Von den Bäumen und dem Wald

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Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Da ist ein kleines Baby, ganz oder ziemlich frisch auf dieser Welt. Und da sind wir. Und egal ob Liebe oder biologisches Programm oder beides zusammen, wir wollen, dass es diesem Baby gut geht. Wir füttern es, wir halten es trocken und warm, wir unterhalten es, wir trösten es.

Doch schnell stellen sich Fragen und Unsicherheiten ein. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir dies oder jenes, was uns einfach logisch erscheint, nicht machen dürften. Wir hören von Gefahren und Spätfolgen unseres Umgangs mit dem Baby. Wir müssen versuchen, einen Überblick zu gewinnen über den riesigen Markt an Baby-Dingen. Brauchen wir das? Welches Produkt ist besser, X oder Y? Manchmal verstehen wir unser Baby nicht. Und manchmal nicht einmal mehr uns selbst. Spricht hier mein Bauchgefühl, meine „gesunde“ Intuition oder höre ich „nur“ die Stimmen meiner Eltern, also meine eigene Erziehungs-Prägung? Ist das ein verinnerlichtes Muster oder tief verwurzeltes Urwissen?

Oft finden wir Antworten, wenn wir facebook, Mütterforen, verwirrenede Ratgeberliteratur und Ratschläge von Freunden und Bekannten hinter uns lassen und uns allein auf unser Kind einlassen. Wenn wir Verbundenheit spüren, aufmerksam sind und uns viel Zeit zum Beobachten, Nachdenken und Nachspüren nehmen können.

Aber manchmal bleiben Fragen. Bleiben Unsicherheiten. Dann brauchen wir Menschen, die uns genau zuhören. Die unsere Situation verstehen, nicht darüber urteilen, ob wir etwas so oder anders machen. Die uns liebevoll unterstützen und uns dort inspirieren, wo es uns weiterhilft, ohne uns von Neuem zu verwirren und von unserem Weg abzubringen.

Manchmal kann dein Partner dieser Anker sein, manchmal findest du in einer Freundin den Engel der Stunde. Manchmal sind es deine Hebamme oder eine Kinderärztin, welche dir genau die richtigen Infos geben können, welche du brauchst. Und manchmal sind es eine kleine Gruppe von Menschen, wie sie in einem offenen Artgerecht-Treffen zusammenkommen, welche neue Energie in Form von Kraft und Vertrauen in dich und dein Kind in dir freisetzen. Damit du vor lauter Bäumen den Wald wieder sehen kannst. (Oder vor lauter Gräsern das Kind dahinter, Siehe Bild) Denn ich bleibe dabei: Eigentlich ist doch alles ganz einfach.

Schon bald, nämlich am 10. September 2016, hast du die Gelegenheit, in Weinfelden an einem offenen Artgerecht-Treffen teilzunehmen. Hier gehts zu den genaueren Infos. Gerne darfst du den Anlass auch weiterempfehlen, es hat noch freie Plätze. Herzlichen Dank.

Lassie, Bagheera und Miramis

The Magic of Lassie Quad

Tiere gehören zu meinem Clan

Zu meinem Clan gehören neben den Menschen auch Tiere. Sie spielen für mich eine wesentliche Rolle. Sie sind Vermittler zur Natur, auch zu unserer eigenen Natur, sie sind Lehrer, Freunde, Mitgeschöpfe. Ich erfreue mich am Hausrotschwänzchenpaar, welches unter dem Dach brütet genauso wie am Hühnervolk, welches mit seiner emsigen Geschäftigkeit pure Glückseligkeit verbreitet und mich nebenbei auch noch mit besten Eiern beschenkt. Ohne Tiere wäre mein Leben viel ärmer.

Es gibt viele gute Gründe, mit Tieren zu leben. Es gibt aber auch viele gute Gründe, darauf zu verzichten.

Verantwortung für jemanden tragen

Sehr wertvoll war für mich die Erfahrung, dass durch mein Leben mit dem Hund der Verantwortungsschock, welcher gemeinhin mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht, spürbar abgefedert wurde. Ich war zu jenem Zeitpunkt schon seit 8 Jahren daran gewohnt, Bedürfnisse eines Familienmitgliedes miteinzuplanen, welche nicht immer mit meinen eigenen deckungsgleich sind. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei Terminanfragen, Einladungen und ähnlichem zuerst zu denken: „Und was ist mit dem Hund? Wie lange dauert das und was bedeutet das für uns? Soll er zuhause warten? Mitkommen? Im Auto bleiben? Oder soll ich ihn zu meinen Eltern bringen, damit er dort gut versorgt ist?“ Es war eigentlich alles möglich, aber es musste eben immer zuerst geplant werden. Wenn es auf eine Reise ging, musste sein Kram auch mit, und manchmal wurde er krank und brachte unsere Pläne durcheinander. Durch sein Dasein ergaben sich neue Freundschaften, dank ihm beurteilte ich meine Umgebung neu (Verkehrssituation, Orte, wo freies Spiel ohne Konfliktpotential stattfinden kann,…). Ich musste lernen, ihn und mich vor übergriffigen Bemerkungen und gar Handlungen zu schützen und spürte grossen Stolz, wenn er eine Aufgabe eifrig und fröhlich meisterte. Ich erkannte meine Leidenschaft für Erziehungsratgeber und das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität (vor allem meines Selbstbildes). Ich kam mit Erziehungsstilen und Beziehungsphänomenen in Kontakt. Ich wurde mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert und kam nicht umhin, Pauschalisierungen zu hinterfragen.

Hunde sind keine Kinder, aber diese und viele weitere Prozesse, welche bei mir ausgelöst wurden, sind identisch. Natürlich war es kein bewusster Entscheid, mit einem Hund zusammenzuleben, um das Leben mit Kindern zu üben. Rückblickend aber ist genau das geschehen.

nonverbale Kommunikation

Ebenfalls wahnsinnig bereichernd war für mich, dass meine Antennen durch den Hund bereits sehr fein eingestellt waren. Ich war es gewohnt, mit einem nicht mit Worten sprechenden Lebewesen zusammenzuleben. Ganz feine Signale zu erkennen und zu verstehen fiel mir nach Jahren der Übung leicht. Das kam zweifellos meinem ersten Kind zugute. Obwohl ich das erste Mal Mutter wurde, hatte ich dank meinem vierbeinigen Freund und Lehrer einen entsprechenden „Erfahrungsvorsprung“ gegenüber anderen „Erstlingsmüttern“.

ein Tier fürs Kind?

