Die spinnen, die Römer!

Dieses erste Verarbeiten von Wolle ist nur ein kleiner Testlauf einer winzigen Menge (ca. eine Einkaufs-Papiertüte). Ich wollte einfach endlich wissen, was es da alles zu tun gibt, wie es sich anfühlt, und was da so dabei herauskommt, wenn ich mich auf dieses Material einlasse.

Das Sortieren der verschmutzen Wolle war nicht ganz einfach. Was geht noch? Was gehört weggeworfen? Ich habe wohl eher ein bisschen zu gründlich vorsortiert, das anschliessende Waschen und Kämmen beseitigt noch Heu und Gras und löst auch kleinere Verklebungen. In Zukunft werde ich aber direkt beim Scheren die richtig stark verschmutzten Stellen, sprich Kot im Fell, bereits grosszügig aussortieren. Dies wäre überhaupt nicht eklig, Monate später wird es das aber.

Dann wird die Wolle in sehr warmem Wasser mit etwas Spülmittel und Waschsoda zwei- bis dreimal für rund 20 min. gewaschen (eingelegt) und anschliessend mit mehreren Gängen klarem warmen Wasser gespült. Zum Schluss wird geschleudert, tatsächlich. Allein Temperaturschwankungen des Wassers und Kneten der Wolle sollte man unterlassen. Das anschliessende Trocknen dauert jetzt im geheizten Haus nicht lange.

Danach folgt das Kardieren der Rohwolle. Da es mir an Handkarden mangelt, habe ich fürs erste zwei grosse Hundebürsten mit Metallstiften gekauft. Die sind den Handkarden ziemlich ähnlich, günstig und reichen für meine Testzwecke allemal. Und wenn man bedenkt, dass früher für diese Arbeit echte Karden (Pflanzen) benützt wurden, ist ja bereits so eine Hundebürste ein High-Tech-Gerät. Kardieren ist eine ziemlich langwierige, aber schöne Tätigkeit. Perfekt geeignet für einen langen Novemberabend, flankiert von Tee und Hörbuch. Durchs Kardieren entstehen diese herrlich fluffig-leichten Wollwölckchen, wie man sie fürs Filzen oder andere Bastelarbeiten kaufen kann.

Die kardierte Rohwolle kann nun nass- oder nadelgefilzt oder versponnen werden. Da ich zufälligerweise im Besitz einer Handspindel bin, habe ich mich im Spinnen versucht. Der Einstieg ist eine ziemliche Herausforderung, aber schnell lernen die Finger das Material kennen, die Bewegungen werden runder, die Entspannung während der Arbeit setzt ein. Noch immer bin ich sehr langsam, aber was sich da so langsam auf der Spindel aufwickelt, freut mich sehr. Ein ziemlich dünner, einigermassen regelmässiger Faden wird lang und länger.

Anschliessend wird noch das Verzwirnen folgen. Der Faden ist ja erst gedreht, steht also unter Spannung, erst mit sich selbst oder einem zweiten Exemplar verzwirnt, entspannt er sich. Man muss also zwei Meter Wolle spinnen, um am Schluss einen Meter Wollgarn zu erhalten.

Und dann kann man endlich zu stricken beginnen.

Mein erstes Fazit:
Die Arbeit ist keine Hexerei, jedoch sehr zeitaufwändig. Sie muss um ihrer selbst willen gemacht werden, dann ist sie wunderbar.

Auf jeden Fall hat es eine ganz neue Qualität bekommen, den Schafen beim täglichen Besuch das Fell zu kraulen. Dass aus ihren Kutten auf ganz archaische Art und Weise, ohne Strom (ausser in meinem Fall fürs warme Wasser und den Schleudergang) und kompliziertes Gerät ein langer, reissfester, tatsächlich weiter zu verarbeitender Faden entstehen kann, rührt mich eigenartig an. Es ist gut, dass diese drei Schafe hier mit uns leben. Holz und Heu einzulagern, Obst zu dörren und einzukochen, das Feuer zu hüten und Wolle zu spinnen; in diesen einfachen und uralten Tätigkeiten liegen für mich ungeahnte Freude und ein grosses Glück.

Erinnerungen zum Anfassen

Welche Bloggerin kennt es nicht: Mit Einzug der Digitalkamera haben sich tausende Bilder auf unseren Rechnern oder externen Festplatten angesammelt, persönliche Schätze von grossem emotionalen Wert, welche aber selten bis nie angeschaut werden. Allein schon, weil die Archivierung der Betrachtung nicht entgegen kommt, existieren doch von jedem Moment, den man festhaltenswert hielt, Dutzende von Bildern.

