bald Erinnerung

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Sosehr ich den Platz hinter der Kamera schätze und jenen vor ihr meide, so wichtig war es mir dennoch, wenigstens ein Bild meines schwangeren Ichs zur Erinnerung an diese besondere Zeit zu besitzen. Also packte ich heute die Kamera ein, als wir uns aufmachten zu einem Streifzug durch die Natur.

Wir fanden das geheime Tal des Bärlauchs (was für ein Duft!), Baumperlen, eine Ameisenstrasse und einen rätselhaften roten Stein (Ziegel? Lava?). Müde, aber gleichzeitig erholt und mit vielen Fotos im Gepäck kehrten wir nach Hause zurück.

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Herbsteln

Ich weiss gar nicht, was ich so anstelle all die Tage. Ich bin immer an etwas dran. Da ein bisschen aufräumen und sortieren, dort ein bisschen Geschichten erzählen und tiefschürfenden Überlegungen eines Vierjährigen lauschen. Toilettengänge begleiten und Wäscheberge in der Bewegung des ewigen Kreislaufs eines Haushaltes halten. Solche Dinge halt. Nichts Aussergewöhnliches. Seit langer Zeit fühlt sich das Ganze aber nicht pausenlos hektisch an, sondern wohltuend überschaubar. Geordnete Bahnen. Fast schon langweilig. Ein seltener und deshalb sehr wohltuender Zustand für mich.

Wer jetzt glaubt, dabei gehe es in Richtung Perfektion, irrt. Vielmehr geniesse ich die wunderbaren Herbsttage. Feuer anzünden und in die Herbstsonne blinzeln, kleine Strickprojekte wagen, abends endlich wieder mal eine Fernsehserie gucken, Treffen mit Freunden realisieren, diese Dinge sind mir definitiv wichtiger als geputzte Fenster und vernichtete Staubmäuse. Hach, Ferien zuhause sind einfach schön.

12 von 12 (September 2016)

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Heute Nacht hat ein Tier im Wald ganz schrecklich geschrien. Nachhaltig irritiert gilt mein erster bewusster Blick nach dem Aufstehen dem Ort des Grauens. Natürlich ohne irgend einen Erkenntnisgewinn. (Mein Vater meint dann später, das seien bloss harmlose Revierkämpfe von Füchsen. Er muss es wissen.)

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Beim Frühstück gerät die Brut erstmals aneinander. Stein (-bock) des Anstosses ist ein Plüschtier, um welches akut ein doppelter Besitzanspruch entbrennt. Von „…dann bist du nicht mehr meine Schwester!“ bis „Also, ich schlage vor,…“ gibts alles zu hören. Schliesslich einigen sich die beiden darauf, dass der Bock einfach beiden in die Müesli-Schüssel gucken darf. Berühren verboten.

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Anschliessend legt der Frischling „Kleiner Herr Jakob-Bildergeschichten“. Er tüftelt, anschliessend muss ich die Geschichten erzählen.

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Der Hundespaziergang führt uns zum Rebhüsli des Nachbarn. Einmal mehr bin ich überglücklich, dass wir von der Möglichkeit, den Schuleintritt um ein Jahr nach hinten zu schieben, Gebrauch gemacht haben. (In der Schweiz beginnt im Sommer, welcher auf den 4. Geburtstag folgt, die Schulpflicht. Die ersten beiden Jahre heissen hier Kindergarten, sind jedoch obligatorisch und wie die Schule an einen strengen Stundenplan gebunden. Kindergarten in der Schweiz darf nicht mit Kindergarten in Deutschland verwechselt werden!)

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Der Frischling zaubert den Znüni aus seinem Rucksack.

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Bald ist der Mais reif und wird geerntet. Wir lassen die Gelegenheit nicht verstreichen und wählen einen verwunschenen Heimweg. Ich habe Assoziationen an flüchtige Südstaaten-Häftlinge und Vietnam-Kriegsszenen. Die Kinder finden es nur lustig und ein bisschen abenteuerlich. Ihre einzige Sorge ist, ob wir einem Fuchs oder Wolf begegnen könnten.

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Danke liebe Hennen! Genau, heut‘ ist der 12.! (Wir beschriften die Eier immer, damit wir sie später einigermassen chronologisch korrekt aufessen.)