Meine Familie ist gewachsen, der Hund hat sich an ein erstes und an ein zweites Kind gewöhnt. Und so dürfen sie jetzt mit ihm aufwachsen. Kind und Hund, wie schön, wie perfekt. Lassie lässt grüssen. Wer wünscht sich das nicht? Mein Sohn beispielsweise. Er fürchtet sich vor dem Hund. Er fasst ihn niemals an, spricht nicht mit im und geht ihm wo immer möglich aus dem Weg.

Meine Tochter hingegen liebt den Hund. Sie betüddelt ihn, füttert ihn heimlich und offensichtlich, möchte ihn striegeln und streicheln und herzen. Ob sie mich in einigen Jahren dazu überreden will, ein Pony in die Garage zu stellen?

Ich werde dies (ziemlich sicher) nicht tun. Weil Tiere nicht für Kinder angeschafft werden sollten und mein Herz nicht für Ponys schlägt. Ich wünschte mir, dass alle Eltern sich bewusst sind, dass die Hauptverantwortung für ein Tier immer bei ihnen bleibt. Natürlich können bereits kleine Kinder in die täglichen Routinen mit dem Tier eingebunden werden. Aber auch wenn sie das Interesse verlieren, die Schule mehr Aufmerksamkeit verlangt oder das Fussballspielen hoch im Kurs steht, behält das Tier seine Bedürfnisse. Und es verdient, dass diese erfüllt werden. Während seines ganzen Lebens. Es sollte selbstverständlich sein, dass man sich vor Anschaffung jedes Tieres genau informiert, wie diese Bedürfnisse aussehen. Und dann ehrlich abwägt, ob diese zur eigenen Lebenssituation passen. Das Internet, Fachliteratur und seriöse Tierhalter helfen da gerne weiter. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

grenzenlos bedürfnisorientiert

Glaube mir, wenn du deine Kinder bedürfnisorientiert begleitest, wirst du diese Haltung bei deinem Tier nicht einfach wie auf Knopfdruck ausschalten können. Und so wirst du selbst sehr darunter leiden, wenn du die Bedürfnisse deines Tieres erkennen, aber nicht in der Lage sein wirst, diese zu erfüllen. Unter diesem Phänomen habe ich die letzten Jahre öfters sehr gelitten.

Ich höre oft die Bemerkung, dass Tierhaltung einen ja so „anbinde“. „Man kann nicht mehr in die Ferien“, ist der meistgehörte Ausspruch, wenn es um das Für und Wider von Tierhaltung geht. Der Satz ist einfach nur falsch. Ich kann mit entsprechender Planung problemlos in Urlaub fahren und weiss meine Schafe, Hühner, Katzen und den Hund bestens versorgt.

Anstrengend sind die täglichen Kleinigkeiten. Der Hund sollte dringend raus, aber das kränkelnde Kind ist soeben auf dem Sofa eingeschlafen. Die Katzen schleichen sich durch offene Fenster und Türen ins Haus. Und dort natürlich in die Betten. Oder in nicht ganz geschlossene Kleiderschränke. Auch wenn sie nass und schmutzig sind. Besuch mit Kindern schneit herein, der Hund wird ins Homeofficezimmer ausquartiert und zerfetzt dort frustriert meinen Lieblingspulli. Der Sohn legt sich einen Keks zurück, leider nicht hundesicher platziert. Schwupps und weg, grosses Drama. Das Baby ist endlich eingeschlummert, da bellt der Hund, weil er ein „verdächtiges“ Geräusch hört. Und so weiter und so fort.

Ich halte auch nicht viel von der Strategie, mir eine Katze anzuschaffen, weil ich Hunde sehr mag, Katzen aber einfacher zu halten sind. Wenn mein Herz nicht für Katzen schlägt, werde ich ihre Eigenheiten bald als Last empfinden. Und gleichzeitig kenne ich Frauen, deren Herz brennt nebst Kindern auch noch innig für Pferde oder Hunde, und die kriegen das gewuppt, einfach weil ihnen dies so unendlich wichtig ist.

Wer kleine Kinder hat und sich die Anschaffung eines Tieres überlegt, dem empfehle ich folgendes Gedankenspiel: Kannst du dir vorstellen, einen Teenager bei dir aufzunehmen? Natürlich ist ein Hund was ganz anderes. Wie ein Jugendlicher ist er aber (sobald ausgewachsen) ziemlich selbständig und braucht einen nicht mehr rund um die Uhr wie ein kleines Kind. Auf den ersten Blick „läuft er einfach so mit“. Aber das stimmt einfach nicht. Sie haben eigene Bedürfnisse, stillere, welche neben dem Kleinkindchaos gerne übersehen werden. Oder, wenn sie dann zu lange übersehen werden, plötzlich ganz grosse, welche schwierig zu lösen sind und Zeit und Kraft erfordern. Du tust gut daran, genau hinzuhören und zu -spüren, ob du noch Lust und Power für ein weiteres, ganz anderes „Bedürfnispaket“ hast.

wertvolle Tierbegegnungen

Wenn du das alles schon weisst und deshalb oder aus anderen guten Gründen auf das Halten von Tieren verzichtest: Hab kein schlechtes Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du ihnen ihren Wunsch nach einem Pony, einem Hund oder einem Hamster ausschlägst. In meinem nächsten Post werde ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du auch ohne Hund und Katze im eigenen Haushalt die positiven Aspekte der Tierbegegnungen für dich und deine Kinder erlebbar machen kannst. Denn ein bisschen Lassie im Abendrot hat schon was.

