Tiere berühren

Tiere sind wunderbare Vermittler, Lehrer und Gefährten. Viele Kinder sind sehr an Tieren interessiert. Sie möchten Tieren nahe sein, sie möchten sie anfassen, mit ihnen schmusen, spielen und Spass haben. Manche Kinder können mit Tieren aufwachsen und so wichtige und schöne Erfahrungen machen. Aber auch wenn kein Tier zu der eigenen Familie gehört, kann man die positiven Aspekte von Tier-Mensch-Beziehungen im Alltag pflegen.

Hier eine kleine, unvollständige Liste:

Oft wird empfohlen, bei bestehendem Hundewunsch halt mit einem fremden Hund ab und zu Gassi zu gehen. Ich finde das relativ absurd. Als Kind wünschte ich mir einen EIGENEN Hund, einen Verbündeten, einen Freund. Frau Nachbarins Dackelchen auszuführen, hätte mir gar nichts gebracht. Sinnvoller finde ich es, für einen Hund langfristig Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht gibt es irgend jemanden in der Region, der für zwei Tage die Woche für seinen Hund einen Platz sucht? Oder regelmässig einen Ferienplatz? Wie in der Funktion als „Tageseltern“ kann so eine tragfähige Beziehung zu einem ganz bestimmten Tier entstehen. Es lohnt sich auch, in Tierheimen anzufragen, ob Spazierdienste erwünscht sind. Regelmässig mit dem selben Hund Zeit zu verbringen, ihm Gutes zu tun und so seine Chancen auf eine Vermittlung zu erhöhen, kann gerade älteren Kindern viel Freude machen, auch wenn das Abschiednehmen von Beginn weg eingeplant werden muss.

Sowieso verändert sich sofort der Beziehungs-Level, wenn wir den Namen eines Tieres kennen. Wieso nicht einfach mal den Bauern fragen, wie die Kuh mit dem krumm gewachsenen Horn heisst, oder ob der Schafbock eigentlich einen Namen hat? Es spaziert sich einfach viel schwungvoller mit kleinen Kindern, wenn man dem grimmigen Volcan ein Besüchlein abstattet und nicht einfach „noch bis dort zu der Schafherde“ wackelt. Man kann sich auch Wildtiere „zu eigen machen“. Es ist nicht ganz einfach, aber manchmal erkennt man ein charakteristisches Merkmal. Die Freude ist gross, wenn man dieses Tier dann ab und zu wieder sieht. Es lohnt sich nur schon, darüber zu rätseln, „ob es jetzt wohl dieses Tier ist“.

Interesse, Mitgefühl und Bewunderung Tieren gegenüber lernen Kinder aber nicht nur mit Hunden und Katzen. Gerade kleine Kinder profitieren in meinen Augen viel stärker von kleinen, unscheinbaren, dafür häufigen Begegnungen mit Tieren. Exemplarisch steht dafür die Schnecke am Wegesrand. Schnecken können von Kindern angefasst und untersucht werden. Sie staunen über die Fühler und die winzigen Augenpunkte. Sie bewundern die Farben der Häuschen. Sie beobachten, wie die Schnecke an einem Blatt frisst und spüren, wie sich ihr Schleim auf der Handfläche anfühlt. Ich lasse meine Kinder Schnecken retten. Viele müssen sie dann und wann von den Wegen an die Strassenränder tragen. Dann beweisen sie echtes Mitgefühl. Sie erleben die Schnecke als fühlendes Wesen. Was will ich mehr? Wenn es kein Ende nimmt und ich spüre, dass ich genervt reagiere, schliesse ich mich einfach an. Das entspannt ungemein und stimmt fröhlich. So viel Leben retten in wenigen Minuten, das schafft nicht einmal ein renommierter Chirurge…

Ich nutze jede Möglichkeit, mit meinen Kindern zusammen ein Tier genauer zu untersuchen. Das kann eine Spinne, ein Käfer, eine tote Maus oder ein Falter sein. Mir ist es besonders wichtig, nicht in schöne und eklige Tiere zu unterscheiden. Diese Kategorien gibt es nur in unseren Köpfen. Käfer ist Käfer, egal ob Marienkäfer oder Totengräber. Wenn nicht die Farbe fasziniert, sind es vielleicht die haarigen Beinchen oder die langen Fühler. Jedes Tier ist auf seine Art besonders schön. (Ja, das gilt auch für Spinnen!) Besonders beliebt ist das Kategorisieren auch bei Vögeln: Auf der einen Seite der schöne, bunte Stockentenerpel, auf der andern Seite das unscheinbare Weibchen. Solche Zuschreibungen verkneife ich mir. Der Erpel ist auffallend (werbetechnisch ideal) bunt, das Weibchen perfekt getarnt, um das Gelege zu schützen. Beide Tiere sind wunderschön. Bei ganz kleinen Tieren eignet sich eine Lupe, um Schönheiten zu entdecken. Der Kauf eines hochwertigen Modells lohnt sich immer! Feldstecher sind übrigens bei uns auch immer in Griffnähe.

