Bäuerin

Der Besuch im Brocki war schon fast vorbei, der Gefährte hatte die Kasse bereits passiert und steuerte auf die Tür zu, da sprang es mir ins Auge. Von dort direkt ins Herz. Und so kaufte ich es für ganz ganz wenig Geld. Das Bild, den Holzschnitt, das Portrait einer alten Bäuerin.

Neu gerahmt strahlt jetzt ihr liebes, verschmitztes Gesicht unter dem gemusterten Kopftuch gerade noch einmal so viel. Ihre grossen Hände, welche von harter Arbeit erzählen, umfassen zärtlich einige Äpfel. Ihre gestreifte Schürze, wunderbar gearbeitet, faltet und kräuselt sich fast übermütig und verleiht ihrer Gestalt Plastizität. 
Noch nie eiferte ich ernsthaft jemandem nach. Aber wie sie will ich werden. Fast wie bei einem Andachtsbild verliere ich mich bei ihrem Anblick in meinen Wünschen, Zielen, Träumen. Schön, dass wir uns gefunden haben.
Dass es sich bei dem Holzschnitt um ein Werk des bekannten Schweizer Künstlers Heinz Keller handelt, dessen Arbeiten normalerweise für mich unerschwinglich sind, macht den Fund noch schöner. Natürlich ist jedes hübsche Ding, welches man beim Trödler ersteht, ein Schatz für sich, aber ich hatte bis anhin noch nie das Glück, einen solch „objektiv wertvollen Gegenstand“ zu entdecken. Auch diese Tatsache freut mich natürlich ungemein, denn wie alles Echte strahlt Kunst eine ganz andere Energie und Intensität aus, als jede Reproduktion oder Nachahmung dies vermögen.
Mir ist, als sei mit der alten Bäuerin eine gute Seele bei uns eingezogen.

Glück

Die Maus in der Wand raschelt und knuspert und trippelt. Der Kater spitzt die Ohren.
Im trüben Schneeregen höre ich den Frühlingsruf eines Vogels.
Eine Zwergenmütze ist fertiggestrickt und wird dem Frischling auch in einem Jahr noch passen.

Manchmal ist Glücklichsein ganz einfach.

Ganz oben übrigens eine ältere Arbeit von mir. Die Collage stammt aus einer ganzen Serie zu Songtiteln von The Beatles.

Fundgrube

Die Treue halten,
Ohne zu wissen wohin
Die Beharrlichkeit
Ins Uferlose ohne Zweck,
Den Tag beginnen, als wär‘
Er der erste und letzte zugleich.
Sein Ich erweitern
Und zugleich vor dem Werk
Zurücktreten immer mehr,
Das ist das Los,
Ist das Glück,
Ist die Not
Des schöpferischen Menschen.
(Helen Dahm)

Da habe ich dieses Blog ins Leben gerufen, um mir selbst beim Arbeiten und Denken zuschauen zu können. Ein Reflexionsplätzchen sollte dies werden und ein Ort, wo ich mir selbst und anderen zeigen kann, was so geschaffen wird von meinen Händen. Mit dem Hintergedanken, dass dann eben überhaupt auch etwas entsteht und es nicht immer nur beim Denken und Planen bleibt. Oder auf halber Strecke zum Erliegen kommt.

Und es funktioniert! Es funktioniert so gut, dass ich es vor lauter Gewerkel nicht mehr vor den Computer schaffe. Die Tage gehören weitgehend dem Kind, dem Gefährten, den Tieren und dem Haus, und so bleiben jeweils nur wenige Abend- und Nachtstunden für meine Projekte. Was wurde aber in diesen gestrickt, betoniert, geschliffen, gesprayt,… Die Resultate zeige ich gerne im Verlauf der nächsten Tage.

Und ich registriere die erste Fallgrube des Blog-Universums (oder meines Blog-Universums): die Kommentare der Leserinnen. Sie motivieren und freuen mich sehr, setzen mich aber auch unter Druck. Man weiss, da liest jemand mit, und so will man nicht zu lange warten mit dem nächsten Post. Und ehe man sichs versieht, ist aus dem spannenden, netten „Ego-Reflexions-Tool“ eine öffentliche „Mini-Galerie“ und ein gieriges Zeitfresserchen geworden, welches die tägliche Pendenzenliste um einen weiteren Punkt verlängert.

Zudem stellen sich Fragen nach Authentizität, Ehrlichkeit, Abgrenzung. Will ich beschönigen? Nur Gelungenes zeigen? Oder dem Scheitern ebenfalls einen Platz geben? Aber wirds dann nicht zu persönlich? Für Leserinnen soll dieses Blog ja im besten Fall Inspirationsquelle sein, nicht die unangenehme Ausbreitung meines Innenlebens. Vermutlich wird es die Zeit zeigen, welche „Färbung“ meine Texte und Bilder annehmen. Jeder Post soll einfach im Moment des Veröffentlichens ehrlich und unprätentiös sein. Das ist mal ein erster, wichtiger Vorsatz.

Ganz oben übrigens eine ältere Arbeit von mir. Die Collage stammt aus einer ganzen Serie zu Songtiteln von The Beatles.

Muttertier

Draussen liegt Schnee, aber auf dem Papier entstehen bereits Frühlingsträume. Ob dieses Jahr Auen und ihre Lämmer einziehen werden bei uns? Oder ob wir uns ein weiteres Jahr mit dem Halten von jungen Schafen begnügen, welche dann im Herbst geschlachtet werden? Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Ich erhoffe mir Klarheit durch den Besuch eines Schafhalterkurses, auf welchen ich mich sehr freue.

Meine Affinität zu Muttertieren gründet wohl in der Tatsache, dass ich selbst eines bin. Schon während der Schwangerschaft habe ich mir die Kühe, Schafe und Gämsen zum Vorbild genommen, welche konzentriert, geduldig und im Normalfall mit einer grossen Selbstverständlichkeit ihre Kälber, Lämmer und Kitze gebären. Mother Nature is beautiful!

Schlaf gut, kleines Kind

Das kleine Kind schlief schon immer bestens, aber nur mit mir an seiner Seite. Und weil mir einige Momente für mich selbst nach unseren turbulenten, wunderbaren Tagen sehr fehlten, versuchte ich während der letzten Tagen sacht, das Abendritual ein bisschen umzustellen.
Als hätte das kleine Kind nur darauf gewartet, schläft es seither spätestens um 20 Uhr tief und fest in seinem eigenen, sicheren Bettchen. Manchmal schreckt es noch ein- oder zweimal hoch, lässt sich aber leicht in den Schlaf zurückführen. Was für ein Geschenk! So sitze ich jetzt in der wohltuenden nächtlichen Stille und finde nach einer gefühlten Ewigkeit (ja, neun Monate können sehr lange sein) endlich wieder die Zeit und Energie, einen Stift resp. eine Radiernadel zur Hand zu nehmen.
Meine Gedanken und mein Herz sind beim schlafenden Kind, und es entsteht dieses kleine Bildchen. 
Man benötigt: HP-Folie, auf welche ein schwarzes Blatt Papier kopiert wurde, Radiernadel, Vorlage, Leuchtpult. Vorlage unter die schwarze Folie schieben, beides aufs Leuchtpult legen und die hellen Stellen wegkratzen. Wer kein Leuchtpult hat, kann den hellen Compi-Monitor zweckentfremden. Einfach, günstig, hübsch.