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Das kleinste Krähenkind ist gut gelandet in unserer Familie. Trotz drittem Kind fühle ich mich aber nicht als „alter Hase“, was mein Muttersein anbelangt. Natürlich, ich bin gelassener geworden, vieles läuft routinierter ab. Dennoch ist der kleine Junge, man merkt es schon jetzt, noch einmal ein ganz unvergleichlich anderes Kind als seine Geschwister. Mit eigenen Vorlieben, eigenen Rhythmen, einer eigenen Temperaments- und Gefühlslage. Und all das gilt es kennenzulernen. Neugierig und vorurteilsfrei ohne ständigen „Vergleichsblick“ zu den älteren Geschwistern.

Bereits ist das Kind drei Wochen alt, und die frühe Wochenbettzeit ist damit definitiv abgeschlossen. Die grösste Herausforderung sind aber weder das kleinste Kind noch meine eigene Regeneration, sondern die grossen Geschwisterkinder. Gewiss spielt das Neusortieren des Familiengefüges eine Rolle, das ist ganz normal und braucht Zeit. Aber auch die einfache Tatsache, dass hier jetzt drei unterschiedlich alte Kinder leben (5 Jahre/knapp 3 Jahre/3 Wochen), welche keine Einrichtungen besuchen und sich weitgehendst alle ständig hier aufhalten, erweist sich als happige Aufgabe. Alle drei haben unterschiedliche Bedürfnisse. Da will gekuschelt und gekämpft, gebastelt, geschnippelt und erzählt werden. Es gilt Hunger zu stillen und in den Schlaf zu singen. Da wird gestritten und geweint, gebaut und zerstört. Wir halten uns im Haus auf und werkeln draussen herum, kriegen Besuch und werden eingeladen. Kurz: Es ist immer was los.

Ich bin reich beschenkt und fühle mich sehr gesegnet, habe eine unsägliche Freude an meinen wilden, lauten, grandiosen Kindern. Aber ich erkenne, dass ich in den kleinen Zeitfenstern, welche mir das kleinste Kind zwischen Still-, Trage- und Pflegepausen lässt, für die beiden Grossen zu Verfügung stehen möchte. Oder mir selbst und dem Gefährten Aufmerksamkeit schenken will. Oder auch dem Haushalt. Tatsächlich.

Das Blogschreiben wird deshalb ganz bewusst gestrichen für die nächste Zeit. Denn nichts stresst mehr als die leise Stimme im Hinterkopf, welche ständig von liegengebliebenen Aufgaben flüstert, während man eh schon nicht mehr weiss wohin mit sich.

Aber natürlich gilt nach wie vor: Instagram geht immer.

Habt es fein. Bis bald. Ich komme wieder, keine Frage!

Zähneputzen und bedürfnisorientierte Elternschaft, Teil 2

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Facebook verrät es, das Zähneputzen ist in vielen Familien ein verhasst-gefürchteter Moment des Tagesablaufs. Das geht so weit, dass die einen Eltern schliesslich mehr oder weniger verzweifelt und in Sorge um die Zahngesundheit ihrer Kinder über Wochen und Monate täglich auf die äusserst gewaltvolle Technik „Schraubstock“ zurückgreifen, während andere zumindest vorübergehend ganz darauf verzichten, die Zähne der Kinder zu pflegen. Zwischen diesen beiden für mich untragbaren Extremen wird befohlen, gelobt, manipuliert, bestraft, abgelenkt und anderes mehr.

Meine Kinder stehen zwar nicht Schlange, wenn es ums Zähneputzen geht, es gibt schliesslich abends immer noch so viel Wichtigeres zu tun (spielen!!!), aber sie begegnen dem Prozedere normalerweise ganz entspannt. Eines Tages habe ich aber festgestellt, dass ich sie trotzdem mit meiner freien Hand jeweils am Oberarm festhalte. Nicht direkt grob, aber doch eigentlich ziemlich lieblos. Neugierig habe ich daraufhin während einigen Tagen experimentiert: meine Hand beim Zähneputzen ganz weggelassen, die Handfläche dem Kind auf den Rücken zwischen die Schulterblätter gelegt, mit der freien Hand seinen Kopf gestreichelt, den Rücken zart gekrault, seine Hand gehalten und anderes mehr. Die Unterschiede waren frappant! Tatsächlich halte ich meine Kinder heute nicht mehr am Arm fest, wenn ich ihre Zähne putze. Ich habe eine für uns viel schönere Lösung gefunden.

Nicht selten sind es solch kleine Unachtsamkeiten, welche bei unseren Kindern Unwohlsein und schliesslich Widerstand auslösen. Und ehe man sich versieht, befindet man sich in Abwärtsspiralen, welche in vermeintlichen Machtkämpfen enden, obwohl dies eigentlich gar nie die Absicht des beteiligten Kindes war.* Ich kenne solch heikle Momente vom Haarewaschen, vom Auszieh- und Ankleideprozedere, vom Händewaschen, vom Anschnallen im Auto und vielen anderen alltäglichen Situationen. Sehr oft sind es solche kleinen „Benutzerfehler“, welche sich im Zusammenleben zu handfesten Problemen auswachsen: eine grobe, unsensible Wortwahl, zu viele oder zu unklare Anweisungen, ungenaues Zuhören, reflexartig hervorbrechende Erziehungsmuster und anderes mehr.**

Ja, ich bleibe dabei, es ist nicht damit getan, die „offiziellen AP-Themen“ abzuarbeiten. AP findet in unserem gesamten Alltag statt, in jeder Minute. Natürlich, kein Kind leidet schwer, wenn es beim Zähneputzen am Arm festgehalten wird. Aber wenn wir Lust dazu haben, können wir unsere ganz banalen Alltagshandlungen in verspielter Neugier beobachten und uns überlegen, ob wir sie tatsächlich schon als günstige Gelegenheit nutzen, dem Kind unsere Liebe, Fürsorge, Gleichwürdigkeit, Empathie, etc. zu vermitteln. Denn schliesslich zählen Taten mehr als alle Worte. Darüber, dass mir täglich noch unzählige zu schnelle, laute, unsensible Worte oder Handgriffe unterlaufen, lasse ich mir keine grauen Haare wachsen (die entstehen souverän ganz ohne mein Zutun). Aber ich freue mich immer, wenn ich Routinesituation im Alltag für uns alle verschönern kann.