Bildquelle: http://www.thebestlittlefilmhouse.com/the-magic-of-lassie-original-quad-1978-mickey-rooney–james-stewart-4027-p.asp

Die Kinder von Bullerbü

 

Blick ins Hühnerhaus

Die Henne „sammelt“  wie jeder andere Vogel über mehrere Tage Eier, bevor sie das Brüten beginnt. Das hat zur Folge, dass alle Küken am selben Tag schlüpfen. Gestaffelter Schlupf würde die Henne überfordern: mobile Küken bewachen, neugeschlüpfte Küken wärmen und Eier bebrüten ist schlichtweg unmöglich. Und deshalb tummelt sich in unserem Hühnerhaus jetzt eine hinsichtlich des Alters homogene kleine Kükenbande.

Trugschluss Homogenität

Was fürs Hühnervolk gut und recht ist trifft auf Menschenkinder nicht zu. Kinder sind in altersgemischten Kindergruppen bestens aufgehoben. Die gängige Praxis, Kinder nach Alter zu trennen, ist sehr neu und nicht wirklich sinnvoll. Auf den ersten Blick verspricht dieses Splitting zwar gerade in schulischen Bereichen eine Vereinfachung und Übersichtlichkeit (Gleiches zu Gleichem), was aber in der Realität nicht eingelöst werden kann. Jedes Kind entwickelt sich mit seinem eigenen Tempo. Körperlich sowohl auch intellektuell, seelisch, emotional.

Wurzeln und Flügel: erste Schwungfedern

Die altersgemischte Kindergruppe hingegen ist ein wunderbarer Lebensort für Kinder, wenn sie sich mit ungefähr zwei, drei Jahren aus dem Radius der Mutter (und anderer enger Bezugspersonen) hinaus wagen in die Welt.

Kleine Kinder können die grösseren beobachten. Sie staunen über deren Fähigkeiten und Mut, schauen sich das Eine und Andere ab, und werden angespornt, Neues auszuprobieren, z.B. bis zu diesem Zeitpunkt verschmähte Nahrungsmittel. Die Bewunderung und Verehrung ist (fast) grenzenlos.

Die grossen Kinder hingegen geben Spiele vor, handeln Regeln aus, helfen den Kleinen, trösten sie bei Bedarf und haben ein Auge auf sie.

Herbert Renz-Polster nennt diese beiden Pole „nach oben strecken und nach unten beugen“. Beides fordert und fördert die Kompetenzen der Kinder. An einem anschaulichen Beispiel zeigt er auf, dass im Spiel von unterschiedlich alten Kindern längere Konzentrationsphasen möglich sind: Wenn man zwei noch schlecht werfenden und fangenden Vierjährigen einen Ball gibt, ist der Spass nach kurzer Zeit vorbei. Findet aber ein Vierjähriger einen Siebenjährigen für das Ballspiel, kann er auf sauber zugeworfene Bälle hoffen, während das grössere Kind seinerseits herausgefordert ist, die schlechten Würfe zu fangen. Ein grosser Spass für beide.

Das Spiel in gemischtaltrigen Gruppen wird konzentrierter und kreativer, merklich schwächer ausgeprägt ist hingegen der Konkurrenzdruck, den Kinder oft austragen und aushalten müssen, wenn sie sich unter Gleichaltrigen aufhalten.

„Dafür hat mein Kind Geschwister.“

Natürlich finden sich die oben genannten Qualitäten auch in Geschwisterkonstellationen. Der grosse Unterschied ist aber, dass die jeweilige Rolle sich innerhalb einer Familie nicht mehr verändert. In die Kindergruppe wächst das Kind hinein. Anfangs gehört es zu den Kleinen, wird mitgeschleppt und mit viel Grosszügigkeit bedacht. Später lebt es im „Mittelfeld“ und erlebt die Veränderung seines Status’, bis es schliesslich zu den Grossen gehört, welche die Gruppe anführen. Das ist ein gesunder Prozess, ganz im Gegensatz zu den Schulbiografien, wo allzu oft die Position ganz früh und sehr undifferenziert festgelegt wird (Klassenbester, Klassenclown, Klassenschlusslicht,…) und dann nicht selten während der gesamten Schulzeit beibehalten wird. Und manchmal sogar in weitere Lebensbereiche und ins Erwachsenenalter mitgeschleppt wird. Auch das Zusammentreffen von Kindern auf einem Spielplatz kann normalerweise nicht als das Spiel einer gemischtaltrigen Kindergruppe betrachtet werden, da einander unbekannte Kinder meist kaum miteinander agieren und dadurch die beschriebenen positiven Effekte wegfallen.

Meine persönlichen Wow-Momente

Der aktive und gross gewachsene fünfjährige P. findet in einem zwei Jahre älteren Kollegen endlich einen adäquaten Kampfgegner, die beiden geniessen es sichtlich, intensiv und freundschaftlich miteinander zu rangeln.

Der vierjährige S. ist ein eher ängstliches Kind. Weil er es aber schon öfters gemacht hat, fällt es ihm leicht, durch den kleinen Bach zu waten. Ganz im Gegensatz zu den anderen (auch älteren) Kindern. Er zeigt vor, wie es geht. Und wächst innerhalb von 3 Sekunden um rund 10 Zentimeter.

Zwischen der zweijährigen H. und dem vierjährigen E. besteht eine innige Freundschaft. Wieso? Keine Ahnung. So sitzen sie beispielsweise einhellig nebeneinander am Hühnerzaun und stecken geduldig Grashalme für die Hennen durch die Maschen, während die andern Kinder durchs Gras tollen.

Kinder unter sich

Tatsächlich ist das, was während Jahrtausenden die normalste Sache der Welt war, heute für Kinder in unseren Breitengraden selten geworden. Oder wann hast du das letzte Mal eine Gruppe Kinder alleine durch den Wald oder die Kiesgrube stromern sehen? Es bleibt zu wünschen, dass wir wieder lernen, unsere eigene Angst im Zaum zu halten (Ja, draussen ist es gefährlicher als vor dem Fernseher und ja, wer nachmittagelang in Kindergruppen spielt, kann nicht gleichzeitig Frühfranzösisch und drei Instrumente lernen und sich dadurch einen vermeintlichen Wettbewerbsvorsprung verschaffen).

