Drachen und Prinzessinnen

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Michaeli entspricht meinem drachen- und saurierbegeisterten Jungen. Zwar haben wir das festgelegte Datum Ende September verpasst, uns dann aber spontan entschieden, es ganz frei und auf unsere Art nachzuholen.

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So kneten wir an einem herbstlichen Nachmittag Teig und basteln anschliessend kleine Schnappdrachen aus Papier, während der Teig geht. Je nach Quelle formt man aus dem Teig ein Schwert oder einen Drachen, wir entscheiden uns für drei kleine Einzeltiere. Während der Frischling Gefallen am Schnippeln von Zacken mit der Schere findet, steckt die Zaunkönigin voller Hingabe unzählige Mandelstifte, welche eigentlich nur für die Zähne gedacht waren, in ihr Tier und erschafft so ebenfalls ein veritables Ungeheuer.

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Während sich die Kinder einfach über ihre Ungeheuer freuen, als Drachen verkleidet, fauchend und mit leuchtenden Augen „Angst und Schrecken“ verbreiten und fasziniert einigen Drachengeschichten lauschen, treiben mich selbst Gedanken um. Über innere Drachen, über äussere Drachen. Das Leben ist voll von ihnen. Und von Prinzessinnen.

„(…) vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“

(Rainer Maria Rilke, Zitat aus diesem Brief, aus diesem Kontext)

 

Silber wird Gold

Der kleine Räucherkasten wird mir fast schon nachgeschmissen auf dem Flohmarkt. Neugierig schreite ich zur Tat. 

Die Forellen beize ich während rund zwölf Stunden in Salzwasser. Danach gebe ich das Buchenholz-Räuchermehl (ein Blick auf die Verpackung verrät es; hier haben wir es mit einer echten Antiquität zu tun!) zusammen mit den Fischen in den Kasten. Von unten wird Hitze zugefügt, im Innern entsteht Rauch. Nach knapp einer Stunde sind die beiden Fische geräuchert.

Goldene Forellen, Bratkartoffeln, Salat und etwas Wein. Was für ein Genuss. Trotzdem
Unbezahlbar auch die beim Hantieren und Riechen aufsteigenden Kindheitserinnerungen.

Winterblues

Frau Holle hat noch einmal die Decken geschüttelt. Wir trotzen dem Winter und verwöhnen uns selbst mit frischen, warmen Hefeschnecken. (Sie schmecken wirklich phantastisch, aber ich gestehe: Es waren fünf Anläufe nötig. Der Gefährte hatte die Aussicht auf geniessbare Leckereien bereits aufgegeben. Ha!)

Ich wähle Stoffe aus. Die kleine Puppe für die Zaunkönigin soll eingekleidet werden. Zeigen kann ich mein Erstlingswerk jedoch erst, wenn auch diese Herausforderung geschafft ist, ihr müsst euch also noch ein Weilchen gedulden. Soviel Anstand muss sein, nackige Puppen in die Öffentlichkeit zerren, das geht gar nicht…

Und auch wenn es noch nicht so aussieht: Die Vögel pfeifen es von den Ästen, die Schneeglöckchen zeigen sich überall und gestern knuddelte ich kleine Lämmer (nein, nicht unsere). Der Frühling kommt bald. Voller Vorfreude räumen wir unserem Frühlings-Arrangement ein Plätzchen frei.

Blaubeertage

Die Weinbauern und ihre Helfer beginnen heute zu wimmen (Trauben lesen). Da auch an unsere Hausfassade drei Weinstöcke wachsen, lasse ich mich gerne von ihrem Tun anstecken. Ein grosser Korb Trauben wird sachte geköchelt, zu Saft gepresst und anschliessend unter tatkräftiger Mithilfe zu Gelée verarbeitet.

Und das Mädchen wird mit einer Weste beschenkt, welche in ebendiesen Herbsttönen leuchtet. Bora vom Blog „Kirschkernzeit“ strickte doch tatsächlich für mein Baby eine „In Threes“! Die Farbe ist perfekt für mein blauäugiges Mädchen. Sanft, aber nicht süss. Das Westchen ist warm und weich und genügend gross gestrickt, dass es uns noch lange erfreuen wird. Und das Modell ist einfach hinreissend. Boras Adaption mit der Häkelkante und die schönen Perlmuttknöpfe vervollkommnen das Ganze. Ach, ich bin so gerührt und glücklich.

mein Wochenende

Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.

Quersumme

Der Gefährte hat mich heute Abend mit meiner Geburtstags-Quersumme bekocht und das Herbstgericht auf acht Gänge verteilt. Wahnsinnig lecker war das. Und einmal mehr konnte ich am eigenen Leib erfahren, dass Liebe durch den Magen geht.

