Tiere berühren

Tiere sind wunderbare Vermittler, Lehrer und Gefährten. Viele Kinder sind sehr an Tieren interessiert. Sie möchten Tieren nahe sein, sie möchten sie anfassen, mit ihnen schmusen, spielen und Spass haben. Manche Kinder können mit Tieren aufwachsen und so wichtige und schöne Erfahrungen machen. Aber auch wenn kein Tier zu der eigenen Familie gehört, kann man die positiven Aspekte von Tier-Mensch-Beziehungen im Alltag pflegen.

Hier eine kleine, unvollständige Liste:

Oft wird empfohlen, bei bestehendem Hundewunsch halt mit einem fremden Hund ab und zu Gassi zu gehen. Ich finde das relativ absurd. Als Kind wünschte ich mir einen EIGENEN Hund, einen Verbündeten, einen Freund. Frau Nachbarins Dackelchen auszuführen, hätte mir gar nichts gebracht. Sinnvoller finde ich es, für einen Hund langfristig Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht gibt es irgend jemanden in der Region, der für zwei Tage die Woche für seinen Hund einen Platz sucht? Oder regelmässig einen Ferienplatz? Wie in der Funktion als „Tageseltern“ kann so eine tragfähige Beziehung zu einem ganz bestimmten Tier entstehen. Es lohnt sich auch, in Tierheimen anzufragen, ob Spazierdienste erwünscht sind. Regelmässig mit dem selben Hund Zeit zu verbringen, ihm Gutes zu tun und so seine Chancen auf eine Vermittlung zu erhöhen, kann gerade älteren Kindern viel Freude machen, auch wenn das Abschiednehmen von Beginn weg eingeplant werden muss.

Sowieso verändert sich sofort der Beziehungs-Level, wenn wir den Namen eines Tieres kennen. Wieso nicht einfach mal den Bauern fragen, wie die Kuh mit dem krumm gewachsenen Horn heisst, oder ob der Schafbock eigentlich einen Namen hat? Es spaziert sich einfach viel schwungvoller mit kleinen Kindern, wenn man dem grimmigen Volcan ein Besüchlein abstattet und nicht einfach „noch bis dort zu der Schafherde“ wackelt. Man kann sich auch Wildtiere „zu eigen machen“. Es ist nicht ganz einfach, aber manchmal erkennt man ein charakteristisches Merkmal. Die Freude ist gross, wenn man dieses Tier dann ab und zu wieder sieht. Es lohnt sich nur schon, darüber zu rätseln, „ob es jetzt wohl dieses Tier ist“.

Interesse, Mitgefühl und Bewunderung Tieren gegenüber lernen Kinder aber nicht nur mit Hunden und Katzen. Gerade kleine Kinder profitieren in meinen Augen viel stärker von kleinen, unscheinbaren, dafür häufigen Begegnungen mit Tieren. Exemplarisch steht dafür die Schnecke am Wegesrand. Schnecken können von Kindern angefasst und untersucht werden. Sie staunen über die Fühler und die winzigen Augenpunkte. Sie bewundern die Farben der Häuschen. Sie beobachten, wie die Schnecke an einem Blatt frisst und spüren, wie sich ihr Schleim auf der Handfläche anfühlt. Ich lasse meine Kinder Schnecken retten. Viele müssen sie dann und wann von den Wegen an die Strassenränder tragen. Dann beweisen sie echtes Mitgefühl. Sie erleben die Schnecke als fühlendes Wesen. Was will ich mehr? Wenn es kein Ende nimmt und ich spüre, dass ich genervt reagiere, schliesse ich mich einfach an. Das entspannt ungemein und stimmt fröhlich. So viel Leben retten in wenigen Minuten, das schafft nicht einmal ein renommierter Chirurge…

Ich nutze jede Möglichkeit, mit meinen Kindern zusammen ein Tier genauer zu untersuchen. Das kann eine Spinne, ein Käfer, eine tote Maus oder ein Falter sein. Mir ist es besonders wichtig, nicht in schöne und eklige Tiere zu unterscheiden. Diese Kategorien gibt es nur in unseren Köpfen. Käfer ist Käfer, egal ob Marienkäfer oder Totengräber. Wenn nicht die Farbe fasziniert, sind es vielleicht die haarigen Beinchen oder die langen Fühler. Jedes Tier ist auf seine Art besonders schön. (Ja, das gilt auch für Spinnen!) Besonders beliebt ist das Kategorisieren auch bei Vögeln: Auf der einen Seite der schöne, bunte Stockentenerpel, auf der andern Seite das unscheinbare Weibchen. Solche Zuschreibungen verkneife ich mir. Der Erpel ist auffallend (werbetechnisch ideal) bunt, das Weibchen perfekt getarnt, um das Gelege zu schützen. Beide Tiere sind wunderschön. Bei ganz kleinen Tieren eignet sich eine Lupe, um Schönheiten zu entdecken. Der Kauf eines hochwertigen Modells lohnt sich immer! Feldstecher sind übrigens bei uns auch immer in Griffnähe.