Auch versteht es sich von selbst, dass Gruppen mit ganz kleinen Kinder nicht sich selbst überlassen werden. Ich jedenfalls würde meinem Vierjährigen niemals die Verantwortung für seine kleine Schwester übertragen. Auch wenn das anderswo auf der Welt gang und gäbe ist.

begleitete Kinder

Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder sich einst in Gruppen bewegen werden, wo weit und breit kein Erwachsener zugegen ist. Jetzt im Moment macht unsere Anwesenheit noch Sinn.

Wir Eltern schaffen den Rahmen, achten auf eine adäquate Spielumgebung. Danach versuchen wir, uns überflüssig zu machen. Es ist nicht die Idee, dass wir als Animatoren auftreten. Die Kinder sollen ihre eigenen Spiele, ihre eigenen Lösungen finden. Aber wir sind da, wenn es uns braucht. Und so paradox das klingen mag: Auch wenn wir uns bei den Kindern sehr zurücknehmen und vielmehr den Austausch miteinander geniessen, so bleiben wir doch mit den Kindern in Kontakt. Nie stört ein Kind, wenn es bei uns bleiben möchte oder nach einer Zeit wieder unsere Nähe sucht, weil es beispielsweise stillen möchte oder einfach ein bisschen auf Mamas Schoss die vielen Reize verarbeiten will. Wir verbringen unsere Clan-Zeit mit den Kindern, wenn auch in einer sehr offenen, freien Form.

Gerade diese Präsenz der Mutter unterscheidet den Clan von Spielgruppenbesuchen und anderen Angeboten für das Kind. Die Müttergruppe, kombiniert mit der gemischtaltrigen Kindergruppe ist gerade für sehr scheue, klammernde, introvertierte,… Kinder eine riesige Chance. Sie werden nicht gezwungen, sich zu lösen, sondern dürfen sich für ihre Schritte soviel Zeit lassen wie sie möchten. Durch die Altersdurchmischung wird ein Kind, welches sich anfangs noch schwer tut mit den andern Kindern, auch viel weniger mit den mutigeren verglichen, Erwartungen und unbewusster Druck verschwinden.

kein neuer Trend

Das Leben in der altersgemischten Kindergruppe war für kleine Homo Sapiens während Jahrmillionen die Normalität. Menschenkinder sind noch heute genetisch perfekt an diese Situation angepasst. Sie ist deshalb kein entwicklungspädagogischer Trend, sondern ganz einfach ein uralter, artgerechter Rahmen für Kinder.

Literaturtipps

Wenn du mehr über altersgemischte Kindergruppen lesen möchtest, wirst du bei Herbert Renz-Polster fündig. In seinen Büchern „Menschenkinder“ und „Kinder verstehen“ (beide Köselverlag) behandelt er dieses Thema ausführlich.

Ausblick

Ich freue ich mich auf das Fotoprojekt 12 von 12, wo ich dir einen kleinen Einblick in meinen Sonntags-Alltag geben werde. Nächste Woche dann schreibe ich über die Natur als perfekten Spielraum für Kinder. Ich freue mich, wenn du wieder dabei bist.

Wie ist das bei dir?
Hat dein Kind ältere und jüngere Freunde?

Wie du deinen Clan findest

Der Wunsch

Seit letzter Woche grübelst du darüber nach, wie du deinen Clan finden könntest. Du möchtest unter Gleichgesinnten leben, Unterstützung erfahren, deinem Kind das Leben in einer Gemeinschaft ermöglichen, wo es gut aufgehoben ist. Du spürst, dass du mit einem Clan im Rücken weniger frustriert, genervt und ungeduldig wärst. Wie also beginnen?

gründen statt finden

Ein wenig habe ich es bereits letzte Woche angetönt. Du musst auch geben, um nehmen zu können. Idealerweise aber Dinge (oder Zeit), welche dir nicht noch mehr Arbeit aufbürden. Bleibe locker und offen, dein Clan kann aus Leuten bestehen, welche dir auf den ersten Blick nicht sonderlich nahe stehen. Ein kleiner Schwatz mit der alten Dame am Ende der Strasse an ihrem Gartenzaun schenkt dir eine Vertraute mehr. Sie ist es vielleicht, die dich irgendwann in der Zukunft anruft, weil dein Kind von einem unbekannten Mann entführt wird (bei dem es sich dann aber nur um deinen Bruder handelt, der bei euch zu Besuch ist und mit dem Kind zum Spielplatz wackelt). Der Clan denkt mit, hilft aus, passt auf,… Ein Clan umfasst im Idealfall Nachbarn, Verwandte, Familien, Kinderlose, Alte, Junge, Durchschnittstypen und schräge Vögel, Handwerkerinnen und Intellektuelle und vieles mehr. Löse dich für den Anfang von der Idee, dass ihr alle gemeinsam um ein Lagerfeuer herum sitzen werdet und eure Lebensziele synchronisiert. Verstehe den Clan einfach als dein Netzwerk. Es müssen sich nicht alle Beteiligten kennen, es müssen nicht alle mit der Clan-Philosophie explizit vertraut sein. Ändere deine Gedanken: Du musst nicht deinen Clan finden. Du musst deinen Clan gründen. Es fängt bei dir an. Werde aktiv. Am besten noch heute.

Die Müttergruppe

alleine sein ist nicht artgerecht

Besonders eingehen möchte ich nun aber auf die besondere Form der Müttergruppe (oder Vätergruppe oder Elterngruppe). Als Mutter die meiste Zeit des Tages allein zuhause zu sein und für eines oder mehrere Kinder zu sorgen, ist nicht artgerecht. Wer immer sich beispielsweise wie ich schon dabei ertappt hat, sein süsses Baby genervt anzuschnauzen oder seinem Kleinkind fiese Kommentare zukommen zu lassen und sich dabei nicht wiedererkennt, dem sei gesagt, dass diese „Aussetzer“ ganz normal sind, wenn man in einer solch widernatürlichen Lebensform feststeckt.