Weil wir nach genüsslichem Verputzen des ersten Ganges erschüttert feststellten, dass wir das Fotografieren desselben vergessen hatten, durfte ich mir die Wartezeiten zwischen den Gängen mit Zeichnen verkürzen. Voilà.

Sonnwendlig

Ausgewählt und per Handschlag besiegelt

Lichtfänger beblinzelt
Wintervorbereitungen getroffen
Das Geheimnis des Feuermachens weitergegeben
In weiche Wolle gegriffen
Das Schultertuch wachsen lassen
Vermicelles genossen
Das Tagwerk bestaunt
Viel gespielt
Vieles geerntet
Den Rücken gebeugt
Auf das Kommende gefreut
Von oben nach unten und von links nach rechts die Impressionen des Wochenendes.
Habt es fein.

Frischer Fisch

05:55
Was einem so alles entgeht, wenn man daheim im Bett liegt… Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen, derweil sich der Herr Papa der Ausrüstung zuwendet, der Gefährte wie ich an seinem Gerätchen herumfummelt und der Frischling noch ganz zufrieden in seinem Wagen sitzt und von alledem nicht viel versteht.

06:07
Ein zauberhafter Sonnenaufgang belohnt das frühe Aufstehen.

06:08
Petri Heil. Kindheitserinnerungen werden wach. Es ist wieder wie früher. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die damals empfundene Langeweile genüsslicher Ruhe gewichen ist.

07:17
Kleiner Fisch bestaunt kleinen Fisch.

08:31
Die Sonne steigt schnell höher und der angenehm kühle Morgen weicht einem weiteren heissen Sommertag. Gegen 09:30 verlassen wir den Steg.

12:09
Schuppen, ausnehmen und ggf. filetieren. Fasziniert lasse ich mich in diese Verarbeitungsschritte einführen. Eine sinnliche Wahrnehmungsexplosion; die Textur der Körper, das Geräusch des Messers auf den Schuppen, der charakteristische Geruch.

12:12
Die Tiere sind unglaublich schön. Ich bin sehr angetan.

12:56
Köstlich!

14:00
Satt, müde und glücklich gebe ich mich dem matten Dämmerzustand des heissen Sommernachmittages hin. Wenn ich zu andern Zeiten über Flow, Entschleunigung und Achtsamkeit nachdenke – heute habe ich dies alles und noch mehr erlebt.

Löwenzahn-Honig

Das Rezept ist simpel: Löwenzahnblüten, Wasser, Zucker und Unigel.
Einkochen, abfüllen, fertig.

Vor einigen Tagen habe brav das im Internet gefundene Rezept befolgt, obwohl auf der Unigel-Packung anderes geschrieben stand. Und so kam es, wie es kommen musste: Statt zu einem festen Sirup einzudicken, blieb mein Löwenzahnzuckerwasser flüssig. Zudem störte mich die braune Farbe, welche durch den Gebrauch des vorgeschlagenen Rohrohrzucker entstanden war.

Heute schritt ich erneut zur Tat. Die Blüten waren rasch gepflückt, auch das Auszupfen der Blättchen lief mir gut von der Hand. Der Frischling „sortierte“ wacker mit und belud unter anderem die Ladefläche seines Holzlasters, meine Hausschuhe und die Musikspieldose mit Löwenzahn. Zudem klemmte er sich einige der Blütenköpfe in seine Zahnzwischenräume und schnorchelte dazu genüsslich. Da hatte ich wohl beim „Vorführ-Schnuppern“ etwas zuviel Theatralik walten lassen…

Danach gings ab in die Küche. Und jetzt glühen sie vor sich hin, die Gläser mit dem Löwenzahn-Gelée. Morgen gibt’s eine erste Probe zum Frühstück.

Hier noch mein adaptiertes Rezept für alle Goldsüchtigen:

Ungefähr zwei Liter Löwenzahnblüten sammeln.
Blättchen auszupfen, man benötigt ca. einen Liter.
Blätter zusammen mit einem Liter Wasser aufkochen, kurz köcheln, dann abkühlen lassen.
Blättchen abseihen. Wasser wieder aufkochen und 50 Gramm Unigel hinzufügen.
Unter Rühren eine Minute köcheln lassen.
300 Gramm Feinkristallzucker hinzugeben, noch einmal kurz köcheln lassen.
Dann sofort in saubere, vorgewärmte Gläser abfüllen.
Sofort verschliessen und ca. eine Minute auf den Kopf stellen.
Danach umdrehen und ohne zu bewegen auskühlen lassen.