Gerade das Führen einer „Familienchronik“, also eines klassischen Fotoalbums, wie ich es als Kind daheim jeweils fasziniert studiert habe und welches bis heute nichts von seinem Reiz eingebüsst hat, scheint ausser Mode gekommen zu sein. Aber ich wollte das auch haben! Für mich. Und für meine Familie. Aber wie anstellen? Allein schon der Gedanke an die Datenmengen liess mich erschaudern…

Digital erstellte Fotobücher mag ich nicht. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, sie sind unglaublich teuer und die angebotenen Softwareprogramme sind unhandlich und unübersichtlich. Einkleben mit Fotoecken ist auch nicht meins. So gut kenne ich mich, da komme ich über die ersten fünf Seiten nicht hinaus. Und altbacken finde ich es zudem auch noch. Einstecktaschen finde ich super, die sind schlicht und praktisch. Aber bis anhin fand ich nur solche für herkömmliche Ordner. Und da standen dann jeweils 4 Fotos pro Seite kopf, weil ich mehrheitlich Querformat-Bilder (ein grandioses Filmchen zu diesem Thema hier) schiesse. Nicht schön, und somit auch keine Option.
Soulemama rettete mich, indem sie vor einigen Wochen ihr Fotoalbum-System vorstellte. Ich war hingerissen. Und der Rest ist schnell erzählt: Probeabzüge, Sichttaschen und Album bestellt und für gut befunden, anschliessend rund 600 Fotos (Best-of-Auswahl der letzten fünf Jahre) drucken lassen und sortiert, geordnet, arrangiert, reduziert,… Bei dieser Gelegenheit habe ich auch meine Art, Bilder abzulegen überdacht und mich für einen praktischeren Neuanfang entschieden, zudem die Festplatte „geputzt“, externe HDs geordnet und sauber beschriftet,…

Und jetzt bin ich glücklich! Immer wieder blättere ich durch die Seiten, welche meine Liebsten und die grossen Veränderungen der letzten Jahre zeigen. Berührt und dankbar für alles, was die Bilder zeigen. Und stolz über meine Entscheidung zu einem System und die rasche und komplette Umsetzung meines Plans.

Fremde Federn

Gesehen und verliebt!

So etwas entsteht, wenn sie die überschüssige Druckfarbe auf ihrer Holzschnitt-Farbwalze in einer ausgedienten Broschüre abrollt und diese wiederum einige Zeit später beim Aktzeichnen als Malgrund verwendet. Und was es sonst noch so braucht: viel Erfahrung und Können, ein frohes, mutiges Herz, verspielte Lockerheit und unversiegbare Neugierde und Lebenslust. (Die Abbildungen sind nicht ein „Best-of-Auszug“ sondern zeigen das komplette vorliegende Heftchen.)

Liebste, beste HLK, ich bin dir oft eine gnadenlose Kritikerin, wie wohl nur eine Tochter es sein kann. Aber dann und wann bleibt mir nur Staunen und neidlose Bewunderung für dein Schaffen.

Hebs guet!

Fäden und Kontakte knüpfen

Frau Krähe näht! Endlich! Bevor ich mich ans Stricken wagte, glaubte ich fest an die Näherei. Schliesslich beginnt man da nicht mit einem Faden, welcher sich mühsam Masche für Masche zu einer Fläche entwickeln muss. Nein, nein, die Fläche ist schon vorhanden, man muss nur ein bisschen davon wegschnippeln, neu zusammensetzen, und schwupps, schon hat man ein fertiges Kleidungsstück. Skulptur vs. Plastik, um es bildhauerisch zu sagen… Meine Vorstellung in Ehren, leider brachte mich die Realität schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Beim Nähen gilt es zahlreiche Arbeitsschritte zu befolgen, mysteriöse Fachausdrücke (absteppen, versäubern,…) und technische Details (Nähmaschine) zu verstehen und räumliches Vorstellungsvermögen zu beweisen.  Die entstehende Auslegeordnung ist jeweils beträchtlich, zeitintensiv und mit neugierigem Kleinkind logistisch nicht ganz einfach im Griff zu behalten (Bügeleisen, Schere, Stecknadeln,…). Und so blieb es in den letzten Jahren bei einigen Versuchen, viel Flucherei und verhältnismässig wenig Freude.
Der von der Integrationsstelle meines Wohnortes ausgeschriebene Nähkurs für Migrantinnen und langweilige „Schon-Immer-Hier-Wohnende“ wie mich (aber ohne diese funktioniert Integration ja auch nicht) ist deshalb genau das Richtige für mich. Während acht Abenden werden wir, fünf Frauen unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Lebens- und Nähbiografien in die Grundlagen der Näherei eingeführt. Und zwar ganz individuell und auf genau dem Niveau, welches zu einem passt. 
Gemütlich die Stunden und spannend die Gespräche am grossen Tisch, welche sich zwischen ratternden Nähmaschinen entwickeln. Klärend und motivierend die kleinen Erfolge, welche sich langsam einstellen. Bald mehr. Jetzt muss ich Stoff zuschneiden gehen… 

