Ohren spitzen

Yeah! Das war grossartig! Danke Jonathan.
Der Gefährte und ich klebten am Bildschirm und verfolgten deinen Auftritt.
Es ist schön, dich zu kennen und ein Stück des Weges begleiten zu dürfen.
(Das gilt vor allem für den Gefährten, ich bin da ja nicht mehr als glückliche Trittbrettfahrerin.)

Für alle Blogleserinnen, welche nicht aus der Schweiz kommen:
„Jeder Rappen zählt“ ist eine schweizweit angelegte Spendenaktionen. Dieses Jahr wurde für Familien auf der Flucht gesammelt. Das Ganze wird mit grosser Kelle angerührt, Radio- und Fernsehstationen arbeiten eng mit der Glückskette zusammen, als Zentrale fungiert eine Glasbox auf dem Europaplatz in Luzern. Als Social-Media-Event aufgezogen, kann man daran auch einiges kritisieren. Aber wie dem auch sei:
Die gesammelten
6’127’335 Franken
sprechen für sich.

Und weil es so schön ist, hier noch einmal Jonathan für euch:

Glückliche Weihnachtstage euch allen, mit viel Musik oder ganz still.

Rundgang

Wer kommt mit auf eine kleine Hofrunde?

Die Zweige der Apfelbäume biegen sich unter der Last der Früchte. Auch die Trauben sind bald reif. Und der kleine Quittenbaum trägt erstmals Früchte! „Eingeschleppt“ von der Wahlberlinerin J. hat er hier seit unserer Hochzeit vor drei Jahren Wurzeln schlagen können.

Bodenstrukturen…

Der Blick durch die von Kapuzinerkresse überwucherte Weidenhecke.

Der Hahn hat alle(s) im Griff.

Die Schafe beobachten das Geschehen ums Haus gelassen von ihrem Unterstand aus. Sie bleiben nun etwas länger liegen, wenn man sich ihnen nähert. Hochschwangere Damen halt… Aber irgendwie haben wir uns mit dem Zählen vertan. Wir erwarteten die Lämmer Ende August. Es bleibt spannend.
Der grosse „Zweiphasen“-Kompost ist mein neuester Stolz. Erbaut vom Gefährten nach meinen Vorstellungen (dafür habe ich doch tatsächlich einst einen halbtägigen Kompost-Kurs besucht, unvergessen vor allem die Weissweingläser mit der Gravur „Prost Kompost„), liefert er einen wichtigen Beitrag zum Gartenglück. Die Miete ist angesetzt, jetzt darf sie gären.
Auch in mir drin gärt es heftig: Zwei Dokfilme beschäftigen mich nachhaltig. Ich möchte sie euch wärmstens empfehlen.
Schluss mit schnell kam per Bloglektüre in mein Leben. 
Schneller, effizienter, besser wurde anschliessend vom Gefährten entdeckt, als er auf mein Drängen hin den obengenannten Film im Netz suchte. Beide Filme drehen sich um Zeit, Geld, Wirtschaft, Technik und das ganz persönliche Lebensglück.
Und nun geniesst den Vollmond!

Fremde Federn

Gesehen und verliebt!

So etwas entsteht, wenn sie die überschüssige Druckfarbe auf ihrer Holzschnitt-Farbwalze in einer ausgedienten Broschüre abrollt und diese wiederum einige Zeit später beim Aktzeichnen als Malgrund verwendet. Und was es sonst noch so braucht: viel Erfahrung und Können, ein frohes, mutiges Herz, verspielte Lockerheit und unversiegbare Neugierde und Lebenslust. (Die Abbildungen sind nicht ein „Best-of-Auszug“ sondern zeigen das komplette vorliegende Heftchen.)

Liebste, beste HLK, ich bin dir oft eine gnadenlose Kritikerin, wie wohl nur eine Tochter es sein kann. Aber dann und wann bleibt mir nur Staunen und neidlose Bewunderung für dein Schaffen.

Hebs guet!

Kindbett

Wer ab und zu ein Duftlämpchen anzündet oder sich im Räuchern versucht, weiss um die positiven Kräfte der Kräuter. Dr. phil. Wolf-Dieter Storl, Kulturanthropologe und Ethnobotaniker, legt überzeugend dar, dass die stärksten Kräuter jeweils diejenigen sind, welche schon von den entsprechenden Ahnen verwendet wurden und welche dadurch indirekt, aber auch ganz praktisch in der Anwendung bereits seit Kindertagen von Bedeutung sind. Bei uns sind dies unter anderem beispielsweise Kamille, Brennnessel und Holunder.

