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Sichtbarkeit, Authentizität und Kooperationen

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Zwei Tage nach dem Bloggertreffen hat sich das Gehörte gesetzt. Einiges hat Auswirkungen auf mich, resp. meinen Blog, anders kann ich getrost an mir vorbeiziehen lassen. Tatsächlich treffen mich diverse Aussagen an der Swiss Blog Family empfindlich.

So kümmere ich mich offensichtlich zu wenig um den technischen Kram, den die Bloggerei mit sich bringt. Natürlich ist es nicht optimal, dass ich nicht täglich einen Post veröffentliche. Aber das lässt mein Leben nicht zu und diesem Druck möchte ich mich selbst gar nicht aussetzen. Natürlich könnte ich mehr Überschriften, knackige Schlagworte und andere clevere Strategien anwenden, um den Suchmaschinen zu gefallen. Aber das finde ich ätzend. Ich will schreiben, wie ich schreiben möchte. Nicht so, wie ein Algorithmus mir aufzwingen will.

Gleichzeitig ist es einfach dumm, wenn ich meine Sichtbarkeit durch mangelnde ICT-Kenntnisse selbst sabotiere. Diese Anregungen beispielsweise nehme ich mir deshalb sehr zu Herzen. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit in diese Themen einarbeiten. Ohne am Blog selbst etwas zu ändern und dennoch von Interessierten besser gefunden zu werden, macht schliesslich nur Sinn. Auch „das Tanzen auf verschiedenen Hochzeiten“ leuchtet mir ein. Solange es nicht zur lästigen Pflicht verkommt. Dass sich Frau Krähe auch auf facebook und instagram findet, ist schon mal ein netter Anfang, der aber noch keinesfalls optimal umgesetzt ist. Dennoch bläht sich bereits da ein grosses Fragezeichen in meinem Kopf auf: Weshalb das alles? Wofür?

Wenn ein Blog Sichtbarkeit haben und als Folge davon gross werden will, dann doch deshalb, um für Kooperationspartner interessant zu werden. Denn diese bedeuten, dass die eigene Bloggerei vom extrem zeitintensiven Hobby zur bescheidenen oder gar veritablen Einnahmequelle werden kann. Dagegen habe ich grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Geld zu verdienen ist nun mal wichtig, und wenn dies durch das Bloggen realisiert werden kann und man dafür vielleicht sogar auf den ein oder anderen ungeliebten Job verzichten oder ihn zumindest reduzieren kann, so kann auch mir das nur recht sein. Theoretisch. Oder gibt es noch andere Gründe, welche für Sichtbarkeit und Wachstum sprechen?

Aber definitiv beginnt sich etwas in mir zu winden, wenn die beiden freundlichen Frauen einer Marketingabteilung und einer PR-Agentur an der Swiss Blog Familiy von den Bloggern als „Influencern“ sprechen, wenn begeistert erzählt wird, wie man gemeinsam „authentische“ Geschichten entwickelt, welche zu der jeweiligen Familie passen und nicht versucht werde, die Familien zu etwas zu überreden, was ihnen nicht entspreche. „Beide Seiten sind schliesslich an authentischen Geschichten interessiert. Weil das auch bei den Lesern ankomme. Und letztlich den Erfolg der Strategie garantiere.“ (Frei von mir paraphrasiert.)

Ich erinnere mich an das amerikanische Experiment, in welchem eine „Familie“ (alles Schauspieler) ihren Nachbarn Produkte empfohlen hat. Der Effekt war gigantisch, Empfehlungsmarketing, wozu eben auch die Kooperationen mit Blogs gehören, funktioniert einfach sehr gut. Die Nachbarn glaubten sogar noch an die Produkte, als man sie darüber aufklärte, dass es sich bei der „Familie“ um eine komplett künstliche und konstruierte Marketingstrategie gehandelt hatte. Sie konnten diesen Menschen, die sie zu kennen glaubten, ihr Vertrauen einfach nicht absprechen. (Funktioniert ja übrigens auch beim Product Placement in Filmen und Serien.) Der Hebel bei den Blogs ist genau der selbe: Zuerst wird Vertrauen geschaffen, man „lernt sich kennen“. Dann wird das Produkt eingeführt und empfohlen. „Unter Freunden“. Zieht immer. Sogar wenn der Beitrag deutlich als Werbung gekennzeichnet ist. Willkommen in der Trueman Show.

