Eins

Herzliche Gratulation zu deinem ersten Geburtstag, kleine Zaunkönigin.

Als du dich vor einem Jahr bereit machtest, auf diese Welt zu kommen, waren die Blütenknospen am Rosenbogen prall, aber noch geschlossen. Als wir drei Tage später gemeinsam nach Hause kamen, stand der Bogen in voller Blüte. So auch wieder dieses Jahr. Meine Mutter hatte dir vor einem Jahr beim ersten Besuch als Willkommensgeschenk ein Sträusschen mitgebracht, welches Rosen aus dem Garten meiner Urgrossmutter beinhaltete. Von meiner Urgrossmutter, deren Namen du als zweiten Namen trägst. Auch jetzt steht es wieder auf dem Tisch, das Rosensträusschen deiner Grossmutter und damit auch deiner Ur- und Ururgrossmutter.

Es ist wahnsinnig schön, das du bei uns bist, du kleines grosses Mädchen. Du wildes, zärtliches, rabiates, feinsinniges, fröhliches, dickköpfiges Kind.

Mimi

Mimi guckt so frech wie das Mädchen, von welchem sie hoffentlich schon bald innig geliebt werden wird. Sie ist, obwohl voller kleiner Fehler und Unzulänglichkeiten, das perfekte Geschenk zum ersten Geburtstag der Zaunkönigin, welchen wir bald feiern dürfen. Ganz langsam ist sie entstanden (hier und hier ist sie bereits im Blog aufgetaucht), Schritt für Schritt hat sie ihre Gestalt, ihren Ausdruck und ihre Kleidung erhalten.

Innen und aussen ist Mimi ganz mit uns verwoben. Gefüllt ist sie nämlich ausschliesslich mit der Wolle unserer lieben, schönohrigen Karamba. Und für die Kleidung habe ich abgelegte Kleidungsstücke von mir zerschnitten und neu zusammengenäht. Das Jäckchen schliesslich ist aus einem Restknäuel Sockenwolle entstanden.

Um einen guten Tipp, wie die rund vorgestickten Augen sich nicht durchs Sticken unförmig zusammenziehen, bin ich sehr dankbar. Dieses Detail möchte ich bei einer nächsten Puppe (so es denn eine gibt) definitiv besser hinkriegen. Auch von der Entscheidung, die Puppe nicht ganz waldorf-schlicht, sondern mit Nasenlöchern und einem anders aufgebauten Mund auszustatten, bin ich nicht mehr restlos überzeugt.

Aber für dieses Mal ist es gut. Die Zaunkönigin und Mimi passen zu einander, das Mädchen beschenkt die Puppe mit dem gleichen Singsang, mit welchem sie auch die Katzen begrüsst. Ich habe es nämlich nicht geschafft, ganz im Geheimen zu arbeiten. Die Puppe bezog Quartier im Bücherregal, zuerst als gesicht- und haarloses, nacktes Geschöpf bis schliesslich als eingekleidetes Persönchen mit Schalk in den Augen (und hinter den Ohren). Eine zarte Freundschaft hat sich bereits angebahnt. Jetzt lasse ich die Puppe verschwinden, und dann, in rund einem Monat, wird sie feierlich ihrer Puppenmama übergeben.

Harte Fakten:
Die Anleitung ist von hier resp. hier und sehr zu empfehlen.
Puppenjersey stammt von hier. (Die Qualität der Website hat nichts mit der Qualität des Stoffes gemeinsam.)
Puppenmohair von hier.
Die Anleitung fürs Strickjäckchen „Little Kina“ gibt es hier und ist sehr einfach nachzustricken. (Es hat einen kleinen Fehler in der Anleitung, der aber so offensichtlich ist, dass er keine Probleme bereitet.)

#regrettingmotherhood : Senfkörner

Er wird heiss diskutiert in den Blogs, dieser Artikel. Herausragend äussert sich aufzehenspitzen. Ambivalenz kennen wir wohl alle. Aber darum geht es nicht in dem Bericht.