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Während ich auf dem Dachboden Wäsche aufhänge, kocht mir der Frischling eine Torte. Die Zaunkönigin vertieft sich derweil in ihr Buch.

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Irgendwo in der Scheune, welche als Geräteschuppen, Garderobe und Gerümpelkammer dient, versteckt sich eine grosse Kröte. Gestern habe ich sie gesehen, konnte sie aber nicht einfangen. Ich finde das Wissen um ihre Anwesenheit wenig prickelnd. Irgendwann wird sie mich wohl furchtbar erschrecken, wenn sie beispielsweise im Schuhgestell sitzt. Aber was soll man tun…

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Am Nachmittag steht Arbeit an. Ich verlasse Gefährte und Kinder und spaziere mit dem Hund zum Haus meiner Eltern. Dort befindet sich in einem Dachzimmer unser „Büro“, welches der Gefährte und ich zum konzentrierten Arbeiten nutzen dürfen. Ich bereite den ganzen Nachmittag vor (Kunstgeschichte: Venusdarstellungen, Unterrichtsplanung, Photoshopaufträge, Mails) und bekämpfe Prokrastinations-Gelüste. Ein einziges Bild für einen ganzen Nachmittag. Ein bisschen frustrierend. Aber auch gemütlich.

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Nach dem Nachtessen fahre ich in die Schule. Elternabend. Nicht nur für Eltern (man liest ja so einiges in den einschlägigen Blogs) ein wenig geliebter Termin. Aber was sein muss, muss sein. Und ist schliesslich doch ganz ok. Nach 22 Uhr bin ich wieder zuhause.

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Zu guter Letzt beschliesse den Tag mit einer Extraportion Kalorien. Muss manchmal einfach sein.

 

Mehr 12 von 12 gibts wie immer hier.

Frau Krähe macht auf Phönix

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Die einen Leserinnen und Leser freuen sich, die anderen sind irritiert. Bei allen möchte ich mich für das Durcheinander entschuldigen.

Die Sache ist die: Ich habe einige Jahre frischfröhlich und ziemlich ziellos als „Frau Krähe“ gebloggt (bei Blogger). Mit meinem Artgerecht-Engagement (Siehe Reiter oben rechts auf dieser Website) wollte ich jedoch einen sauberen Neuanfang machen. „Mein Clan“ wurde geboren (diesmal bei WordPress). Schnell merkte ich jedoch, dass mich das Format nicht glücklich machte. Mein persönliches Schreiben wurde gehemmt, ständig war ich mir nicht sicher, ob beispielsweise eine Berichterstattung aus dem Hühnerstall, ein Gedanke über Dies oder Jenes jetzt Platz hätte in diesem neuen, „professionelleren“ Blog. Und ich merkte je länger je mehr, dass ich über diese kleinen Dinge schreiben wollte. Über meinen Alltag, über meine Erlebnisse. Auch wenn sie nicht direkt etwas mit dem Artgerecht-Projekt zu tun hatten.

Ich vermisste meine vertraute und liebgewonnene „Internet-Identität“, und den Kommentaren zu schliessen, wohl einige meiner Leserinnen auch. So importierte ich irgendwann den ganzen „Frau-Krähe“-Blog hinüber zu „Mein Clan“. Und da das hier jetzt faktisch wieder Frau Krähe ist (neu bei WordPress und deshalb in etwas neuem Gewand), heisst diese Website/dieser Blog jetzt auch wieder Frau Krähe. Eigentlich alles ganz einfach.

Entfernt also bitte „Mein Clan“ aus eurer Lesezeichenliste oder eurem Blogroll und vor allem aus euren Gedanken. Aber kommt doch mit zu Frau Krähe. Begleitet mich. Inspiriert mich. Überrascht mich. Ich bin gespannt auf alles Kommende.

Natürlich freue ich mich auch sonst immer sehr über jeden Kommentar. Doch heute gilt es ganz besonders: Bitte zögert nicht! Das ganze Gewurstel und diese Entscheidereien lassen mich etwas konfus zurück. Euch hier zu wissen (gerade die „alten“ Krähenfreundinnen, gerne aber auch die herzlich willkommenen NeuleserInnen), wäre mir eine grosse Beruhigung und Freude.

Bild von Pixabay. Danke.