stille Vorfreude

Es sind unspektakuläre Tage. Und doch geschieht so viel. Die Wunder zeigen sich im Kleinen.

Der Frühling knallt einem seine ganze Pracht noch nicht um die Ohren, aber er schleicht sich leise heran. Der Weidezaun trägt Kätzchen und der frischgepflanzte Kornelkirschbaum blüht. Meine grösste Freude sind jedoch die zarten Blättchen am Holunderbaum. Ich wusste nicht, ob er meine brachiale Umsiedlung überlebt hatte. Vor einiger Zeit grub ich ihn nämlich in unserem Waldstück an steilster Hanglage bei nassfeuchtem Wetter aus, während der Frischling im Kinderwagen schlief. Entsprechend winzig war der Wurzelballen, mein grobes Gezerre am Baum und nur mässiges Gegrabe liess viele Wurzeln abbrechen. Und jetzt spriessen überall diese kleinen Blättchen. Ein tapferes, zähes, braves Bäumchen.

Die Hennen legen Ei um Ei. Täglich von neuem diese warmen Handschmeichler aus dem Stroh zu bergen erfüllt mit Bewunderung und Dankbarkeit. Eier als Symbol für Fruchtbarkeit. Was ich schon immer gewusst habe, verstehe ich jetzt auch mit dem Herzen.

Der Frischling spielt und tanzt und werkelt und palavert und zeichnet. Er zeichnet überall. Auf Papier, auf die schöne alte Holztruhe, auf die gläserne Türe der Duschkabine. Fast immer freut es mich sehr. Sein Wachsen und Lernen ist wunderbar anzuschauen.

Ein ziemlich spontan gekauftes Baumwollgarn zeigt mit jeder gestrickten Reihe mehr von seiner Schönheit. Jede Masche hilft mir, in meinem Alltag meine Aufmerksamkeit auf das kleine Menschenkind zu richten und ihm liebevolle Gedanken zukommen zu lassen. Wie der schüchterne Frühling wirkt seine Gegenwart nämlich trotz aller Vorboten noch etwas fern. Man wagt kaum, daran zu glauben. Doch schon ganz bald wird es (hoffentlich) mit uns leben und wir können uns dann nicht mehr vorstellen, wie wir es ohne seine Gegenwart aushalten konnten.

Stille, heimliche, versteckte Wunder. Die aber alle doch schon ihre Boten vorausschicken und Zeichen setzen in diesen Tagen.

mein Wochenende

Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.

Soldaten!

Der Gefährte probt den Ernstfall, blüht auf in Theaterluft und kreativem Entstehungsprozess. Wir Nutzniesser profitieren von den positiven Energien, schlängeln uns durch das daraus resultierende straffe Zeitmanagement und bewältigen tänzelnd und mit fest nach vorn gerichtetem Blick den organisatorischen Hochseilakt. Am Sonntag werden der Frischling und ich während der offenen Probe wohl ein bisschen in diese fremde, faszinierende Welt blinzeln können. Ich freue mich jetzt schon.

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Liegt es an meinen schwangerschaftlichen Hormonen, dass mir die Klänge à la Marlene Dietrich tatsächlich die Tränen in die Augen treiben? Oder spürt ihr da auch ’nen Kloss im Hals?

Wer mehr wissen will über das Stück oder das Theater: Hier gehts zur Seite der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Beine und Räder

Der Frischling baut leidenschaftlich Türme und Züge, studiert begeistert Tierbücher und pflegt seinen stetig wachsenden Fuhrpark, indem er engagiert Runden dreht und regelmässig mit Trichter und Teekrug alle Gefährte mit imaginärem Benzin volltankt.

