Reggae im Blut, im Ohr und auf dem Kopf

Diese Mütze, gestrickt nach Frau Kirschkernzeits wunderbarer Anleitung (bereits einmal für den Frischling in XXL gestrickt, hier), ist ein Geschenk für das Babykind befreundeter Eltern. Erst gerade eben noch (naja, 2008) hat genannter Vater mit Reggae-Rhythmen (s)ein Lebensgefühl beschrieben. Es ist so gut wie gewiss, dass auch Klein-J. den Offbeat im Blut hat. Jah!

Bob Marley war übrigens mehr als einmal die einzige Möglichkeit, den Frischling beim anfangs offensichtlich verhassten Autofahren beruhigen zu können. Danke, Bobby, das werd‘ ich dir nie vergessen!

(Weil das Käppchen für den Frischling bereits etwas knapp ist, trägt er es, mit der Attitüde eines Fotomodells, ganz lässig mit offenem Bindeband. Die grüne Mähne ist eine freie Erweiterung der Anleitung meinerseits, irgendwie musste ich ja die dritte Farbe noch ins Spiel bringen. Zuerst habe ich es mit einem Bommel-Plämpel-Bömpel-Pompon an der Spitze der Mütze versucht, dieser wurde aber viel zu gross und schwer. Er zog die Mütze nach hinten und das Ganze sah richtig doof und unbequem aus. Die Mähne hingegen wird den Träger nicht stören.)

mein Wochenende

Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.

Beine und Räder

Der Frischling baut leidenschaftlich Türme und Züge, studiert begeistert Tierbücher und pflegt seinen stetig wachsenden Fuhrpark, indem er engagiert Runden dreht und regelmässig mit Trichter und Teekrug alle Gefährte mit imaginärem Benzin volltankt.

Wie goldrichtig und passend waren da die Geschenke, welche seine Gotte (Patentante) bei ihrem Wochenendbesuch mitgebracht hat: ein wundervoll eingefahrenes Laufrad und ein Holztierpuzzle, welches auch bei uns Grossen Begeisterung ausgelöst hat. Das von Enzo Mari für Danese Milano entworfene „Sedici Animali“ ist wahnsinnig schön, aber auch wahnsinnig teuer. Wie gut, dass die liebe Schenkerin sich mit Holz auskennt und mit kleinstkriminellem Händchen das Spiel des grossen Designers liebevoll selbst gesägt, geschliffen und geölt hat. Was kann denn ein Kind Schöneres geschenkt bekommen als ein selbstgemachtes Präsent, welches während des Herstellungsprozesses mit besten Gedanken und Wünschen aufgeladen wurde?

So hat der Frischling heute Tierwände gebaut, die Viecher über die Rutschbahn geschickt und sie natürlich auch gefüttert. Dazwischen hat er sich immer wieder im Auf- und Absteigen und Vor- und Zurückfahren mit dem Rad geübt.

Sattel einstellen

Luftdruck prüfen

Benzin einfüllen

aufsteigen und…

…los gehts!

Übrigens war es natürlich auch für mich ein wunderbarer Besuch, ist doch die liebe d. langjährige Freundin, Berufskollegin, Telefonberaterin in allen Lebenslagen, erprobte Reisebegleitung und vieles mehr. Dank Dir für alles!

kleine Neuigkeiten – neue Kleinigkeiten

Es mäandert in mir. Ideen gären, wechseln die Richtung, bilden Furchen, verlassen das Bett aber bald darauf wieder. Das ist nicht neu. Konkrete Aufgaben helfen, das innere und äussere Chaos einigermassen im Überblick zu behalten.

Da war mir mein Strickprojekt immer ein guter Anker, das erste grössere dieser Art und erstmals für mich selbst gedacht. Mein Schultertuch aus wunderbarer Drops-Wolle. Aber ich habs vermasselt: Statt ruhig und gelassen Reihe für Reihe zu stricken, habe ich meine Rolls-Royce-Rundstricknadel aus Rosenholz mit einem Garn ersetzt, um mir das schöne Stück mal um die Schultern zu schlingen und zu schauen, ob wohl schon ein Ende der Strickerei in Sicht sei. So weit, so gut. Nur hätte ich anschliessend die Nadel nicht verlieren-verhühnern-verlegen-vernuschen dürfen. Nadel im Heuhaufen! Seit mehreren Wochen zerbreche ich mir den Kopf und suche immer wieder an allen möglichen und unmöglichen Orten…