Da noch von Authentizität zu sprechen, finde ich arg grenzwertig. Natürlich geht es nicht, dass Frau Krähe für Fleisch aus Massentierhaltung oder Ferber-Schlaftraining wirbt. Dass dies nicht authentisch wäre, muss ja nicht diskutiert werden. Aber will wirklich jemand, dass ich eine Story entwickle, in welcher ich ein (durchaus phantastisches) Produkt in meinen Alltag einbaue (welches ich vielleicht tatsächlich sowieso schon überzeugt seit Jahren benutze) und dies dann verblogge? Klar, ich kann das klar und deutlich als Werbung kennzeichnen, und ich finde es auch nicht einmal verwerflich, dafür Geld zu kriegen. Schliesslich gebe ich ja was dafür. Arbeitszeit und meinen Namen. Aber will wirklich irgend jemand da draussen von Frau Krähe Werbung präsentiert bekommen? Ich bezweifle das stark. Einmal vielleicht sehr gerne. Zweimal auch. Aber zehnmal? Zwanzigmal? Echt jetzt?

Wenn ich also aus Überzeugung auf Kooperationen verzichte und deshalb aus monetären Gründen auch nicht gross werden will mit meinem Blog, wieso sollte ich dann für mehr Sichtbarkeit sorgen? Frau Krähe startete als Web-Log, wie diese ursprünglich mal gedacht waren: Als eine Art freies Tagebuch über das eigene Tun und Lassen, als eigene Plattform, um mit Texten und Bildern zu spielen. So ist es heute noch.  Frau Krähe hat in den letzten vier Jahren an einem kleinen, feinen Netz mitgesponnen, hoch hinauf in den Norden Deutschlands, rüber nach Österreich, ins Südtirol, nach Frankreich und auch zu umliegenden Dörfern meiner Region. Es sind Freundschaften entstanden, welche ich nicht mehr missen möchte und die mein Leben sehr bereichern. In meiner kleinen Blogecke muss ich keine Kompromisse eingehen, keine Auflagen erfüllen, keine Statistiken halten oder verbessern. Wieso sollte ich mehr wollen? Was sollte ich wollen? Natürlich gibt es heute Blogs, welche anders ausgerichtet sind. Professionell. Monetär. Das ist ok. Nur befürchte ich, dass sich viele Bloggerinnen, v.a. „Jungbloggerinnen“ nicht klar sind, was es wirklich heisst, einen finanziell erfolgreichen Blog zu realisieren. Das ist harte Arbeit. Und gerade im Sektor der Familienblogs mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

So ist mir anhaltend leicht unwohl während diesem ansonsten durchaus netten Bloggertreffen in Basel. Die Euphorie, wie da von und über Kooperationen gesprochen wird, dazu die (durchaus mit schönen und hochwertigen Produkten bestückten) „Goodie-Bags“ und die den Anlass flankierenden Stände einiger (tatsächlich bewährter) Marken… Alles eigentlich sehr sympathisch. Aber leider eben nur eigentlich.

Die Fragezeichen in diesem Post sind keineswegs rhetorisch gesetzt. Wer mir Anregungen und Ideen hat, Hinweise, die ich bis anhin nicht bedacht habe, Möglichkeiten, welche mein Radar nicht erfasst hat, der oder die möge mir doch bitte einen Kommentar da lassen. Oder mir persönlich eine Mail schicken.

Es ist ok, ein bisschen planlos in die Bloggerei hinein zu stolpern. Ignorant und unbelehrbar zu sein, ist hingegen nur dumm.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die Durchführung des Anlasses bei den beiden Organisatorinnen Sévérine und Katharina bedanken. Das Treffen war perfekt organisiert und ich habe sehr schöne Kontakte mit interessanten Menschen erleben dürfen. Herzlichen Dank!

*einige Gedanken zum Bild:
Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit?
Wer wird gesehen, wer geht in der Masse unter und weshalb?
Muss man sich Sichtbarkeit verschaffen oder kommt die von selbst?
Und letztlich immer wieder: Wer bin ich?

12 von 12 (November 2016)

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Alles ist gepackt. Ich bin ein bisschen aufgeregt und freue mich auf eine ziemlich lange Reise mit mir allein und das darauf folgende spannende Nachmittagsprogramm: Ich fahre heute zur Swiss Blog Family, dem Treffen der Schweizer Elternbloggerszene.

