Bringsel

Der Sanitätshund wird von seinem Hundeführer in ein Waldstück (120x400m, rund 50’000qm) geschickt, um dort systematisch nach verletzten Personen und Gegenständen (Rucksack) zu suchen. Findet der Hund das Gesuchte, nimmt er den eigens dafür vorgesehenen Bringsel in den Fang, welcher ihm ans Halsband gehängt wurde. Kehrt er also auf diese Weise zum HF zurück, weiss dieser, dass der Hund mit seiner Suche erfolgreich war. Mit dem Kommando „Zeige!“ schickt er ihn erneut in den Wald, folgt ihm diesmal und rettet die Person resp. birgt den Gegenstand.

Der Bringsel und die wunderbare Arbeit des „Sanitätelns“ ist mir wieder eingefallen, als ich von Sabine mit ihrem Blog fadenvogel ein Stöckchen erhalten habe. Die Freude ist fast so gross, wie wenn nach dem leicht bangen Warten auf der Mittellinie und dem Starren in das gründämmrige Walddunkel („Was macht der Kerl so lange da draussen?“) der Hund mit dem Bringsel im Maul durch das Unterholz herangaloppiert kam. Und Stöckchen oder Bringsel; das ist ja fast einerlei… Mein Hund sah das übrigens auch nie so eng. Einmal hat er mir während einer Prüfung statt des Bringsels die Brille einer „verletzten“ Person gebracht… Die Fundanzeige war auf jeden Fall eindeutig…

(Ich weiss natürlich, dass ich das Bild mit dem fliegenden Hund bereits bei anderer Gelegenheit schon mal veröffentlicht habe. Aber es musste hier einfach noch einmal mit rein.)

Hier sind nun also meine Antworten zu den Fragen meines allerersten erhaltenen Stöckchens (von wegen „post-Stöckchen!, liebe Sabine):

Warum bloggst du?
Ich hatte immer wieder das Gefühl, nix rechtes zustande zu bringen. Die Zeit zerrinnt und ich dümple so vor mich hin mit tausend Ideen im Kopf, ohne je etwas umzusetzen. Der Blog sollte so eine Art Portfolio von eigenen Realisationen werden. Damit ich, wann immer sich dieses miese Gefühl wieder anschleicht, einfach ein bisschen durch meinen eigenen Blog surfen kann, der mir dann vor Augen hält, dass ich schon dann und wann mehr schaffe als den täglichen Routinekram. Und ich wollte schreiben üben. Niederschwellig und doch verbindlich. Ein Blog schien mir da das richtige Medium zu sein.

Gibt es einen Anlass, der zum ersten Blogpost geführt hat, eine Geschichte, die ich mit ihm verbinde?
Nö. Irgendwann waren Mut und Lust und eine Prise Wahnsinn einfach genügend gross.

Gibst du deine Texte vor der Veröffentlichung noch jemandem zu lesen?
Nein. Aber sie entstehen meistens sehr langsam. Die Themen entwickeln sich im Kopf, beschäftigen mich tage-, manchmal wochenlang. Auch fürs Schreiben lasse ich mir viel Zeit und überarbeite das Ganze mehrmals. Das reicht mir dann.

Wie sieht das Zusammenspiel zwischen deinem Blog und deinen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken aus?
Ich bewege mich nicht in virtuellen sozialen Netzwerken. Meine sozialen Netzwerke sind physischer Natur. Und dort ist mein Blog ganz bewusst kein Thema. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen, die mich entfernt kennen, meinen Blog lesen. Das wäre mir zu persönlich und zu einseitig. Dass der Gefährte, meine Eltern und meine Freundin dies tun, freut mich hingegen sehr und zwingt mich zur ständigen Überprüfung meiner Authentizität in meinen Posts. Ich würde mich vor diesen vier Leuten schämen, wenn sie mich in den Posts nicht wiedererkennen würden. Und ich hoffe und gehe davon aus, dass sie sich auch umgehend meldeten, sollte dies geschehen.

Hast du einen festen Kreis an Leserinnen und Lesern und kennst diese?
Die bloglovin-Statistik zählt ja meine „Follower“, insofern besteht eine feste Leserschaft, auch Blogger zählt ja die Aufrufe jedes Posts, was einen Rückschluss auf regelemässige Leserinnen zulässt. Der Kreis ist winzigklein, was ich aber ganz schön finde. Noch kleiner ist die Anzahl der regelmässigen Kommentatorinnen. Einige dieser Bloggerinnen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aber kenne ich sie? Ihren virtuellen Abdruck vielleicht, sie selber nicht. Das ist irgendwie schade, aber auch ganz ok. Denn: Auch wenn man sich nie real getroffen hat, ist mir manche Leserin bisweilen näher als die Mitmenschen vor Ort. Es braucht nicht überall alles.