Deshalb ist AP auch nicht abgeschlossen, wenn aus dem Baby ein Kleinkind wird. Auch der Teenager hat AP verdient. Und auch dem Partner, der Arbeitskollegin, den eigenen Eltern und dem Meerschweinchen darf bedürfnisorientiert begegnet werden. Und vor allem natürlich immer auch sich selbst.

*Ein ganz ähnliches Phänomen kenne ich aus meiner Zeit mit dem Hund. Viele Hunde reagieren auf Heranrufen zögerlich. Viele Hundehalter beugen sich beim Anleinen oft, physiologisch bedingt, auffällig stark über den Hund, was für diesen sehr bedrohlich und unangenehm ist. Wenn dann noch unsensibel am Halsband herumgezerrt wird, ist auf ein konstant freudiges Herangaloppieren auf Zuruf bald nicht mehr zu denken. Was dann als Ungehorsam tituliert wird, ist oft nur allzu verständliches Meideverhalten. Das ist sehr schade, gehört doch ein guter, zuverlässiger Appell zu den Kernkompetenzen jedes Mensch-Hund-Teams und ist für die effektive Sicherheit des Tieres und das Sicherheitsgefühl von Drittpersonen essentiell. Wer die Freude hat, mit einem Hund zusammenzuleben, soll ihn doch zwischendurch beim Anleinen genau beobachten. Blinzelt, gähnt oder leckt er sich die Nase? Dreht er den Kopf weg? Das sind deutliche Anzeichen dafür, dass ihm die Situation Unbehagen bereitet. Könnte man sich vielleicht angewöhnen, zum Anleinen in die Hocke zu gehen, um ihm das Prozedere ein bisschen angenehmer zu gestalten? Ihn zudem regelmässig heranzurufen ohne ihn anschliessend anzuleinen, und dann und wann ’ne Belohnung bei fixer Ausführung springen zu lassen, kann ich übrigens auch sehr empfehlen. Ein bisschen Dressur (oder auch Manipulation) liegt bei Hunden meines Erachtens drin, vor allem, wenn sie den Glücks-Level aller Beteiligten anhebt…

**Es geht bei AP nicht um das Ziel, ein problemloses, gehorsames Kind zu erhalten. AP ist keine Erziehungsmassnahme. Wenn ein Mensch sich aber wahrgenommen und verstanden fühlt, funktioniert das Zusammenleben oftmals einfach besser, als wenn einzelne Beteiligte ständig um ihre Integrität kämpfen müssen.

Zähneputzen und bedürfnisorientierte Elternschaft, Teil 1

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Attachment Parenting (AP) wird mit „bedürfnisorientierter Elternschaft“ übersetzt. AP gründet auf den Erkenntnissen der Bindungsforschung. Bekannt geworden ist AP vor allem in Bezug auf die Themen Stillen, Tragen, Co-Sleeping und Elimination Communication.

Ich putze die Zähne meiner Kinder im Sinne von AP. Meine Kinder essen über weite Strecken bedürfnisorientiert. Meine Kinder bewegen sich draussen auf dem Spaziergang bedürfnisorientiert fort. „Wie bitte??????? Was soll denn da noch alles zum Pflichtkatalog hinzukommen? Reicht es denn nicht langsam? Das ist ja alles furchtbar aufwendig, nö du, dann lass ich das lieber ganz bleiben, ist wohl nix für mich, mein Leben ist eh schon kompliziert genug.“

Tatsächlich lese ich immer wieder, wie die „AP-Themenfelder“ ausgebaut werden. So wird plötzlich beispielsweise die Wahl eines Kindersitzes fürs Auto eine „AP-Frage“. Wie schon andere vor mir halte ich diese Entwicklung für problematisch. Denn sie stilisiert AP zu einer komplizierten Wissenschaft hoch, zu welcher dann nur mehr eine mehr oder weniger „extreme Exklusivgruppe“ Zugang findet und vermischt zudem Aspekte, welche faktisch nicht zusammengehören. Und AP gehört doch unters Volk! Denn von dem Wissen, welches zu AP geführt hat (oder besser vor knapp 100 Jahren von AP weggeführt hat), sollten alle Kinder und ihre Familien profitieren dürfen. AP ist nicht kompliziert, im Gegenteil! Bedürfnisorientierte Elternschaft ist eigentlich ganz einfach.

Ich möchte in diesem Post nicht erklären, was AP ist, das wird und wurde an anderer Stelle und von anderen Leuten bereits umfassend gemacht. (Immer wieder gerne empfehle ich in diesem Zusammenhang den wunderbaren geborgen-wachsen-Blog von Susanne Mierau). Hier ganz kurz: Attachment Parenting leitet sich aus der Bindungsforschung ab und bedeutet im weitesten Sinne, dass Bedürfnisse eines Babys wahrgenommen, respektiert und erfüllt werden. Ebenso wie die Bedürfnisse der beteiligten Erwachsenen, welche aber eher dann und wann etwas Aufschub aushalten können. Dies ist wichtig, weil genau dieses Stillen von Bedürfnissen eine sichere Bindung ermöglicht, was von grosser Bedeutung ist (Stichwort „Urvertrauen“). Bedürfnisse und Wünsche sind keine Synonyme, und AP heisst deshalb auch nicht, dass Kinder jeden Alters immer alles sofort kriegen, aber dass sie, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Wünsche und ihre Wahrnehmung respektiert werden.

Ich bin dagegen, Anleitungen herauszugeben, wie bedürfnisorientiertes Zähneputzen, Spazieren, Schwimmenlernen, An- und Ausziehen, Kinderzimmeraufräumen zu geschehen hat. Gleichzeitig erkenne ich aber mehr und mehr, dass es nicht reicht, die gängigen AP-Felder „abzuhaken“, sich dann selbstherrlich auf die Schultern zu klopfen und sich die (nicht existierende) AP-Medaille umzuhängen.

Denn AP ist vielmehr eine Haltung als eine Methode. Man kann sein Kind tatsächlich gänzlich unsensibel in ein Tragetuch stopfen oder ihm widerwillig Platz im eigenen Bett einräumen. Beides hat dann mit AP nichts mehr zu tun, obwohl man brav „die Auflagen erfüllt“. (Genauso kann man bedürfnisorientiertes Handeln in auf den ersten Blick AP-ungewöhnlichen Settings finden, hier wurde das kürzlich schön beschrieben.) Im Gegenzug sind da aber noch hundert und tausend Begegnungen und Handlungen, welche uns täglich mit unseren Kindern verbinden oder uns im Gegenteil voneinander trennen. Für sie gibt es keine oder kaum Ratschläge und Anleitungen in Ratgebern und eingschlägigen Elternforen. Wie gestalten wir sie? Wie liebevoll und bedürfnisorientiert begegnen wir da unseren Kindern?

