Schlotterhose

Graubraune Tage liegen hinter mir. Unscheinbare, schöne Tage. Es sind die Farben dieses (zugegebenermassen späten) Vorfrühlings. Schwere braune Erde, Laub und Steine. Bärlauchteppiche, Schafmomente und hier und dort Farbtupfer in Form von Schlotterhose und Bettseicherli. Wieviel klangvoller sind doch diese alten Dialektnamen als die gängigen Bezeichnungen Lungenkraut und Buschwindröschen.

Auch die zweite Pebble-Weste, welche diese Tage fertig geworden ist, zeigt sich in genau dieser Tonalität. Ein zartes Graubraun mit ganz feinen Einsprengseln in lila, blau, grün.
(Rowan revive, 35% Seide, 36% BW, 28% Viskose, alles recycled, Farbe: Basalt 00462)

Würfel

Das Fest war schön. Die Wärme der Sippe umhüllte den Frischling, welcher jetzt zugleich Kleinkind und Grosskind ist, und liess ihn seinen Tag geniessen bis tief in die Nacht hinein.
Zeigen möchte ich an dieser Stelle mein Geburtstagsgeschenk. 
Im Brocki suchte ich mir kleine Holzwürfel zusammen und machte zudem einige Farbkopien aus einem Liederbuch. Schweizer Leserinnen werden die Bilder sicherlich erkennen. „Chömed Chinde, mir wänd singe“, auch bekannt als Maggi-Liederbüechli, ist 1946 erstmals erschienen und hat mich als Kind wahnsinnig fasziniert. Die vielen Details auf den Bildern haben sich mir eingeprägt, so dass noch heute beim Betrachten alles so sehen kann, wie ich es damals gesehen habe. Ich spüre, was mir Angst gemacht und was mir gefallen hat. Und verstehe auch einige Dinge, welche mir als Kind unklar waren, wie man plötzlich Textpassagen in Liedern versteht, welche einem damals unverständlich waren. Heute erheitert mich zudem das emotionale Vorwort sehr.

Ich klebte ausgewählte Bildausschnitte reihum auf die Würfelseiten, schnitt sie anschliessend mit dem Japanmesser auseinander und lackierte das Ganze zum Schluss. Die Idee dazu stammt von hier. Da es mit meiner Geduld nicht allzu weit her ist, entstanden an den Kanten kleine Ungenauigkeiten, was mich jedoch nicht stört.

Anschliessend bastelte ich aus Holzkarton ein Schächtelchen in passender Grösse, welches ich zum Schluss kaschierte. Auch hier kann von Perfektion keine Rede sein, da sich das grüne und blaue Bastelpapier für diesen Zweck als ziemlich ungeeignet erwies.

Den Frischling stört dies alles jedoch nicht. Er stapelt die handlichen Würfel hingebungsvoll zu kleinen Türmen, welche er sogleich wieder in sich zusammenfallen lässt. Natürlich wird es noch einige Jahre dauern, bis er fähig sein wird, die sechs Puzzles zu bewältigen. Mit dem Bestaunen der vielen zauberhaften Details kann er jedoch schon bald beginnen.

1. Geburtstag

am ersten Tag seines Lebens
und nach fast einem Jahr

Heute feiern wir den ersten Geburtstag des Frischlings.
Was für ein Jahr hinter uns liegt! Ein wahnsinnig schönes, fröhliches, aufregendes Jahr.

Ich bin so dankbar für diesen kleinen grossen Menschen, der unser Leben gehörig verändert hat. Ich staune täglich über sein immer grösser werdendes Spektrum von Gefühlen, Lauten, Tätigkeiten. Mal ist er ganz konzentriert in eigene Untersuchungen, dann wieder nur Auge und Ohr für die Welt um ihn herum. Manchmal ängstlich oder sehr wütend, oft fröhlich und neugierig.

Welche Stimmungen und Erfahrungen ihn auch umtreiben, immer ist er echt. Sich selbst. Ganz bei sich. Noch spielt er nicht mit Masken. Noch versteckt er nichts. Dadurch ist er schutzlos, aber auf eine wunderbar bezaubernde Weise auch so stimmig, dass diese Einheit von Körper, Gedanke und Herz eine unverletzbare Hülle zu bilden scheint.

Es ist ein grosses Geschenk, mit ihm zu sein.

Ein bisschen erfüllt es mich mit Wehmut, dass ich heute „draussen“ arbeiten muss. Wie jeden Donnerstag geniesst der Frischling erst seinen Papa, dann am Nachmittag die Grosseltern. Nur für mich, die ich heute durch tausend Erinnerungen wate, fühlt sich das etwas seltsam an. Mein Trost:
Heute Abend wird gefeiert! (Bilder der „Party“ folgen.)

warme Maschen

Der Frischling hat das Glück, neben seinen sechs Grosseltern (Patchworkfamilie sei Dank) auch noch zwei Urgrossmütter erleben zu dürfen. Zufälligerweise haben ihm diese zur Geburt beide eine jeweils selbstgestrickte Decke geschenkt, welche ich hier zeigen möchte.