Es gibt Kinder, die springen auf alles „Tierische“ an. Meine Tochter legt schon beim Anblick von Tierbildern den Kopf schief, formt die Hände zu einem behütenden Gefäss und beginnt zärtlich zu säuseln. Mein Sohn hingegen zeigt sich von Tieren unbeeindruckt bis verängstigt. Das Blöken der Lämmer, das Krähen des Hahns, das um-die-Beine-Streichen der Katzen, all das findet er grässlich. Was also tun? Wie sollte ich ihn an die Wunder der Natur heranführen? Er selbst gab mir die Antwort, seine Antwort: Er schaut sich sehr gerne Bestimmungsbücher oder -karten an. Wenn er dann draussen ein kleines Tier entdeckt, welches er kennt, ist seine Freude riesengross. Eine Feuerwanze kann ihn dann in echte Begeisterung versetzen. Im Moment ist das seine bevorzugte Art und Weise, mit Tieren in Kontakt zu treten.

Vielleicht sind es auch die Rufe der Vögel, welche ein Kind besonders faszinieren, die verschiedenen Losungen (typische Kotformen) oder die Trittsiegel (Tierspuren). Es lohnt sich, sich in diesen Bereichen ein bisschen „Indianerwissen“ anzueignen. Jeder Spaziergang hat so die Chance, zu einem Abenteuer zu werden. Dennoch: Wissen ist gut, aber eher als „Backup“ gedacht. Für Kinder soll das Erleben, Rätseln, Staunen und sich in Geduld und Mitgefühl üben mehr als alles Wissen über die Tiere im Vordergrund stehen. Dieses folgt normalerweise automatisch.

Pro Natura, WWF, Wildnisschulen, ornithologische Vereine und andere Naturschutzorganisationen bieten vielfältige Angebote für Familien an. Eine geführte Exkursion durch die nächste Umgebung lässt einen den Stadtpark, die Kiesgrube oder das Areal um den Hauptbahnhof mit ganz anderen Augen sehen.

Für Tierbeobachtungen muss man nicht weit hinaus in die idyllische Natur reisen. Die brütende Amsel auf dem Fensterbrett, die Fledermaus im Licht der Strassenlaterne, Silberfischchen unter den Steinen im Vorgarten: Tiere sind überall.

Kommen Tiere in euerm Alltag vor?
Welche sind für eure Kinder besonders wichtig? Und welche für euch selbst?
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.

 

Lassie, Bagheera und Miramis

The Magic of Lassie Quad

Tiere gehören zu meinem Clan

Zu meinem Clan gehören neben den Menschen auch Tiere. Sie spielen für mich eine wesentliche Rolle. Sie sind Vermittler zur Natur, auch zu unserer eigenen Natur, sie sind Lehrer, Freunde, Mitgeschöpfe. Ich erfreue mich am Hausrotschwänzchenpaar, welches unter dem Dach brütet genauso wie am Hühnervolk, welches mit seiner emsigen Geschäftigkeit pure Glückseligkeit verbreitet und mich nebenbei auch noch mit besten Eiern beschenkt. Ohne Tiere wäre mein Leben viel ärmer.

Es gibt viele gute Gründe, mit Tieren zu leben. Es gibt aber auch viele gute Gründe, darauf zu verzichten.

Verantwortung für jemanden tragen

Sehr wertvoll war für mich die Erfahrung, dass durch mein Leben mit dem Hund der Verantwortungsschock, welcher gemeinhin mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht, spürbar abgefedert wurde. Ich war zu jenem Zeitpunkt schon seit 8 Jahren daran gewohnt, Bedürfnisse eines Familienmitgliedes miteinzuplanen, welche nicht immer mit meinen eigenen deckungsgleich sind. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei Terminanfragen, Einladungen und ähnlichem zuerst zu denken: „Und was ist mit dem Hund? Wie lange dauert das und was bedeutet das für uns? Soll er zuhause warten? Mitkommen? Im Auto bleiben? Oder soll ich ihn zu meinen Eltern bringen, damit er dort gut versorgt ist?“ Es war eigentlich alles möglich, aber es musste eben immer zuerst geplant werden. Wenn es auf eine Reise ging, musste sein Kram auch mit, und manchmal wurde er krank und brachte unsere Pläne durcheinander. Durch sein Dasein ergaben sich neue Freundschaften, dank ihm beurteilte ich meine Umgebung neu (Verkehrssituation, Orte, wo freies Spiel ohne Konfliktpotential stattfinden kann,…). Ich musste lernen, ihn und mich vor übergriffigen Bemerkungen und gar Handlungen zu schützen und spürte grossen Stolz, wenn er eine Aufgabe eifrig und fröhlich meisterte. Ich erkannte meine Leidenschaft für Erziehungsratgeber und das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität (vor allem meines Selbstbildes). Ich kam mit Erziehungsstilen und Beziehungsphänomenen in Kontakt. Ich wurde mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert und kam nicht umhin, Pauschalisierungen zu hinterfragen.