Die Artgerecht-Projekt-Gründerinnen empfehlen die Müttergruppe als Ort des Austauschs, als gegenseitig Entlastung, als emotionale und tatkräftige Unterstützung. Die Idee ist, dass Mütter sich bewusst zusammenschliessen, um den Alltag zufriedenstellender, eben artgerechter gestalten zu können. Noch einmal: Die Müttergruppe wird vom Clangedanken getragen, ist aber im Idealfall nur eine Untergruppe. Aber eine sehr wichtige.

gemeinsam gehts besser

Die Empfehlung: Rund vier Mütter von Säuglingen schliessen sich zusammen, ähnliche Werte-/Erziehungsvorstellungen sind sinnvoll, absolute Übereinstimmung ist jedoch nicht nötig. Es geht schliesslich nicht darum, gemeinsam die Kinder zu erziehen, sondern einfach füreinander da zu sein. In der ganzen Unterschiedlichkeit und trotzdem voller Respekt. Idealerweise leben sie im selben Quartier, Stadtteil, Dorf. Sie treffen sich reihum, also während vier Wochentagen, beieinander zuhause. Dort kann dann z.B. die „Hausherrin“ all die Dinge erledigen, welche mit Baby kaum möglich oder mindestens umständlich sind, während die anderen Frauen die Babys betreuen und vielleicht nebenher noch einen Stapel Wäsche zusammenfalten, Kinderzimmer-Kleinkram sortieren oder ein bisschen Unkraut jäten. Was immer hat gerade der betroffenen Frau Entlastung bringt. Oder die vier Frauen putzen gemeinsam die Fenster. Oder kochen/backen gemeinsam. Oder bringen zur Sprache, was sie beschäftigt. Die Kinder hat man nebenher im Auge, und wann immer eines die Mama benötigt, kann diese die Arbeit unterbrechen. Der Möglichkeiten sind viele. Entscheidend ist, dass die „Gastgeberin“ die anderen Frauen nicht als Besuch wahrnimmt und vorher keinesfalls alleine die Wohnung putzt. Wenn geputzt wird, dann miteinander. Oder gar nicht. Gemeinsam gehts einfach leichter. Und weil die Frauen sich gegenseitig reihum unterstützen, ist es auch einfacher, die Hilfe anzunehmen. Die Kinder profitieren von ihren entspannteren Müttern, den anderen Kindern und lernen nebenbei neue Orte und Menschen kennen, auf welche sie sich vertrauensvoll einlassen können (der sichere Hafen „Mama“ ist ja schliesslich immer ganz in der Nähe).

Gruppengrösse und verbindliche Termine

Es bewährt sich, nicht zu kleine Gruppen zu machen, da sonst bei kurzfristigen Ausfällen einer Familie (Krankheit, Termine, Wegzug,…) immer gleich die ganze Gruppe zusammenbricht. Ebenfalls ungünstig sind zu grosse Gruppen, da dies platzmässig und logistisch schwierig werden kann. Gerade auch kleine Babys sind von zu vielen Menschen schnell überfordert.

Ebenfalls wichtig ist es, grundsätzlich fixe Termine zu wählen (auch nur ein- oder zweimal wöchentlich ist natürlich möglich), sonst ist der Spass vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Wenn man jedesmal über ein neues Datum diskutieren muss, empfinden alle Teilnehmerinnen die Treffen schnell als mühsamen Zusatzaufwand.

Wo sind die tollen Frauen?

Wie findet man die anderen Frauen? Vielleicht hast du bereits in der Schwangerschaftsvorbereitung, dem Rückbildung-Yoga, dem Babymassagekurs etc. Mütter kennengelernt, welche du gerne näher kennenlernen würdest. Nicht zögern, einfach ansprechen! Oder du bist noch ein bisschen mutiger und quatschst die sympathische Mutter im Supermarkt oder auf dem Spielplatz an. Bedenke: Wenn es nicht passt, merkt ihr das schnell, jeder Clan ist dynamisch. Ebenfalls gibt es „Orte“, wo du tendenziell „clan-affine“ Menschen triffst: z.B. in Piklerkursen, an PEKIP-Treffen, aber auch in genossenschaftlich organisierten Strukturen und überall, wo Leute versuchen, mehr im Einklang mit der Natur zu leben (beispielsweise in Wildnisschulen).

Eine kleine Bemerkung, wenn du um klassische Elternplätze einen Bogen machst: Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, fürchtete ich mich etwas vor der Vorstellung, mich nur noch mit Müttern abgeben zu können, welche mir aber mit ihren Werten, Lebensentwürfen etc. total fremd wären. „Diese Mütter, die überleb ich nicht!“, klagte ich meiner kinderlosen Freundin. Sie entgegnete lapidar: „Ja ja ja, nur unsympathische, dumme, langweilige Frauen kriegen Kinder.“ Damit holte sie mich zurück auf den Boden der Realität. Überall gibt es Menschen, mit welchen man gerne zusammen ist. Sie zu finden ist nicht immer ganz einfach. Aber durchaus möglich.

Sonderfall Schweiz

Die oben ausgeführte Form der Müttergruppe wird von den Gründerinnen des Artgerecht-Projektes vorgeschlagen. Als Deutsche leben sie in der Situation, dass Mütter von Babys meist rund ein Jahr Elternzeit nehmen. Da macht dieses Setting Sinn.

In der Schweiz ist es aber ganz anders: Nach den 16 Wochen bezahltem Mutterschaftsurlaub steigen viele Frauen wieder in den Beruf ein. Während dieser 16 Wochen ist eine entsprechende Vernetzung meist noch nicht dringend nötig. Nach der Geburt muss sich die neue Familienkonstellation erstmal einpendeln, das kleine Menschlein will kennengelernt werden. Gerade wenn eine Frau weiss, dass sie nach diesen 16 Wochen wieder arbeiten wird, kann sie die Tage daheim geniessen, es bleibt ihr kaum Zeit für den Aufbau eines Mütternetzes. Dass auch sie als Mutter andere Mütter benötigt, schwant ihr erst viel später.

Natürlich gibt es auch hier Mütter, welche sich mit Geburt ihres ersten Kindes aus dem Berufsleben zurückziehen. Für sie könnte die vorgeschlagene Form allenfalls Sinn machen.

Berufstätigkeit und grössere Kinder

Wenn sich aber Mütter zusammenschliessen möchten, welche noch berufstätig sind, wird es komplizierter: Es ist logistisch wohl nicht möglich, sich während vier Wochentagen reihum zu besuchen und zu unterstützen, da ja alle an unterschiedlichen Wochentagen arbeiten.