Lass uns zurückkommen zum Beispiel „Zähneputzen“. Und zwar ganz konkret, denn Theorie können wir ja alle: Was machst Du mit Deiner freien Hand, während Du mit der anderen Deinem Kind die Zähne putzt?

Im nächsten Post schreibe ich über meine freie Hand. Wenn Du mir bis dahin Deine Antwort (sofern Du regelmässig in den Genuss dieser Tätigkeit kommst) auf die Frage als Kommentar dalassen magst, freue ich mich sehr.

Lieber Freund

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Tausend Dinge habe ich erlebt mit Dir. Dinge, wie sie jeder Mensch kennt, der Zeit mit einem Vizsla teilen darf. Was haben wir zusammen Spass gehabt, wie oft habe ich dir beim Rennen und Toben zugeschaut. Hunderte Stunden hast Du bei mir gelegen, während ich gearbeitet, gelesen, Musik gehört, telefoniert und auch die ein und andere grössere Lektion des Lebens verwunden habe. Deine Ideen und einzigartigen Vorlieben liessen uns immer wieder lachen, lächeln und staunen. Du hast mich bisweilen aber auch fast in den Wahnsinn getrieben und mich manche Träne gekostet. Deine Charakterkombination aus Tatendrang plus Hyperempfindlichkeit, ergänzt mit einer kräftigen Portion Sturheit, stellte mich vor manch schwierige Aufgabe. Aber Du würdest wahrscheinlich dasselbe von mir sagen. Vor allem aber warst Du da. Immer. Oder zumindest nie weit weg. Kaum eine Nacht verbrachtest Du oder ich ohne den anderen auswärts. Du wurdest ein so selbstverständlicher Teil meines Lebens, dass ich gar nicht erahnen konnte, wo Du mir überall fehlen würdest.

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Neben dem besonderen Alltagsglück, mit Dir zusammenzuleben, habe ich es geliebt, Dich zum Sanitätshund auszubilden und natürlich gleichzeitig auch selbst in diese Aufgabe hineinzuwachsen. Das Schönste daran war wohl das hundertprozentige Aufeinanderfokussiertsein, wenn wir unsere Trainings absolvierten. Ich vergass anstehende Gespräche, unangenehme Termine, offene Fragen. Da warst dann nur noch Du; Deine Augen, Deine Mimik, Deine Körperspannung. Ich gab alles für Dich und die Welt musste warten. Und Du hieltest es genauso. Dieser synchronisierte Tunnelblick war pures Glück. Er war schwierig, für beide von uns. Aber wenn er gelang; WOW! Du erweitertest meine Sinne, ich spürte das Wild, als läge seine Witterung in meiner statt Deiner Nase, ahnte die Topografie des Waldes durch Deine Bewegungen, erkannte die Anwesenheit von Menschen im Wald durch Deine Richtungswechsel und Tempi. Dank Dir konnte ich über meine eigene begrenzte Wahrnehmung hinauswachsen und Dinge erleben, zu welchen ich alleine niemals fähig gewesen wäre.

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Eng damit verknüpft ist eine Lektion, welche Du mich gelehrt hast: Anfangs verstand ich Dich oft nicht richtig. Ich schalt Dich beispielsweise manchmal, wenn Du vermeintlich willkürlich belltest, um kurz darauf den Grund Deines Ärgers oder Deiner Irritation zu entdecken. Bald wusste ich es: Dein Verhalten hat immer einen Grund. Nur bin ich manchmal nicht fähig, Dich zu verstehen. Ich lernte, Dir zu vertrauen. Wenn Du Verunsicherung, Ärger, Freude und andere Emotionen zeigtest, so konnte ich immer etwas lernen, was meiner eigenen Aufmerksamkeit entgangen war. Äussere Gegebenheiten, aber auch Bewegungen in meinem Innern, auf welche Du ebenso zuverlässig und seismographisch reagiertest. Auch da waren mir die Stunden im Wald und auf dem Hundeplatz ein gutes Übungsfeld: Wenn etwas nicht klappte, gab es keinen Grund, wütend zu werden oder frustriert zu sein. Wir hatten einfach noch nicht begriffen, was wir voneinander erwarteten und mussten noch ein bisschen weiter versuchen, uns einander verständlich zu machen, noch ein bisschen klarer werden in unserer Sprache.

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Diese Einsicht verinnerlichte ich in den beinahe 13 Jahren mit Dir beständig. Und immer wieder und immer mehr konnte ich erfahren, wie diese Haltung auch meinen Umgang mit Menschen veränderte. Hinter jedem Verhalten jedes Gegenübers liegt eine Vorgeschichte, ein Bedürfnis, eine Prägung, welche meist wenig bis nichts mit mir zu tun hat. Das entschuldigt nicht alles, hilft aber enorm, um vor allem in Konfliktsituationen grosszügig zu bleiben. Und genauso wie ich mit Dir an meiner Kommunikationsfähigkeit feilte, konnte ich je länger je besser auch im Umgang mit Menschen auf mein erweitertes Repertoire zurückgreifen. Offensichtlich wurde dieser Lernprozess, als ich, rund in der Mitte unserer gemeinsamen Zeit, Mutter wurde. Dank Dir fiel es mir wahnsinnig leicht, die Äusserungen dieser nonverbalen, aber körperlich sehr eindeutig kommunizierenden kleinen Wesen zu verstehen und ihrer Sicht auf die Welt vertrauensvoll Glauben zu schenken. Dies kam uns allen enorm zugute, wofür ich Dir wahnsinnig dankbar bin.

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Liebster Lüsler*, Du warst mir ein enger Vertrauter und ein treuer Freund. Vor allem aber warst Du der grösste Lehrmeister meines Lebens. Ich vermisse Dich unendlich.

11*Natürlich trug der Hund auch noch einen ganz schönen, hochoffiziellen Namen. Lüsler, Lusi, Lüs, Lisi, Schluri und Gisbert waren ihm aber ebenso ein Begriff.

Wasser teilen

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Naturverbindung ist mir wichtig. Gerne würde ich jeden Tag meinen Waldsitzplatz aufsuchen und dort ganz still werden. Den Bäumen und Vögeln lauschen, die sachten Bewegungen wahrnehmen im Aussen, aber auch in meinem Innern, das ist für mich von grosser Wichtigkeit und sehr wertvoll. Viel Zeit dort zu verbringen ist deshalb auch einer meiner wenigen konkreten Neujahrsvorsätze geworden.

