Kindbett

Wer ab und zu ein Duftlämpchen anzündet oder sich im Räuchern versucht, weiss um die positiven Kräfte der Kräuter. Dr. phil. Wolf-Dieter Storl, Kulturanthropologe und Ethnobotaniker, legt überzeugend dar, dass die stärksten Kräuter jeweils diejenigen sind, welche schon von den entsprechenden Ahnen verwendet wurden und welche dadurch indirekt, aber auch ganz praktisch in der Anwendung bereits seit Kindertagen von Bedeutung sind. Bei uns sind dies unter anderem beispielsweise Kamille, Brennnessel und Holunder.

Die uralte Tradition des Kindbettkissens möchte ich deshalb ganz bewusst weiterführen. Die ersten Erfahrungen und Prägungen meines Kindes in der starken und für die Seele wichtigen Welt der Düfte sollen nicht irgendwelche synthetische Moleküle von Kosmetika oder spitaltypische Desinfektionsgerüche sein. Ein kleines Kissen soll es mit seinem zukünftigen Lebensraum, seiner Ahnenkette und seinem Umfeld verbinden. Zart eingehüllt soll es gestärkt und geschützt werden.

Das traditionelle Kindbettkissen wird mit Engelwurz, Beifuss, Johanniskraut, Labkraut, Kamille, Schafgarbe, Himbeere, Quendel und Frauenmantel bestückt. Da ich mich aber gerne auch von meiner Intuition leiten lasse, habe ich die Zusammensetzung leicht abgeändert.

Mein Kissen enthält Himbeerblätter, Schafgarbe und Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Thymian, Verveine, Kornblumen und Malven. Dazu noch eine kleine Handvoll Arvenspäne und als eigentliche Füllung luftig-leichte Dinkelspreu.

Eingenäht habe ich die Wundermischung in einen schlichten Baumwollstoff. Beim Zusammenmischen und Einfüllen wurde ich tatkräftig vom Frischling unterstützt, und gemeinsam wünschten wir während dieser Tätigkeiten dem kleinen Kind schon einmal mit vereinten Kräften alles Gute. Und als Supplement gab es diesmal noch eine sommerlich gelbe Kissenhülle aus reinem Leinen obenauf, bei welcher ich mich an einem einfachen Hotelverschluss versucht habe.

Das fertige Kissen wird nun als wertvolles Gut in die bereitstehende Kliniktasche verstaut. Zusammen mit der wunderschönen Karte, welche mir Sybille Tezzele Kramer von my art diary zur bevorstehenden Geburt geschenkt hat. Ein berührendes Geschenk, welches einfach so per Post zu mir geflogen kam und mich einmal mehr staunen liess, was sich durchs Bloggen im „echten“ Leben alles ereignen kann. Vielen Herzlichen Dank, liebe Sybille!

5 Kommentare zu „Kindbett“

  1. Dieses Kissen ist wahrlich etwas Feines! Ich kannte diese Tradition auch nicht. Aber jeder weiß, dass Düfte und Gerüche Einfluss auf unser Wohlbefinden haben… und die Art und Weise, wie ihr das Kissen gemeinsam mit guten Wünschen befüllt habt, hat etwas Magisches!

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  2. Nach zwei Jahren riecht das Kissen des Frischlings eigentlich nur noch nach Kamille. Deshalb habe ich diesmal davon etwas weniger eingefüllt. Die Kräuter sind traditionelle Frauenkräuter (Frauenmantel, Schafgarbe und Himbeerblätter sind wohl vielen als Tee bekannt aus der Schwangerschaftszeit, genau diesen habe ich übrigens auch eingefüllt). Und diese Mischungen wurden fürs Wochenbett verwendet, um die Frauen zu stärken und zu schützen (physisch wie psychisch). Fürs Kindlein waren sie zuerst eigentlich nicht direkt gedacht. Naja, heute liegen wir nicht mehr auf Laubsäcken, Hygiene schaffen wir mit anderen Massnahmen. Mir persönlich geht es eher darum, dem Kind für die ersten Tage etwas mitzugeben, das Geborgenheit schenkt und evt. unangenehme Momente überbrücken helfen kann (z.B. die unumgängliche Autofahrt nach Hause, wo man das Kind nicht am Körper tragen kann). Das Kissen ist klein, unscheinbar und sehr praktisch. Im www finden sich viele Empfehlungen, welche Kräuter zu verwenden sind. Mengenangaben habe ich keine gefunden. Das ist aber wohl auch nicht so wichtig, da diese Kräuter nicht stark duften. Und so würde ich das auch handhaben: nichts Exotisches verwenden und nichts, das irritierend riecht. Also keine Minze, kein Lavendel, keine Rosenblüten etc. Dann kann man wohl nix falsch machen.

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