Ebenfalls verändert sich die Situation, wenn bereits ältere Kinder zu betreuen sind. Vier Sechsjährige, mehrere kleinere Kinder und dazu noch deren Mütter in eine Vierzimmerwohnung sperren? Viel Spass, sag ich da nur…

Meine massgeschneiderte, persönliche Lösung

Weil die vorgeschlagene Variante für meine Bedürfnisse nicht praktikabel war, pröbelte ich so lange herum, bis ich eine andere Form gefunden hatte, welche zu unserer aktuellen Lebenssituation passt:

ein Treffpunkt in der Natur

Ich habe initiiert, dass unser Grundstück (welches ziemlich gross und abwechslungsreich ist) jeden Mittwochnachmittag (in der Schweiz unterrichtsfrei) Kindern und Eltern offensteht. Die Kinder können im Sand buddeln, den Bach stauen, ein Feuer machen, über den Baumstamm ans andere Bachufer balancieren, Hühnereier einsammeln, die Schafe füttern und vieles mehr. Je nach Zusammensetzung der Gäste bietet sich eine Expedition in den nahen Wald oder in die Weinberge an. Es wird aber nicht ein superpädagogisches Kinderprogramm auf die Beine gestellt. Null Vorbereitung. Vielleicht schneide ich bei Bedarf die Brennnesseln beim Hühnerstall etwas zurück oder füttere vorrangig extra die Tiere nicht, damit ich diesen Job an die Kinder übertragen kann. Das ist aber alles. Wenn es bei dir zuhause ebenfalls genügend Platz für viele Leute hat: ok. Wenn nicht, könnt ihr euch auch in einem Park, an einer Picknickstelle oder anderswo verabreden. Sinnvoll finde ich die Abmachung, dass man prinzipiell draussen ist. Das tut allen gut, ist immer ein Erlebnis und niemand muss „Gastgeber spielen“. Es kann auch nicht geschehen, dass plötzlich zu viele Erwachsene und Kinder eine Wohnung „sprengen“. Auf den Wert der Natur werde ich in einem späteren Post noch genauer eingehen. Denn die Natur ist viel mehr als nur ein praktischer Aufenthaltsort.

die gemischtaltrige Kindergruppe

Ich bin begeisterte Befürworterin der gemischtaltrigen Kindergruppe. Es gibt wohl nichts, was Kinder optimaler fördert und fordert, sie glücklich macht und ansonsten von der Gesellschaft und den Bildungseinrichtungen kaum mehr geboten wird. Ich werde im Post von nächster Woche noch näher auf dieses Thema eingehen. Dann werde ich auch erläutern, welche Effekte solche Gruppen auf Kinder haben können.

grosse Gruppe

Grössere Kinder können eine buntere Gruppe verkraften. Es sind dann auch mehr Leute für eine regelmässige Durchführung nötig, da es bei grösseren Kindern und berufstätigen Eltern immer wieder Verhinderungen gibt. Deshalb gehören viel mehr Familien zu meiner Gruppe. Aus logistischen Gründen verzichten wir deshalb auch auf eine Rotation.

alle Varianten sind toll

Da immer nur einige Mütter mit ihren Kindern die Gelegenheit eines Treffens nutzen können/wollen, ergeben sich jeden Mittwoch leicht unterschiedliche, aber immer sehr schöne Zusammensetzungen. Mal dominieren die grossen Kinder, mal ergibt sich eher ein Babytreff. Manchmal rotten sich mehr als zehn Kinder zusammen und erfinden die tollsten Spiele, während unterschiedlichste Frauen miteinander ins Gespräch kommen. Manchmal kommt nur eine Frau mit ihrem Kind vorbei. Dann können wir uns sehr persönlich und gemütlich austauschen, ein wenig entspannen und eine schöne Zeit mit unseren Kindern verbringen. Beide Varianten und alle Zwischenschritte geniesse ich sehr. Ausdrücklich können neue Familien von allen Clanmitgliedern eingeladen/mitgebracht werden. Ich vertraue auf die natürliche Regulation. Wer nicht in die Gruppe passt, fühlt sich nicht wohl und fasst nicht Fuss. Und wer ähnlich tickt, bleibt gerne, kommt wieder und wird wertvolles Mitglied des Clans.

Wie man Clanmitglieder vergrault

Ein kleiner Tipp am Rande: Da bei mir der Wunsch nach einem Clan gross war und ich alles zig-mal vor- und rückwärts durchdacht hatte, überforderte ich wohl tendenziell die Frauen, welche ich zu Beginn einlud. Ich erklärte ihnen meine Idee en détail, betonte, dass sie auch mitgestalten dürften, schwärmte vom Clanleben der Ureinwohner und den Möglichkeiten eines über Jahre gewachsenen Clans. Da muss man es ja mit der Angst kriegen! Heute erkläre ich nicht mehr viel. „Kommt doch mal am Mittwoch bei uns vorbei wenn ihr mögt, wir sind immer da, die Kinder spielen und wir Erwachsenen haben lustige Ideen oder hängen etwas ab. Gummistiefel und Ersatzkleidung mitbringen.“ Punkt. Fertig. Das genügt völlig. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

persönlichen Schwerpunkt setzen

Was bei diesem Setting fehlt, ist die Unterstützung in Form von tatkräftiger Mithilfe im Haushalt. Mich stört das aber nicht, ich schätze den Austausch mit den Müttern und das Beobachten meiner Kinder in dieser besonderen Gruppe. Da für mich kein nennenswerter Mehraufwand entsteht (da wir ja draussen sind), ist der Nachmittag überhaupt nicht mit Stress verbunden.

