Krankenschwester {Stolperstein}

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Ein Mückenstich, ein winziger Schnitt, ein abstehendes Hautfetzchen beim Fingernagel: Die Zaunkönigin interessiert sich auffallend stark für kleinste Hautverletzungen. Immer wieder werden solche untersucht und der gesamten Verwandtschaft vorgeführt.

Dann wird von ebendieser mikroskopisch geguckt, gestreichelt, beschwichtigt. Und anschliessend die Prognose gewagt: „Das Mädel wird bestimmt mal Krankenschwester.“

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Das Spezielle an dieser Aussage: Sie ist zweimal, natürlich von verschiedenen Erwachsenen und zu verschiedenen Zeitpunkten, absolut identisch gefallen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, wäre die Zaunkönigin ein Junge, die Folgerung eine andere gewesen wäre: „Der wird bestimmt mal Arzt.“

Wie ich reagiert habe? Lachend berichtigt: „Krankenschwester? Wenn sie dann mag, wird sie Ärztin!“ Aber lustig fand ichs eigentlich nicht.

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Natürlich darf die Zaunkönigin einmal Krankenschwester (Fachfrau Gesundheit) werden, wenn sie das denn möchte. Oder Lebensmittelinspektorin, Kindergärtnerin, Elektrikerin, Spieleprogrammiererin, Floristin, Geografin, Kosmetikerin, Ärztin, Polygrafin, Atomphysikerin, KFZ-Mechanikerin oder was auch immer. Aber sie soll wählen können. Richtig wählen, mit weitem Blick und offenem Herzen.

Was keine Selbstverständlichkeit ist: 75% der jungen Frauen im Kanton Zürich auf Lehrstellensuche im Jahr 2013 verteilten sich auf gerade mal auf 11 Berufe (hier nachzulesen)! Und das hat ganz gewiss nichts mit einem naturgegeben engen Begabungsspektrum zu tun. Genausowenig liegt es an den Mädchen selbst, dass immer noch viel zu wenige selbstbewusst, ehrgeizig und ambitioniert hochgesteckte Berufsziele ins Auge fassen (hier dazu ein sehr spannendes Positionspapier).

Es sind zu weiten Teilen die Signale des (erwachsenen) Umfelds, welche die Entscheide der Jugendlichen massiv beeinflussen. Und zwar nicht erst, wenn es konkret wird mit der Berufswahl. Die Beeinflussung (oder sollte man von Gehirnwäsche sprechen?) beginnt tatsächlich schon bei zweijährigen Kindern. Spätestens.

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2 Kommentare zu „Krankenschwester {Stolperstein}“

  1. Ja leider so ist das… heute weiß ich auch wie begrenzt mein Berufshorizont war..die ideen was werden könnte und ich hätte mir gewünscht das man mir mehr gezeigt hätte und mehr untertsützt hätte.. wenn ich nämlich mal ne Idee hatte hieß es im Umfeld immer das geht nicht und ich war ja ein braves Mädchen. Wir haben übrigens immer gern Chirurgie gespielt…Hauttransplantation…keine Ahnung wie ich auf das Thema kam. Habe keinen beruf in die Richtung kuck aber gern Greys Anatomy.. naja und das Interesse für den Aufbau von Dingen ist geblieben.
    Das Kind erforscht einfach seine Welt, und das oft ganz genau 🙂

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  2. Leider wahr. Dadurch werden unsere Kinder schon früh in ihren Möglichkeiten und ihrem Entwicklungspotenzial eingeschränkt. Ich erlebe das zur Zeit im umgekehrten Fall: Ein befreundeter Junge, der eigentlich seinen Traumberuf lernen möchte (Kleinkindererzieher), jetzt aber stark am „wärweissen“ ist, weil sein ganzes Umfeld findet, er solle sich wirklich gut überlegen, ob er nicht lieber „etwas Richtiges“ lernen wolle. Hallo?!

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