Gedankenknospen

Dort, an der windgeschützten Stelle, wo die Sonne die Steinmauer bereits etwas aufgewärmt hat, ist es angenehm warm. Eine Mutter stillt ihr Baby, der Hund hat sich ebenfalls bei ihr niedergelassen und döst. Die Frau hat zudem nebenbei ein Auge auf die etwas grösseren Kinder, welche unter dem Haselstrauch mit kleinen Zweigen, Zapfen und Steinen ein Zwergendorf aufbauen. Die drei grossen Schulmädchen füttern derweil die Hühner und versuchen, der zahmen Henne ein Kunststück beizubringen.

Die Sonne brennt auf die Gartenbeete, wo zwei Frauen die Erde auf eine neue Saat vorbereiten. Sie wechseln dann und wann einige Worte, tauschen sich aus über dies und das. Währenddessen gehen die Männer mit Schaufeln und Hacken ans Werk, die Fläche für die neue grosse Feuerstelle will ausgeebnet werden. Ein Mann trägt sein schlafendes Enkelkind in der Traghilfe und bereitet für alle den Zvieri vor.
Wer arbeiten möchte, arbeitet. Wer sich zurückziehen will, geniesst ganz für sich allein eine stille Ecke des Gartens.
Gegen Abend wird der neue Feuerplatz eingeweiht. Heisse Kartoffeln aus der Glut, etwas Käse, Brot, Wasser und Wein. Während die Grossen über Bohnensorten, neue Apps, die Lage in Nahost und das perfekte Anti-Mücken-Mittel fachsimpeln, geniessen die Kleinsten die freundliche, gemütliche Atmosphäre und knüpfen mutig Kontakte. Die grossen Mädchen erzählen den kleineren Kindern auf dem Gartensofa, in warme Decken gehüllt, Geschichten von verzauberten Prinzen und Prinzessinnen. 
Klingt doch wunderbar, oder nicht? Ein Traum? Ein unerfüllbarer Traum? Zuviel Bullerbü, Lönneberga und Villa Kunterbunt in einem?
Wir haben Platz genug, wo dieses Lebensgefühl Gestalt annehmen könnte. Ob es noch andere gibt, welche Lust auf eine Realisierung haben? Gibt es hier in der Nähe Menschen, die nicht in „mein“, „dein“, in Franken und Mann-/Fraustunden rechnen? Die Kinderbetreuung mit Saatgut mit einer warmen Mahlzeit mit nicht mehr benötigter Kinderkleidung „bezahlen“ möchten? Die an den Wert von Freundschaft glauben? Die ihre Kinder am liebsten Kinder sein lassen?

Wir haben mit unserem „Stall“ die letzten Jahre erlebt, dass die Menschen gerne bei uns einkehren und ihre Freizeit bei uns verbringen. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der das gemeinsame Tun Einzug hält in unserem Leben.

Obwohl es noch weit ist bis zum Blühen und Wachsen, in meinem Kopf und Herzen spriessen Bilder und Ideen. Ob aus diesen zarten Knospen einst prachtvolle Blumen werden, weiss ich nicht.

Was meinst du? Würdest du dir einen Strauss pflücken wollen von diesen Pflänzchen?

6 Kommentare zu „Gedankenknospen“

  1. Ja, würde ich – nur ist die Schweiz so verflixt weit.
    Und etwas anders liegt mir bei diesem Wunschgedanken auch im Magen – zwei gescheiterte WGs, die aus Freundschaften entstanden waren und zwei gescheiterte, generationenübergreifende Wohn- und Lebensgemeinschaften in meinem Bekanntenkreis. Es gab einfach immer welche, die viel mehr taten als dei anderen, welche, die sich auf der Arbeit der anderen ausruhten, welche, die alles besser wussten und welche, die immer quer schossen. Beides kostete am Ende mehr Nerven und führte zu mehr Frust, als man sich vorher enthusiastisch Situationen schön ausgemalt hatte. Das ernüchtert mich immer bei allen Überlegungen für zukünftige Lebensentwürfe, deren Gelingen von ausgewogener Gegenseitigkeit abhängt. Es wär so schön, wenn sowas wirklcih klappen könnte.

    Lieber Gruß,
    Katja

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  2. Aufgewachsen (zumindest die ersten sieben Lebensjahre) in einem ganz ähnlichen Umfeld (abgelegener, kleiner Weiler mit 5 Familien) kann ich deinen Wunsch nur gutheissen. Wir Kinder hatten rückblickend den Himmel auf Erden. Vielleicht trügt mich der Gedanken an die Idylle, aber ich glaube mir auch einzubilden, dass gerade auch die Mütter durch die Teilung der Kinderbetreuung viel Zeit für die Teilnahme am Leben hatten. Ich glaube, dass es klappen kann. Kathrin

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  3. Sehr schön geschrieben! Man kommt so richtig ins Träumen, ins Mit-Träumen. Wir wohnen in der Nähe, allerdings sind unsere Kinder schon grösser. Einmal waren die Kindergärtnerinnen bei uns zu Besuch. Und haben am Ende gesagt: bei uns, das sei ein bisschen wie Bullerbü.. Ob sie damit vor allem meinten, dass die Kinder noch beim Eindunkeln lachend und fast blutt auf der Wiese herumrannten und im Dreck patschten weiss ich nicht ;-)).
    Übrigens: das Kindermanifest habe ich bei Dir entdeckt und mich schon so oft dran 'aufgerichtet'. DANKE!
    (Und bald kommen unsere ersten Hühner. Auch die ein bisschen wegen Euch, obwohl wir Euch gar nicht kennen. Danke).

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  4. Das klingt sehr schön und am einfachsten müsste das mit einer grossen bunten Familie funktionieren. Bei Freunden kann ich die Neigungen nicht immer beurteilen.Wir haben auch ein grosses Grundstück mit Schafen, Hund und Katze. ..und träumen ab und zu davon…Liebe Grüße von Elke

    familie

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