Zwei

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Liebe Zaunkönigin

Ich hatte damals keine Ahnung, wie sehr dein Blogname zu dir passt:
Klein und dennoch wahnsinnig laut bist du. Vor allem wenn du singst.
Du bist ein wunderbar klarer Mensch. Seit deinem ersten Atemzug schon.
Was für ein Glück.

Der Geburtstag der Zaunkönigin ist schon ein Weilchen her und genau in die Blogumstellungs-Phase gefallen. Jetzt, wo das weitere Vorgehen sich langsam abzeichnet, darf dieses Ereignis aber nicht fehlen.

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Erstmals hat sich der Frischling bei der Kuhtränke komplett aus den Kleidern geschält und umständlich ein Bad geplant. Es blieb bei nassen Zehen. Aber das ist schliesslich ein Anfang.

Die Zaunkönigin vergnügte sich derweil mit dem Wasserstrahl.

Der Sommer wird gross, ich spüre es.

12 von 12

Einmal habe ich bisher rechtzeitig daran gedacht, mitzutun bei den 12 von 12. Dass es heute wieder einmal soweit ist, entspringt nicht einem Neujahrsvorsatz, sondern schlicht meiner aktuellen Merkfähigkeit. So dürft ihr mich heute also begleiten.

Der heutige Plan: Morgens arbeite ich für die Schule. Ich muss zwingend zwei Berichte fertigschreiben und den morgigen Tag vorbereiten. Derweil vergnügen sich die Kinder mit dem Gefährten, bewegen sich und den Hund und zaubern ein leckeres Mittagessen auf den Tisch. Am Nachmittag fährt dann der Gefährte zur Arbeit, und ich bringe den Jungen für zwei Stunden in die Waldspielgruppe, geniesse das Mädchen und widme mich ein bisschen dem Haushalt. Abendessen wieder gemeinsam, anschliessend normaler Abendwahnsinn.

Die Realität sind aber mal wieder ganz anders aus:

Vor sechs werden alle wach: leichter Pseudo-Krupp-Anfall des Frischlings. Frischling beruhigen, Mädchen stillen. Er steht mit mir auf, das Mädchen und der kranke Gefährte schlafen nochmals ein.

Ich kann ein bisschen arbeiten. Aber bald setzt sich der Junge zu mir und deckt mich ungefragt mit morgendlichen Alltagsphilosophien ein. An ein Weiterschreiben ist nicht zu denken. Ich überlasse ihm den Elektrokram.

 1. Frühstück um 07.00 mit dem Frischling, 2. Frühstück um 09.30 mit der Zaunkönigin.

Damit der fiebernde Gefährte noch ein bisschen schlafen kann, mache ich mit den Kindern einen Ausflug zum Drogeriemarkt.

Verlegenheitszmittag. Da bei uns ja der Gefährte kocht, heute dazu aber nicht in der Lage ist, muss ich mein Glück versuchen. Es gibt improvisierte Pizza. Sie schmeckt scheusslich.

 Auf zur Waldspielgruppe!

Während der Frischling mit seinen Kameradinnen und Kameraden durch den Wald tobt, darf ich ganz kurzfristig die Zaunkönigin und den Hund meinen Eltern anvertrauen. So kann ich wenigstens die Berichte fertig schreiben.

 An den Tieren geht das nasskalte Wetter auch nicht spurlos vorbei. Miese Laune überall.

 Beim Einsammeln der Familie werde ich dafür mit einem imposanten Weitblick beschenkt.

Imposant auch des Frischlings ganzer Stolz: Ein echtes Schnitzmesser! Seit Weihnachten in Hosentaschen oder zur Not direkt in den Strumpfhosen getragen, ist er seit gestern stolzer Besitzer eines massgeschneiderten und handgenähten Lederholsters. Danke lieber Neni!

Die Kinder schlafen früh ein, der Junge kränkelt jedoch und wacht immer wieder auf. Während ich die beiden Kinder in den Schlaf begleite, überlege ich mir, was ich morgen in der Schule genau zu tun gedenke.

Anschliessend räume ich noch ein bisschen auf, kontrolliere den Hühnerschieber, lege Holz nach, drucke Arbeitsblätter aus und notiere mir, was ich morgen keinesfalls vergessen darf. Und schliesslich schreibe ich noch diesen Post. Und jetzt: Gute Nacht.

