Nahrung für Körper und Seele II

Fest vorgenommen habe ich es mir: Die Stunden, welche ich fürs Stillen des kleinen Kindes „aussitzen muss“, sollen nicht ungenutzt verstreichen. Entweder möchte ich das Mädchen in diesen Momenten ganz bewusst geniessen, dem Frischling Geschichten erzählen und mit ihm Bilderbücher anschauen oder aber selber das ein und andere Buch lesen. Möglichst selten hingegen möchte ich am „smarten“ (tatsächlich?) Gerätchen herumdrücken…

Viele von Euch werden dieses Buch kennen. Bei mir stand es lange im Regal. Kürzlich hatte ich es aufgeschlagen und zu lesen begonnen. Und war schon nach wenigen Seiten begeistert. Verzaubert. Gebannt. Berührt. Ich freue mich auf jede freie Minute und damit jeden Satz dieses Romans.

Ein Give-away der besonderen Art. Dem Mädchen und mir habe ich einen Babymassagekurs gegönnt. Und zwar einen ganz feinen Einzelkurs: Wohlfühlambiente, zu Beginn Entspannungsmusik, Kerzenlicht, viel Zeit und Verständnis fürs Kind. Das war toll. Und im Heftchen ist alles in Wort und Bild notiert. Griffe und deren Reihenfolge, Grundsätzliches und Weiterführendes. Ganz praktisch.

Das Büchlein ist klein. Gegliedert in winzigkurze thematische Kapitelchen. Schlicht geschrieben. Es handelt von Haushaltsarbeit. Und von Zen. Von Spiritualität im Alltag. Von Liebe zu unserem Tun, von Hingabe und Wertschätzung. Vom Unperfekten ist die Rede, von Anmut und Vergänglichkeit. Es liegt bei uns aufm Klo, lässt mich jeweils kurz innehalten und motiviert ins turbulente Tagesgeschehen zurückkehren. Meditation statt Sisyphus. Ist doch schön.

Buchstaben-Fast Food ohne literarischen Anspruch. Aber ich liebe ihn. Archetypische Themen und Charaktere, Mittelalter-Bühne, Fantasy-Elemente. Nur wer gut und wer böse ist, lässt sich nicht so einfach ausmachen, da ist die Story sehr komplex und differenziert und sucht ihresgleichen. Gleichzeitig werden reihenweise Leute geköpft, von Schwertern durchbohrt und Ungeheuern gefressen. Ja, ich mag das. Ist so schön einfach. Ohne komplizierten Konjunktiv. Davon habe ich selber genug. Und das Beste: Ich habe bereits tausende von Seiten gelesen, und noch immer ist kein Ende in Sicht. (Bitte entschuldigt die Bildqualität. Der Frischling wollte sich der Kamera bemächtigen…)

Nahrung für Körper und Seele

Fest vorgenommen habe ich es mir: Die Stunden, welche ich fürs Stillen des kleinen Kindes „aussitzen muss“, sollen nicht ungenutzt verstreichen. Entweder möchte ich das Mädchen in diesen Momenten ganz bewusst geniessen, dem Frischling Geschichten erzählen und mit ihm Bilderbücher anschauen oder aber selber das ein und andere Buch lesen. Möglichst selten hingegen möchte ich am „smarten“ (tatsächlich?) Gerätchen herumdrücken…

Und weil es sich nirgends besser liest mit einem Kind an der Brust als im Bett, finden sich hier im Moment auch folgende Bücher:

Das Buch entwickelt beim Lesen einen starken Sog. Die Sprache ist klar und knapp. Durch diese ungeschminkte und schnörkellose Darstellung sind die Kurzgeschichten (bei welchen es sich um literarisch verarbeitete Interviews handelt) extrem berührend. Das Gelesene hallt lange nach.

Das Buch ist längst ein Klassiker. Als Geschenk hat es einst Einzug in meinen Haushalt gehalten. Lange blieb es ungelesen. Jetzt ändert sich das. Die Thematik passt nicht so richtig zum Sommer, zu leichten Gedanken und hellen Tagen. Aber vielleicht hält man die Geschichte nur so aus.

Ratgeber sind ja so eine Sache für sich. Das Buch ist jedoch ganz wunderbar gemacht: Schöne Farben, Prägungen, tolles Layout etc., da musste ich einfach zu lesen beginnen. Ob es wohl die eine oder andere Überraschung bereithält und mich inspirieren wird?

ich und wir


„Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich.“ 
Robert Walser

Letzthin habe ich eine durch ihre eigene Dünnhäutigkeit irritierte Kollegin darauf hingewiesen, dass sie als frischgebackene Mutter und stillende Frau ja auch noch nicht wieder ganz „sie selbst“ sei: Die Antennen voll ausgefahren und hochempathisch für das kleine Bündel Mensch, könne man diese für die Brutpflege wichtigen Qualitäten halt leider nicht per Knopfdruck im Kontakt mit anderen Menschen ausschalten.

Und ich selbst? Seit rund drei Jahren bin ich entweder schwanger, stillend oder gleich beides zusammen. Und es ist kein Ende in Sicht. 

Bin ich eigentlich noch ich? Bin ich zurzeit eine unvollständige Ausgabe meiner selbst? Oder vielleicht eine bessere Version von mir? 

(Der Wicht auf dem Bild ist natürlich der Frischling, damals noch fast ganz glatzköpfig… Es dauert noch ein Weilchen, aber der Geburtstermin vom kleinen Kind rückt unaufhaltsam näher.) 

Silberchen

Ein Wiesel
sass auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wisst ihr,
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinierte Tier
tats um des Reimes willen.

Christian Morgenstern, aus der Sammlung Galgenlieder

Aus feinstem Silber hab ich mir ein gänzlich unnütz Ding gegossen.

Dafür zuerst die winzigste Eichel gesucht, die ich finden konnte. Dann die Manschette mit Giesssand vorbereitet und die Winzigkeit hineingedrückt. Eingusstrichter und Abluftkanäle gestochen, Silber geschmolzen. Und Hopp! Dann noch geschliffen und poliert.

Und sehr gefreut.

Lesen heisst denken

Freie Verse

Gestern Nacht erwachte ich wusste
Dass ich mich nun von diesen Versen
Verabschieden sollte. So geht es immer
Nach einigen Jahren. Sie müssen hinaus
In die Welt. Es ist nicht möglich sie
Ewig! hier unter dem Dach zu behalten.
Arme Dinger. Sie müssen hin in die Stadt.
Wenige werden später zurückkommen dürfen.
Jedoch die meisten treiben sich draussen herum.
Wer weiss was aus ihnen noch wird. Eh sie
Zur Ruhe gelangen.

Sarah Kirsch

Sarah Kirsch, Werke in fünf Bänden. Band 3. Gedichte. ISBN 3-421-05272-7