Hunde sind keine Kinder, aber diese und viele weitere Prozesse, welche bei mir ausgelöst wurden, sind identisch. Natürlich war es kein bewusster Entscheid, mit einem Hund zusammenzuleben, um das Leben mit Kindern zu üben. Rückblickend aber ist genau das geschehen.

nonverbale Kommunikation

Ebenfalls wahnsinnig bereichernd war für mich, dass meine Antennen durch den Hund bereits sehr fein eingestellt waren. Ich war es gewohnt, mit einem nicht mit Worten sprechenden Lebewesen zusammenzuleben. Ganz feine Signale zu erkennen und zu verstehen fiel mir nach Jahren der Übung leicht. Das kam zweifellos meinem ersten Kind zugute. Obwohl ich das erste Mal Mutter wurde, hatte ich dank meinem vierbeinigen Freund und Lehrer einen entsprechenden „Erfahrungsvorsprung“ gegenüber anderen „Erstlingsmüttern“.

ein Tier fürs Kind?

Meine Familie ist gewachsen, der Hund hat sich an ein erstes und an ein zweites Kind gewöhnt. Und so dürfen sie jetzt mit ihm aufwachsen. Kind und Hund, wie schön, wie perfekt. Lassie lässt grüssen. Wer wünscht sich das nicht? Mein Sohn beispielsweise. Er fürchtet sich vor dem Hund. Er fasst ihn niemals an, spricht nicht mit im und geht ihm wo immer möglich aus dem Weg.

Meine Tochter hingegen liebt den Hund. Sie betüddelt ihn, füttert ihn heimlich und offensichtlich, möchte ihn striegeln und streicheln und herzen. Ob sie mich in einigen Jahren dazu überreden will, ein Pony in die Garage zu stellen?

Ich werde dies (ziemlich sicher) nicht tun. Weil Tiere nicht für Kinder angeschafft werden sollten und mein Herz nicht für Ponys schlägt. Ich wünschte mir, dass alle Eltern sich bewusst sind, dass die Hauptverantwortung für ein Tier immer bei ihnen bleibt. Natürlich können bereits kleine Kinder in die täglichen Routinen mit dem Tier eingebunden werden. Aber auch wenn sie das Interesse verlieren, die Schule mehr Aufmerksamkeit verlangt oder das Fussballspielen hoch im Kurs steht, behält das Tier seine Bedürfnisse. Und es verdient, dass diese erfüllt werden. Während seines ganzen Lebens. Es sollte selbstverständlich sein, dass man sich vor Anschaffung jedes Tieres genau informiert, wie diese Bedürfnisse aussehen. Und dann ehrlich abwägt, ob diese zur eigenen Lebenssituation passen. Das Internet, Fachliteratur und seriöse Tierhalter helfen da gerne weiter. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

grenzenlos bedürfnisorientiert

Glaube mir, wenn du deine Kinder bedürfnisorientiert begleitest, wirst du diese Haltung bei deinem Tier nicht einfach wie auf Knopfdruck ausschalten können. Und so wirst du selbst sehr darunter leiden, wenn du die Bedürfnisse deines Tieres erkennen, aber nicht in der Lage sein wirst, diese zu erfüllen. Unter diesem Phänomen habe ich die letzten Jahre öfters sehr gelitten.

Ich höre oft die Bemerkung, dass Tierhaltung einen ja so „anbinde“. „Man kann nicht mehr in die Ferien“, ist der meistgehörte Ausspruch, wenn es um das Für und Wider von Tierhaltung geht. Der Satz ist einfach nur falsch. Ich kann mit entsprechender Planung problemlos in Urlaub fahren und weiss meine Schafe, Hühner, Katzen und den Hund bestens versorgt.

Anstrengend sind die täglichen Kleinigkeiten. Der Hund sollte dringend raus, aber das kränkelnde Kind ist soeben auf dem Sofa eingeschlafen. Die Katzen schleichen sich durch offene Fenster und Türen ins Haus. Und dort natürlich in die Betten. Oder in nicht ganz geschlossene Kleiderschränke. Auch wenn sie nass und schmutzig sind. Besuch mit Kindern schneit herein, der Hund wird ins Homeofficezimmer ausquartiert und zerfetzt dort frustriert meinen Lieblingspulli. Der Sohn legt sich einen Keks zurück, leider nicht hundesicher platziert. Schwupps und weg, grosses Drama. Das Baby ist endlich eingeschlummert, da bellt der Hund, weil er ein „verdächtiges“ Geräusch hört. Und so weiter und so fort.

Ich halte auch nicht viel von der Strategie, mir eine Katze anzuschaffen, weil ich Hunde sehr mag, Katzen aber einfacher zu halten sind. Wenn mein Herz nicht für Katzen schlägt, werde ich ihre Eigenheiten bald als Last empfinden. Und gleichzeitig kenne ich Frauen, deren Herz brennt nebst Kindern auch noch innig für Pferde oder Hunde, und die kriegen das gewuppt, einfach weil ihnen dies so unendlich wichtig ist.