Es gibt Kinder, die springen auf alles „Tierische“ an. Meine Tochter legt schon beim Anblick von Tierbildern den Kopf schief, formt die Hände zu einem behütenden Gefäss und beginnt zärtlich zu säuseln. Mein Sohn hingegen zeigt sich von Tieren unbeeindruckt bis verängstigt. Das Blöken der Lämmer, das Krähen des Hahns, das um-die-Beine-Streichen der Katzen, all das findet er grässlich. Was also tun? Wie sollte ich ihn an die Wunder der Natur heranführen? Er selbst gab mir die Antwort, seine Antwort: Er schaut sich sehr gerne Bestimmungsbücher oder -karten an. Wenn er dann draussen ein kleines Tier entdeckt, welches er kennt, ist seine Freude riesengross. Eine Feuerwanze kann ihn dann in echte Begeisterung versetzen. Im Moment ist das seine bevorzugte Art und Weise, mit Tieren in Kontakt zu treten.

Vielleicht sind es auch die Rufe der Vögel, welche ein Kind besonders faszinieren, die verschiedenen Losungen (typische Kotformen) oder die Trittsiegel (Tierspuren). Es lohnt sich, sich in diesen Bereichen ein bisschen „Indianerwissen“ anzueignen. Jeder Spaziergang hat so die Chance, zu einem Abenteuer zu werden. Dennoch: Wissen ist gut, aber eher als „Backup“ gedacht. Für Kinder soll das Erleben, Rätseln, Staunen und sich in Geduld und Mitgefühl üben mehr als alles Wissen über die Tiere im Vordergrund stehen. Dieses folgt normalerweise automatisch.

Pro Natura, WWF, Wildnisschulen, ornithologische Vereine und andere Naturschutzorganisationen bieten vielfältige Angebote für Familien an. Eine geführte Exkursion durch die nächste Umgebung lässt einen den Stadtpark, die Kiesgrube oder das Areal um den Hauptbahnhof mit ganz anderen Augen sehen.

Für Tierbeobachtungen muss man nicht weit hinaus in die idyllische Natur reisen. Die brütende Amsel auf dem Fensterbrett, die Fledermaus im Licht der Strassenlaterne, Silberfischchen unter den Steinen im Vorgarten: Tiere sind überall.

Kommen Tiere in euerm Alltag vor?
Welche sind für eure Kinder besonders wichtig? Und welche für euch selbst?
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.

 

6 Kommentare zu „Tiere berühren“

  1. Also mein inneres Kind liebt Tiere, auch mein Erwachsenenich. Wir haben eine Katze… die wir sehr lieben. Und seit einiger Zeit sind wir immer faszinierter von Vögeln. Hab viel gefüttert die letzten Jahre inzwischen kommen immer mehr – ein echtes Ereigniss. Und sonst beobachte ich auch einfach alles gern..die Schmetterlinge usw. Als Kind wollte ich auch immer einen Hund. Alpakas sind meine Lieblingstiere, hab ich auch schon Live getroffen. Und ich würde gern mehr mit Vögeln, auch Hühnern, Enten usw. zu tun haben. Überlege ob ich es schaffe mich bei uns im Vogelschutz zu engagieren.
    Schafe find ich natürlich auch toll,
    Ich hatte neben den Katzen auch immer wieder Gassihunde, die ich alle sehr geliebt hab.

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  2. So ein schöner Text! ❤
    Ja, ich habe es auch so gehalten mit den Kindern und Tieren. Ich selbst bin seit jeher eine große Naturliebhaberin und beobachte immer sehr gerne, was da so kreucht und fleucht. Ich lerne gerne die Namen und Besonderheiten der Tiere (auch der Pflanzen). Gerade in diesem Sommer habe ich begonnen, mehrmals täglich die Vögel auf den Bäumen rundum genauer zu beobachten (von der Terrasse aus, auch mit dem Fernglas) und schon spannende Dinge entdeckt und gelernt: von den Flugbildern über die verschiedenen Zwitscher-und Gesangslaute, aber auch, dass hier Vögel leben, von denen ich es gar nicht wusste, z. B. die Mönchsgrasmücke und Distelfinken. Es ist jedesmal eine Freude, sie wiederzusehen. Wie gesagt, man braucht wirklich nicht weit gehen, nur eben Augen und Ohren stets offen zu halten… 🙂
    Liebe Grüße und weiterhin viele schöne Begegnungen!

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  3. Unser „Kleiner“ (7 Jahre) liebt weiterhin Schnecken und weiss auch sehr viel über sie. Sehr stolz gibt er sein Wissen an alle Kollegen weiter! Bei uns lebt auch ein Hund mit in der Familie und sehr viele Vögel im Garten inkl. einiger Spatzennester am Haus, eines direkt am Sitzplatz. Anscheinend haben wir auch eine Fledermaus im Garten, die immer bei Beginn der Dämmerung losfliegt. Und endlich beginnen die Ferien, sodass auch die Kinder mit auf die Fledermaus am Abend warten können. Sie freuen sich schon.
    Immer wieder bin ich erstaunt, wieviele Kinder „Angst“ vor Hunden haben, ganz einfach weil sie die Hundesprache gar nicht verstehen. Aber Kinder lernen sehr schnell und viele Mütter sind überrascht, wie schnell ihr Kind die Angst vor unserem Hund verliert (wir haben auch noch einen grossen, schwarzen Hund…).

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