Wie goldrichtig und passend waren da die Geschenke, welche seine Gotte (Patentante) bei ihrem Wochenendbesuch mitgebracht hat: ein wundervoll eingefahrenes Laufrad und ein Holztierpuzzle, welches auch bei uns Grossen Begeisterung ausgelöst hat. Das von Enzo Mari für Danese Milano entworfene „Sedici Animali“ ist wahnsinnig schön, aber auch wahnsinnig teuer. Wie gut, dass die liebe Schenkerin sich mit Holz auskennt und mit kleinstkriminellem Händchen das Spiel des grossen Designers liebevoll selbst gesägt, geschliffen und geölt hat. Was kann denn ein Kind Schöneres geschenkt bekommen als ein selbstgemachtes Präsent, welches während des Herstellungsprozesses mit besten Gedanken und Wünschen aufgeladen wurde?

So hat der Frischling heute Tierwände gebaut, die Viecher über die Rutschbahn geschickt und sie natürlich auch gefüttert. Dazwischen hat er sich immer wieder im Auf- und Absteigen und Vor- und Zurückfahren mit dem Rad geübt.

Sattel einstellen

Luftdruck prüfen

Benzin einfüllen

aufsteigen und…

…los gehts!

Übrigens war es natürlich auch für mich ein wunderbarer Besuch, ist doch die liebe d. langjährige Freundin, Berufskollegin, Telefonberaterin in allen Lebenslagen, erprobte Reisebegleitung und vieles mehr. Dank Dir für alles!

Keramik aus Giesston

Das neue Jahr ist von Grippe, grässlich viel Korrekturarbeit für die Schule und einer darauffolgenden Blogger-Lethargie bestimmt worden. Es ist Indre von MiMA zu verdanken, dass ich endlich aus diesem Zustand gerissen wurde. Auf ihrem wunderbaren Blog hat sie nämlich die Frage nach dem Handwerk der Giesston-Verarbeitung gestellt. Und da ich zwar keine Keramikerin, aber Vermittlerin von allerlei Kunst, Gestaltung und dem entsprechenden Handwerk bin, möchte ich hier zeigen, wie man schnell und einfach seine Giesston-Kollektion realisieren kann. Meine Schälchen, welche als Anschauungsobjekte dienen, habt ihr schon bei früherer Gelegenheit kennengelernt.
Man verzeihe mir unprofessionelles Vorgehen oder Behandeln des Materials in der folgenden Anleitung. Für meine Ansprüche und die Rahmenbedingungen, welche mein Schaffen prägen, ist das Vorgehen jedoch praktikabel. Und damit wahrscheinlich auch für alle von Euch, welche sich erstmals mit dieser Technik versuchen wollen. 
Ton muss gebrannt werden. Einen Brennofen, wo ihr Euer Material brennen lassen könnt, findet ihr in Keramikateliers. Es lohnt sich aber auch, in Kultur- und Kurszentren oder Jugendwerkstätten und ähnlichem anzufragen. Auch Schulen wie Gymnasien sind oft in Besitz eines solchen Ofens, welcher ohne Probleme angeworfen werden kann. Eine nette Anfrage kann sich also durchaus lohnen. 
Da ich im Moment nicht die Zeit habe, ein eigenes Projekt zu realisieren und für euch fotografisch zu dokumentieren, seht ihr hier einige Fotos vom Gipsnegativ und den fertig gebrannten und glasierten Schälchen. Bild 3 (oben) ist entsprechend nur zur Verdeutlichung gedacht. Das glasierte, fertige Objekt sitzt in der Realität nie im Gipsnegativ.
Stattdessen möchte ich euch mit einigen einfachen Zeichnungen das Vorgehen verdeutlichen. 
Schälchen aus Giesston
Zuerst benötigt man eine Form-Vorlage. Ich schaue mich meist beim Hartplastikgeschirr in den Brockis um. Spottbillig ist das und oft perfekt geeignet. Wichtig ist, dass sich die Form – und damit auch am Schluss das entstandene Tongefäss – wieder aus dem Gipsnegativ herauslösen lässt. Wenn das so aussieht wie bei Variante I, funktioniert das Herauslösen nach oben hin nicht. Variante II passt aber tipptopp. Alles klar?
Herstellen der Gips-Negativform
Man benötigt eine Schüssel, welche etwas grösser und tiefer ist als das Gefäss. Ich verwende jeweils ein speziell angefertigtes, einfaches System aus zugeschnittenen Holzbrettchen. Um eine quadratische Bodenplatte herum werden vier Seitenwände gestellt und mit Spannklammern zusammengehalten. Mit Tonwürstchen werden die Ritzen abgedeckt. Der Vorteil ist, dass man nicht immer neue Gefässe braucht, weil sich die Brettchen ganz einfach wieder vom Gips lösen lassen. Aber wie gesagt, eine grössere Schüssel geht auch.