Wie oft ich schon dort war in diesem Jahr? Du ahnst es wahrscheinlich: kein einziges Mal. Zuviel Programm, andere Verpflichtungen, oder schlicht keine Lust. Das Gute umzusetzen fällt mir nicht immer leicht.

Es gibt aber ein kleines, feines Ritual in meinem Leben, welches sich so fast ganz nebenbei in jeden Alltag einbauen lässt. Es hat sich bei mir ganz zufällig entwickelt, ich liebe es und möchte es deshalb heute mit Dir teilen:

Wenn ich mir ein grosses Glas Wasser eingiesse, und das tue ich täglich natürlich mehrere Male, trinke ich es meist nicht bis zum letzen Tropfen aus, sondern giesse den letzten Schluck jeweils in die Erde irgendeiner Topfpflanze, welche gerade in der Nähe herumsteht. That’s it!

Indem ich die Pflanze nicht mit einer Giesskanne mit Wasser versorge, sondern mein eigenes Glas benutze, entsteht der Effekt, dass wir gemeinsam unser Wasser teilen. Wir haben das selbe Bedürfnis, wir geniessen beide die selbe Erfischung, kurz; wir sind uns ähnlich.

In Gläsern herumstehendes „Reste“-Wasser auf diese Weise zu verteilen, stellt bei mir nicht den gewünschten Effekt her. Auch ausschliessliches Pflanzengiessen mit Hilfe von Gläsern funktioniert nicht. Es gilt: Trinken – teilen. Am besten von der selben „Charge“.

Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Die Handlung mag banal sein, der Effekt ist für mich gefühlsmässig aber sehr gross. Für einen kurzen Moment werden die schlichte Topfpflanze und ich schlichtes Menschlein eins. Ich spüre unsere Ähnlichkeit, Verbindung und mein Eingebettetsein in Mutter Natur und die grossen Abläufe des Lebens. Wenn es auch nur für wenige Sekunden ist, dieses Gefühl bereichert meinen Alltag sehr. Bis ich wieder meinen Waldsitzplatz aufsuchen kann.

Probiere es aus und lass mich wissen, ob Dir das Ritual gefällt. Ich bin gespannt.

Ich muss mich beschweren

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Letzthin habe ich ein Buch gekauft*. Es hat mich in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht:

Punkt 1: Das Buch sieht auf den ersten Blick ziemlich umfangreich aus. Es scheint also wirklich ein ganz normales Buch zu sein. Keine Broschüre. Kein Prospektchen. Die Schrift ist auch nicht grösser als in anderen Büchern. Dennoch hatte ich es nach zwei Tagen ausgelesen. Bis heute ist mir schleierhaft, wie das geschehen konnte.

Punkt 2: Man darf sich nicht täuschen lassen von der hübschen, harmlosen Aufmachung des Buches und seinem freundlichen, ebenso harmlosen Inhalt. Zwischen den Deckeln verbirgt sich eine Revolution. Ihr Ausmass erschliesst sich erst nach Tagen und Wochen, was sie besonders unberechenbar macht.

Punkt 3: Ich weine nicht gerne in der Öffentlichkeit. Dennoch hat dieses Buch genau das geschehen lassen. Ich habe geheult im Zug, auf dem Bahnsteig und auf der Parkbank. Vor Rührung. Vor Erkenntnis. Vor Lachen. Überwältigt von der Schlichtheit der Ideen.

Punkt 4: Dieses Buch beschreibt mein Lebensgefühl. Ich kann darin über mein eigenes Herumwursteln, meine eigenen Sorgen, meinen täglichen Stress lesen. Dafür muss ich doch nicht lesen, das kriege ich ja täglich frei Haus geliefert! Das Buch lässt dieses Chaos zudem auch noch in einem milden, gnädigen Licht strahlen. Wer Ratgeber liest, will doch knallharte Lösungsansätze. Neue Strategien. Komplett andere Welten (auch wenn sich diese erfahrungsgemäss kaum adaptieren lassen). Einen Anreiz, das Leben um 180° zu ändern und dem eigenen Schweinehund endlich den Hals umzudrehen. Das Buch liefert nichts davon. Schwach. Es ist eher wie eine weiche Kaschmirdecke, welche sich freundlich, warm und tröstend um die Schultern schmiegt und so Zuversicht und neuen Mut spendet. Als wäre das Leben ein Ponyhof. Und das kann doch nicht sein. Oder etwas doch? Aber das wäre ja noch schöner!

Punkt 5: Seit dieser Lektüre quillt mein Herz über vor Liebe für meine Kinder und unser Sein als Familie. Wie ich den ganzen Quatsch drumherum auf die Reihe kriegen soll, ist mir indes ein Rätsel. Wenn schon Ratgeber, dann aber bitte richtig! Inkl. „Wie schaffe ich es, endlich rechtzeitig zu Bett zu gehen?“ und „Was tun, wenn der Hund sich wieder mal nur von Katzenscheisse ernähren möchte?“ Schliesslich will ich gerettet werden. Komplett und ohne Wenn und Aber. Bitte auch ohne eigenes Nachdenken.

Punkt 6: Dieses Buch mit seinen Gedanken geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit der Lektüre leuchtet mein Nordstern richtig hell (soll gut sein für die Orientierung). Penetrant hell. Schmerzhaft hell. Zwischenzeitliches saloppes Südsteuern zu Bikiniatollen und seichten Gewässern ist kaum mehr möglich. Dabei wollte ich doch noch Eis essen gehen…

Punkt 7: Das Buch kann nicht sinnvoll verstaut werden: Es taugt nicht richtig als Erziehungsratgeber, dafür ist es zu frei geschrieben, zu persönlich. Es ist auch kein Roman, obwohl es zahlreiche Geschichten enthält. Als Stütze für den wackelnden Tisch ist es zu dick, als Blumenpresse zu dünn. Es ist zu schön für den Badewannenrand und aufgrund zahlreicher von mir selbst während des Lesens angebrachter Markierungen, Ausrufe-Post-it’s und hineingekritzelter Randbemerkungen dennoch nicht mehr zum Verschenken geeignet. Sowieso will ich es ständig griffbereit in der Nähe haben. Es wird also bis ans Ende meiner Tage ständig irgendwo im Weg herumliegen. Furchtbar.

