ihm helfen, geborgen und geschützt den Übergang in diese unsere Welt zu schaffen? Wie kann ich ihm unnötigen Schrecken ersparen? Wie schütze ich es vor der Gedankenlosigkeit unsinniger, aber routinierter Abläufe rund um Geburt und Wochenbett? Und was gehört überhaupt alles zur Geburt? Wenn von Geburt gesprochen wird, denken viele an die Stunden im Gebärzimmer. Aber ist das Ankommen in dieser Welt nicht ein viel längerer Prozess? Und wo heisst es deshalb auch in den Stunden, Tagen und Wochen nach dem „offiziellen“ Geburtsmoment, entsprechend achtsam zu sein?

Wiederum dank einiger Bücher taste ich mich vor in die „Planung“ von Geburt und Wochenbett. Dies ist fraglos eine Zeit, welcher ein grosser Zauber innewohnt.

Fréderick Leboyer beschreibt in seinem Buch „Geburt ohne Gewalt“ (erstmals erschienen 1974) eindrücklich, wie unaufmerksam, ja brutal mit Neugeborenen umgegangen wird/wurde. Ich hoffe doch sehr, dass das Buch ziemlich überholt ist. Trotzdem leistet es (für mich jedenfalls) den immer noch wichtigen Aufruf, das Neugeborene als in seinem Fühlen und mit seinen Sinnen kompetentes, „fertiges“ Wesen zu behandeln. Die oben formulierten Fragen resultieren aus diesem Ansatz.

Ein weiteres seiner Bücher, „Das Fest der Geburt“, ist ganz anders gestaltet. Es entführt mit poetischen, bisweilen auch sehr amüsanten und einen dann und wann tief berührenden Texten in das Mysterium der Geburt. Leitfaden für die Texte sind Werke aus der bildenden Kunst, vorwiegend Mariendarstellungen (Verkündigung, Anbetung des Kindes, Maria mit Kind,…) aber auch grossartige Werke von Hokusai und anderen japanischen Künstlern, welche Meister waren in der Darstellung der Kraft des Wassers (ein Bild, welches Leboyer oft verwendet, um den Geburtsprozess zu verbildlichen). Ein wunderbares, inspirierendes, bildgewaltiges Buch, welches neue Bezüge schafft und in meinem Falle zwei meiner momentanen Lebenslinien miteinander verknüpft.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier „Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann, gehört das Buch doch zu den grossen Standardwerken rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Tatsächlich habe ich es aber erst jetzt gelesen. Vieles ist mir nicht neu, wurde und werde ich doch ebenfalls von einer phantastischen Hebamme begleitet. Zudem finde ich die ständige Bewerbung der eigenen Produkte im Buch äusserst penetrant. Aber Stadelmann schafft es, dass man beginnt, selbst kleinsten Dingen Aufmerksamkeit zu schenken. So bewerte ich beispielsweise jetzt das Tragen eines Käppchens bei Neugeborenen ganz neu. Oder die Farbe einer Babydecke.

Obwohl man meinem Haushalt noch nicht ansieht, dass in wenigen Wochen hier wohl ein Neugeborenes leben wird, bereite ich mich intensiv auf das Kleine vor. Am besten gelingt mir dies beim Stricken. Jeder Zentimeter des Fadens wandert durch meine Finger (und er wandert langsam!), und meine Gedanken sind währenddessen beim kleinen Kind.

Für alle Interessierten: Einmal mehr ist es eine Pebble-Weste geworden (wie schon hier und hier), gestrickt nach der wunderbar ins Deutsche übersetzten Anleitung von Bora (einmal mehr ein riesiges Danke!). Verstrickt wurde 100% Biobaumwolle von Lana Grossa: Linea Pura, Organico Print.

1 Kommentar zu „Stolperstein: Geburtsvorbereitung II“

  1. so schön, wenn leben beginnt. ein kreislauf, ein guter, weil das neue immer immer kommt.
    pebbles gibt es auch hier unzählige – so großartig sind sie, schön warm um die seele, praktisch und hübsch.
    von herzen das beste für euch. der lebensozean, ja, so ein gutes bild, das mir in der yogaphilosophie so erstmal begegnet hat und mir so richtig erscheint. danke für deine worte, liebe martina.

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