Wer kleine Kinder hat und sich die Anschaffung eines Tieres überlegt, dem empfehle ich folgendes Gedankenspiel: Kannst du dir vorstellen, einen Teenager bei dir aufzunehmen? Natürlich ist ein Hund was ganz anderes. Wie ein Jugendlicher ist er aber (sobald ausgewachsen) ziemlich selbständig und braucht einen nicht mehr rund um die Uhr wie ein kleines Kind. Auf den ersten Blick „läuft er einfach so mit“. Aber das stimmt einfach nicht. Sie haben eigene Bedürfnisse, stillere, welche neben dem Kleinkindchaos gerne übersehen werden. Oder, wenn sie dann zu lange übersehen werden, plötzlich ganz grosse, welche schwierig zu lösen sind und Zeit und Kraft erfordern. Du tust gut daran, genau hinzuhören und zu -spüren, ob du noch Lust und Power für ein weiteres, ganz anderes „Bedürfnispaket“ hast.

wertvolle Tierbegegnungen

Wenn du das alles schon weisst und deshalb oder aus anderen guten Gründen auf das Halten von Tieren verzichtest: Hab kein schlechtes Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du ihnen ihren Wunsch nach einem Pony, einem Hund oder einem Hamster ausschlägst. In meinem nächsten Post werde ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du auch ohne Hund und Katze im eigenen Haushalt die positiven Aspekte der Tierbegegnungen für dich und deine Kinder erlebbar machen kannst. Denn ein bisschen Lassie im Abendrot hat schon was.

Bildquelle: http://www.thebestlittlefilmhouse.com/the-magic-of-lassie-original-quad-1978-mickey-rooney–james-stewart-4027-p.asp

10 Gründe für Wäscheberge, zerkratzte Hände und Sand im Bett

Kinderwetter?

„So’n Sch****wetter, da kann man ja nicht raus. Schon gar nicht mit kleinen Kindern.“ Diesen und ähnliche Sätze höre ich oft. Während der letzten nassen Tage. Im kalten Winter. Während des Tauwetters im Frühling und im stürmischen oder nebligen Herbst. Sommer gefiele den meisten Menschen, wären da nicht die gefährliche Sonne, die Zecken und die unangenehme Hitze.

„Meine“ Müttergruppe trifft sich grundsätzlich draussen (darüber habe ich schon geschrieben). Neben praktischen Gründen ist ein Aufenthalt in der Natur mit Kindern für mich immer die erste Wahl.

10 gute Gründe

1. Draussen sein ist gesund. Draussen kann das Kind sich herrlich austoben und seinen Bewegungsdrang befriedigen. Schnupfennasen können nach einem Aufenthalt in der kalten Winterluft wieder durchatmen, das Sonnenlicht ist wichtig für ausreichende Vitamin-D-Versorgung. Das Immunsystem wird aufgebaut, das Tageslicht reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus und vieles mehr. (Es gibt draussen tatsächlich auch Dinge, die nicht unproblematisch sind; Fuchsbandwurm, Sonnenbrand, Zecken und anderes. Bitte entsprechende Massnahmen treffen.) Und wenn tatsächlich mal ein Kind bereits hustet, vielleicht sogar leicht fiebert oder ähnliches, dünkt es mich, dass das Ansteckungsrisiko draussen kleiner ist als in einem geschlossenen Raum, wo alle „aufeinanderhocken“ und die wenigen Kubikmeter Luft miteinander teilen. Ein leicht(!) kränkelndes Kind unter anderen Kindern stört mich draussen tatsächlich viel weniger als in der Enge eines Kinderzimmers.

2. Wenn Kinder draussen spielen, ist kein einziges von ihnen über- oder unterfordert, sogar wenn sie ganz unterschiedlich alt sind. Jedes findet den kleinen Stein oder die hohe Mauer, wo ein mutiger Sprung gewagt werden kann. Während die einen Löwenzahnstiele zu Wasserleitungen zusammenstecken, kochen die andern mit Wasser und Gras „Gemüsesuppe“. Eines erkennt den Specht, ein anderes entdeckt den grossartigen Regenwurm.

3. Streit um Spiel-Zeug kommt in der Natur kaum vor. Es sind Steine im Überfluss vorhanden, welche aufgereiht, im Weiher versenkt, in Hosentaschen gehortet werden können. Jedes Kind findet einen Ast für den Schwertkampf. Der gefällte Baum bietet allen gleichzeitig Platz zum Klettern und Balancieren.

4. Die Spielmaterialien sind um Welten vielseitiger als herkömmliches Spielzeug. Die alte, morsche Holzlatte wird zuerst in der Matschküche als Gurke verkocht, später dient sie als Machete beim Pirschgang durch den Bärlauch, danach wird sie Tablett für die leeren Schneckenhäuser und vielleicht darf sie zum Schluss sogar noch eine geherzte Baby-Puppe sein. Alles kann alles werden: das Spiel ist frei, kreativ und phantasievoll.