Ich kenne mehrere Frauen, welche keine Kinder wollen. Niemals. Aus verschiedenen Gründen nicht. Ihnen wird gewöhnlich wenig Verständnis entgegengebracht. Als „karrieregeil“ oder „egoistisch“ werden sie betitelt, „bindungsgestört“ und ähnliches fällt schon auch mal. Und immer wieder müssen sie hören, dass sie ihre Entscheidung sicherlich im Alter bereuen würden.
Ich verneige mich voller Hochachtung vor diesen Frauen. Nicht wegen ihrer Entscheidung. Die ist mir so egal wie die Entscheidung für die Mutterschaft. Sondern vor ihrer Fähigkeit, auf ihre eigene innere Stimme zu hören. Die oft und immer wieder arg angegriffen wird. Diffus, unterschwellig, aber auch ganz brutal, direkt und gnadenlos. Es braucht Kraft und Mut, unter solchen Bedingungen auf diese Stimme zu hören. Aber es geht um die Integrität dieser Frauen, um nichts weniger. Besonders schwierig wird es für sie, wenn der Partner sich Kinder wünscht. Persönlich kenne ich eine Frau, welche noch rund 30 Jahre nach der Zeit, in welcher sich bei ihr die Kinderfrage gestellt hatte, unendlich dankbar ist, gegenüber ihrem Mann diesbezüglich standhaft geblieben zu sein. Und eine, welche bereut, dass sie nachgegeben und ein Kind bekommen hat.
Ob die bereuenden Mütter des Artikels sich wohl je einmal sehnlichst Kinder gewünscht hatten und dann erschreckt feststellen mussten, dass ihre Vorstellungen und die Realität auseinanderklafften? Oder handelt es sich vielleicht um Frauen, welche dieses leise Unwohlsein im Bezug auf eigene Kinder schon vorher gespürt hatten, dieses aber nicht fassen oder „verteidigen“ konnten? Ich weiss es nicht.
Aber ich weiss, dass ich jeder Frau, welche sich getraut, ihre Mutterschafts-Irritation oder sogar -Abneigung (was nicht heisst, dass sie Kinder oder andere Mütter doof finden, auch das fiese Zuschreibungen, an welcher diese Frauen leiden), freundschaftlich die Hand reiche. Damit ihre innere Stimme stark bleiben kann.
(Gebe ich hier jetzt tatsächlich meinen Senf zu einem tagesaktuellen Thema??? Also Sachen gibts…)

das erste Kleidchen

Einst vom Füchslein allerliebst vorgeführt, wartete das Schürzenkleid-Schnittmuster auf seinen Einsatz im Haus der Krähe. (Leider ist das Schnittmuster von Stollentroll nicht mehr auffindbar im Netz, jedenfalls nicht für mich. Frau Kirschkernzeit hat aber, gleichzeitig wie mich, just die gleiche Frühlingskleidchen-Nählust gepackt. Bei ihr findet sich eine Möglichkeit, ans Schnittmuster zu kommen.)

Und jetzt: Voilà!

Genäht wurde es aus einem alten Bettlaken, welches mir noch vertraut ist aus den Nächten, wo ich als kleines Mädchen nachts ins Elternschlafzimmer getappt und dort unter die Decke geschlüpft bin. So trägt die Zaunkönigin jetzt ein Stück Sippengeborgenheit am Körper. Wenn ihr nicht gerade der grosse Bruder das Schlüttli streitig macht.

Hühnerjäckchen

Das Hühnerjäckchen (benannt nach den süssen Knöpfen) wurde kaum getragen. Viel zu lange hat der Winter gedauert und zu schnell ist die Zaunkönigin gewachsen. Ob ich eine zweite, grössere Version in Angriff nehme? Die Anleitung war nämlich wirklich gut zu verstehen und somit schnell gestrickt. Und ich liebe das leichte, griffige Rowan-Garn „Revive“, welches auf den ersten Blick nicht den Baby-Flausch-Reflex bedient, sich aber ganz fein von kleinen Menschen tragen lässt.

Weil es gerade so schön zum Thema passt: Seit gestern brütet eine unserer Hennen. Wir lassen sie gewähren. Und schieben ihr täglich weitere Eier ihrer Kolleginnen unter.

Und jetzt: Frohe Ostertage!

Feste feiern

Und noch zwei Familienmitglieder feierten heute Geburtstag und bringen es jetzt zusammen auf 45 Jährchen.

Herzliche Gratulation, liebster Gefährte.
Und herzliche Gratulation, mein guter alter Herr Hund.

Die Wimpelkette* wird jetzt bis zum Frühsommer im Schrank verstaut.

*Vor einiger Zeit machte ich mir Gedanken, welche Rituale eigentlich bei uns zu den Geburtstagen gehören sollen. Da wurde mir klar, dass ich nicht alljährlich mehrmals zu später Stunde würde Plastikballone aufblasen wollen. Ökologischer Mist, nicht besonders schön, mühsam, kurz; absolut untauglich. Eine Wimpelkette musste her. Und da ja Geburtstage so ein Familiending sind, habe ich eine, wenigstens auf gestalterischer Ebene, familienvereinende Näheinladung initiiert. Eine Mutter (ich), mehrere Grossmütter und eine Urgrossmutter haben die Wimpel für diese Wimpelkette beigesteuert. Und an jedem zukünftigen Geburtstag in unserer Familie wird sie nun das Wohnzimmer (oder den Garten oder die Terrasse oder…) schmücken, das Geburtstagskind feiern und an den Wert der Sippe erinnern. Schön, nicht?