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Alles ist gepackt. Und meine Nerven liegen blank. Vor zweieinhalb Stunden bin ich aufgestanden. Ich habe in dieser Zeit meine Morgentoilette erledigt, Hundekotze aufgewischt, herumliegende Kleidung sortiert und versucht, die Zaunkönigin aus dem Schlafanzug und in ihre Kleidung zu kriegen. Wofür ich die zweieinhalb Stunden gebraucht habe? Wer das fragt, hat noch nie mit einem zweieinhalbjährigen Kind zu tun gehabt…

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Ich stehe auf unserem provinziellen Bahnhof und atme den Duft der Freiheit. Ein Tag ohne Arbeit! Ein Tag ohne Kinder! Ein ganzer Tag!

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Es ist kalt. Düster. Ziemlich trostlos. Und weil für anständiges Haareföhnen keine Zeit mehr blieb, friere ich an den Kopf.

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Wie schön, mal wieder im anonymen Gewusel der pulsierenden Stadtatmosphäre zu stehen. Die grünen Trams verraten es: Ich bin in Basel.

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Basel. Wo fährt mein Tram? Wo kriege ich ein gültiges Billet? Was soll ich essen? Ich habe ein bisschen Heimweh.

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Unversehens befinde ich mich im Messerummel. Die Architektur der Stadt schenkt ungewohnte, faszinierende An- und Ausblicke.

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Unversehens befinde ich mich im Messerummel. Schlechtes Essen, Gedränge, laute Musik und viel zu viele Menschen: mein misanthropisches Ich bombardiert mich mit Fluchtimpulsen.

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Um dem Rummel zu entgehen, entschliesse ich mich zu einem kleinen Mittagessen in einem Restaurant. Still, warm, gutes Zeitungsangebot. Und eine feine Suppe.

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In einem sehr steril wirkenden Restaurant esse ich eine Kleinigkeit. Und fühle mich anhaltend deplaziert.

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Das Nachmittagsprogramm ist wie erwartet sehr vielseitig und inspirierend. Der Anlass ist perfekt organisiert, spannende Kurzvorträge ergänzen sich hervorragend mit der Möglichkeit, zahlreiche Bloggerinnen in entspannten Gesprächen, flankiert von kulinarischen Verführungen, kennenzulernen.

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Das Nachmittagsprogramm ist wie erwartet sehr vielseitig und inspirierend. Die beiden Themen, welche vertieft angesprochen werden (Bildrechte und Sichtbarkeit/Koorperationen) interessieren mich zwar sehr, dennoch erkenne ich deutlich, wie quer mein eigener Blog zu gängigen Auffassungen steht. Etwas ratlos und verunsichert trete ich meine Heimreise an. Ich freue mich sehr auf die Zugfahrt und meine Familie.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.
Mindestens.

Noch mehr 12 von 12 gibts bei Draussen nur Kännchen.

cheibe choge intensiv

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Die letzten Wochen habe ich gespürt, wie verzahnt das Leben von Eltern ist. Der Gefährte befand sich in der Schlussphase der Planung seiner neuen Band. Und wie das so ist vor Premieren, legte er unglaublich lange, intensive Arbeitstage hin. Mehr noch, er war natürlich auch gedanklich und emotional total eingespannt für sein neues, grosses Projekt. Was für uns „Daheimgebliebene“ hiess: Er war faktisch abwesend.

Da der Gefährte ansonsten ein Vater ist, welcher sehr eng und engagiert mit seinen Kindern und mir zusammenlebt (und tatsächlich auch massenhaft Carearbeit übernimmt; hier bei der grossartigen dasnuf gibts mehr darüber zu lesen), bekam ich während einiger Wochen zu spüren, was für die meisten Mütter der ganz normale Familienalltag ist.

Um es kurz zu machen: Jetzt ist es vorbei, die Premiere ist geschafft, und wir sind alle froh, dass der Alltag wieder einkehrt. Und ich bin dankbar. Weil ich wieder eindrücklich vor Augen geführt bekommen habe, weshalb ich lebe, wie ich lebe. Dass es nichts für mich wäre, mehr oder weniger alleine für den Familienalltag verantwortlich zu sein. Wobei ich persönlich ja überzeugt bin, dass niemand für diese spezielle Form der Einsamkeit innerhalb der Kleinfamilie gemacht ist (hier noch einmal ein interessanter Text über die „Vereinbarkeitslüge“); Homo Sapiens ist schliesslich eine „kooperativ aufziehende Art“.