Wer also noch Lesestoff sucht für die nächsten Wochen (oder Stunden, Siehe Punkt 1), der besorge sich doch „slow family, Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt. Beschwert Euch dann aber nicht bei mir, wenn Ihr plötzlich zwischen Eisbären und Seelöwen segelt. Oder Euch beim seligen Barfusslaufen durch den ersten Schnee ertappt. Oder den Schwimmunterricht Schwimmunterricht sein lasst und stattdessen mit Euren Kindern durch Nachbars Garten robbt. Oder mit Wölfen tanzt resp. – unseren Verhältnissen angepasst – mit Fliegen spricht. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

*Wie immer gibt es hier keine bezahlte Werbung. Der Text ist ohne das Wissen der Autorinnen oder des Verlages entstanden. Ich berichte, was ich möchte. Völlig frei und ohne persönlichen Vorteil oder irgendwelche Verpflichtung.

Von den Bäumen und dem Wald

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Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Da ist ein kleines Baby, ganz oder ziemlich frisch auf dieser Welt. Und da sind wir. Und egal ob Liebe oder biologisches Programm oder beides zusammen, wir wollen, dass es diesem Baby gut geht. Wir füttern es, wir halten es trocken und warm, wir unterhalten es, wir trösten es.

Doch schnell stellen sich Fragen und Unsicherheiten ein. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir dies oder jenes, was uns einfach logisch erscheint, nicht machen dürften. Wir hören von Gefahren und Spätfolgen unseres Umgangs mit dem Baby. Wir müssen versuchen, einen Überblick zu gewinnen über den riesigen Markt an Baby-Dingen. Brauchen wir das? Welches Produkt ist besser, X oder Y? Manchmal verstehen wir unser Baby nicht. Und manchmal nicht einmal mehr uns selbst. Spricht hier mein Bauchgefühl, meine „gesunde“ Intuition oder höre ich „nur“ die Stimmen meiner Eltern, also meine eigene Erziehungs-Prägung? Ist das ein verinnerlichtes Muster oder tief verwurzeltes Urwissen?

Oft finden wir Antworten, wenn wir facebook, Mütterforen, verwirrenede Ratgeberliteratur und Ratschläge von Freunden und Bekannten hinter uns lassen und uns allein auf unser Kind einlassen. Wenn wir Verbundenheit spüren, aufmerksam sind und uns viel Zeit zum Beobachten, Nachdenken und Nachspüren nehmen können.

Aber manchmal bleiben Fragen. Bleiben Unsicherheiten. Dann brauchen wir Menschen, die uns genau zuhören. Die unsere Situation verstehen, nicht darüber urteilen, ob wir etwas so oder anders machen. Die uns liebevoll unterstützen und uns dort inspirieren, wo es uns weiterhilft, ohne uns von Neuem zu verwirren und von unserem Weg abzubringen.

Manchmal kann dein Partner dieser Anker sein, manchmal findest du in einer Freundin den Engel der Stunde. Manchmal sind es deine Hebamme oder eine Kinderärztin, welche dir genau die richtigen Infos geben können, welche du brauchst. Und manchmal sind es eine kleine Gruppe von Menschen, wie sie in einem offenen Artgerecht-Treffen zusammenkommen, welche neue Energie in Form von Kraft und Vertrauen in dich und dein Kind in dir freisetzen. Damit du vor lauter Bäumen den Wald wieder sehen kannst. (Oder vor lauter Gräsern das Kind dahinter, Siehe Bild) Denn ich bleibe dabei: Eigentlich ist doch alles ganz einfach.

Schon bald, nämlich am 10. September 2016, hast du die Gelegenheit, in Weinfelden an einem offenen Artgerecht-Treffen teilzunehmen. Hier gehts zu den genaueren Infos. Gerne darfst du den Anlass auch weiterempfehlen, es hat noch freie Plätze. Herzlichen Dank.

Elfenzeug und Luciferin

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Zig Anläufe habe ich gemacht für diesen Post über den Hochzeitsflug der Glühwürmchen. Elend gescheitert bin ich. Wenn ich vom Zauber schrieb, vom Gefunkel der tausenden kleinen Sterne auf und über dem Waldboden, welche mich an Szenen aus Fantasyfilmen erinnerte, driftete alles in kitschige Süsse ab. Lothlorien, Drescher, Kreidolf,… meine liebe Freundin D. würde den Kopf schütteln. Wenn ich näher bei den biologischen Tatsachen blieb, der rührenden Suche der fliegenden Insektenmännchen nach den wartenden Weibchen, fehlte hingegen das Staunen und die Verzauberung, welche ich vor zwei Wochen beim Einnachten auf dem Waldfriedhof (insofern besonders, als dass das Leuchten der Glühwürmchen laut Wikipedia oft als Symbol für die Unsterblichkeit der Seelen verwendet wird) in Schaffhausen erleben durfte.

Es war wunder- wunderschön. Einer dieser Momente in einem Leben, welche man sich ganz fest im Herzen und im Gedächtnis einschliesst und nie mehr vergessen wird. Wo sich alle Fragen und Sorgen und Pläne in Luft auflösen und nur noch der Augenblick zählt.

Hier gibts ein Filmchen davon zu sehen.

Ganz unverhofft kam ich zu diesem Glück. Eine Bekannte rief mich an, ob ich mitkommen möge, in zwei Stunden (notabene um 21 Uhr) müssten wir los. Ich, unspontan wie ich manchmal bin, war versucht abzulehnen. Tat es nicht und erlebte dieses grossartige, berührende Naturschauspiel.

Beim Nachhausefahren dann erzählten wir uns in einer Selbstverständlichkeit persönlichste Dinge aus unseren Leben, was mich rückblickend fast genauso berührt wie die Glühwürmchen selbst. Unaufgeregt, zugewandt und sehr vertrauensvoll. Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass wir durch das stille Spazieren durch das flimmernde, glitzernde Dunkel ein bisschen verzaubert wurden. In den Stunden danach an die Schönheit und Demut glaubten, unsere eigenen Probleme nicht mehr ganz so schwer nahmen und sie zuversichtlich ein bisschen „leuchten“ liessen, statt sie verschämt zu verstecken. Wir hatten uns so viel zu erzählen, dass wir nach der Fahrt noch eine Bar aufsuchen mussten, um unsere Geschichten wenigstens halbwegs zu Ende erzählen zu können.

Und so ist innerhalb weniger Stunden aus einer Bekannten eine Freundin geworden. Ich sags euch: Elfenzauber. Biologie hin oder her.