5. Der Aussenraum ist multifunktional. Es braucht keine Leseecke, kein „Gumpi-Zimmer“, keinen Zvieritisch. Die Wiese verwandelt sich mit den Bedürfnissen der Gruppe vom Tobeplatz zur Kuschelzone und wieder zurück.

6. Die sensorischen Reize sind wundervoll. In die Baumkronen blinzeln, dem Vogelgezwitscher lauschen, die kitzelnden Gräser spüren, etwas Gundermann probieren, den Geruch feuchter Erde atmen: Alles ist wohltuend und nur in seltensten Fällen unangenehm. Nicht nur die Kinder profitieren von der Qualität der Sinneseindrücke, auch für die Eltern fühlt sich das phantastisch an. Ich zumindest bin jeweils ziemlich fertig, wenn mehrere Kinder in einer Wohnung um mich herumwuseln; zu viele Sinneseindrücke, zu viel Chaos, alles zu eng. Draussen entspanne und erhole ich mich trotz einer ganzen anwesenden Kinderhorde hervorragend.

7. Die Natur bietet basale Spielerfahrungen: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Alle Kinder werden von den Elementen magisch angezogen. Welch Glück, wenn sie dieser tiefen Freude und Faszination intensiv nachgehen dürfen. Welch Glück, sie dabei zu beobachten. Und die Wetter: laue Lüftchen, steife Brise, heftiger Sturm, liebliche Tröpfchen und prasselnder Regen. Zaghafte Strahlen, Sonnenglut. Schneeflocken und Hagel. Kinder bewerten Wetter noch nicht. Sie stapfen gerne durch den Regen, und solange sie warm eingepackt sind, macht ihnen auch Kälte nichts aus. Nach zwölf Jahren mit dem Hund weiss ich es: Es gibt nur ganz selten richtig schlimmes Wetter, wo man am besten zuhause bleibt. Nämlich wenn es gleichzeitig sehr nass, sehr kalt und sehr windig ist.

8. Ein Nachmittag in der Natur ist voller Überraschungen. Echte Entdeckungen werden gemacht. Ich selber liebe ganz besonders die Momente, wo auch ich als Erwachsene staune, rätsle, innehalte, oder vielleicht auch mal schockiert bin. Kinder lieben es, unsere Begeisterung, unser Interesse für die und an der Natur zu teilen. Natürlich spüren sie, dass meine Aufmerksamkeit eine andere Qualität hat, wenn sie mir aus dem Wald einen geheimnisvollen Schädelknochen eines Tieres anschleppen als die 95. Zeichnung eines Feuerwehrautos (welche mich aber natürlich auch sehr freut!).

9. Die Natur ist ein grossartiger Lehrer. Sie lehrt uns echte Konsequenzen: Zappel rum, und der Vogel fliegt weg. Zieh dir die Jacke nicht an, und dir wird kalt. Sei unachtsam beim Gang dem Waldrand entlang, und du berührst die Brennnesseln. Die Natur lehrt uns Geduld und tiefes Mitgefühl. Die Natur nimmt uns auf, wir können in ihr Teil eines grossen Ganzen sein. Gleichzeitig kann sie sich uns als unbeeindrucktes, stoisches, gelassenes Gegenüber entgegenstellen. Beides ist sehr wohltuend.

10. Wenn wir oft draussen sind, machen wir uns mit unserer Umgebung vertraut. Wir schliessen Freundschaften mit Orten, Pflanzen, Tieren. Wir lernen Gerüche und Geräusche kennen. Was wir kennen, lieben wir. Was wir kennen, wird unsere Heimat. Das ist wichtig für uns. Und auch für die Natur. Nur was wir kennen und lieben, sind wir bereit zu pflegen und zu schützen.

Literaturtipp

Wer mehr über Kinder und Natur lesen möchte, dem seien folgende Bücher empfohlen:
Richard Louv: Das letzte Kind im Wald (Herder Verlag)
Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen (Beltz Verlag)

Meine Literaturtipps sind übrigens einzig eine persönliche Empfehlung. Sie werden nicht bezahlt, gesponsert oder anderweitig werbetechnisch und/oder monetär genutzt.

Kinderwetter!

Die 10 Gründe hatte ich rasch beisammen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie siehst du das? Weshalb gehst du gerne raus mit deinem Kind?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar. Danach aber bitte: Weg vom Bildschirm, rein in die Gummistiefel und raus mit euch! Das Wetter ist ja gerade ausgesprochen fabelhaft. Wie jeden Tag.

