Fäden und Kontakte knüpfen

Frau Krähe näht! Endlich! Bevor ich mich ans Stricken wagte, glaubte ich fest an die Näherei. Schliesslich beginnt man da nicht mit einem Faden, welcher sich mühsam Masche für Masche zu einer Fläche entwickeln muss. Nein, nein, die Fläche ist schon vorhanden, man muss nur ein bisschen davon wegschnippeln, neu zusammensetzen, und schwupps, schon hat man ein fertiges Kleidungsstück. Skulptur vs. Plastik, um es bildhauerisch zu sagen… Meine Vorstellung in Ehren, leider brachte mich die Realität schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Beim Nähen gilt es zahlreiche Arbeitsschritte zu befolgen, mysteriöse Fachausdrücke (absteppen, versäubern,…) und technische Details (Nähmaschine) zu verstehen und räumliches Vorstellungsvermögen zu beweisen.  Die entstehende Auslegeordnung ist jeweils beträchtlich, zeitintensiv und mit neugierigem Kleinkind logistisch nicht ganz einfach im Griff zu behalten (Bügeleisen, Schere, Stecknadeln,…). Und so blieb es in den letzten Jahren bei einigen Versuchen, viel Flucherei und verhältnismässig wenig Freude.
Der von der Integrationsstelle meines Wohnortes ausgeschriebene Nähkurs für Migrantinnen und langweilige „Schon-Immer-Hier-Wohnende“ wie mich (aber ohne diese funktioniert Integration ja auch nicht) ist deshalb genau das Richtige für mich. Während acht Abenden werden wir, fünf Frauen unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Lebens- und Nähbiografien in die Grundlagen der Näherei eingeführt. Und zwar ganz individuell und auf genau dem Niveau, welches zu einem passt. 
Gemütlich die Stunden und spannend die Gespräche am grossen Tisch, welche sich zwischen ratternden Nähmaschinen entwickeln. Klärend und motivierend die kleinen Erfolge, welche sich langsam einstellen. Bald mehr. Jetzt muss ich Stoff zuschneiden gehen… 

Ein Gedanke zu „Fäden und Kontakte knüpfen“

  1. oh, wie grandios!
    frau krähe geht unter die näherinnen, das kann für die kinderkleiderästhetik nur ein gewinn sein.
    hurra, ich freu mich sehr, darüber und auf das, was da kommt.
    frohes fachjargonaneignen (ich lerne unheimlich langsam) und glückliches rattern!

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