Ein neues Projektchen musste also her. Und weil kleine Neuigkeiten gerne mit neuen Kleinigkeiten begrüsst werden, wagte ich mich an ein Jäckchen mit einer für meine Verhältnisse hochkomplizierten Anleitung. Mein erstes Strickerlebnis für den Frischling vor einem Jahr lässt mich heute noch lachen, wie sehr hat sich mein Anspruch im Verlauf des letzten Jahres doch verändert. Aus zartem grauen Alpaka-Seide-Gemisch soll jetzt langsam ein Jäckchen entstehen, welches mit seinem angedeuteten Zopfmuster all meine bisherigen Bemühungen in den Schatten stellt. Und mit jeder Reihe staune ich selbst mehr und mehr: Ganz selbstverständlich wächst in meinen Händen Abend für Abend das Kleidungsstück, während sich dann und wann das zukünftige Jäckchenträgerkind mit noch einigermassen zarten Tritten bemerkbar macht.

lange Zeit

Seit einigen Wochen ist unser Leben ein bisschen anders organisiert. Der Gefährte ist verantwortlich für die Musik eines Theaterstückes. Täglich wird geprobt, und das nicht gerade hier um die Ecke. Mittlerweile finden die Intensivproben statt und das bedeutet, heute jedenfalls, dass der Gefährte schon weg war, als der Frischling und ich erwachten und er erst wieder hier sein wird, wenn wir beide schon längst schlafen.

Ich hätte nicht gedacht, wie anders sich dieses Leben anfühlt. Denn meine beiden „bezahlten Tage“ bin ich ja nach wie vor unterwegs. Es fallen eigentlich nur einige Stunden weg, welche mir während der restlichen Wochentage fürs Vorbereiten des Unterrichts „offiziell zustehen“. Bis jetzt konnte ich mir aber doch immer irgendwie irgendwo das eine und andere Stündchen freischaufeln. Also alles fast wie immer, könnte man denken.

Trotzdem, alles ist jetzt ganz anders. Die fünf Tage am Stück, welche alle ziemlich gleich ablaufen, ziehen sich in die Länge. Wegfahren und Freundinnen besuchen geht nicht, das Auto ist mit dem Gefährten unterwegs. Sogar aufs Einkaufen verzichte ich. Und anstatt dieses Heimchen-Leben einfach mal zu geniessen, diese Zeitlosigkeit, dieses Dümpeln im Jetzt, werde ich antriebslos, melancholisch und träge. Ich fühle mich abends erschöpfter, oder auf eine ganz andere Art erschöpft, als nach einem rappelvollen Tag, wie ich ihn gewohnt bin. Es ist kalt und neblig, meine Gesprächspartner sind ein Kleinkind und eigenartige Tiere, die Tage sind ohne Unterschied. Ich vergesse, welcher Wochentag ist und was wir heute zu Mittag gegessen haben. Pasta? Oder war das gestern?

Manchmal nerven mich die tausend täglichen Absprachen mit dem Gefährten. Katzen schon gefüttert? Wer geht mit dem Hund raus? Geht noch einer von uns einkaufen? Wickelst du den Frischling diesmal? Wer räumt die Küche auf? Hast du gestern staubgesaugt oder soll ich heute?… Aber oh, wie schön das doch ist! Alles kann, nichts muss. Ein bisschen Lust und Unlust liegt drin, immer wieder, jeden Tag. Jetzt nicht. Jetzt mach ich die hier anfallenden Dinge einfach. Weil sonst niemand hier ist. Das ist überschaubar, tatsächlich gemütlicher, aber auch lähmender und irgendwie frustrierender. Wahrscheinlich würde ich mich anders organisieren, wenn dieser Zustand von Dauer wäre. Jetzt bleibt mir aber vor allem die Erkenntnis, dass ich, allem bisweiligen Geschimpfe und Gehetze zum Trotz, unsäglich glücklich bin mit der Organisation unseres Familien- und Berufslebens. Dankbar für die vielen Inputs von „draussen“, dankbar für das gemeinsame Gestalten des Lebens daheim. Bis ich es wieder habe, mein gewohntes Leben, versuche ich jetzt aber einfach mit besten Kräften, diese besonderen Tage zu geniessen.

Und dass der Frischling einen regelrechten Weinkrampf hatte heute Abend beim Vorsingen des Liedes „Schlaf, Kindlein, schlaf“, weil da der Papa drin vorkommt und ihm scheinbar erst in diesem Moment bewusst wurde, dass er ihn heute noch gar nicht gesehen hatte (Ob er das schon einmal erlebt hat? Ich glaube nicht…),… da tat er mir zwar schampar leid, aber ich habe mich auch sehr gefreut. Weil es so wahnsinnig gut tut, die Verantwortung zu teilen und nur einer von zwei ganz wichtigen Menschen sein zu müssen.

Stolperstein: Entweder man lebt,


…oder man ist konsequent. (Erich Kästner)

Ich wundere mich immer wieder sehr.