Die uralte Tradition des Kindbettkissens möchte ich deshalb ganz bewusst weiterführen. Die ersten Erfahrungen und Prägungen meines Kindes in der starken und für die Seele wichtigen Welt der Düfte sollen nicht irgendwelche synthetische Moleküle von Kosmetika oder spitaltypische Desinfektionsgerüche sein. Ein kleines Kissen soll es mit seinem zukünftigen Lebensraum, seiner Ahnenkette und seinem Umfeld verbinden. Zart eingehüllt soll es gestärkt und geschützt werden.

Das traditionelle Kindbettkissen wird mit Engelwurz, Beifuss, Johanniskraut, Labkraut, Kamille, Schafgarbe, Himbeere, Quendel und Frauenmantel bestückt. Da ich mich aber gerne auch von meiner Intuition leiten lasse, habe ich die Zusammensetzung leicht abgeändert.

Mein Kissen enthält Himbeerblätter, Schafgarbe und Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Thymian, Verveine, Kornblumen und Malven. Dazu noch eine kleine Handvoll Arvenspäne und als eigentliche Füllung luftig-leichte Dinkelspreu.

Eingenäht habe ich die Wundermischung in einen schlichten Baumwollstoff. Beim Zusammenmischen und Einfüllen wurde ich tatkräftig vom Frischling unterstützt, und gemeinsam wünschten wir während dieser Tätigkeiten dem kleinen Kind schon einmal mit vereinten Kräften alles Gute. Und als Supplement gab es diesmal noch eine sommerlich gelbe Kissenhülle aus reinem Leinen obenauf, bei welcher ich mich an einem einfachen Hotelverschluss versucht habe.

Das fertige Kissen wird nun als wertvolles Gut in die bereitstehende Kliniktasche verstaut. Zusammen mit der wunderschönen Karte, welche mir Sybille Tezzele Kramer von my art diary zur bevorstehenden Geburt geschenkt hat. Ein berührendes Geschenk, welches einfach so per Post zu mir geflogen kam und mich einmal mehr staunen liess, was sich durchs Bloggen im „echten“ Leben alles ereignen kann. Vielen Herzlichen Dank, liebe Sybille!

Anwärmen

Schon lange hielt ich Ausschau nach einer Puppe für den Frischling. Er ist zwar kein Puppen- und Stofftier-Kind, seine Präferenzen liegen mehr bei Gebrauchsgegenständen wie Hammer und Lippenstift. Ich möchte aber eine Puppe im Haus haben, welche all die kleinen Dinge „ausprobieren“ darf, die bald schon hervorgeräumt werden: das Tragtuch, den Autositz, die winzigen Kleidchen und Windeln und anderes mehr. Damit der Frischling mindestens eine vage Vorstellung davon kriegt, was mit „Baby“ gemeint sein könnte. Und damit er ebenfalls etwas zu versorgen hat, wenn es dann soweit ist und ich mit dem kleinen Kind beschäftigt sein werde. Falls er das dann überhaupt möchte.
Deshalb sollte die Puppe ein Baby sein, kein Puppenkind wie der Junge, den ich einst für den Frischling gefunden und fertiggestellt hatte. Aber diese erhältlichen „Newborn“-Plastikdinger sind riesig und ziemlich unhandlich für einen Zweijährigen. Und man kann sie so schlecht herzen. Sie sind hart und kalt.
Schliesslich habe ich diese Puppe gefunden. Joyk-Empathiepuppen werden in Ergotherapie, Logopädie und in der Demenzpflege eingesetzt (Ich habe keine Page der Marke selbst gefunden, nur Onlineshops, von welchen ich hier keinem den Vortritt geben will. Mit Hilfe einer Suchmaschine werdet ihr bei Interesse aber sicher fündig.). Auch scheint sich die Baby-Variante für zahlreiche Ausbildungslehrgänge zu eignen, wo man aufs Üben mit „echten falschen Babys“ angewiesen ist, z.B. Shiatsu u.ä. Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher „Kinder“, die Baby-Version ist als Knaben- und Mädchenvariante erhältlich. Die Grösse des Babys entspricht einem echten Baby, auch muss beispielsweise das Köpfchen gestützt werden. Der Mund ist so gestaltet, dass man einen Finger oder Schnuller hineinstecken kann. Trotz der offensichtlichen Reduktion wirkt die Puppe deshalb sehr lebendig.
Die gelieferte Puppe war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, zumal sie anders aussieht als das Ansichtsexemplar in den Onlineshops. Sie hat etwas gnomhaftes, ist ein kleiner, knubbliger Troll. Da sie aber durchaus nett in die Welt schaut und als Probeträger für mein Gestrick herhalten muss, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich sie dann und wann aus ihrer Schachtel hole (es ist noch etwas zu früh, sie dem Frischling anzuvertrauen). Wenn ich diese Puppe dann wie ein Neugeborenes an die Schulter nehme oder im Arm trage, anders kann man sie kaum halten, erinnern sich meine Hände an die erste Zeit mit dem Frischling. Und ich spüre, wie sehr ich mich freue auf das richtige, lebendige kleine Kind.
Verstrickt habe ich die Drops-Wolle „Baby Alpaca Silk“ (70% Alpaca, 30%Seide), eine ganz wunderbar zarte Wolle. Das Jäckchen ist ein „Sunnyside Baby Sweater“ von hier. Es ist wirklich erstaunlich einfach zu stricken und lässt mich Strickbanause einen scheuen Blick in die goldenen Hallen der altehrwürdigen Strickerinnen werfen. Die Kappe „Quynn“ kommt von hier (Danke liebe Ulma für den Tipp!). Auch sie strickt sich fast von selbst. Wer jetzt übrigens meint, nur weil ich die Jungen-Variante gestrickt habe, kriege der Frischling einen kleinen Bruder, liegt übrigens zu 50% falsch. Wir wissen nicht, ob ein Junge oder ein Mädchen da seine Kapriolen macht in meinem Bauch.