Hier noch ein etwas ausführlicheres Filmchen (schweizerdeutsch).

Lassie, Bagheera und Miramis

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Tiere gehören zu meinem Clan

Zu meinem Clan gehören neben den Menschen auch Tiere. Sie spielen für mich eine wesentliche Rolle. Sie sind Vermittler zur Natur, auch zu unserer eigenen Natur, sie sind Lehrer, Freunde, Mitgeschöpfe. Ich erfreue mich am Hausrotschwänzchenpaar, welches unter dem Dach brütet genauso wie am Hühnervolk, welches mit seiner emsigen Geschäftigkeit pure Glückseligkeit verbreitet und mich nebenbei auch noch mit besten Eiern beschenkt. Ohne Tiere wäre mein Leben viel ärmer.

Es gibt viele gute Gründe, mit Tieren zu leben. Es gibt aber auch viele gute Gründe, darauf zu verzichten.

Verantwortung für jemanden tragen

Sehr wertvoll war für mich die Erfahrung, dass durch mein Leben mit dem Hund der Verantwortungsschock, welcher gemeinhin mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht, spürbar abgefedert wurde. Ich war zu jenem Zeitpunkt schon seit 8 Jahren daran gewohnt, Bedürfnisse eines Familienmitgliedes miteinzuplanen, welche nicht immer mit meinen eigenen deckungsgleich sind. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei Terminanfragen, Einladungen und ähnlichem zuerst zu denken: „Und was ist mit dem Hund? Wie lange dauert das und was bedeutet das für uns? Soll er zuhause warten? Mitkommen? Im Auto bleiben? Oder soll ich ihn zu meinen Eltern bringen, damit er dort gut versorgt ist?“ Es war eigentlich alles möglich, aber es musste eben immer zuerst geplant werden. Wenn es auf eine Reise ging, musste sein Kram auch mit, und manchmal wurde er krank und brachte unsere Pläne durcheinander. Durch sein Dasein ergaben sich neue Freundschaften, dank ihm beurteilte ich meine Umgebung neu (Verkehrssituation, Orte, wo freies Spiel ohne Konfliktpotential stattfinden kann,…). Ich musste lernen, ihn und mich vor übergriffigen Bemerkungen und gar Handlungen zu schützen und spürte grossen Stolz, wenn er eine Aufgabe eifrig und fröhlich meisterte. Ich erkannte meine Leidenschaft für Erziehungsratgeber und das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität (vor allem meines Selbstbildes). Ich kam mit Erziehungsstilen und Beziehungsphänomenen in Kontakt. Ich wurde mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert und kam nicht umhin, Pauschalisierungen zu hinterfragen.

Hunde sind keine Kinder, aber diese und viele weitere Prozesse, welche bei mir ausgelöst wurden, sind identisch. Natürlich war es kein bewusster Entscheid, mit einem Hund zusammenzuleben, um das Leben mit Kindern zu üben. Rückblickend aber ist genau das geschehen.

nonverbale Kommunikation

Ebenfalls wahnsinnig bereichernd war für mich, dass meine Antennen durch den Hund bereits sehr fein eingestellt waren. Ich war es gewohnt, mit einem nicht mit Worten sprechenden Lebewesen zusammenzuleben. Ganz feine Signale zu erkennen und zu verstehen fiel mir nach Jahren der Übung leicht. Das kam zweifellos meinem ersten Kind zugute. Obwohl ich das erste Mal Mutter wurde, hatte ich dank meinem vierbeinigen Freund und Lehrer einen entsprechenden „Erfahrungsvorsprung“ gegenüber anderen „Erstlingsmüttern“.

ein Tier fürs Kind?

Meine Familie ist gewachsen, der Hund hat sich an ein erstes und an ein zweites Kind gewöhnt. Und so dürfen sie jetzt mit ihm aufwachsen. Kind und Hund, wie schön, wie perfekt. Lassie lässt grüssen. Wer wünscht sich das nicht? Mein Sohn beispielsweise. Er fürchtet sich vor dem Hund. Er fasst ihn niemals an, spricht nicht mit im und geht ihm wo immer möglich aus dem Weg.

Meine Tochter hingegen liebt den Hund. Sie betüddelt ihn, füttert ihn heimlich und offensichtlich, möchte ihn striegeln und streicheln und herzen. Ob sie mich in einigen Jahren dazu überreden will, ein Pony in die Garage zu stellen?

Ich werde dies (ziemlich sicher) nicht tun. Weil Tiere nicht für Kinder angeschafft werden sollten und mein Herz nicht für Ponys schlägt. Ich wünschte mir, dass alle Eltern sich bewusst sind, dass die Hauptverantwortung für ein Tier immer bei ihnen bleibt. Natürlich können bereits kleine Kinder in die täglichen Routinen mit dem Tier eingebunden werden. Aber auch wenn sie das Interesse verlieren, die Schule mehr Aufmerksamkeit verlangt oder das Fussballspielen hoch im Kurs steht, behält das Tier seine Bedürfnisse. Und es verdient, dass diese erfüllt werden. Während seines ganzen Lebens. Es sollte selbstverständlich sein, dass man sich vor Anschaffung jedes Tieres genau informiert, wie diese Bedürfnisse aussehen. Und dann ehrlich abwägt, ob diese zur eigenen Lebenssituation passen. Das Internet, Fachliteratur und seriöse Tierhalter helfen da gerne weiter. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

grenzenlos bedürfnisorientiert

Glaube mir, wenn du deine Kinder bedürfnisorientiert begleitest, wirst du diese Haltung bei deinem Tier nicht einfach wie auf Knopfdruck ausschalten können. Und so wirst du selbst sehr darunter leiden, wenn du die Bedürfnisse deines Tieres erkennen, aber nicht in der Lage sein wirst, diese zu erfüllen. Unter diesem Phänomen habe ich die letzten Jahre öfters sehr gelitten.

Ich höre oft die Bemerkung, dass Tierhaltung einen ja so „anbinde“. „Man kann nicht mehr in die Ferien“, ist der meistgehörte Ausspruch, wenn es um das Für und Wider von Tierhaltung geht. Der Satz ist einfach nur falsch. Ich kann mit entsprechender Planung problemlos in Urlaub fahren und weiss meine Schafe, Hühner, Katzen und den Hund bestens versorgt.