Etwas Gips wird gemäss Anleitung* angerührt. Ich verwende Modelliergips, der ist schön fein.
* Etwas kaltes Wasser in Gummibecher geben. Gips hinzufügen, bis eine Insel entsteht. Von Hand so lange vorsichtig mischen, bis sich das Pulver aufgelöst hat.

Den Boden giessen und etwas abbinden lassen. In der Zwischenzeit das Gefäss auf der Aussenseite fein mit Vaseline einstreichen und mit feuchtem Sand füllen. Dieses Gewicht verhindert später allzu starken Auftrieb im flüssigen Gips. Das Gefäss in den etwas festgewordenen, aber noch nicht harten Boden drücken. Darauf achten, dass unten keine Luftblase entsteht und dass das Gefäss ganz gerade steht. Anschliessend genügend Gips anrühren und bis oben hin aufgiessen. Gründlich abbinden lassen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Wenn der Gips getrocknet ist, kann das Plastikgefäss vorsichtig entfernt werden. Vielleicht muss das Gipsnegativ anschliessend noch gründlicher austrocknen.

Ausgiessen der Form

Der Giesston muss gemäss Anleitung mit Wasser angerührt werden. Ich verwende die C19 Steingut-Giessmasse von Bodmer Ton AG. Aber da gibt es bestimmt auch andere gute Anbieter mit entsprechenden Produkten. Wichtig ist, dass das Verhältnis von Pulver und Wasser genau stimmt.

Die angerührte Giessmasse wird vorsichtig in die Negativform gefüllt. Der Gips entzieht der Flüssigkeit Feuchtigkeit, dadurch trocknet sie am Rand leicht an. Wenn man nun nach einiger Zeit (mein Erfahrungswert für kleine Schalen liegt bei 20-30 min) die Giessmasse wieder ausleert (zurückleeren zur vorbereiteten Menge, man kann diese immer wieder verwenden), bleibt also ein dünner Rand und somit das neue Gefäss zurück. Je länger man wartet, desto dicker wird diese Wand.

Falls sich von der Giessmasse beim Ausleeren eine „Nase“ bildet, kann man diese vorsichtig mit einem feuchten Schwämmchen entfernen. Das Gefäss trocknen lassen. Bei diesem Vorgang zieht es sich leicht zusammen und löst sich automatisch vom Gips, so dass es nachher einfach herausgehoben werden kann.

Mit feinem Schleifpapier können unerwünschte Unregelmässigkeiten entfernt oder die obere Kante akzentuiert werden.

Nach gründlicher Trocknung muss das Gefäss gebrannt werden (Rohbrand). Anschliessend kann es noch glasiert* werden. Die Technik des Glasierens erkläre ich hier jetzt erstmal nicht. Lasst es mich wissen, falls ein Bedürfnis dafür besteht.
*Ich habe meine Gefässe mit der Effektglasur „Maui glanz“ von Bodmer Ton AG, und in einem zweiten Vorgang noch mit einer Transparentglasur glasiert. Da ich die Gefässe für Tee verwende, war mir die leicht raue Oberfläche des aussen unbehandelten Tons an den Lippen unangenehm, obwohl mir die etwas unregelmässige Optik sehr gefiel. Geschliffen habe ich ausschliesslich die obere Kante. 

Weiterführung

Da MiMA von einer Lampenkollektion schreibt, möchte ich noch zwei weitere Bemerkungen anfügen: Als Ausgangslage können natürlich auch mehrere Gefässe miteinander zu einer neuen Form kombiniert werden. Einfach darauf achten, dass keine hinterfangenen Formen entstehen. Wenn man in die fertige Negativform einen Korkzapfen oder etwas ähnliches klebt, erhält man das benötigte Loch, durch welches man später das Stromkabel ziehen kann.

Ihr seht, das Ganze ist keine Hexerei. Besonders toll ist übrigens, dass man mit einer Negativform ziemlich schnell ganze Serien herstellen kann. Und deshalb ist das eine super Sache, wenn man besondere Geschenke herstellen möchte.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spass und Erfolg beim Giessen eurer eigenen Keramik!