Die Tatsache, dass es sich dafür um einen institutionalisierten Feld-Wald-Wiesen-Nachmittag handelt, ist hingegen für mich ein deutliches Plus zur vorgeschlagenen Müttergruppen-Form. Das ist gesund, einfach und in vielerlei Hinsicht optimal. Draussen zu sein macht einfach glücklich.

die Fakten

Hier noch einmal unsere harten Fakten:
-Anmeldung per SMS bis 10 Uhr vormittags.
-Wir sind grundsätzlich draussen. Klo, Wickeltisch, Küche etc. darf man aber natürlich wann immer nötig benutzen.
-Die Kinder bringen ihre eigenen Wasserflaschen mit (das ist einfacher als wenn unzählige Becher im Garten rumstehen).
-Ich stelle einen einfachen Zvieri zu Verfügung (z.B. Äpfel), meist entsteht aber ein lustiges Buffet aus mitgebrachten Zwischenverpflegungen unterschiedlichster Art.
-Wer jemanden mitbringen möchte, darf dies gerne tun (die Gruppe darf wachsen).

Ich schreibe es dir ehrlich, am Anfang zweifelte ich, ob ich dann nicht jeden Mittwoch wie gehabt alleine zuhause rumsitze. Mittlerweile darf ich aber sagen, dass die Rückmeldungen eindeutig sind. Diese Nachmittage werden, so unspektakulär sie sind, von den Kindern und den Müttern als echte Bereicherung wahrgenommen.

Diese Form stimmt im Moment für uns. Es kann sein, dass in einem halben Jahr schon wieder alles anders aussieht. Man könnte auch gegenseitig für einander kochen. Oder die Samstag-Vormittage zusammen mit Vätern und Grosseltern gestalten. Zusammen Ausflüge machen. Für einander Kuchen backen… Probiere aus, worauf du Lust hast und gib nicht gleich auf, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Es lohnt sich auf jeden Fall!

In den Kommentaren zu meinem letzten Post findet sich der Link zu einer Website, welche der Vernetzung dient. Vielleicht ist das etwas für dich?

ein persönliches Wort

Ich bin überwältigt von der Resonanz auf meinen ersten Beitrag, welchen ich für „mein clan“ geschrieben habe. Vielen Dank fürs Lesen und Teilen! Ich freue mich sehr, für dich weiterzuschreiben. Geplant ist fürs Erste ein wöchentlicher Post.

Ich hoffe, dass du wieder hier liest, wenn ich in rund einer Woche meine Gedanken über die Kinder und deren Clanerfahrungen veröffentliche.

10 Gründe, weshalb du einen Clan brauchst

Der Mensch – ein Rudeltier

Homo Sapiens ist nicht gerne alleine. Kinder schlafen bevorzugt im Elternbett, Jugendliche sind per Smartphone fast rund um die Uhr mit ihren Freunden in Kontakt und Erwachsene teilen sich Wohnungen und Büroräume. Soziale Kontakte prägen unser Dasein. Vom ersten Tag an.

Der Mensch hat während Jahrtausenden eng mit seinen Mitmenschen zusammengelebt. Jäger- und Sammlerkulturen lebten und leben in Gruppen. Die Gruppe schützt und stärkt das Individuum. Wer den Kontakt zu seiner Gruppe verliert, ist verloren. Unsere Kleinsten „wissen“ das genau. Sie setzen alles daran, mit ihren Bindungspersonen in Kontakt zu bleiben. Sich irgendwohin legen lassen? Alleine schlafen? Undenkbar! Viel zu gefährlich!

Die moderne Kleinfamilie ist eine neue Erfindung. Noch vor gar nicht langer Zeit haben gewöhnlich mindestens drei Generationen unter einem Dach gelebt (nicht nur in bäuerlichen Strukturen). Zudem wurde die „Kernfamilie“ ergänzt von Angestellten/Dienern/Knechten/Mägden und weiteren Verwandten, wie beispielsweise unverheirateten Frauen, Menschen mit geistig-kognitiven Beeinträchtigungen, Mündeln und anderen. Privatsphäre gab es kaum, Konflikte waren an der Tagesordnung.

Dennoch war und ist es gerade für Eltern in vielerlei Hinsicht von Vorteil, in eine grössere Gruppe eingebettet zu sein: Kinder müssen rund um die Uhr betreut werden. Kinder sind anstrengend. Gleichzeitig kann es auf intellektueller Ebene ätzend langweilig werden, Tag für Tag mit Kleinkindern alleine zu sein. Kinder torpedieren die Privatsphäre. Mal wieder alleine gemütlich auf dem Klo sitzen und in einem Büchlein blättern? Fehlanzeige! Alleine bist du dort selten, und wenn doch, so ist es sicher nicht gemütlich, weil du annehmen musst, dass dein Kleinkind währenddessen irgend etwas anstellt.

Wenn du mit Kindern zusammenlebst, brauchst du starke Nerven. Damit dir diese lange erhalten bleiben, benötigst du erholsame Nächte und auch tagsüber regelmässig kleine Pausen. Momente, die nur dir gehören und in welchen du durchatmen kannst. Du brauchst helfende Hände. Du brauchst manchmal auch nur jemanden, der dir sagt, dass das, was du gerade erlebst, wirklich anstrengend ist. Du brauchst jemanden, der dir sagt und zeigt, dass es auch bald wieder anders wird, das Leben. Du brauchst einen Clan.

Mütter zwischen Kindern, Haushalt und Beruf

Gerade hier in der Schweiz gibt es noch viele Frauen, welche sich mit Geburt ihrer Kinder weitgehend aus dem Berufsleben zurückziehen (nicht zuletzt, weil in der Schweiz die Betreuung der Kinder durch eine Kita sehr teuer ist). Sie verbringen dann während Jahren die meisten Stunden der Woche alleine zuhause mit ihren Kindern. Auch wenn diese Form der Arbeitsteilung bewusst gewählt wurde und viele Vorzüge beinhaltet, ist die Gefahr der Isolation für diese Frauen gross.

Nicht besser ergeht es Müttern, welche trotz Kindern zu einem grossen Teil oder voll berufstätig geblieben sind. Sie möchten die verbleibenden Stunden mit ihren Kindern in vollen Zügen geniessen und sind zögerlich, wenn es darum geht, die wertvolle freie Zeit, welche sie mit ihren Kinder verbringen, mit Spielverabredungen und anderen Terminen zu besetzen. Auch sind durch die Berufstätigkeit weniger Stunden für Haushalt und soziale Verpflichtungen vorhanden. Sich mit anderen Müttern zu verabreden ist eine logistische Herausforderung und scheitert letztlich oft am Gefühl, gar keine Zeit für so einen „verplemperten Nachmittag“ zu haben. So sind auch Frauen, welche zwar beruflich gut vernetzt sind, als Mütter meist mit ihren Kindern und dem Haushalt alleine und entsprechend isoliert.

