Zähneputzen und bedürfnisorientierte Elternschaft, Teil 1

dsc_9029-b

Attachment Parenting (AP) wird mit „bedürfnisorientierter Elternschaft“ übersetzt. AP gründet auf den Erkenntnissen der Bindungsforschung. Bekannt geworden ist AP vor allem in Bezug auf die Themen Stillen, Tragen, Co-Sleeping und Elimination Communication.

Ich putze die Zähne meiner Kinder im Sinne von AP. Meine Kinder essen über weite Strecken bedürfnisorientiert. Meine Kinder bewegen sich draussen auf dem Spaziergang bedürfnisorientiert fort. „Wie bitte??????? Was soll denn da noch alles zum Pflichtkatalog hinzukommen? Reicht es denn nicht langsam? Das ist ja alles furchtbar aufwendig, nö du, dann lass ich das lieber ganz bleiben, ist wohl nix für mich, mein Leben ist eh schon kompliziert genug.“

Tatsächlich lese ich immer wieder, wie die „AP-Themenfelder“ ausgebaut werden. So wird plötzlich beispielsweise die Wahl eines Kindersitzes fürs Auto eine „AP-Frage“. Wie schon andere vor mir halte ich diese Entwicklung für problematisch. Denn sie stilisiert AP zu einer komplizierten Wissenschaft hoch, zu welcher dann nur mehr eine mehr oder weniger „extreme Exklusivgruppe“ Zugang findet und vermischt zudem Aspekte, welche faktisch nicht zusammengehören. Und AP gehört doch unters Volk! Denn von dem Wissen, welches zu AP geführt hat (oder besser vor knapp 100 Jahren von AP weggeführt hat), sollten alle Kinder und ihre Familien profitieren dürfen. AP ist nicht kompliziert, im Gegenteil! Bedürfnisorientierte Elternschaft ist eigentlich ganz einfach.

Ich möchte in diesem Post nicht erklären, was AP ist, das wird und wurde an anderer Stelle und von anderen Leuten bereits umfassend gemacht. (Immer wieder gerne empfehle ich in diesem Zusammenhang den wunderbaren geborgen-wachsen-Blog von Susanne Mierau). Hier ganz kurz: Attachment Parenting leitet sich aus der Bindungsforschung ab und bedeutet im weitesten Sinne, dass Bedürfnisse eines Babys wahrgenommen, respektiert und erfüllt werden. Ebenso wie die Bedürfnisse der beteiligten Erwachsenen, welche aber eher dann und wann etwas Aufschub aushalten können. Dies ist wichtig, weil genau dieses Stillen von Bedürfnissen eine sichere Bindung ermöglicht, was von grosser Bedeutung ist (Stichwort „Urvertrauen“). Bedürfnisse und Wünsche sind keine Synonyme, und AP heisst deshalb auch nicht, dass Kinder jeden Alters immer alles sofort kriegen, aber dass sie, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Wünsche und ihre Wahrnehmung respektiert werden.

Ich bin dagegen, Anleitungen herauszugeben, wie bedürfnisorientiertes Zähneputzen, Spazieren, Schwimmenlernen, An- und Ausziehen, Kinderzimmeraufräumen zu geschehen hat. Gleichzeitig erkenne ich aber mehr und mehr, dass es nicht reicht, die gängigen AP-Felder „abzuhaken“, sich dann selbstherrlich auf die Schultern zu klopfen und sich die (nicht existierende) AP-Medaille umzuhängen.

Denn AP ist vielmehr eine Haltung als eine Methode. Man kann sein Kind tatsächlich gänzlich unsensibel in ein Tragetuch stopfen oder ihm widerwillig Platz im eigenen Bett einräumen. Beides hat dann mit AP nichts mehr zu tun, obwohl man brav „die Auflagen erfüllt“. (Genauso kann man bedürfnisorientiertes Handeln in auf den ersten Blick AP-ungewöhnlichen Settings finden, hier wurde das kürzlich schön beschrieben.) Im Gegenzug sind da aber noch hundert und tausend Begegnungen und Handlungen, welche uns täglich mit unseren Kindern verbinden oder uns im Gegenteil voneinander trennen. Für sie gibt es keine oder kaum Ratschläge und Anleitungen in Ratgebern und eingschlägigen Elternforen. Wie gestalten wir sie? Wie liebevoll und bedürfnisorientiert begegnen wir da unseren Kindern?

Lass uns zurückkommen zum Beispiel „Zähneputzen“. Und zwar ganz konkret, denn Theorie können wir ja alle: Was machst Du mit Deiner freien Hand, während Du mit der anderen Deinem Kind die Zähne putzt?

Im nächsten Post schreibe ich über meine freie Hand. Wenn Du mir bis dahin Deine Antwort (sofern Du regelmässig in den Genuss dieser Tätigkeit kommst) auf die Frage als Kommentar dalassen magst, freue ich mich sehr.

1 Kommentar zu „Zähneputzen und bedürfnisorientierte Elternschaft, Teil 1“

  1. Ich habe beim Zähneputzen keine freie Hand, denn ich muss ja das schreiende, zappelnde Kind im Nacken festhalten, krhrhr!
    Nee, im Ernst, ich hab dabei wirklich keine freie Hand, weil der Lütte (na, so lütt isser gar nicht mehr, gerade ist er sechs geworden) dabei auf meinem Schoß sitzt. Die andere liegt in seinem Rücken und stützt ein bisschen. Gerade den Mann gefragt, der macht es genau so (wir wechseln uns mit dem Insbettbringen ab). Früher, als der Lütte wirklich noch lütt war, hatten wir beide die Hand am Hinterkopf.

    Gespannt, was das mit AP zu tun hat und was man sonst noch so alles mit der mehr oder weniger freien, zumindest aber zweiten Hand tun kann,
    Maike

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s