Weil ich so wahnsinnig stolz bin auf diesen neuen Streich des Gefährten, gibts hier für alle Interessierten den Zeitungsbericht zur grandiosen Premiere der „Cheibe Choge“ zu lesen.

Und weils so lustig ist, gibts noch dieses kleine Schmankerl obendrauf (Der Gefährte hat zufälligerweise am Radio zur besten Sendezeit an der Verlosung von Konzerttickets teilgenommen, ist durchgekommen und hat natürlich die Gelegenheit schamlos ausgenutzt und Werbung für seine Combo gemacht. Und nebenbei die absurdeste Liebeserklärung platziert, welche ich je erhalten habe. Doch hört selbst!):

Und ja, ihr habt richtig gehört! Im Krähenhorst wird gebrütet. Wir freuen uns sehr.

 

dringend vs. wichtig

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Wenn es ruhig wird auf einem Blog, heisst dies ja meist, dass das Leben der Schreibenden gerade umso turbulenter verläuft. So auch hier. Macht Euch keine Sorgen, es ist alles gut. Es sind vor allem innere Vorgänge, welche meine Aufmerksamkeit benötigen und das Schreiben in den Hintergrund treten lässt.

Das Dringende ist nicht immer das Wichtige. Irgendwo in den Weiten des www habe ich diesen Satz aufgefangen. Es ging da wohl um Zeitmanagement, produktives Arbeiten und so. Dass man einen ganzen Tag lang Bürokram erledigen kann, alles furchtbar dringend, eine Mail nach der andern, Telefongespräche, Sitzungen, aber sich keine Zeit nimmt, das grosse Ganze zu sehen, an der Grundstrategie zu arbeiten („kann ich ja auch morgen noch“, „pressiert ja nicht“). Und ich habe mir vorgenommen, dass ich ab sofort verstärkt darauf achten will. Manchmal sind dringende Dinge ja tatsächlich auch wichtig. Aber manchmal sind sie aber eben nur dringend und sollten nicht zuviel Macht über mich bekommen. Umgekehrt ist es noch frappanter: Dinge, Handlungen, Momente, welche ich als essentiell wichtig für mein Leben erachte, können oft gut warten. Und werden so allzu oft von einem Tag auf den nächsten geschoben. Schwupp macht es, und Stunden, Tage, Wochen, Jahre sind um, ohne dass man sich um Wichtiges gekümmert hätte, obwohl man ständig betriebsam rotiert hatte. Eine beängstigende Vorstellung.

Einige Beispiele gefällig?

Die Liebe ist geduldig. Sie ist wohl die offensichtlichste Wichtigkeit, welche sich nie vordrängelt und so tatsächlich vor lauter Alltag vergessen werden kann. Der Gefährte und ich können gut „nebeneinander“. Durch das Aufteilen der Erwerbsarbeit und der Familienzeit mit Kindern und Haushalt geben wir uns oft die Klinke in die Hand. Keinesfalls möchte ich eines fernen Tages aufwachen und spüren, dass wir uns „auseinander gelebt haben“, weil wir diese grosse, wunderbare Wichtigkeit nicht genügend gepflegt haben.

Ich will intensive Tage mit meinen Kindern verbringen, Anteil an ihrem Leben nehmen und ihnen täglich „Highlights“ bescheren (Mit Highlights meine ich übrigens ganz kleine Dinge wie eine unerwartete Kitzel-Kuschel-Runde, eine hervorgezauberte Zvieri-Überraschung, eine besonders ambitioniert erfundene Gutenachtgeschichte usw.). Dennoch ertappe ich mich oft dabei, dass meine Zuhause-Tage mehr meiner zurechtgelegten Pendenzenliste folgen (über weite Strecken der ganze Kram, welcher als „Haushalt“ bezeichnet wird) als dem grandiosen Lebensgefühl meiner Kinder, und meine Motivation im Umgang mit ihnen darin liegt, sie „auf der Spur“ zu halten, damit ich möglichst problemlos alles erledigen kann. Was für ein Fehler!