stille Vorfreude

Es sind unspektakuläre Tage. Und doch geschieht so viel. Die Wunder zeigen sich im Kleinen.

Der Frühling knallt einem seine ganze Pracht noch nicht um die Ohren, aber er schleicht sich leise heran. Der Weidezaun trägt Kätzchen und der frischgepflanzte Kornelkirschbaum blüht. Meine grösste Freude sind jedoch die zarten Blättchen am Holunderbaum. Ich wusste nicht, ob er meine brachiale Umsiedlung überlebt hatte. Vor einiger Zeit grub ich ihn nämlich in unserem Waldstück an steilster Hanglage bei nassfeuchtem Wetter aus, während der Frischling im Kinderwagen schlief. Entsprechend winzig war der Wurzelballen, mein grobes Gezerre am Baum und nur mässiges Gegrabe liess viele Wurzeln abbrechen. Und jetzt spriessen überall diese kleinen Blättchen. Ein tapferes, zähes, braves Bäumchen.

Die Hennen legen Ei um Ei. Täglich von neuem diese warmen Handschmeichler aus dem Stroh zu bergen erfüllt mit Bewunderung und Dankbarkeit. Eier als Symbol für Fruchtbarkeit. Was ich schon immer gewusst habe, verstehe ich jetzt auch mit dem Herzen.

Der Frischling spielt und tanzt und werkelt und palavert und zeichnet. Er zeichnet überall. Auf Papier, auf die schöne alte Holztruhe, auf die gläserne Türe der Duschkabine. Fast immer freut es mich sehr. Sein Wachsen und Lernen ist wunderbar anzuschauen.

Ein ziemlich spontan gekauftes Baumwollgarn zeigt mit jeder gestrickten Reihe mehr von seiner Schönheit. Jede Masche hilft mir, in meinem Alltag meine Aufmerksamkeit auf das kleine Menschenkind zu richten und ihm liebevolle Gedanken zukommen zu lassen. Wie der schüchterne Frühling wirkt seine Gegenwart nämlich trotz aller Vorboten noch etwas fern. Man wagt kaum, daran zu glauben. Doch schon ganz bald wird es (hoffentlich) mit uns leben und wir können uns dann nicht mehr vorstellen, wie wir es ohne seine Gegenwart aushalten konnten.

Stille, heimliche, versteckte Wunder. Die aber alle doch schon ihre Boten vorausschicken und Zeichen setzen in diesen Tagen.

Bochselnacht

Nacht
Feuer
alte Geister
junge Kräfte

Freut euch des Lebens
weil noch das Lämpchen glüht,
pflücket die Rose
eh‘ sie verblüht.

Ich weiss nicht, weshalb mich die Bochselnacht jedes Jahr so anrührt. Die Meinungen sind ja durchzogen. Mir gefällt das gänzlich Unsüsse in dieser doch oft etwas überzuckerten Vorweihnachtszeit. Zuerst der Strom der zügig schreitenden Kinder, ohne Musik, nur mit drei Trommlern an der Spitze des langen Zuges. Dann das Lied am Dorfbrunnen, mehr geschrien als gesungen. Und zum Schluss Böllewegge.

Beim Frischling ist der Funke bereits gezündet. Obwohl er vor allem vergeblich die Elefanten gesucht hat. Das Getrommel klang in seinen Ohren verdächtig nach der Frühpatrouille des Dschungelbuches.