Winterblues

Frau Holle hat noch einmal die Decken geschüttelt. Wir trotzen dem Winter und verwöhnen uns selbst mit frischen, warmen Hefeschnecken. (Sie schmecken wirklich phantastisch, aber ich gestehe: Es waren fünf Anläufe nötig. Der Gefährte hatte die Aussicht auf geniessbare Leckereien bereits aufgegeben. Ha!)

Ich wähle Stoffe aus. Die kleine Puppe für die Zaunkönigin soll eingekleidet werden. Zeigen kann ich mein Erstlingswerk jedoch erst, wenn auch diese Herausforderung geschafft ist, ihr müsst euch also noch ein Weilchen gedulden. Soviel Anstand muss sein, nackige Puppen in die Öffentlichkeit zerren, das geht gar nicht…

Und auch wenn es noch nicht so aussieht: Die Vögel pfeifen es von den Ästen, die Schneeglöckchen zeigen sich überall und gestern knuddelte ich kleine Lämmer (nein, nicht unsere). Der Frühling kommt bald. Voller Vorfreude räumen wir unserem Frühlings-Arrangement ein Plätzchen frei.

Alpha: Her mit dem Vergnügen!

Beziehungsorientierte Elternschaft!
Freies Spiel!
Selbstwirksamkeit!
Tragen! Stillen!
Gewaltfreie Kommunikation!
Genderneutrales Spielzeug!
Plastikfreies Kinderzimmer!

Klingt alles super, aber doch manchmal ein bisschen sehr nach viel Arbeit. Ist er uns wirklich dermassen abhanden gekommen, der einfache und intuitiv „richtige“ Umgang miteinander?

Ich mag diese Site, welche „Frühförderung“ so anders und wohltuend unspektakulär definiert. Aber dass ihre Schaffung offensichtlich nötig war, erschüttert mich.

Auch die Sendung Kontext erzählt mir über Frühförderung und Kinderspiel, was ich voll und ganz bejahe. Aber hatte man das tatsächlich vergessen können, dass Kinder lernen im freien Spiel?

Einer meiner Lieblings-Erziehungsratgeber ist der „Leitfaden für faule Eltern“ von Tom Hodgkinson. Herrlich lakonisch und oft provozierend beruft er sich auf Rousseau und Locke und empfiehlt, die Kinder in Ruhe oder aber für sich arbeiten zu lassen, kein Geld für Spielzeug, Freizeitgestaltung und ähnliches auszugeben, Blockflöten gegen Ukulelen auszutauschen und anderes mehr. Da wird für einmal nicht zuerst gefragt, was das Kind braucht, sondern wie man als erwachsener Mensch mit Kindern unter einem Dach leben will. Hodgkinson gelingt der überraschende Twist, dass genau diese Portion Egoismus das Beste für die Kinder ist, sie stark, selbständig und glücklich macht. Also genau so, wie es sich auch die „konventionelle Ratgeberliteratur“ wünscht. Nur einfach viel entspannter. Hier gibt es eine hübsche Rezension zum Buch. Die propagierte Entspannung und Gelassenheit als Faulheit zu bezeichnen, finde ich unglücklich gewählt bis grob irreführend. Schade, dass das tolle Buch den Titel trägt, den es trägt.

Ich las das Buch das erste Mal, als ich noch keine Kinder hatte und fand es vor allem sehr lustig. Einige Jahre später, mit eigenen Erfahrungen als Mutter und der ausgiebigen Lektüre einschlägiger Literatur, gefällt es mir noch besser. Manchmal, wenn ich mich so umschaue, fühle ich mich deplatziert und einsam mit meinen Schmuddelkindern, meiner Auffassung eines gelungenen Tages, meinen Prioritäten im Alltag mit ihnen (Spass für alle zum Beispiel). Dann ist mir dieses Buch ein guter Freund, ein lieber Verbündeter.

*zum Bild: Die Fotografie ist 1979 entstanden und zeigt meinen Vater und mich. Er ging wohl an jenem Tag eher einfach seinem Hobby nach, als dass er die Paradigmen der bindungsorientierten Elternschaft zu erfüllen suchte (was er aber natürlich ganz nebenbei und selbstverständlich tat). Ich spüre beim Betrachten des Bildes nicht ein „Wir trugen dich ständig herum, das war halt aufgrund der Bindungstheorie furchtbar wichtig, aber schrecklich anstrengend“, sondern ein „Unser Leben war schön, wir machten, was uns gefiel, und du warst einfach mit dabei“. Dafür werde ich meinen Eltern ewig dankbar sein.

**zu Alpha: Hier fehlt der direkte Bezug zum Tier. Er wäre an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem reihe ich den Post in die Alpha-Reihe ein, weil ich mich in dieser ja mit Erziehung im weitesten Sinn beschäftige. Und natürlich kann der denkende Mensch die Grunderkenntnisse auch auf die Beziehung Mensch-Tier übertragen.