Neujahrsvorsätze sind übrigens die Klassiker der ewig verschobenen Wichtigkeiten. In den Tagen zwischen den Jahren nehmen wir uns Zeit, über unser Leben nachzudenken und erkennen oft sehr klar, was uns gut tut und wichtig für uns ist. Aber dann kommt der Alltag, und…

Viele Wichtigkeiten sind sehr unspektakulär: Es ist mir beispielsweise wichtig, Zeit alleine mit mir zu verbringen, trotz Kinderchaos dem alten Hund ungeteilte Momente der Aufmerksamkeit schenken zu können, raus in die Natur zu gehen, mir ganz bewusst und ohne Hektik Zeit für eine Tasse Tee, das Anfeuern des Ofens oder das Lesen einiger Buchseiten zu nehmen. Im meinem Haushalt ist gerade ausmisten (noch) wichtiger als putzen und aufräumen. Alles kleine, aber wichtige Tätigkeiten, die allzu oft von den lauten, dringenden Dingen zurückgedrängt werden.

Ich habe mir deshalb eine kleine Erinnerungshilfe gebastelt. Wenn Du dich in meinen Worten wiederfindest und Dir das Blatt gefällt (es gibt sogar zwei Varianten), darfst Du es Dir gerne herunterladen und ausdrucken. Besonders nett sieht es auf etwas festerem, leicht gekörnten Papier aus. Mit Klebeband unprätentiös irgendwo gut sichtbar aufgehängt oder vielleicht sogar schick gerahmt, kann es Dich in den nächsten Tagen und Wochen ebenfalls daran erinnern, Deinen ganz individuellen Wichtigkeiten genügend Raum zuzugestehen.

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Haushalt, gesellschaftliche Verpflichtungen und anderes (ja, auch Blogs!), dürfen schon mal ein bisschen warten lernen.

Habt es fein.

Nebel lichtet sich

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Eigentlich weiss ich es ja: Es gibt nichts Besseres, als mit Kindern das Haus zu verlassen und in die Natur zu gehen. Keine Streitereien, keine Langeweile, kein einander-auf-den-Füssen-rumstehen.

Die letzte Woche hatte ich das aber irgendwie vergessen. Es war mir zu unfreundlich draussen, die Kinder wollten immer bloss auf asphaltierten Wegen radfahren (laaaaaangweilig!) und ich hatte zu wenig Energie, dem etwas entgegenzusetzen. Resultat: Kurze Runden und dann umso länger üble Stimmung zuhause.

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Heute dann raffte ich mich endlich auf und wir erlebten grandiosen Nebel mit einzelnen Sonnenstrahlen. Wunderbar. Zauberhafte Momente. Erholung pur. Freude und Harmonie.

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Die Zaunkönigin entdeckte Federn. Reste einer Drossel, eines Eichelhähers? Für den Frischling wars eindeutig: Archaeopteryx natürlich. Was sonst? Später fand er dann auch noch ein „E“ auf dem Waldboden und war begeistert von unserem heutigen Entdeckerglück.

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Ach, wie ich sie liebe, diese lichten Nebelstimmungen im Herbst. Und wie die Bäume, Tiere und Menschen aus dem Nebel auftauchen, so gewinnen auch meine Überlegungen und Pläne an Kontur. Plötzlich fügt sich so vieles zusammen und wird sichtbar. Alles ist schon immer da gewesen, doch irgendwie habe ich es nicht sehen können. Jetzt zeigt sich alles, zwar noch etwas scheu, aber ganz deutlich im zarten Licht klarer Gedanken. Doch dazu ein andermal mehr.

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Drachen und Prinzessinnen

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Michaeli entspricht meinem drachen- und saurierbegeisterten Jungen. Zwar haben wir das festgelegte Datum Ende September verpasst, uns dann aber spontan entschieden, es ganz frei und auf unsere Art nachzuholen.

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So kneten wir an einem herbstlichen Nachmittag Teig und basteln anschliessend kleine Schnappdrachen aus Papier, während der Teig geht. Je nach Quelle formt man aus dem Teig ein Schwert oder einen Drachen, wir entscheiden uns für drei kleine Einzeltiere. Während der Frischling Gefallen am Schnippeln von Zacken mit der Schere findet, steckt die Zaunkönigin voller Hingabe unzählige Mandelstifte, welche eigentlich nur für die Zähne gedacht waren, in ihr Tier und erschafft so ebenfalls ein veritables Ungeheuer.