Konsequenzen werden als eine sehr wichtige Sache im Umgang mit Kindern angesehen. Aber meinen die Erwachsenen wirklich Konsequenz? Oft handelt es sich bei genauer Betrachtung vielmehr um Regeln, oder wenn diese nicht eingehalten werden, um Strafen, welche beide, als Konsequenz getarnt, angewendet werden. Erste sind immer von der regierenden Macht abhängig, somit sehr subjektiv und dadurch zu hinterfragen. Zweite sind selten bis nie erfolgversprechend.

Echte Konsequenzen hingegen werden Kindern oft vorenthalten. Statt beispielsweise auf die Souveränität und angemessene Reaktion einer kompetenten Katze zu vertrauen, wird ein kleiner Grobian mit Erklärungen, Verboten und Befehlen überhäuft. Viele Erlebnisse werden verhindert, als handle es sich um lebensbedrohliche Situationen.

Ebenso eigenartig ist, dass die Erwachsenen zwar Konsequenzen im Umgang mit Kindern für essentiell halten, selber aber überhaupt nicht konsequent sind. Noch ein bisschen Schokolade zum Kaffee? Zehn Minuten länger im Bett liegen bleiben? Heute mal aufs Staubsaugen/Aufräumen/Abschminken/Schuhe ausziehen/…(bitte beliebige Tätigkeit einfügen) verzichten? Noch ein wenig länger als geplant fremde Blogs besuchen? Bitte sehr. Ja, gerne. Nur heute. Nur jetzt. Und wir leben alle hervorragend damit. Inkonsequenz begleitet und auf Schritt und Tritt. Und tut uns meistens sehr gut.

Viel Spass Euch und Euren Kindern. Das Leben ist schön. Geniesst es und Euch!

(Wie es der Name schon sagt: Unter dem Label „Stolperstein“ notiere ich Gedanken, Ungereimtheiten und Überlegungen, welche meinen Weg kreuzen und mich kurz oder etwas länger beschäftigen.)

Sonnwendlig

Ausgewählt und per Handschlag besiegelt

Lichtfänger beblinzelt
Wintervorbereitungen getroffen
Das Geheimnis des Feuermachens weitergegeben
In weiche Wolle gegriffen
Das Schultertuch wachsen lassen
Vermicelles genossen
Das Tagwerk bestaunt
Viel gespielt
Vieles geerntet
Den Rücken gebeugt
Auf das Kommende gefreut
Von oben nach unten und von links nach rechts die Impressionen des Wochenendes.
Habt es fein.

Die Welt erhämmern und Bande knüpfen

Der Frischling liebt seinen Hammer. Immer und überall muss er dabei sein. Unterwegs im Kinderwagen hält er ihn wie ein Zepter, daheim überprüft er hämmernd den Klang aller Wände, Möbel, Materialien. Kein noch so kleiner Hammer in den wunderbaren Ali-Mitgutsch-Büchern entgeht ihm. „Hammer“ war denn auch eines seiner ersten gesprochenen Worte. Das alles ist schön und gut. 
Hämmer können wohl vieles, aber nicht alles. Etwas Weiches, Freundliches, im weitesten Sinne Menschliches musste her. Eine Puppe. Was ich mir ganz einfach vorgestellt hatte, erwies sich als echte Herausforderung. Ein Junge sollte es sein, aus Stoff gefertigt, mit hübschem Gesicht, nicht zu klein, nicht zu gross. Was in Spielzeugläden angeboten wurde, gefiel mir nicht oder war viel zu teuer. Bald landete ich bei handgefertigten Waldorf-Puppen, wobei mich die aufgemalten Gesichter oft nicht überzeugten.
Und dann fand ich ihn. Im Brocki, fast geschenkt. Ein Handarbeits-Stück, welchem das Gesicht fehlte. Feine Bleistiftlinien waren zwar aufgezeichnet, aber dann hatte die Schöpferin wohl der Mut verlassen. Die Augen waren schnell gemalt, auch die Andeutung eines Mundes. Auf der Wange rutschte ich einmal aus, was ihm einen hübsch unperfekten Storchenbiss bescherte. Noch etwas unsicher bin ich mit den Augenbrauen, fürs Erste habe ich sie weggelassen. Jetzt wartet er noch auf anständige Kleidung. 
Eines ist gewiss: Der Frischling mag ihn. Und wird ihm irgendwann seinen Namen geben.

Manifest

Endlich dürfen sie an die Wand, diese Worte.
Immer wieder beruhigen und ermutigen sie mich.

Verflixte Typographie, noch immer fällt mir das Buchstabenbüscheln schwer.

*Die liebe Ulma mit ihrem Kommentar hat mich drauf gebracht: Nein, verkaufen will ich dieses Bildchen nicht. Verschenken hingegen sehr gerne. Wer ein PDF ohne Krähen-Wasserzeichen erhalten möchte, der solle mich doch bitte kontaktieren. Per Mail verschickt, kann das Manifest danach auf A3 oder kleiner für private Zwecke ausgedruckt werden.