#regrettingmotherhood : Senfkörner

Er wird heiss diskutiert in den Blogs, dieser Artikel. Herausragend äussert sich aufzehenspitzen. Ambivalenz kennen wir wohl alle. Aber darum geht es nicht in dem Bericht.

Ich kenne mehrere Frauen, welche keine Kinder wollen. Niemals. Aus verschiedenen Gründen nicht. Ihnen wird gewöhnlich wenig Verständnis entgegengebracht. Als „karrieregeil“ oder „egoistisch“ werden sie betitelt, „bindungsgestört“ und ähnliches fällt schon auch mal. Und immer wieder müssen sie hören, dass sie ihre Entscheidung sicherlich im Alter bereuen würden.
Ich verneige mich voller Hochachtung vor diesen Frauen. Nicht wegen ihrer Entscheidung. Die ist mir so egal wie die Entscheidung für die Mutterschaft. Sondern vor ihrer Fähigkeit, auf ihre eigene innere Stimme zu hören. Die oft und immer wieder arg angegriffen wird. Diffus, unterschwellig, aber auch ganz brutal, direkt und gnadenlos. Es braucht Kraft und Mut, unter solchen Bedingungen auf diese Stimme zu hören. Aber es geht um die Integrität dieser Frauen, um nichts weniger. Besonders schwierig wird es für sie, wenn der Partner sich Kinder wünscht. Persönlich kenne ich eine Frau, welche noch rund 30 Jahre nach der Zeit, in welcher sich bei ihr die Kinderfrage gestellt hatte, unendlich dankbar ist, gegenüber ihrem Mann diesbezüglich standhaft geblieben zu sein. Und eine, welche bereut, dass sie nachgegeben und ein Kind bekommen hat.
Ob die bereuenden Mütter des Artikels sich wohl je einmal sehnlichst Kinder gewünscht hatten und dann erschreckt feststellen mussten, dass ihre Vorstellungen und die Realität auseinanderklafften? Oder handelt es sich vielleicht um Frauen, welche dieses leise Unwohlsein im Bezug auf eigene Kinder schon vorher gespürt hatten, dieses aber nicht fassen oder „verteidigen“ konnten? Ich weiss es nicht.
Aber ich weiss, dass ich jeder Frau, welche sich getraut, ihre Mutterschafts-Irritation oder sogar -Abneigung (was nicht heisst, dass sie Kinder oder andere Mütter doof finden, auch das fiese Zuschreibungen, an welcher diese Frauen leiden), freundschaftlich die Hand reiche. Damit ihre innere Stimme stark bleiben kann.
(Gebe ich hier jetzt tatsächlich meinen Senf zu einem tagesaktuellen Thema??? Also Sachen gibts…)

3 Kommentare zu „#regrettingmotherhood : Senfkörner“

  1. shit, denke ich nur beim lesen des artikels, der bislang an mir verübergegangen ist. gibt es irgendeine andere entscheidung, die derart nachhaltig und unabänderlich ist wie die, kinder zu bekommen? ich bin ganz bei dir und beim anerkennen und verfechten der freiheit, das eigene leben so zu leben, wie man es leben möchte. die frage ist nur: was, wenn mans nun vorher ganz einfach nicht gewusst hat? shit einfach. (und ja, bei der gelegenheit auch, weil auch ganz im sinne des aufzehenspitzen-texts: was ich ganz schrecklich nervig finde, ist die lamento-pose, die einige mamas so gerne einnehmen. ja, wir kennen es alle, es ist zuweilen einfach nur anstrengend und unlustig. aber eben: es ist so etwas völlig anderes, ob die summe allen erlebens sagt: ja, ich würd mich wieder so entscheiden, oder aber eben nein. shitshit.) (du tagesaktuell, ich auch und fluchend obendrein, herrje, wo soll das noch hinführen?)

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