Liebe Grüsse
Martina

Kükenglück

Ein Nachtrag.
Einfach weil sie so wunderbar sind.
Einmal mehr muss ich es schreiben: 
Mother Nature ist beautiful.
Und verschwenderisch:
14 Eier untergeschoben.
5 nach wenigen Tagen zerdrückt (eine Rangelei im Hühnerhaus zwischen den Hennen?).
2 Küken nach dem Schlupf gestorben.
3 Eier unbefruchtet, folglich kein Schlupf und Abbruch des Brütens nach 22 Tagen.
4 lebende Küken.
Noch.
Wir fragten uns, ob die Küken eigentlich wissen, wer sie ausgebrütet hat resp. ob die beiden Hennen „ihre“ Küken erkennen. Es geht meist etwas chaotisch zu und her in den beiden Nestern.
Heute Nacht jedenfalls haben die Hennen die Situation auf ihre Art und Weise gelöst: Alle sechs haben sich im selben Nest zusammengefunden. Sieht unbequem aus, muss aber toll sein. Ich sag nur eins: Familienbett.

Liebeserklärung

Dieser Post ist ein Abschied. Ein Abschied von Frau Krähe. Aber es soll kein trauriger Abschied sein, weil es nämlich gar keinen Grund zu Traurigkeit gibt. Ich habe mich entschlossen, die Form meines Blogs zu verändern. Frau Krähe geht (vermutlich), ich selbst bleibe.

Zuerst aber möchte ich mich bedanken. Dieser Blog ist vor 3.5 Jahren aus dem Wunsch entstanden, regelmässig zu schreiben, meinen Gedanken einen Raum zu geben. Eine Art Tagebuch über meine Tätigkeiten sollte entstehen, zu meiner mehr oder weniger alleinigen Freude. „Frau Krähe“ ist immer klein geblieben. Und ich war sehr glücklich damit. Gerade deshalb „kenne“ ich wohl viele meiner Leserinnen. Ihr Lieben, ihr habt mir die letzten Jahre so viel geschenkt, und ich bin so glücklich, euch durch eure Blogs kennengelernt zu haben.

Wo fange ich an? Alphabetisch? Nach Kennenlernzeitpunkt? Thematisch? Ach herrje, verzeiht mir meine chaotische Auflistung. Die Holunderblüten sind natürlich exklusiv für euch!

Danke liebe Ulma. Für alles. Du weisst schon.

Danke liebe Melanie. Deine Zeichnungen erfreuen mich. Deine Familie berührt mich. Dein Leben verändert mich.

Danke liebe Bora. Du bist meine Schweizer Soulemama. Dein Blog leuchtet still und unerschütterlich voller Liebe für deine Familie und durch die Wertschätzung, welche du den täglichen kleinen Wundern schenkst. Ich lerne viel von dir.

Danke liebe Patricia. So anders, dein Leben dort im fernen Berlin. Und doch fühle ich mich immer wieder so daheim in deinen Schilderungen, Überlegungen und Standpunkten.

Danke liebe Dania. Für deine Offenheit und deine Stärke.

Danke liebe Katja. Für deine feinen Worte und schönen Bilder.

Danke liebe Susanne, liebe Uta, liebe Caroline, liebe Miriam, liebe Jana. Euer Blick und eure Worte auf und über Kinder prägen mich, machen mir Mut und bestärken mich, meinen Weg zu gehen.

Danke liebe Carmen. Deinen Garten bewundere ich sehr. Unsäglich weit bin ich von einer solchen Pracht entfernt. Aber das Weidenflechten durfte ich ja wenigstens schon von dir lernen.

Danke liebe Friederike für deine präzisen Worte über die Schönheit des Landlebens fernab von Landlust-Romantik-Kitsch.

Danke liebe Rike, liebe Andrea, liebe Katharina: Ihr bringt mich zum Lachen, zum Nachdenken, zum mich-Aufregen bisweilen. Viel Herz und viel Inspiration.

Danke liebe Mareice, liebe Iren, liebe Gabriela, durch euch ist Inklusion von meinem Kopf in mein Herz gewandert.

Danke liebe Kathrin. Du bist der einzige Mensch aus meinem Leben 1.0, der ebenfalls einen Blog schreibt. Sowas verbindet.

Danke liebe Maria und liebe Julia für eure ansteckende Liebe zu den Puppen.

Danke liebe Frederike und liebe Lena, für euer Lesen und Kommentieren, für das gemeinsame Gehen eines Stück des Weges.

Danke liebe Stephanie für deine Poesie, deine klugen Gedanken und wunderbaren Buchempfehlungen.

Danke liebe Sybille für dein Bild, welches mich durch die Geburt der Zaunkönigin getragen hat.

Danke liebe Bianca für den schönen Mailkontakt.

… Und jetzt habe ich diese dumme Angst, dass ich jemanden vergessen habe. Habe ich ja wahrscheinlich auch. Deshalb noch einmal ganz pauschal und inklusive alle Nicht-Genannten: Danke, dass ich soviel von euch lesen und lernen darf. Danke, dass ihr mich inspiriert.

Und ganz speziell an meine Leserinnen, die natürlich nicht deckungsgleich sind mit den oben Genannten: Danke, dass ihr mich gelesen habt. Danke, dass ihr mir immer (!) freundliche und wohlwollende Kommentare auf meine Posts hinterlassen habt. Was für ein Geschenk!