Gibt es ein Thema oder ein Anliegen, das dir besonders am Herzen liegt und das du mit deinem Blog verfolgst?
Mein Blog ist ein Ego-Blog, welcher ursprünglich von mir für mich gegründet wurde (Siehe oben). Ich war selber gespannt, welche Themen und welche Gewichtung sich herauskristallisieren werden. Im Blog finden sich relativ viele Posts, welche meinem Verhältnis zur Tier- und Pflanzenwelt nachspüren. Dann noch Kinderzeugs und Werkelresultate. Dann und wann wird der Bereich der Gestaltung gestreift. Und manchmal auch irgend etwas anderes, was gerade unter den Nägeln brennt. Das sind aber nicht unbedingt meine Lebensthemen. Ich berichte kaum über meine Arbeit, die mir aber sehr lieb und wichtig ist. Ich berichte nicht über Probleme und Ärger. Dies nicht, weil ich mein Leben beschönigen möchte, sondern weil es mir vollkommen reicht, mich „in echt“ aufzuregen, auszuflippen, ausfällig und ungerecht zu sein. Das alles gehört nicht ins öffentliche, nie mehr vergessende Netz. Wie die liebe d. so schön sagte nach einem langen Telefongespräch: „Wie schade, dass du darüber nicht schreiben kannst in deinem Blog, das wäre mal was Spannendes…“ Mein Blog hat halt auch kein richtiges Thema definiert. Er ist kein Mamablog, kein DIY-Blog und auch kein Fotoblog. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er für Leserinnen nicht besonders attraktiv ist. Für mich selbst jedoch schon. Er ist wie eine kleine Schatzkiste auf dem Dachboden, wo Erinnerungen ihren Platz finden und sich zu einer eigenen Ordnung zusammenfügen. Ich bin aber gespannt, ob sich das irgendwann ändert und ich zu „meinem“ Thema finde.

Wo schreibst du deine Texte?
Daheim. Stehend mit schlafendem Kind im Tragetuch oder im Bett sitzend zu nächtlicher Stunde mit Schläferin und Schläfern um mich herum.

Wie vernetzt du dich mit anderen Bloggerinnen und Bloggern?
Am liebsten per analoger Post. Aber auch per Mail und mit Kommentaren. Es reicht mir zu wissen, dass es „da draussen“ ähnlich denkende Menschen wie mich gibt. Mehr Vernetzung ist (im Moment) nicht nötig.

Was war das aufregendste Erlebnis, das du mit deinem Blog verbindest?
Durch Blogs findet ein Austausch statt, der sonst nicht möglich wäre. Es berührt mich immer ausserordentlich, wenn das Virtuelle Gestalt annimmt: Postkarten im Briefkasten, ein zugeschicktes Bild, welches ich bis in alle Ewigkeit mit der Geburt meines Mädchens verbinden werde und liebe Worte von Leserinnen der Kommentarfunktion. Obwohl ich sie bei der Bloggründung nicht eingeplant hatte, bereichern sie heute mein Leben sehr.

Was war dein Medium, bevor du anfingst zu bloggen?
Tausend Skizzenbücher, von welchen jeweils nur drei Seiten beschrieben wurden. To-Do und To-Want-Listen. An Freunde und Verwandte verschickte Büchlein mit eigenen Texten und Bildern.  Kisten voller Material (Wolle, Farben, Giesston,…) und angefangener und auf halber Strecke aufgegebener Projekte. Endlose Gespräche mit dem Gefährten, der Freundin, der Familie, dem Hund und mir selbst.

Meinst du, dass es deinen Blog auch in fünf Jahren noch geben wird? Und wenn nicht, was sonst?
Ich staune, dass es ihn nach anderthalb Jahren immer noch gibt.

So, dieser Bringsel hat ja einiges an Arbeit mit sich gebracht. Wie das halt immer so geht, wenn man sich ans Bergen von Aufgespürtem macht. Genug aufgeräumt im Wald für heute, ich werfe den Bringsel resp. das Stöckchen hoch in die Luft. Soll ihn/es auffangen, wer mag.

Hier meine Fragen (deren Antworten mich echt interessieren. Bitte lasst es mich wissen, solltet ihr einige bereithalten):

1. Bist du ein ehrlicher Blogger?
2. Welchen Nutzen hat dein Blog?
3. Worin bist du unersetzbar?
4. Grüsst du schon mal einen Baum?
5. Fürchtest du dich im Dunkeln und wenn ja, weshalb?
6. Beatles oder Rolling Stones?
7. Wird Erziehung überschätzt?
8. Was geschieht mit deinen digitalen Fotos?
9. Sprichst du mit deinem Computer?
10. Willst du sonst noch etwas sagen?

(fadenvogels Klammeranmerkung, dass bei mir das Kommentieren nicht möglich sei, hat mich einigermassen schockiert und natürlich sofort zum Handeln aufgefordert. Ich habe einige Anpassungen gemacht und hoffe, ab sofort wird wie wild kommentiert hier bei mir…)

4 Kommentare zu „Bringsel“

  1. Liebe Martina, grade habe ich dich entdeckt und lese und schaue und staune und grinse… Fein, fein, das alles hier bei Dir und wie schön, dass man die Skizzenbücher noch ahnt. Deine Fragen nehme ich mit in den Tag, zum Pflaumen ernten und Kastanien finden – besonders die ersten drei. Und ja, es gibt bestimmte Bäume, die Grüße ich bei jeder Begegnung. Einen herzlichen Gruß, Lena

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  2. dann hoffe ich, dass ich dich nicht schockiere, wenn ich nun auch deinen (tollen) blog lese, denn ich kenne dich entfernt.
    deiner mutter gotteskindesmutter:-) liebst

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