Raus aus meinem Bett!

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Über die Pro und Kontra des Familienbetts gibt es auf einschlägigen Blogs viel zu lesen. Ich möchte deshalb nicht wiederholen, weshalb ich das Familienbett anderen Schlafarrangements bevorzuge, sondern nur auf einige lesenswerte Artikel verweisen:

Kathrin von nestling.org hat das Thema sehr ausführlich behandelt.
Bei Susanne von geborgen-wachsen.de finden sich ebenfalls fundierte Tipps, zudem gibt es wunderbare Inspirationen für kreative Schlaflösungen.

Wir kamen ungeplant zum Familienbett. Zwar stand nach Geburt des ersten Kindes noch ein Beistellbettchen neben unserem Bett, aber Stillen und Kuscheln verlangt nach Nähe, und so diente es eigentlich immer nur als luxuriöse Buchablage. Wie bei so vielen Familien hat es sich einfach ergeben, dass das Kind ganz selbstverständlich bei uns schlief und schläft. Dass sich dies Familienbett nennt, erfuhr ich erst viel später.

ein bisschen Statistik

Übrigens lassen viele Kinder ihren Eltern auch gar keine Wahl. Largo erwähnt in seinem Buch „Babyjahre“, dass rund 10-15% der Drei- bis Vierjährigen jede Nacht im Elternbett schläft und weitere beinahe 40% der Kinder dieser Altersgruppe noch mindestens einmal pro Woche am Morgen bei den Eltern aufwachen. Die Kinder sind auf nächtliche Nähe „programmiert“. Und das ist auch gut so, schliesslich war das über Jahrtausende ein wertvoller Garant fürs Überleben.

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Familienbett – und dann?

Tatsächlich habe ich auch keine Sorge, dass ich mein Kind verwöhnen oder seine Abhängigkeit verstärken würde, im Gegenteil. Dennoch verstehe ich Eltern, welche dem Familienbett skeptisch gegenüberstehen, weil sie befürchten, damit später Probleme zu kriegen, welche von vornherein vermeidbar wären. Ein süsses Baby im Arm hat ja was, mit ein oder zwei oder drei Kleinkindern das Bett zu teilen, ist dann aber doch was anderes. Wie geht es denn weiter nach dem Familienbett?
Erstaunlicherweise findet sich zum „Umzug ins Kinderzimmer“ wenig Konkretes im Netz. Deshalb stelle ich heute unser Schlafarrangement vor. Es gibt viele Wege nach Rom und zu einem guten Schlaf, unsere Variante ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten. Aber vielleicht ist sie genau die richtige Idee für dich. Oder sie bringt dich auf eine eigene, für dich noch passendere Idee.

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Schlafsituation im Krähenhorst

Denn wir haben in unserem Schlafsetting zwei Komponenten, welche für uns von grossem Wert sind, die mir aber in meinem Umfeld sonst noch nirgends begegnet sind:

Schlafzimmer und Spielzimmer getrennt

Unsere beiden Kinder haben nicht zwei eigene Zimmer, sondern es gibt bei uns ein „Kinder-Schlafzimmer“ und ein „Spiel- und Arbeitszimmer“. Diese Aufteilung ist vor allem deshalb entstanden, weil ich es für ein Kleinkind einfacher finde, abends in den „Ruhemodus“ zu kommen, wenn es nicht alle seine – gerade hochaktuellen – Spielverlockungen im Blickfeld hat. So können wir auch das Spielzimmer-Chaos problemlos über Tage „aufrecht erhalten“, ohne uns abends daran zu stören. Die Idee ist, dass später dort auch gebastelt und gewerkelt wird und auch Projekte der Erwachsenen (Nähmaschine etc.) sich ausbreiten dürfen. Miteinander spielen und arbeiten und Chaos verbreiten, perfekt!

Zum Schlafen finden die Kinder dennoch jederzeit eine ruhige, aufgeräumte, gemütliche Atmospähre im anderen Zimmer.

ein zweites Familienbett

Viel wichtiger ist jedoch die zweite Besonderheit: Auch im Kinderzimmer steht ein weiteres „Familienbett“: Unsere alte 140x200m-Matratze liegt auf schlichtesten Lattenrosten und zwecks Stabilität einzig von zusammengeschraubten Dachlatten „umrahmt“ auf dem Boden. Kinderbetten sucht man vergebens. Das Bett liegt schon immer dort und wurde lange Zeit nur zum Spielen und Toben verwendet, nachts blieb es meist leer. Als die Zaunkönigin mittags noch schlief, wollte sie sich aber bevorzugt zusammen mit mir dorthin legen, keine Ahnung wieso.

Ich finde es äusserst entspannend, dass ich mich überall bequem dazulegen kann, um die Kinder in den Schlaf zu begleiten. Das „eigene“ Bett ist für die Kinder dadurch tatsächlich dem „Elternbett“ gleichwertig. Wenn die Kinder im „Elternbett“ einschlafen und wir Grossen uns nicht dazulegen wollen, müssen wir nicht schlafende Kinder durch die Wohnung tragen, sondern können genauso komfortabel im „Kinderbett“ schlafen. (Hier macht auch wieder die Trennung von Spiel- und Schlafzimmer Sinn, ich habe nämlich tatsächlich ästhetische Ansprüche an meine Schlafumgebung und möchte nicht zwischen Legohelikoptern und Plastikdinos pennen.) Auch kann man durch ein „Floorbed“ gefährliche Stürze aus dem Bett verhindern, was bei kleinen Kindern durchaus ein nicht zu unterschätzendes Argument ist.