Vier Jahre

Um 22:23
trage ich noch immer beide Eheringe am Finger.

Doch alles der Reihe nach:

Um 11:42
meckere ich wegen irgendeiner Kleinigkeit den Gefährten an, als mein Schwager mit Hotdog und Kebab für sich und den Frischling das Haus betritt. Er begrüsst mich mit den Worten: Happy Hochzeitstag! Während ich mir an die Stirn schlage und der Gefährte mir 15 min. Aufhübsch-Programm zugesteht, trudelt mein Vater ein, der die Zaunkönigin und den Hund „entführt“.

Um 12:16
bestellen in unserm Lieblingsrestaurant ein Festtags-Mittagessen. Was wünschen wir uns fürs nächste Ehejahr? Je ruhiger desto besser, sind wir uns einig.

Um 14:36
verabschieden wir uns flüchtig. Der Gefährte will noch arbeiten, ich bleibe derweil mit den Kindern zuhause.

Um 14:39
erreicht mich der verstörende Anruf (Freisprechanlage) des verängstigten Gefährten. Er fährt im Auto, spürt eine Körperhälfte kaum mehr, kann die Bewegungen nicht kontrolliert ausführen. Ist das ein Herzinfarkt? Beinahe panisch vor Angst und kurz vor dem Zusammenklappen erreicht er nach einer unverantwortlichen Autofahrt die Praxis seines Kardiologen, schleppt sich auf allen vieren über den Parkplatz und durchs Treppenhaus. Ich kriege am Telefon mit, wie ihm die MPA zu Hilfe eilt. Sie nimmt das Telefon an sich. Wir vereinbaren einen Rückruf in wenigen Minuten.

Um 15:20
fahren wir los Richtung Kantonsspital.

Um 16:19
wird ein MRI gemacht, so kann ein Blutgerinnsel im Hirn (Schlaganfall) ausgeschlossen werden. Bald darauf folgt die Entwarnung: Alles unauffällig, es handelte sich demnach wohl um eine heftige Migräneattacke.

Um 21:26
schlafen Gefährte, Frischling und Zaunkönigin aneinandergekuschelt im grossen Bett.

*

So war das also heute. Ich bin dankbar (ja, Ulma, er ist so wahr, dein Kommentar zu meinem letzten Post). Und etwas erschöpft. So hätte ich mir den Tag nicht gewünscht. Aber er hat mich ganz tief spüren lassen, was und wer mir wichtig ist in meinem Leben. Und das ist eigentlich nicht schlecht und hat ganz gut zum Datum gepasst.

Und morgen kriegt der Gefährte seinen zweiten Ehering (mehr dazu hier) zurück, welchen er fürs MRI ablegen musste.

Tunika

Das Schnittmuster um 20 cm verlängert, die Knöpfe angenäht und wieder abgeschnitten, den Halsschlitz zur Hälfte wieder zusammengenäht. Ansonsten habe ich mich brav an die Anleitung gehalten. Diese stammt aus „Nähen im japanischen Stil“ von Shufu To Seikatsu Sha.

Et voilà.

Bringsel

Der Sanitätshund wird von seinem Hundeführer in ein Waldstück (120x400m, rund 50’000qm) geschickt, um dort systematisch nach verletzten Personen und Gegenständen (Rucksack) zu suchen. Findet der Hund das Gesuchte, nimmt er den eigens dafür vorgesehenen Bringsel in den Fang, welcher ihm ans Halsband gehängt wurde. Kehrt er also auf diese Weise zum HF zurück, weiss dieser, dass der Hund mit seiner Suche erfolgreich war. Mit dem Kommando „Zeige!“ schickt er ihn erneut in den Wald, folgt ihm diesmal und rettet die Person resp. birgt den Gegenstand.

Der Bringsel und die wunderbare Arbeit des „Sanitätelns“ ist mir wieder eingefallen, als ich von Sabine mit ihrem Blog fadenvogel ein Stöckchen erhalten habe. Die Freude ist fast so gross, wie wenn nach dem leicht bangen Warten auf der Mittellinie und dem Starren in das gründämmrige Walddunkel („Was macht der Kerl so lange da draussen?“) der Hund mit dem Bringsel im Maul durch das Unterholz herangaloppiert kam. Und Stöckchen oder Bringsel; das ist ja fast einerlei… Mein Hund sah das übrigens auch nie so eng. Einmal hat er mir während einer Prüfung statt des Bringsels die Brille einer „verletzten“ Person gebracht… Die Fundanzeige war auf jeden Fall eindeutig…

(Ich weiss natürlich, dass ich das Bild mit dem fliegenden Hund bereits bei anderer Gelegenheit schon mal veröffentlicht habe. Aber es musste hier einfach noch einmal mit rein.)