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Während sich die Kinder einfach über ihre Ungeheuer freuen, als Drachen verkleidet, fauchend und mit leuchtenden Augen „Angst und Schrecken“ verbreiten und fasziniert einigen Drachengeschichten lauschen, treiben mich selbst Gedanken um. Über innere Drachen, über äussere Drachen. Das Leben ist voll von ihnen. Und von Prinzessinnen.

„(…) vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“

(Rainer Maria Rilke, Zitat aus diesem Brief, aus diesem Kontext)

 

Herbsteln

Ich weiss gar nicht, was ich so anstelle all die Tage. Ich bin immer an etwas dran. Da ein bisschen aufräumen und sortieren, dort ein bisschen Geschichten erzählen und tiefschürfenden Überlegungen eines Vierjährigen lauschen. Toilettengänge begleiten und Wäscheberge in der Bewegung des ewigen Kreislaufs eines Haushaltes halten. Solche Dinge halt. Nichts Aussergewöhnliches. Seit langer Zeit fühlt sich das Ganze aber nicht pausenlos hektisch an, sondern wohltuend überschaubar. Geordnete Bahnen. Fast schon langweilig. Ein seltener und deshalb sehr wohltuender Zustand für mich.

Wer jetzt glaubt, dabei gehe es in Richtung Perfektion, irrt. Vielmehr geniesse ich die wunderbaren Herbsttage. Feuer anzünden und in die Herbstsonne blinzeln, kleine Strickprojekte wagen, abends endlich wieder mal eine Fernsehserie gucken, Treffen mit Freunden realisieren, diese Dinge sind mir definitiv wichtiger als geputzte Fenster und vernichtete Staubmäuse. Hach, Ferien zuhause sind einfach schön.

Krankenschwester {Stolperstein}

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Ein Mückenstich, ein winziger Schnitt, ein abstehendes Hautfetzchen beim Fingernagel: Die Zaunkönigin interessiert sich auffallend stark für kleinste Hautverletzungen. Immer wieder werden solche untersucht und der gesamten Verwandtschaft vorgeführt.

Dann wird von ebendieser mikroskopisch geguckt, gestreichelt, beschwichtigt. Und anschliessend die Prognose gewagt: „Das Mädel wird bestimmt mal Krankenschwester.“

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Das Spezielle an dieser Aussage: Sie ist zweimal, natürlich von verschiedenen Erwachsenen und zu verschiedenen Zeitpunkten, absolut identisch gefallen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, wäre die Zaunkönigin ein Junge, die Folgerung eine andere gewesen wäre: „Der wird bestimmt mal Arzt.“

Wie ich reagiert habe? Lachend berichtigt: „Krankenschwester? Wenn sie dann mag, wird sie Ärztin!“ Aber lustig fand ichs eigentlich nicht.

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Natürlich darf die Zaunkönigin einmal Krankenschwester (Fachfrau Gesundheit) werden, wenn sie das denn möchte. Oder Lebensmittelinspektorin, Kindergärtnerin, Elektrikerin, Spieleprogrammiererin, Floristin, Geografin, Kosmetikerin, Ärztin, Polygrafin, Atomphysikerin, KFZ-Mechanikerin oder was auch immer. Aber sie soll wählen können. Richtig wählen, mit weitem Blick und offenem Herzen.

Was keine Selbstverständlichkeit ist: 75% der jungen Frauen im Kanton Zürich auf Lehrstellensuche im Jahr 2013 verteilten sich auf gerade mal auf 11 Berufe (hier nachzulesen)! Und das hat ganz gewiss nichts mit einem naturgegeben engen Begabungsspektrum zu tun. Genausowenig liegt es an den Mädchen selbst, dass immer noch viel zu wenige selbstbewusst, ehrgeizig und ambitioniert hochgesteckte Berufsziele ins Auge fassen (hier dazu ein sehr spannendes Positionspapier).

Es sind zu weiten Teilen die Signale des (erwachsenen) Umfelds, welche die Entscheide der Jugendlichen massiv beeinflussen. Und zwar nicht erst, wenn es konkret wird mit der Berufswahl. Die Beeinflussung (oder sollte man von Gehirnwäsche sprechen?) beginnt tatsächlich schon bei zweijährigen Kindern. Spätestens.