Doch wie gehts jetzt weiter? Fast genau gleich. Ich lese euch weiterhin. Und freue mich, wenn ihr, sofern ihr schon „Frau Krähe“ gemocht habt, mitkommt zu meinem neuen Blog. Er fokussiert stärker auf das Leben mit Kindern und dient zudem als Webauftritt für meine neue Tätigkeit als Artgerecht-Coach. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingen wird, trotz der leichten Professionalisierung viel Persönliches und Überraschendes in den Posts bewahren zu können.

„Frau Krähe“ wird wohl fürs Erste verstummen. Das Schreiben für zwei Blogs übersteigt meine Ressourcen. Trotzdem scheue ich mich, diesen mir liebgewordenen Platz vom Netz zu nehmen. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Bleibt froh und mutig!
Eure „Frau Krähe“

P.S.: In zwei Tagen sollten die Küken ausschlüpfen. Bereits dann kann ich es mir wohl nicht verkneifen, hier ein paar Bildchen zu platzieren…

Morgenzauber

Heute Morgen traute ich meinen Augen kaum, als ich – noch kontaktlinsenbefreit und etwas verschlafen – aus dem Fenster guckte.

So schön es aussieht, so trivial und nachdenklich stimmend ist dieses Schauspiel:
Mit kleinen Feuern und Wind (der durch die Hanglage in Form von Luftströmungen gegeben ist) werden die empfindlichen Knospen der Reben vor dem Frost geschützt. Ein Szenario, welches wohl in Zukunft häufiger zu beobachten sein wird, da die Weinstöcke infolge des Klimawandels und der damit verbundenen milden Winter immer früher im Jahr austreiben.

Geschenk

Zum ersten Mal in ihrem Leben hat die Zaunkönigin heute „Blumen“ gepflückt und mir diese ganz bewusst und deutlich zum Geschenk gemacht.

Den ein oder anderen Blumenstrauss habe ich schon erhalten in meinem Leben. Kein einziger vorher hat mich mehr gerührt oder gefreut. Boras Worten vom 3. April 2016 kann ich mich nur zustimmend anschliessen.

Gedankenknospen

Dort, an der windgeschützten Stelle, wo die Sonne die Steinmauer bereits etwas aufgewärmt hat, ist es angenehm warm. Eine Mutter stillt ihr Baby, der Hund hat sich ebenfalls bei ihr niedergelassen und döst. Die Frau hat zudem nebenbei ein Auge auf die etwas grösseren Kinder, welche unter dem Haselstrauch mit kleinen Zweigen, Zapfen und Steinen ein Zwergendorf aufbauen. Die drei grossen Schulmädchen füttern derweil die Hühner und versuchen, der zahmen Henne ein Kunststück beizubringen.

Die Sonne brennt auf die Gartenbeete, wo zwei Frauen die Erde auf eine neue Saat vorbereiten. Sie wechseln dann und wann einige Worte, tauschen sich aus über dies und das. Währenddessen gehen die Männer mit Schaufeln und Hacken ans Werk, die Fläche für die neue grosse Feuerstelle will ausgeebnet werden. Ein Mann trägt sein schlafendes Enkelkind in der Traghilfe und bereitet für alle den Zvieri vor.
Wer arbeiten möchte, arbeitet. Wer sich zurückziehen will, geniesst ganz für sich allein eine stille Ecke des Gartens.
Gegen Abend wird der neue Feuerplatz eingeweiht. Heisse Kartoffeln aus der Glut, etwas Käse, Brot, Wasser und Wein. Während die Grossen über Bohnensorten, neue Apps, die Lage in Nahost und das perfekte Anti-Mücken-Mittel fachsimpeln, geniessen die Kleinsten die freundliche, gemütliche Atmosphäre und knüpfen mutig Kontakte. Die grossen Mädchen erzählen den kleineren Kindern auf dem Gartensofa, in warme Decken gehüllt, Geschichten von verzauberten Prinzen und Prinzessinnen. 
Klingt doch wunderbar, oder nicht? Ein Traum? Ein unerfüllbarer Traum? Zuviel Bullerbü, Lönneberga und Villa Kunterbunt in einem?
Wir haben Platz genug, wo dieses Lebensgefühl Gestalt annehmen könnte. Ob es noch andere gibt, welche Lust auf eine Realisierung haben? Gibt es hier in der Nähe Menschen, die nicht in „mein“, „dein“, in Franken und Mann-/Fraustunden rechnen? Die Kinderbetreuung mit Saatgut mit einer warmen Mahlzeit mit nicht mehr benötigter Kinderkleidung „bezahlen“ möchten? Die an den Wert von Freundschaft glauben? Die ihre Kinder am liebsten Kinder sein lassen?

Wir haben mit unserem „Stall“ die letzten Jahre erlebt, dass die Menschen gerne bei uns einkehren und ihre Freizeit bei uns verbringen. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, in der das gemeinsame Tun Einzug hält in unserem Leben.