Anstrengend sind die täglichen Kleinigkeiten. Der Hund sollte dringend raus, aber das kränkelnde Kind ist soeben auf dem Sofa eingeschlafen. Die Katzen schleichen sich durch offene Fenster und Türen ins Haus. Und dort natürlich in die Betten. Oder in nicht ganz geschlossene Kleiderschränke. Auch wenn sie nass und schmutzig sind. Besuch mit Kindern schneit herein, der Hund wird ins Homeofficezimmer ausquartiert und zerfetzt dort frustriert meinen Lieblingspulli. Der Sohn legt sich einen Keks zurück, leider nicht hundesicher platziert. Schwupps und weg, grosses Drama. Das Baby ist endlich eingeschlummert, da bellt der Hund, weil er ein „verdächtiges“ Geräusch hört. Und so weiter und so fort.

Ich halte auch nicht viel von der Strategie, mir eine Katze anzuschaffen, weil ich Hunde sehr mag, Katzen aber einfacher zu halten sind. Wenn mein Herz nicht für Katzen schlägt, werde ich ihre Eigenheiten bald als Last empfinden. Und gleichzeitig kenne ich Frauen, deren Herz brennt nebst Kindern auch noch innig für Pferde oder Hunde, und die kriegen das gewuppt, einfach weil ihnen dies so unendlich wichtig ist.

Wer kleine Kinder hat und sich die Anschaffung eines Tieres überlegt, dem empfehle ich folgendes Gedankenspiel: Kannst du dir vorstellen, einen Teenager bei dir aufzunehmen? Natürlich ist ein Hund was ganz anderes. Wie ein Jugendlicher ist er aber (sobald ausgewachsen) ziemlich selbständig und braucht einen nicht mehr rund um die Uhr wie ein kleines Kind. Auf den ersten Blick „läuft er einfach so mit“. Aber das stimmt einfach nicht. Sie haben eigene Bedürfnisse, stillere, welche neben dem Kleinkindchaos gerne übersehen werden. Oder, wenn sie dann zu lange übersehen werden, plötzlich ganz grosse, welche schwierig zu lösen sind und Zeit und Kraft erfordern. Du tust gut daran, genau hinzuhören und zu -spüren, ob du noch Lust und Power für ein weiteres, ganz anderes „Bedürfnispaket“ hast.

wertvolle Tierbegegnungen

Wenn du das alles schon weisst und deshalb oder aus anderen guten Gründen auf das Halten von Tieren verzichtest: Hab kein schlechtes Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du ihnen ihren Wunsch nach einem Pony, einem Hund oder einem Hamster ausschlägst. In meinem nächsten Post werde ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du auch ohne Hund und Katze im eigenen Haushalt die positiven Aspekte der Tierbegegnungen für dich und deine Kinder erlebbar machen kannst. Denn ein bisschen Lassie im Abendrot hat schon was.

Bildquelle: http://www.thebestlittlefilmhouse.com/the-magic-of-lassie-original-quad-1978-mickey-rooney–james-stewart-4027-p.asp

10 Gründe, weshalb du einen Clan brauchst

Der Mensch – ein Rudeltier

Homo Sapiens ist nicht gerne alleine. Kinder schlafen bevorzugt im Elternbett, Jugendliche sind per Smartphone fast rund um die Uhr mit ihren Freunden in Kontakt und Erwachsene teilen sich Wohnungen und Büroräume. Soziale Kontakte prägen unser Dasein. Vom ersten Tag an.

Der Mensch hat während Jahrtausenden eng mit seinen Mitmenschen zusammengelebt. Jäger- und Sammlerkulturen lebten und leben in Gruppen. Die Gruppe schützt und stärkt das Individuum. Wer den Kontakt zu seiner Gruppe verliert, ist verloren. Unsere Kleinsten „wissen“ das genau. Sie setzen alles daran, mit ihren Bindungspersonen in Kontakt zu bleiben. Sich irgendwohin legen lassen? Alleine schlafen? Undenkbar! Viel zu gefährlich!

Die moderne Kleinfamilie ist eine neue Erfindung. Noch vor gar nicht langer Zeit haben gewöhnlich mindestens drei Generationen unter einem Dach gelebt (nicht nur in bäuerlichen Strukturen). Zudem wurde die „Kernfamilie“ ergänzt von Angestellten/Dienern/Knechten/Mägden und weiteren Verwandten, wie beispielsweise unverheirateten Frauen, Menschen mit geistig-kognitiven Beeinträchtigungen, Mündeln und anderen. Privatsphäre gab es kaum, Konflikte waren an der Tagesordnung.

Dennoch war und ist es gerade für Eltern in vielerlei Hinsicht von Vorteil, in eine grössere Gruppe eingebettet zu sein: Kinder müssen rund um die Uhr betreut werden. Kinder sind anstrengend. Gleichzeitig kann es auf intellektueller Ebene ätzend langweilig werden, Tag für Tag mit Kleinkindern alleine zu sein. Kinder torpedieren die Privatsphäre. Mal wieder alleine gemütlich auf dem Klo sitzen und in einem Büchlein blättern? Fehlanzeige! Alleine bist du dort selten, und wenn doch, so ist es sicher nicht gemütlich, weil du annehmen musst, dass dein Kleinkind währenddessen irgend etwas anstellt.

Wenn du mit Kindern zusammenlebst, brauchst du starke Nerven. Damit dir diese lange erhalten bleiben, benötigst du erholsame Nächte und auch tagsüber regelmässig kleine Pausen. Momente, die nur dir gehören und in welchen du durchatmen kannst. Du brauchst helfende Hände. Du brauchst manchmal auch nur jemanden, der dir sagt, dass das, was du gerade erlebst, wirklich anstrengend ist. Du brauchst jemanden, der dir sagt und zeigt, dass es auch bald wieder anders wird, das Leben. Du brauchst einen Clan.

Mütter zwischen Kindern, Haushalt und Beruf

Gerade hier in der Schweiz gibt es noch viele Frauen, welche sich mit Geburt ihrer Kinder weitgehend aus dem Berufsleben zurückziehen (nicht zuletzt, weil in der Schweiz die Betreuung der Kinder durch eine Kita sehr teuer ist). Sie verbringen dann während Jahren die meisten Stunden der Woche alleine zuhause mit ihren Kindern. Auch wenn diese Form der Arbeitsteilung bewusst gewählt wurde und viele Vorzüge beinhaltet, ist die Gefahr der Isolation für diese Frauen gross.