Urgrossmutter B. zählt ungefähr 75 Jahre. Sie ist die Grossmutter des Gefährten, und Stricken ist ihre grosse Passion. Entsprechend kunstvoll ist das Muster der Decke gefertigt. Akkurat und perfekt bis ins Detail gearbeitet, voller Liebe und Geduld zu Material und Handwerk strahlt die einfarbig gehaltene Decke Noblesse und vornehme Zurückhaltung aus.

Urgrossmutter M., meine Grossmutter, ist 90 Jahre alt. Diese Zeiten von textilen Grossprojekten sind vorbei, Kraft und Konzentration für grössere Projekte fehlen. Die gestrickten Quadrate weisen dann und wann kleine Unregelmässigkeiten, ja sogar Fehler auf. Die Decke leuchtet in fröhlichen Farben und wirkt mit ihren Unzulänglichkeiten unglaublich ungezwungen und charmant.

So verschieden die Decken sind, so sehr liebe ich sie. Beide entsprechen genau ihren Schöpferinnen und verkörpern die Liebe dieser beiden lebenserfahrenen Frauen, die sie dem kleinen Menschlein zukommen lassen.

Und sowieso sind doch Decken perfekte Geburtsgeschenke von Gross- oder Urgrossmüttern. Sie repräsentieren den Schutz, die Wärme und Geborgenheit, die ich mit der Familie, der Sippe assoziiere. Es dünkt mich, es kann einem (fast) nichts mehr geschehen, wenn man mit zwei so famosen „Schutzschilden“ ausgestattet ist.

Linie wird Fläche

Ich platze fast vor Stolz! Habe ich doch zum ersten Mal in meinem Leben eine englische Strickanleitung ins Deutsche übersetzt, die Maschenzahl auf die entsprechende Grösse für meinen schon etwas älteren kleinen Menschen hochgerechnet, neue Maschen stricken gelernt, Knöpfe angenäht und das Ganze auch noch in passabler Frist zu Ende gebracht.

Die Anleitung der „Pebble-Weste“ ist von hier, motiviert haben mich die Vorstrickerinnen von kirschkernzeit und mme ulma mit ihren wundervollen Beschreibungen und Bildern. Danke Euch beiden! 
Verstrickt habe ich „Rowan felted tweed“, Nadelstärke 3.5, statt der empfohlenen 80 habe ich 124 Maschen angeschlagen. Der Frischling ist jetzt 10 Monate alt, und wie geplant kann er so sogar noch etwas in das Schlüttchen reinwachsen. Perfekt!

Geschafft!

Da habe ich es doch tatsächlich geschafft, einen kleinen Pullover zu stricken! Mein erstes (einigermassen) gelungenes Strickprojekt! Andern scheinen ja die Strickwaren nur so von den Nadeln zu hüpfen, ich jedoch musste mir sogar das Vernähen der Fäden erklären lassen. Meine Helpline Nr.1 via youtube: elizza13, sie ist quasi mein Personaltrainer. Der Link führt direkt zur Anleitung.


Der Pullover ist ein kleines Irgendwas, zu kurz, mit viel zu langen Ärmeln und zu weitem Ausschnitt. Aber meine Freude ist grenzenlos, der Funke entzündet. Wie weiter? Ein zweiter, besser bemessener Pullover? Oder eine hübsche kleine Weste?

Ich bin mir noch nicht ganz klar darüber, ob ich dieses erste Resultat so stehen lasse, um mich immer wieder an seiner Unzulänglichkeit zu erheitern, oder ob ich eine Optimierung wagen soll, indem ich mutig versuche, am Kragen einen weiteren Rollsaum anzubringen.

Schlaf gut, kleines Kind

Das kleine Kind schlief schon immer bestens, aber nur mit mir an seiner Seite. Und weil mir einige Momente für mich selbst nach unseren turbulenten, wunderbaren Tagen sehr fehlten, versuchte ich während der letzten Tagen sacht, das Abendritual ein bisschen umzustellen.
Als hätte das kleine Kind nur darauf gewartet, schläft es seither spätestens um 20 Uhr tief und fest in seinem eigenen, sicheren Bettchen. Manchmal schreckt es noch ein- oder zweimal hoch, lässt sich aber leicht in den Schlaf zurückführen. Was für ein Geschenk! So sitze ich jetzt in der wohltuenden nächtlichen Stille und finde nach einer gefühlten Ewigkeit (ja, neun Monate können sehr lange sein) endlich wieder die Zeit und Energie, einen Stift resp. eine Radiernadel zur Hand zu nehmen.
Meine Gedanken und mein Herz sind beim schlafenden Kind, und es entsteht dieses kleine Bildchen. 
Man benötigt: HP-Folie, auf welche ein schwarzes Blatt Papier kopiert wurde, Radiernadel, Vorlage, Leuchtpult. Vorlage unter die schwarze Folie schieben, beides aufs Leuchtpult legen und die hellen Stellen wegkratzen. Wer kein Leuchtpult hat, kann den hellen Compi-Monitor zweckentfremden. Einfach, günstig, hübsch.