Wasser teilen

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Naturverbindung ist mir wichtig. Gerne würde ich jeden Tag meinen Waldsitzplatz aufsuchen und dort ganz still werden. Den Bäumen und Vögeln lauschen, die sachten Bewegungen wahrnehmen im Aussen, aber auch in meinem Innern, das ist für mich von grosser Wichtigkeit und sehr wertvoll. Viel Zeit dort zu verbringen ist deshalb auch einer meiner wenigen konkreten Neujahrsvorsätze geworden.

Wie oft ich schon dort war in diesem Jahr? Du ahnst es wahrscheinlich: kein einziges Mal. Zuviel Programm, andere Verpflichtungen, oder schlicht keine Lust. Das Gute umzusetzen fällt mir nicht immer leicht.

Es gibt aber ein kleines, feines Ritual in meinem Leben, welches sich so fast ganz nebenbei in jeden Alltag einbauen lässt. Es hat sich bei mir ganz zufällig entwickelt, ich liebe es und möchte es deshalb heute mit Dir teilen:

Wenn ich mir ein grosses Glas Wasser eingiesse, und das tue ich täglich natürlich mehrere Male, trinke ich es meist nicht bis zum letzen Tropfen aus, sondern giesse den letzten Schluck jeweils in die Erde irgendeiner Topfpflanze, welche gerade in der Nähe herumsteht. That’s it!

Indem ich die Pflanze nicht mit einer Giesskanne mit Wasser versorge, sondern mein eigenes Glas benutze, entsteht der Effekt, dass wir gemeinsam unser Wasser teilen. Wir haben das selbe Bedürfnis, wir geniessen beide die selbe Erfischung, kurz; wir sind uns ähnlich.

In Gläsern herumstehendes „Reste“-Wasser auf diese Weise zu verteilen, stellt bei mir nicht den gewünschten Effekt her. Auch ausschliessliches Pflanzengiessen mit Hilfe von Gläsern funktioniert nicht. Es gilt: Trinken – teilen. Am besten von der selben „Charge“.

Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Die Handlung mag banal sein, der Effekt ist für mich gefühlsmässig aber sehr gross. Für einen kurzen Moment werden die schlichte Topfpflanze und ich schlichtes Menschlein eins. Ich spüre unsere Ähnlichkeit, Verbindung und mein Eingebettetsein in Mutter Natur und die grossen Abläufe des Lebens. Wenn es auch nur für wenige Sekunden ist, dieses Gefühl bereichert meinen Alltag sehr. Bis ich wieder meinen Waldsitzplatz aufsuchen kann.

Probiere es aus und lass mich wissen, ob Dir das Ritual gefällt. Ich bin gespannt.

2 Kommentare zu „Wasser teilen“

  1. Jetzt bin ich platt. Wir haben keine Topfpflanzen im Haus, weil die Katzen mörderische Bestien sind und alles Grüne sofort verhackstücken, aber dafür haben wir ab dem Frühling Pflanzen auf den beiden Balkonen (vorne in einem Blumenkasten immer das, was dort gerade hingeweht wird in den zu Frühlingsbeginn frisch vorbereiteten Kasten – dieses Jahr die riesigste Distel, die ich je gesehen habe, hihi, und eine bis in den späten Herbst üppig blühende … öhm. Luftreisepflanze-deren-Namen-ich-noch-rausfinden-werde. Allerdings möchte ich mich erst überraschen lassen und sehen, ob sie wiederkommt, wenn ich die alte Erde nur lockere und mische, aber zur Hälfte wiederverwende. Und den üblichen Löwenzahn, klar).
    Und diese Balkonpflanzen und ich trinken morgens Wasser. Ich ein halbes Glas, die Pflanzen, wenn es nicht gerade in Strömen regnet, die zweite Hälfte. Ursprünglich eingeführt, damit ich sie nicht vergesse und sie nicht vertrocknen, aber es ist mir sehr lieb geworden, dieses Frühling-bis-Herbst-Ritual, ohne dass ich es mir je so bewusst gemacht hätte wie Du.

    Ich habe einen Waldplatz, den ich nur so vier, fünf Mal im Jahr aufsuche, aber ich finde allein das Wissen, dass es ihn gibt, schon sehr schön – in Gedanken bin ich viel öfter da. Und ich finde, das ist besser als nichts. Viel besser. Dort sein ist aber natürlich immer noch was ganz anderes. Ich hoffe, Du kommst dieses Jahr öfter dazu!

    Liebe Grüße
    Maike

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