Hinter die Kulissen

Die Bühne:

Zufrieden wiederkäuende Schafe und zauberhafte Lämmer (Andrina wird tatsächlich mit jedem Tag hübscher) komplettieren das Bild unserer kleinen Farm. Romantik pur.

Backstage:

Wir kämpfen um Aloisia. Schon zweimal hat eine Labmagenblähung das Leben unseres kleinsten Lammes gefährlich bedroht. Viturins schrecklicher Tod sitzt uns noch in den Knochen, wir hoffen sehr, dass wir Aloisia, unser zweites Flaschenlamm, nicht auch noch auf diese Art und Weise verlieren werden. Das Bild ist tatsächlich ein Schnappschuss aus unserer Küche, nachts um ein Uhr wohlgemerkt, nachdem ich in der Tierklinik Notfallmittel abholen konnte: Kamillentee, Medikamente, Waage, Pulvermilch. Normal und gesund ist das alles schon lange nicht mehr. Handeln wir noch ethisch? Dienen wir dem Tier? Die Theorie ist immer so einfach.

Seit die Grazien beim Bock weilten, plagen sie Klauenprobleme. Vermutlich haben sie dort einen fiesen Erreger aufgelesen, der ihnen zu schaffen macht. Die feuchten Bodenverhältnisse bei uns im Stall verschlimmern alles zusätzlich. Saba hinkt ganz schlimm, auch Karamba entlastet leicht. Heute erfolgte deshalb die Grossoffensive: Formalinbad für alle! Klauen reinigen, schneiden, dann Klauenbad während jeweils 10 Minuten (Bild) und danach Einwirkzeit von einer Stunde. Zack – und ein freier Nachmittag ist vorbei und ich bin fix und fertig. Wenns nützt, solls mir recht sein.

Und ja, so deppert sehe ich bisweilen aus. Jawohl, ich trage Atemschutzmaske, Schutzbrille und das „Übergwändli“ unseres Vormieters (gefunden einst im Heizungsraum, also das Übergwändli, nicht der Vormieter!). Formaldehyd ist ätzend und giftig, und Schafe haben die Angewohnheit, plötzlich wilde Ausbrechversuche zu starten. Die Harmonie trügt.

Landlust und Landfrust liegen sehr nahe beieinander diese Tage.

3 Kommentare zu „Hinter die Kulissen“

  1. Wenn man als Städter nur zu Besuch auf dem Land ist, dann sieht das immer nach Idylle aus, in die es sich zu flüchten lohnen würde. Dass die Idylle oft auch Risse hat, das merkt man erst, wenn man sie lebt.
    Ich drücke euch die Daumen für das Lämmchen und für gesunde Füsse.

    Gruß von mir,
    Katja

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  2. Ab dem Moment, wo wir Tiere züchten und halten, sind sie auf unseren Schutz und Pflege angewiesen.
    Lästige Pflichten, Tierleid und ethische Konflikte haben mit ländlichem Idyll wenig zu tun. Dafür wird man aber auf der anderen Seite mit vielen freudigen Momenten im Zusammenleben mit den Tieren entschädigt, darum gehe zumindest ich immer wieder gerne die Beziehung mit Haustieren ein. Viel Glück und gueti Nerve. Chunt scho guet!

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  3. Bei euch scheint im Moment der Wurm drin zu sein. Ich wünsche alles Gute für das kleine Lämmchen und die Klauenprobleme. Wahrscheinlich wächst euch die Arbeit über den Kopf (und der Schlafmangel).
    Liebe Grüße,
    Kathrin
    P.S.: Ich fand deine Alpha-Reihe sehr schön!

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