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12 von 12 (September 2016)

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Heute Nacht hat ein Tier im Wald ganz schrecklich geschrien. Nachhaltig irritiert gilt mein erster bewusster Blick nach dem Aufstehen dem Ort des Grauens. Natürlich ohne irgend einen Erkenntnisgewinn. (Mein Vater meint dann später, das seien bloss harmlose Revierkämpfe von Füchsen. Er muss es wissen.)

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Beim Frühstück gerät die Brut erstmals aneinander. Stein (-bock) des Anstosses ist ein Plüschtier, um welches akut ein doppelter Besitzanspruch entbrennt. Von „…dann bist du nicht mehr meine Schwester!“ bis „Also, ich schlage vor,…“ gibts alles zu hören. Schliesslich einigen sich die beiden darauf, dass der Bock einfach beiden in die Müesli-Schüssel gucken darf. Berühren verboten.

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Anschliessend legt der Frischling „Kleiner Herr Jakob-Bildergeschichten“. Er tüftelt, anschliessend muss ich die Geschichten erzählen.

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Der Hundespaziergang führt uns zum Rebhüsli des Nachbarn. Einmal mehr bin ich überglücklich, dass wir von der Möglichkeit, den Schuleintritt um ein Jahr nach hinten zu schieben, Gebrauch gemacht haben. (In der Schweiz beginnt im Sommer, welcher auf den 4. Geburtstag folgt, die Schulpflicht. Die ersten beiden Jahre heissen hier Kindergarten, sind jedoch obligatorisch und wie die Schule an einen strengen Stundenplan gebunden. Kindergarten in der Schweiz darf nicht mit Kindergarten in Deutschland verwechselt werden!)

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Der Frischling zaubert den Znüni aus seinem Rucksack.

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Bald ist der Mais reif und wird geerntet. Wir lassen die Gelegenheit nicht verstreichen und wählen einen verwunschenen Heimweg. Ich habe Assoziationen an flüchtige Südstaaten-Häftlinge und Vietnam-Kriegsszenen. Die Kinder finden es nur lustig und ein bisschen abenteuerlich. Ihre einzige Sorge ist, ob wir einem Fuchs oder Wolf begegnen könnten.

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Danke liebe Hennen! Genau, heut‘ ist der 12.! (Wir beschriften die Eier immer, damit wir sie später einigermassen chronologisch korrekt aufessen.)

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Während ich auf dem Dachboden Wäsche aufhänge, kocht mir der Frischling eine Torte. Die Zaunkönigin vertieft sich derweil in ihr Buch.

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Irgendwo in der Scheune, welche als Geräteschuppen, Garderobe und Gerümpelkammer dient, versteckt sich eine grosse Kröte. Gestern habe ich sie gesehen, konnte sie aber nicht einfangen. Ich finde das Wissen um ihre Anwesenheit wenig prickelnd. Irgendwann wird sie mich wohl furchtbar erschrecken, wenn sie beispielsweise im Schuhgestell sitzt. Aber was soll man tun…

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Am Nachmittag steht Arbeit an. Ich verlasse Gefährte und Kinder und spaziere mit dem Hund zum Haus meiner Eltern. Dort befindet sich in einem Dachzimmer unser „Büro“, welches der Gefährte und ich zum konzentrierten Arbeiten nutzen dürfen. Ich bereite den ganzen Nachmittag vor (Kunstgeschichte: Venusdarstellungen, Unterrichtsplanung, Photoshopaufträge, Mails) und bekämpfe Prokrastinations-Gelüste. Ein einziges Bild für einen ganzen Nachmittag. Ein bisschen frustrierend. Aber auch gemütlich.

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Nach dem Nachtessen fahre ich in die Schule. Elternabend. Nicht nur für Eltern (man liest ja so einiges in den einschlägigen Blogs) ein wenig geliebter Termin. Aber was sein muss, muss sein. Und ist schliesslich doch ganz ok. Nach 22 Uhr bin ich wieder zuhause.

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Zu guter Letzt beschliesse den Tag mit einer Extraportion Kalorien. Muss manchmal einfach sein.

 

Mehr 12 von 12 gibts wie immer hier.