Hier sind nun also meine Antworten zu den Fragen meines allerersten erhaltenen Stöckchens (von wegen „post-Stöckchen!, liebe Sabine):

Warum bloggst du?
Ich hatte immer wieder das Gefühl, nix rechtes zustande zu bringen. Die Zeit zerrinnt und ich dümple so vor mich hin mit tausend Ideen im Kopf, ohne je etwas umzusetzen. Der Blog sollte so eine Art Portfolio von eigenen Realisationen werden. Damit ich, wann immer sich dieses miese Gefühl wieder anschleicht, einfach ein bisschen durch meinen eigenen Blog surfen kann, der mir dann vor Augen hält, dass ich schon dann und wann mehr schaffe als den täglichen Routinekram. Und ich wollte schreiben üben. Niederschwellig und doch verbindlich. Ein Blog schien mir da das richtige Medium zu sein.

Gibt es einen Anlass, der zum ersten Blogpost geführt hat, eine Geschichte, die ich mit ihm verbinde?
Nö. Irgendwann waren Mut und Lust und eine Prise Wahnsinn einfach genügend gross.

Gibst du deine Texte vor der Veröffentlichung noch jemandem zu lesen?
Nein. Aber sie entstehen meistens sehr langsam. Die Themen entwickeln sich im Kopf, beschäftigen mich tage-, manchmal wochenlang. Auch fürs Schreiben lasse ich mir viel Zeit und überarbeite das Ganze mehrmals. Das reicht mir dann.

Wie sieht das Zusammenspiel zwischen deinem Blog und deinen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken aus?
Ich bewege mich nicht in virtuellen sozialen Netzwerken. Meine sozialen Netzwerke sind physischer Natur. Und dort ist mein Blog ganz bewusst kein Thema. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen, die mich entfernt kennen, meinen Blog lesen. Das wäre mir zu persönlich und zu einseitig. Dass der Gefährte, meine Eltern und meine Freundin dies tun, freut mich hingegen sehr und zwingt mich zur ständigen Überprüfung meiner Authentizität in meinen Posts. Ich würde mich vor diesen vier Leuten schämen, wenn sie mich in den Posts nicht wiedererkennen würden. Und ich hoffe und gehe davon aus, dass sie sich auch umgehend meldeten, sollte dies geschehen.

Hast du einen festen Kreis an Leserinnen und Lesern und kennst diese?
Die bloglovin-Statistik zählt ja meine „Follower“, insofern besteht eine feste Leserschaft, auch Blogger zählt ja die Aufrufe jedes Posts, was einen Rückschluss auf regelemässige Leserinnen zulässt. Der Kreis ist winzigklein, was ich aber ganz schön finde. Noch kleiner ist die Anzahl der regelmässigen Kommentatorinnen. Einige dieser Bloggerinnen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aber kenne ich sie? Ihren virtuellen Abdruck vielleicht, sie selber nicht. Das ist irgendwie schade, aber auch ganz ok. Denn: Auch wenn man sich nie real getroffen hat, ist mir manche Leserin bisweilen näher als die Mitmenschen vor Ort. Es braucht nicht überall alles.