Nicht besser ergeht es Müttern, welche trotz Kindern zu einem grossen Teil oder voll berufstätig geblieben sind. Sie möchten die verbleibenden Stunden mit ihren Kindern in vollen Zügen geniessen und sind zögerlich, wenn es darum geht, die wertvolle freie Zeit, welche sie mit ihren Kinder verbringen, mit Spielverabredungen und anderen Terminen zu besetzen. Auch sind durch die Berufstätigkeit weniger Stunden für Haushalt und soziale Verpflichtungen vorhanden. Sich mit anderen Müttern zu verabreden ist eine logistische Herausforderung und scheitert letztlich oft am Gefühl, gar keine Zeit für so einen „verplemperten Nachmittag“ zu haben. So sind auch Frauen, welche zwar beruflich gut vernetzt sind, als Mütter meist mit ihren Kindern und dem Haushalt alleine und entsprechend isoliert.

Die Kinder selbst sind durch Kindergarten und Schule meist gut vernetzt. Sie besuchen einander gegenseitig. Dies allein ist aber noch kein Clanleben. Die kleineren Kinder und die Eltern profitieren davon nicht massgeblich.

Wer gehört zu deinem Clan?

Du bestimmst, wer zu deinem Clan gehört.

Dein Clan kann sich aus Familienmitgliedern zusammensetzen. Wenn deine Eltern oder Schwiegereltern, dein Schwager oder deine Schwester oder sonst ein Verwandter in der Nähe wohnen und ihr ein gutes Verhältnis habt, hole ihn oder sie ins Boot. Frage um Hilfe und lass dich überraschen, wie gerne die meisten Menschen helfen, wo immer sie können.

Dein Clan kann sich aus Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammensetzen. Nicht alle müssen selbst Kinder haben. Frage dich zuerst, was du schenken kannst, ohne dass du dir noch mehr aufbürdest. Vielleicht freut sich jemand, wenn er einmal pro Woche nicht für sich allein kochen muss, sondern bei euch an den Tisch sitzen darf. Vielleicht ist jemand glücklich, wenn sein Hund einmal pro Woche dich und dein Kind auf einen Spaziergang begleiten darf, während er noch im Büro sitzen muss. Es gibt viele Möglichkeiten. Knüpfe Beziehungen und lasse dich überraschen, wie auch du auf Unterstützung zählen kannst.

Verbünde dich mit anderen Familien. Schliesslich erlebt ihr alle ungefähr das Gleiche. Jede Mutter ist froh, wenn sie sich auf eine anstehende Tätigkeit konzentrieren kann und nicht gleichzeitig Kinder beaufsichtigen muss. Teilt euch das Backen der Weihnachtsplätzchen auf, putzt gemeinsam die Fenster eurer Wohnungen, helft euch aus mit Dingen, welche man nicht alle selbst besitzen muss (Lötkolben, Nähmaschine, Schwimmwesten für den Segeltörn, Schlafsäcke,…).

Vorteile des Clans für Eltern und Kinder

Gerade die bewusste Clanbildung mit anderen Familien beinhaltet grossartige Möglichkeiten.

  • Wenn dein Kind müde wird oder das ruhige Spiel bevorzugt, kann es sich jederzeit an einen ruhigeren Platz oder sogar zu dir zurückziehen. Du bleibst jederzeit abrufbar. Kinder wie Eltern lieben diese „lange Leine“. Weil du nicht die einzige Erwachsene vor Ort bist, kannst du entspannt stillen, trösten oder ein Kind auf dem Arm tragen; die Arbeit bleibt trotzdem nicht liegen.
  • Dein Kind liebt es, in einer altersdurchmischten Gruppen zu spielen. Es kann sich von älteren Kindern Fertigkeiten abschauen und ggf. ebenfalls ausprobieren oder die jüngeren mit seinen Fähigkeiten und seiner Hilfsbereitschaft beeindrucken. Dies ist ein grosser Unterschied zu Spielverabredungen, wie wir sie von Schulkindern kennen.
  • Gemeinsam Kinder zu betreuen, ist viel einfacher, als alleine nur für die eigenen Kinder da zu sein. Eine Hand, ein Arm, ein Ohr sind immer frei. Irgend jemand hat immer noch die Nerven zu trösten, eine Geschichte zu erzählen oder einen Schnürsenkel zu binden. Dein Kind lernt ganz entspannt neue Erwachsene kennen, welchen es vertraut. Es erweitert sein Beziehungsnetz und erlebt, dass immer jemand verlässlich auf seine Bedürfnisse reagiert.
  • Innerhalb deines Clans kriegst du keine Rat-Schläge, sondern offene Ohren und Verständnis. Du darfst über deine Frustrationen, deine Ängste oder ganz praktische Probleme sprechen. Ein funktionierender Clan fängt dich auf, auch wenn es mal nicht so rund läuft.
  • Ein gemeinsamer Nachmittag, vor allem im Freien, macht müde und glücklich. Eltern lieben diese Kombination, vor allem im Hinblick auf die darauf folgenden Abendstunden.
  • Dein Clan informiert dich ganz nebenbei über wichtige Kleinigkeiten: Weshalb Sonnencreme X sich bewährt hat, dass nächste Woche im Gemeindezentrum ein Kasperletheater aufgeführt wird und wer ein nicht mehr benötigtes Laufrad zu verschenken hat.
  • Alleine mit zwei Kindern ein Feuer zu machen, ist ganz nett. Neun Kinder ohne die Hilfe von Erwachsenen ein Feuer machen zu lassen und sie dabei heimlich zu beobachten, ist hingegen grandios.
  • Niemand weiss, welche Überraschungen ein gemeinsamer Nachmittag bereithält. Der kleine Unfall mit dem Taschenmesser, der tote Vogel hinter dem Komposthaufen, der gewagte Sprung vom Findling ins Gras: Echte Erlebnisse hallen lange nach.
  • Wenn alle Kinder friedlich spielen, kannst du endlich wieder einmal entspannt Kaffee trinken und mit befreundeten Eltern plaudern. Oder im Liegestuhl 20 min dösen und wissen, dass immer jemand ein Auge auf die Geschehnisse hat.
  • Und das Beste: Mit einem Clan erfährst du, dass du nicht alleine bist.

Vom Traum zur Realität

Hast du Sehnsucht nach (d)einem Clan gekriegt? Im nächsten Post werde ich dir erzählen, wie aus Träumen Wirklichkeit wird. Ich verspreche es dir jetzt schon, es ist viel einfacher, als du denkst.

Falls du konkrete Fragen zur Clanbildung hast, schreibe sie doch als Kommentar unter diesen Text. Dann kann ich im nächsten Post darauf eingehen.

Oder hast du bereits einen starken Clan?