dringend vs. wichtig

wichtig-dringend

Wenn es ruhig wird auf einem Blog, heisst dies ja meist, dass das Leben der Schreibenden gerade umso turbulenter verläuft. So auch hier. Macht Euch keine Sorgen, es ist alles gut. Es sind vor allem innere Vorgänge, welche meine Aufmerksamkeit benötigen und das Schreiben in den Hintergrund treten lässt.

Das Dringende ist nicht immer das Wichtige. Irgendwo in den Weiten des www habe ich diesen Satz aufgefangen. Es ging da wohl um Zeitmanagement, produktives Arbeiten und so. Dass man einen ganzen Tag lang Bürokram erledigen kann, alles furchtbar dringend, eine Mail nach der andern, Telefongespräche, Sitzungen, aber sich keine Zeit nimmt, das grosse Ganze zu sehen, an der Grundstrategie zu arbeiten („kann ich ja auch morgen noch“, „pressiert ja nicht“). Und ich habe mir vorgenommen, dass ich ab sofort verstärkt darauf achten will. Manchmal sind dringende Dinge ja tatsächlich auch wichtig. Aber manchmal sind sie aber eben nur dringend und sollten nicht zuviel Macht über mich bekommen. Umgekehrt ist es noch frappanter: Dinge, Handlungen, Momente, welche ich als essentiell wichtig für mein Leben erachte, können oft gut warten. Und werden so allzu oft von einem Tag auf den nächsten geschoben. Schwupp macht es, und Stunden, Tage, Wochen, Jahre sind um, ohne dass man sich um Wichtiges gekümmert hätte, obwohl man ständig betriebsam rotiert hatte. Eine beängstigende Vorstellung.

Einige Beispiele gefällig?

Die Liebe ist geduldig. Sie ist wohl die offensichtlichste Wichtigkeit, welche sich nie vordrängelt und so tatsächlich vor lauter Alltag vergessen werden kann. Der Gefährte und ich können gut „nebeneinander“. Durch das Aufteilen der Erwerbsarbeit und der Familienzeit mit Kindern und Haushalt geben wir uns oft die Klinke in die Hand. Keinesfalls möchte ich eines fernen Tages aufwachen und spüren, dass wir uns „auseinander gelebt haben“, weil wir diese grosse, wunderbare Wichtigkeit nicht genügend gepflegt haben.

Ich will intensive Tage mit meinen Kindern verbringen, Anteil an ihrem Leben nehmen und ihnen täglich „Highlights“ bescheren (Mit Highlights meine ich übrigens ganz kleine Dinge wie eine unerwartete Kitzel-Kuschel-Runde, eine hervorgezauberte Zvieri-Überraschung, eine besonders ambitioniert erfundene Gutenachtgeschichte usw.). Dennoch ertappe ich mich oft dabei, dass meine Zuhause-Tage mehr meiner zurechtgelegten Pendenzenliste folgen (über weite Strecken der ganze Kram, welcher als „Haushalt“ bezeichnet wird) als dem grandiosen Lebensgefühl meiner Kinder, und meine Motivation im Umgang mit ihnen darin liegt, sie „auf der Spur“ zu halten, damit ich möglichst problemlos alles erledigen kann. Was für ein Fehler!

Neujahrsvorsätze sind übrigens die Klassiker der ewig verschobenen Wichtigkeiten. In den Tagen zwischen den Jahren nehmen wir uns Zeit, über unser Leben nachzudenken und erkennen oft sehr klar, was uns gut tut und wichtig für uns ist. Aber dann kommt der Alltag, und…

Viele Wichtigkeiten sind sehr unspektakulär: Es ist mir beispielsweise wichtig, Zeit alleine mit mir zu verbringen, trotz Kinderchaos dem alten Hund ungeteilte Momente der Aufmerksamkeit schenken zu können, raus in die Natur zu gehen, mir ganz bewusst und ohne Hektik Zeit für eine Tasse Tee, das Anfeuern des Ofens oder das Lesen einiger Buchseiten zu nehmen. Im meinem Haushalt ist gerade ausmisten (noch) wichtiger als putzen und aufräumen. Alles kleine, aber wichtige Tätigkeiten, die allzu oft von den lauten, dringenden Dingen zurückgedrängt werden.

Ich habe mir deshalb eine kleine Erinnerungshilfe gebastelt. Wenn Du dich in meinen Worten wiederfindest und Dir das Blatt gefällt (es gibt sogar zwei Varianten), darfst Du es Dir gerne herunterladen und ausdrucken. Besonders nett sieht es auf etwas festerem, leicht gekörnten Papier aus. Mit Klebeband unprätentiös irgendwo gut sichtbar aufgehängt oder vielleicht sogar schick gerahmt, kann es Dich in den nächsten Tagen und Wochen ebenfalls daran erinnern, Deinen ganz individuellen Wichtigkeiten genügend Raum zuzugestehen.

wichtig-dringend-01

wichtig-dringend-02

Haushalt, gesellschaftliche Verpflichtungen und anderes (ja, auch Blogs!), dürfen schon mal ein bisschen warten lernen.

Habt es fein.

2 Kommentare zu „dringend vs. wichtig“

  1. Vielen Dank für deine Worte. Es ist wirklich sehr wichtig, diese beiden Dinge zu unterscheiden! Ich arbeite selbst immer wieder daran, versuche mich zu erinnern, frage mich, was wirklich wichtig ist und was nicht. Herzliche Grüße, Julia

    Gefällt mir

  2. Himmel, ja – es gibt so viel lärmendes Dringendes und so viel stilles Wichtiges, und Letzteres vergisst sich so leicht, während man Ersterem hinterherhetzt. Besonders blöd wirds dann, wenn man, ist man mit dem Dringenden fertig, die verbleibende Zeit erschöpft mit völlig Belanglosem füllt. Als hätte man ewig Zeit. Unsere Katzen sind siebzehneinhalb, und an manchen Tagen habe ich nur wenig Zeit für sie und nehme sie mir auch nicht, dabei ist absehbar, dass sie irgendwann nicht mehr da sein werden. Und bei all denen, bei denen es weniger absehbar ist, weiß man es nicht – die gefühlten Jahrzehnte zusammen, die man noch hat, können so schnell auf Null zusammenschrumpfen, und dann steht man da mit leeren Händen und seinem fassungslosen Hättichdochnur. Dabei hätte mein Leben mich eigentlich Achtsamkeit lehren müssen, die Zerbrechlichkeit unseres Daseins habe ich jedenfalls zur Genüge begutachten dürfen. Und oft bin ich auch achtsam. Aber nie an allen „Fronten“, und oft vergesse ich es auch zwischendurch im Gewusel. Danke für die Erinnerung, die nie, wirklich nie überflüssig ist!

    Dein 3D-Gürteltier würde ich übrigens irrsinnig gern mal sehen, wenn das noch irgend möglich ist!

    Liebe Grüße
    Maike

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s