Wenn der Gefährte abends zuhause ist, begleite ich meist die Zaunkönigin in dem einen Bett stillend in den Schlaf, während sich der Gefährte und der Frischling vor dem Einschlafen im andern Bett noch Räubergeschichten erzählen. Wenn wir Erwachsenen dann später zu Bett gehen, tragen wir meistens, aber nicht immer, eines der Kinder zum anderen. So schläft die Zaunkönigin eigentlich nie alleine, der Frischling bisweilen schon, wenn ich sie gleich bei mir liegen lasse.

Wenn ich mit den Kindern alleine bin, liegen wir drei gemeinsam in einem Bett (manchmal im einen, manchmal im andern). Entweder schlafe ich dann gerade mit den Kindern ein und der Gefährte kann sich spät nachts, ohne uns aufzuwecken, im andern Bett ausbreiten. Oder ich stehe nochmals auf und hab dann, wenn ich zu Bett gehe, dieses so lange für mich allein, bis der Gefährte nach Hause kommt. Es gibt natürlich noch andere Kombinationen. Tatsächlich liegen spätestens am Morgen nicht selten alle wieder im gleichen Bett, was wir alle aber total geniessen. Unsere Kinder sind bei uns ausdrücklich willkommen, nicht nur geduldet. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich der Frischling nachts brummelnd über die Hitze und Enge beschwert und sich, ohne eine Antwort abzuwarten, alleine getrollt hat ins andere, leere Bett. Damals war er wohl ungefähr drei Jahre alt (von wegen, die bringt man nie mehr raus…).

Das Kinderbett könnt ihr also getrost von der langen Erstausstattungsliste streichen. (Wie das meiste andere übrigens auch, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Bed-Sharing bei Kleinkindern

Es ist für mich stimmig, dass die Kinder nicht getrennt in Kinderbetten liegen. Ich bin überzeugt, dass sie im Schlaf spüren, dass sie nicht alleine sind. Klar, manchmal kommen sie sich in die Quere, meist liegen sie aber friedlich nebeneinander. Studien weisen übrigens darauf hin, dass Kinder, welche gemeinsam im selben Bett schlafen, auch tagsüber weniger miteinander streiten und allgemein die bessere Geschwisterbeziehung aufbauen.

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Sicherheit

Aber egal, wie und wo ihr schläft, beachtet bitte immer die nötigen Sicherheitsaspekte (ihr findet sie beispielsweise ebenfalls in den Artikeln von Kathrin und Susanne, auf welche ich im ersten Abschnitt verlinkt habe). Im Familienbett, aber natürlich auch überall sonst! Das ist übrigens ein Punkt, der mich immer etwas stört, wenn es um Sicherheit im Familienbett geht. Es wird impliziert, dass man vieles beachten müsse, um Kinder sicher zu sich ins Bett nehmen zu dürfen. Dabei gelten die meisten Punkte natürlich auch für alle „Alleineschläfer“. Eigentlich noch viel mehr, da man dort eine kritische Situation, in welche das Baby nachts kommen könnte (z.B. gefährlich lange Atemaussetzer, Überhitzung oder Unterkühlung, Fieber bekommen, von einem Kissen oder Tier zugedeckt werden,…), sicherlich nicht bemerken würde, da man nicht bei ihm ist. Beachtet, egal ob im Familienbett oder anderswo, unbedingt die Empfehlungen und überprüft eure individuelle Schlafumgebung kritisch. Es versteht sich auch von selbst, dass man einen wehrlosen Säugling nicht zu einer wild strampelnden Vierjährigen ins Bett legt. Ihr kennt Euch und Eure Kinder, findet eine sichere Lösung für alle.

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Fazit

Guter Schlaf, gerade für Eltern und Kinder, hat einen unschätzbaren Wert. Es geht nicht um die Art des Einschlafens, um die Häufigkeit des Aufwachens oder die Wahl der Schlafplätze, auch wenn uns das oft suggeriert wird. Es ist alles ok, wenn wir morgens glücklich und ausgeruht aufwachen.

Es ist wichtig, dass alle Menschen einer Familie gut und gerne schlafen können. Ob im Familienbett oder auf verschiedene Matratzen oder gar Zimmer verteilt: Findet eure eigene Lösung. Aber getraut euch, auch unkonventionelle Ideen auszuprobieren. Die 08-15-Variante ist nicht immer die beste. Probiert aus und entdeckt schöne neue Möglichkeiten. Damit die Nächte und damit auch Schlaf, Dunkelheit und Ruhe für alle ein beliebter „Programmpunkt“ voller Erholung und Geborgenheit im Tagesablauf sein können.

Und bleibt offen. Bedürfnisse verändern sich immer wieder. Was heute stimmt, passt vielleicht schon morgen nicht mehr. Nur etwas nehmt nicht hin: Dass ein oder mehrere Menschen eurer Familie nachts unglücklich sind. Das darf einfach nicht sein.

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zu den Bildern

Gerne hätte ich euch die allerliebsten Fotos meiner Kinder gezeigt, wie sie nachts aneinander gekuschelt schlafen. Aber für mich übertrifft kaum etwas die Intimität schlafender Menschen, deshalb ist das Netz leider nicht der richtige Platz dafür.

Einen netten Ersatz habe ich dennoch gefunden. Kontaktliegen schätzen all unsere Tiere ebenfalls ganz besonders. Generell aber gilt: Kinder und Tiere zusammen bitte nicht beieinander liegen lassen! Das letzte Bild zeigt übrigens den Gefährten, wie er mit Bandscheibe darniederlag und die Tiere seine Hilflosigkeit gnadenlos ausnutzten und das Bett (und improvisierte Büro!) enterten. Tz tz tz…