Herbsteln

Ich weiss gar nicht, was ich so anstelle all die Tage. Ich bin immer an etwas dran. Da ein bisschen aufräumen und sortieren, dort ein bisschen Geschichten erzählen und tiefschürfenden Überlegungen eines Vierjährigen lauschen. Toilettengänge begleiten und Wäscheberge in der Bewegung des ewigen Kreislaufs eines Haushaltes halten. Solche Dinge halt. Nichts Aussergewöhnliches. Seit langer Zeit fühlt sich das Ganze aber nicht pausenlos hektisch an, sondern wohltuend überschaubar. Geordnete Bahnen. Fast schon langweilig. Ein seltener und deshalb sehr wohltuender Zustand für mich.

Wer jetzt glaubt, dabei gehe es in Richtung Perfektion, irrt. Vielmehr geniesse ich die wunderbaren Herbsttage. Feuer anzünden und in die Herbstsonne blinzeln, kleine Strickprojekte wagen, abends endlich wieder mal eine Fernsehserie gucken, Treffen mit Freunden realisieren, diese Dinge sind mir definitiv wichtiger als geputzte Fenster und vernichtete Staubmäuse. Hach, Ferien zuhause sind einfach schön.

Alles nur geklaut

Altes Gerümpel fällt wohl in jedem Haushalt an. Was bei andern eine unaufgeräumte Schublade, eine vollgestellte Zimmerecke oder ein paar Papiersäcke im Keller sind, nimmt auf unserem kleinen Hof mehr Raum ein. Das alte Holz lag schon so lange gesammelt an dieser Stelle, dass wir es schon gar nicht mehr richtig sahen. Gleichzeitig wertete es die ganze nähere Umgebung ab. Wir hielten uns kaum mehr in jener ungemütlichen, lieblosen, ja verwahrlosten Ecke des Gartens auf.

Als ich bei Frau Kirschkernnzeit von der Freude eines neugewonnenen Raumes im Garten las und bei Soulemama die Verwandlung ihres Gartenhäuschens bewundern konnte, schritten wir zur Tat. Das alte Holz wurde sortiert und alles morsche, minderwertige verbrannt. Die Bodenbretter wurden wo nötig ausgetauscht, nahe zusammengerückt, neu befestigt und mit dem Hochdruckreiniger von uraltem Dreck befreit. Einige Bodendielen wurden zu Regalbrettern umfunktioniert.

Und jetzt beginnen wir langsam, den neuen Raum mit Leben zu füllen. Glücklich und dankbar dürfen wir feststellen, dass es sich um die kühlste Stelle des ganzen Grundstückes handelt. Und sie leuchtet jetzt hinaus in ihre Umgebung und macht die vorher ungeliebte Ecke zu einem neuen Lieblingsort.

Nicht nur für Renovationsarbeiten sind mir die Blogs eine liebe Inspirationsquelle. Als ich dieses Shirt bei der grossartigen Ulma gesehen hatte, wusste ich sofort, dass auch ich mir so ein Teilchen nähen wollte. Ulmas Empfehlungen, sei es in kulinarischer, naturkosmetischer, literarischer, musikalischer, strick- oder nähtechnischer Hinsicht haben mich noch nie enttäuscht, sondern im Gegenteil immer sehr glücklich gemacht. So wurde also der Rest Leinenstoff, welcher nach diesem Projekt noch übrig war, flugs vernäht.
So klau‘ ich mir also dies und das zusammen und beglücke mir damit meine Tage. Da fällt mir ein, dieser Kuchen muss unbedingt bald mal wieder auf den Tisch. Vielleicht mit Ribisen diesmal?

Gedankenmuster {Haus-Haltung}

Die grossen Frauen meiner Kindheit haben anderes zu tun gehabt, als sich um ihre Haushaltsführung Gedanken zu machen. Dian Fossey, Simone de Beauvoir, Artemisia Gentileschi, Piratenprinzessinnen, Weltraumfahrerinnen und Meeresbiologinnen, alle mussten wohl ihre Sachen in Ordnung halten, aber keine von ihnen war eine Martha Stewart oder Marie Kondo. Ihre Lebensthemen waren andere. Und sie waren meine Vorbilder.

Aus mir ist keine Inkaexpertin oder Himalayabesteigerin geworden. Hier gilt es heute unter anderem einen Haushalt zu führen. Und irgendwann musste ich es mir eingestehen: Spannende Frauen hatten und haben wohl wenig Zeit für ihren Haushalt. Der Umkehrschluss, dass ich dank meines vernachlässigten, chaotischen Umfelds aber automatisch zu den interessanten und wichtigen Zeitgenossinnen gehöre, ist aber schlichtweg falsch. Miese Haushaltsführung beweist keinesfalls höhere Lebensinhalte. Autsch.

Es folgte die logische Erkenntnis, dass ich mich aber auch nicht sogleich in ein biedermeierisches Heimchen am Herd verwandle, nur weil ich mein tägliches Tun und Lassen überdenke und da und dort optimiere. Diese Einsicht war tatsächlich, lacht mich nicht aus, erhellend und beruhigend.

Und dann hat mich Tom Hodgkinson (ja, ich mag ihn sehr, hier erwähnte ich ihn bereits) eiskalt erwischt. In „Anleitung zum Müssiggang“ zeigt er auf, dass Müssiggänger besonders fleissige, strukturierte Menschen sein müssen. Denn wer z.B. den ganzen Nachmittag mit Lesen, Spazieren und Nachdenken verbringen wolle, müsse am Morgen effizient und konzentriert genug arbeiten, dass er sich damit ein Einkommen verdiene, welches dieses Verhalten zulasse. Müssiggänger seien also nicht, wie landläufig angenommen, faule, sondern besonders tüchtige Menschen.

Adaptiert auf meinen Haushalt heisst das: Gerade weil mir das Reinigen, Aufräumen und all die repetitiven Arbeiten im Haus mühselig und langweilig erscheinen, tue ich gut daran, sie professionell, engagiert und mit kürzestem Zeitaufwand auszuüben. Also gezielte Aufmerksamkeit und Hinwendung, nicht weil ich Haushaltsführung so liebe, sondern im Gegenteil, weil ich viel Zeit für anderes haben möchte.

Diese Gedanken haben bei mir mehr verändert als jeder Vorsatz, jede Aufräumaktion und jeder Haushaltsplan. Vorher habe ich mich jahrelang darüber gewundert, wieso es mir eigentlich so schwerfällt, wohltuende Ordnung und Sauberkeit länger als gefühlte 10 min nach einer Putz-Session aufrechterhalten zu können.

Sofern ihr wie ich zu den Menschen gehört, die zwar stundenlang durch Wohnblogs streifen, jedoch ihre eigenen vier Wände nie herzeigen könnten – kennt ihr eure Saboteure? Eure Gedankenmuster, welche eine echte Veränderung hin zum „Schöner Wohnen“ verhindern? Lasst sie mich wissen, ich bin gespannt!