Obwohl es noch weit ist bis zum Blühen und Wachsen, in meinem Kopf und Herzen spriessen Bilder und Ideen. Ob aus diesen zarten Knospen einst prachtvolle Blumen werden, weiss ich nicht.

Was meinst du? Würdest du dir einen Strauss pflücken wollen von diesen Pflänzchen?

Eulenglück

Wie erfrischend und beflügelnd ist der Spaziergang durch die zauberhafte Winterlandschaft. Der Hund rennt übermütig um mich herum, der Schnee stiebt trocken unter meinen Füssen, die Sonne lässt mich blinzeln. Stille. Ein Gefühl von Neuanfang.

Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen. Bald ist dieses Winterwetter wieder Vergangenheit. Ist es nicht phantastisch, in einer Klimazone zu leben, welche uns vier Jahreszeiten beschert?

Ich erfreue mich an der winterlichen Kälte und Klarheit. Später dann lasse ich mich begeistern vom Frühling mit dem Ruf des Kuckucks, dem munteren Gurgeln des Baches hinterm Haus und den Düften nach Erde und spriessendem Gras. Im Sommer dann liebe ich die langen trägen Tage, das Barfusslaufen, den Geruch von Minze und die kühlen, geselligen Abendstunden. Der Herbst schliesslich ist ganz „meine“ Jahreszeit. Das melancholische Abschiednehmen, welches sich in der Natur zeigt, Tom Waits, Rilke, Tee und die ersten Nebel verbünden sich mit meiner inneren Gestimmtheit.

So schnell die Schönheiten jeder Jahreszeit einander abwechseln, so schnell sind auch die mühsamen Aspekte immer gleich wieder vorbei. Die unfreundliche Kälte im Winter, wenn man frühmorgens das Haus verlassen muss, der Matsch im Frühling, die Hitze im Sommer, die ersten Halsschmerzen im Herbst, alles dauert nie so lange an, als dass man sich ernsthaft darüber ärgern könnte.

Mir fällt eines unserer Bilderbücher ein: Eulenglück* von Celestino Piatti. Zwei Eulen werden von der Hühnerschar um das Geheimnis ihrer Zufriedenheit gefragt. Die Antwort wird aber vom hedonistischen Hühnervolk nicht verstanden. Ich habe die Geschichte schon unzählige Male erzählt, aber noch nie habe ich sie so tief empfunden wie heute.

Im Moment gelingt es mir gut, eine Eule zu sein.

*Es handelt sich hierbei nicht um Werbung. Ich schreibe aus freien Stücken von meinen Gedanken und Erlebnissen. Dass ich dabei dann und wann etwas erwähne, was käuflich ist, lässt sich nicht vermeiden.

Das Messer

Seit Weihnachten ist der Frischling ein Messerträger. Uns gefällt das schlichte Modell mit nur einer Klinge, welche sich mit einem Sicherheits-Drehring fixieren lässt. Das ist gut verständlich für ein detail- und routineverliebtes Kind (Drehring öffnen, Klinge aufklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Dann Drehring öffnen, Klinge einklappen, Drehring schliessen. Kontrollieren. Und so weiter, und so fort). Mit seinen noch nicht einmal vier Jahren kann man ihn für zu jung halten, mit einem solchen Werkzeug umzugehen. Kann man. Wir nicht.

Wichtig ist es, dass Kinder und Erwachsene die neun Schnitzregeln kennen und anwenden. Der Junge kennt sie, trotzdem darf er aber nicht ohne unser Beisein schnitzen, und das wird wahrscheinlich auch noch ziemlich lange so bleiben. Auch in der Waldspielgruppe durfte er es nur geschlossen herzeigen, obwohl es dort ältere Kinder gibt, die bereits selbständig schnitzen. Dass seine dortige Bezugsperson ihm dann mit seinem eigenen Messer einen Drachen aus dem Zvieri-Würstchen geschnitten hat, war sein grosses Nachmittags-Highlight.

Hier sind sie also, die neun Schnitzregeln (dass es neun sind, als fehlte bereits der eine Finger für den „runden Zehner“, finde ich sehr lustig):

1. Wer schnitzt, die sitzt.
2. Ich schnitze vom Körper weg.
3. Wer schnitzt, braucht eine Armlänge Abstand.
4. Schnitze nur mit scharfer Klinge.
5. Immer nur ein Werkzeug auf einmal aufklappen.
6. Wer sein Messer nicht braucht, packt es ein.
7. Ich gebe mein Taschenmesser nur geschlossen weiter.
8. Wir ritzen keine lebende Bäume.
9. Das Taschenmesser ist keine Waffe.

Dies und anderes Wissenswertes rund ums Schnitzen findet sich auf der Website von Schnitzpapst Felix Immler. Hier lang. Den Comic mit den Schnitzregeln gibts hier.

Und wie haltet ihr es mit Messern, Scheren, Bohrmaschinen und anderem Werkzeug für eure Kinder?

(Jajaja, Bild 3 entspricht nicht Regel 3. War aber richtig und wichtig so beim ersten Schnitzversuch.)