Gibt es ein Thema oder ein Anliegen, das dir besonders am Herzen liegt und das du mit deinem Blog verfolgst?
Mein Blog ist ein Ego-Blog, welcher ursprünglich von mir für mich gegründet wurde (Siehe oben). Ich war selber gespannt, welche Themen und welche Gewichtung sich herauskristallisieren werden. Im Blog finden sich relativ viele Posts, welche meinem Verhältnis zur Tier- und Pflanzenwelt nachspüren. Dann noch Kinderzeugs und Werkelresultate. Dann und wann wird der Bereich der Gestaltung gestreift. Und manchmal auch irgend etwas anderes, was gerade unter den Nägeln brennt. Das sind aber nicht unbedingt meine Lebensthemen. Ich berichte kaum über meine Arbeit, die mir aber sehr lieb und wichtig ist. Ich berichte nicht über Probleme und Ärger. Dies nicht, weil ich mein Leben beschönigen möchte, sondern weil es mir vollkommen reicht, mich „in echt“ aufzuregen, auszuflippen, ausfällig und ungerecht zu sein. Das alles gehört nicht ins öffentliche, nie mehr vergessende Netz. Wie die liebe d. so schön sagte nach einem langen Telefongespräch: „Wie schade, dass du darüber nicht schreiben kannst in deinem Blog, das wäre mal was Spannendes…“ Mein Blog hat halt auch kein richtiges Thema definiert. Er ist kein Mamablog, kein DIY-Blog und auch kein Fotoblog. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er für Leserinnen nicht besonders attraktiv ist. Für mich selbst jedoch schon. Er ist wie eine kleine Schatzkiste auf dem Dachboden, wo Erinnerungen ihren Platz finden und sich zu einer eigenen Ordnung zusammenfügen. Ich bin aber gespannt, ob sich das irgendwann ändert und ich zu „meinem“ Thema finde.

Wo schreibst du deine Texte?
Daheim. Stehend mit schlafendem Kind im Tragetuch oder im Bett sitzend zu nächtlicher Stunde mit Schläferin und Schläfern um mich herum.

Wie vernetzt du dich mit anderen Bloggerinnen und Bloggern?
Am liebsten per analoger Post. Aber auch per Mail und mit Kommentaren. Es reicht mir zu wissen, dass es „da draussen“ ähnlich denkende Menschen wie mich gibt. Mehr Vernetzung ist (im Moment) nicht nötig.

Was war das aufregendste Erlebnis, das du mit deinem Blog verbindest?
Durch Blogs findet ein Austausch statt, der sonst nicht möglich wäre. Es berührt mich immer ausserordentlich, wenn das Virtuelle Gestalt annimmt: Postkarten im Briefkasten, ein zugeschicktes Bild, welches ich bis in alle Ewigkeit mit der Geburt meines Mädchens verbinden werde und liebe Worte von Leserinnen der Kommentarfunktion. Obwohl ich sie bei der Bloggründung nicht eingeplant hatte, bereichern sie heute mein Leben sehr.

Was war dein Medium, bevor du anfingst zu bloggen?
Tausend Skizzenbücher, von welchen jeweils nur drei Seiten beschrieben wurden. To-Do und To-Want-Listen. An Freunde und Verwandte verschickte Büchlein mit eigenen Texten und Bildern.  Kisten voller Material (Wolle, Farben, Giesston,…) und angefangener und auf halber Strecke aufgegebener Projekte. Endlose Gespräche mit dem Gefährten, der Freundin, der Familie, dem Hund und mir selbst.

Meinst du, dass es deinen Blog auch in fünf Jahren noch geben wird? Und wenn nicht, was sonst?
Ich staune, dass es ihn nach anderthalb Jahren immer noch gibt.

So, dieser Bringsel hat ja einiges an Arbeit mit sich gebracht. Wie das halt immer so geht, wenn man sich ans Bergen von Aufgespürtem macht. Genug aufgeräumt im Wald für heute, ich werfe den Bringsel resp. das Stöckchen hoch in die Luft. Soll ihn/es auffangen, wer mag.

Hier meine Fragen (deren Antworten mich echt interessieren. Bitte lasst es mich wissen, solltet ihr einige bereithalten):

1. Bist du ein ehrlicher Blogger?
2. Welchen Nutzen hat dein Blog?
3. Worin bist du unersetzbar?
4. Grüsst du schon mal einen Baum?
5. Fürchtest du dich im Dunkeln und wenn ja, weshalb?
6. Beatles oder Rolling Stones?
7. Wird Erziehung überschätzt?
8. Was geschieht mit deinen digitalen Fotos?
9. Sprichst du mit deinem Computer?
10. Willst du sonst noch etwas sagen?

(fadenvogels Klammeranmerkung, dass bei mir das Kommentieren nicht möglich sei, hat mich einigermassen schockiert und natürlich sofort zum Handeln aufgefordert. Ich habe einige Anpassungen gemacht und hoffe, ab sofort wird wie wild kommentiert hier bei mir…)