Die Kinder selbst sind durch Kindergarten und Schule meist gut vernetzt. Sie besuchen einander gegenseitig. Dies allein ist aber noch kein Clanleben. Die kleineren Kinder und die Eltern profitieren davon nicht massgeblich.

Wer gehört zu deinem Clan?

Du bestimmst, wer zu deinem Clan gehört.

Dein Clan kann sich aus Familienmitgliedern zusammensetzen. Wenn deine Eltern oder Schwiegereltern, dein Schwager oder deine Schwester oder sonst ein Verwandter in der Nähe wohnen und ihr ein gutes Verhältnis habt, hole ihn oder sie ins Boot. Frage um Hilfe und lass dich überraschen, wie gerne die meisten Menschen helfen, wo immer sie können.

Dein Clan kann sich aus Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammensetzen. Nicht alle müssen selbst Kinder haben. Frage dich zuerst, was du schenken kannst, ohne dass du dir noch mehr aufbürdest. Vielleicht freut sich jemand, wenn er einmal pro Woche nicht für sich allein kochen muss, sondern bei euch an den Tisch sitzen darf. Vielleicht ist jemand glücklich, wenn sein Hund einmal pro Woche dich und dein Kind auf einen Spaziergang begleiten darf, während er noch im Büro sitzen muss. Es gibt viele Möglichkeiten. Knüpfe Beziehungen und lasse dich überraschen, wie auch du auf Unterstützung zählen kannst.

Verbünde dich mit anderen Familien. Schliesslich erlebt ihr alle ungefähr das Gleiche. Jede Mutter ist froh, wenn sie sich auf eine anstehende Tätigkeit konzentrieren kann und nicht gleichzeitig Kinder beaufsichtigen muss. Teilt euch das Backen der Weihnachtsplätzchen auf, putzt gemeinsam die Fenster eurer Wohnungen, helft euch aus mit Dingen, welche man nicht alle selbst besitzen muss (Lötkolben, Nähmaschine, Schwimmwesten für den Segeltörn, Schlafsäcke,…).

Vorteile des Clans für Eltern und Kinder

Gerade die bewusste Clanbildung mit anderen Familien beinhaltet grossartige Möglichkeiten.

  • Wenn dein Kind müde wird oder das ruhige Spiel bevorzugt, kann es sich jederzeit an einen ruhigeren Platz oder sogar zu dir zurückziehen. Du bleibst jederzeit abrufbar. Kinder wie Eltern lieben diese „lange Leine“. Weil du nicht die einzige Erwachsene vor Ort bist, kannst du entspannt stillen, trösten oder ein Kind auf dem Arm tragen; die Arbeit bleibt trotzdem nicht liegen.
  • Dein Kind liebt es, in einer altersdurchmischten Gruppen zu spielen. Es kann sich von älteren Kindern Fertigkeiten abschauen und ggf. ebenfalls ausprobieren oder die jüngeren mit seinen Fähigkeiten und seiner Hilfsbereitschaft beeindrucken. Dies ist ein grosser Unterschied zu Spielverabredungen, wie wir sie von Schulkindern kennen.
  • Gemeinsam Kinder zu betreuen, ist viel einfacher, als alleine nur für die eigenen Kinder da zu sein. Eine Hand, ein Arm, ein Ohr sind immer frei. Irgend jemand hat immer noch die Nerven zu trösten, eine Geschichte zu erzählen oder einen Schnürsenkel zu binden. Dein Kind lernt ganz entspannt neue Erwachsene kennen, welchen es vertraut. Es erweitert sein Beziehungsnetz und erlebt, dass immer jemand verlässlich auf seine Bedürfnisse reagiert.
  • Innerhalb deines Clans kriegst du keine Rat-Schläge, sondern offene Ohren und Verständnis. Du darfst über deine Frustrationen, deine Ängste oder ganz praktische Probleme sprechen. Ein funktionierender Clan fängt dich auf, auch wenn es mal nicht so rund läuft.
  • Ein gemeinsamer Nachmittag, vor allem im Freien, macht müde und glücklich. Eltern lieben diese Kombination, vor allem im Hinblick auf die darauf folgenden Abendstunden.
  • Dein Clan informiert dich ganz nebenbei über wichtige Kleinigkeiten: Weshalb Sonnencreme X sich bewährt hat, dass nächste Woche im Gemeindezentrum ein Kasperletheater aufgeführt wird und wer ein nicht mehr benötigtes Laufrad zu verschenken hat.
  • Alleine mit zwei Kindern ein Feuer zu machen, ist ganz nett. Neun Kinder ohne die Hilfe von Erwachsenen ein Feuer machen zu lassen und sie dabei heimlich zu beobachten, ist hingegen grandios.
  • Niemand weiss, welche Überraschungen ein gemeinsamer Nachmittag bereithält. Der kleine Unfall mit dem Taschenmesser, der tote Vogel hinter dem Komposthaufen, der gewagte Sprung vom Findling ins Gras: Echte Erlebnisse hallen lange nach.
  • Wenn alle Kinder friedlich spielen, kannst du endlich wieder einmal entspannt Kaffee trinken und mit befreundeten Eltern plaudern. Oder im Liegestuhl 20 min dösen und wissen, dass immer jemand ein Auge auf die Geschehnisse hat.
  • Und das Beste: Mit einem Clan erfährst du, dass du nicht alleine bist.

Vom Traum zur Realität

Hast du Sehnsucht nach (d)einem Clan gekriegt? Im nächsten Post werde ich dir erzählen, wie aus Träumen Wirklichkeit wird. Ich verspreche es dir jetzt schon, es ist viel einfacher, als du denkst.

Falls du konkrete Fragen zur Clanbildung hast, schreibe sie doch als Kommentar unter diesen Text. Dann kann ich im nächsten Post darauf eingehen.

Oder hast du bereits einen starken Clan?