Lieber Freund

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Tausend Dinge habe ich erlebt mit Dir. Dinge, wie sie jeder Mensch kennt, der Zeit mit einem Vizsla teilen darf. Was haben wir zusammen Spass gehabt, wie oft habe ich dir beim Rennen und Toben zugeschaut. Hunderte Stunden hast Du bei mir gelegen, während ich gearbeitet, gelesen, Musik gehört, telefoniert und auch die ein und andere grössere Lektion des Lebens verwunden habe. Deine Ideen und einzigartigen Vorlieben liessen uns immer wieder lachen, lächeln und staunen. Du hast mich bisweilen aber auch fast in den Wahnsinn getrieben und mich manche Träne gekostet. Deine Charakterkombination aus Tatendrang plus Hyperempfindlichkeit, ergänzt mit einer kräftigen Portion Sturheit, stellte mich vor manch schwierige Aufgabe. Aber Du würdest wahrscheinlich dasselbe von mir sagen. Vor allem aber warst Du da. Immer. Oder zumindest nie weit weg. Kaum eine Nacht verbrachtest Du oder ich ohne den anderen auswärts. Du wurdest ein so selbstverständlicher Teil meines Lebens, dass ich gar nicht erahnen konnte, wo Du mir überall fehlen würdest.

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Neben dem besonderen Alltagsglück, mit Dir zusammenzuleben, habe ich es geliebt, Dich zum Sanitätshund auszubilden und natürlich gleichzeitig auch selbst in diese Aufgabe hineinzuwachsen. Das Schönste daran war wohl das hundertprozentige Aufeinanderfokussiertsein, wenn wir unsere Trainings absolvierten. Ich vergass anstehende Gespräche, unangenehme Termine, offene Fragen. Da warst dann nur noch Du; Deine Augen, Deine Mimik, Deine Körperspannung. Ich gab alles für Dich und die Welt musste warten. Und Du hieltest es genauso. Dieser synchronisierte Tunnelblick war pures Glück. Er war schwierig, für beide von uns. Aber wenn er gelang; WOW! Du erweitertest meine Sinne, ich spürte das Wild, als läge seine Witterung in meiner statt Deiner Nase, ahnte die Topografie des Waldes durch Deine Bewegungen, erkannte die Anwesenheit von Menschen im Wald durch Deine Richtungswechsel und Tempi. Dank Dir konnte ich über meine eigene begrenzte Wahrnehmung hinauswachsen und Dinge erleben, zu welchen ich alleine niemals fähig gewesen wäre.

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Eng damit verknüpft ist eine Lektion, welche Du mich gelehrt hast: Anfangs verstand ich Dich oft nicht richtig. Ich schalt Dich beispielsweise manchmal, wenn Du vermeintlich willkürlich belltest, um kurz darauf den Grund Deines Ärgers oder Deiner Irritation zu entdecken. Bald wusste ich es: Dein Verhalten hat immer einen Grund. Nur bin ich manchmal nicht fähig, Dich zu verstehen. Ich lernte, Dir zu vertrauen. Wenn Du Verunsicherung, Ärger, Freude und andere Emotionen zeigtest, so konnte ich immer etwas lernen, was meiner eigenen Aufmerksamkeit entgangen war. Äussere Gegebenheiten, aber auch Bewegungen in meinem Innern, auf welche Du ebenso zuverlässig und seismographisch reagiertest. Auch da waren mir die Stunden im Wald und auf dem Hundeplatz ein gutes Übungsfeld: Wenn etwas nicht klappte, gab es keinen Grund, wütend zu werden oder frustriert zu sein. Wir hatten einfach noch nicht begriffen, was wir voneinander erwarteten und mussten noch ein bisschen weiter versuchen, uns einander verständlich zu machen, noch ein bisschen klarer werden in unserer Sprache.

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Diese Einsicht verinnerlichte ich in den beinahe 13 Jahren mit Dir beständig. Und immer wieder und immer mehr konnte ich erfahren, wie diese Haltung auch meinen Umgang mit Menschen veränderte. Hinter jedem Verhalten jedes Gegenübers liegt eine Vorgeschichte, ein Bedürfnis, eine Prägung, welche meist wenig bis nichts mit mir zu tun hat. Das entschuldigt nicht alles, hilft aber enorm, um vor allem in Konfliktsituationen grosszügig zu bleiben. Und genauso wie ich mit Dir an meiner Kommunikationsfähigkeit feilte, konnte ich je länger je besser auch im Umgang mit Menschen auf mein erweitertes Repertoire zurückgreifen. Offensichtlich wurde dieser Lernprozess, als ich, rund in der Mitte unserer gemeinsamen Zeit, Mutter wurde. Dank Dir fiel es mir wahnsinnig leicht, die Äusserungen dieser nonverbalen, aber körperlich sehr eindeutig kommunizierenden kleinen Wesen zu verstehen und ihrer Sicht auf die Welt vertrauensvoll Glauben zu schenken. Dies kam uns allen enorm zugute, wofür ich Dir wahnsinnig dankbar bin.

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Liebster Lüsler*, Du warst mir ein enger Vertrauter und ein treuer Freund. Vor allem aber warst Du der grösste Lehrmeister meines Lebens. Ich vermisse Dich unendlich.

11*Natürlich trug der Hund auch noch einen ganz schönen, hochoffiziellen Namen. Lüsler, Lusi, Lüs, Lisi, Schluri und Gisbert waren ihm aber ebenso ein Begriff.

Ich muss mich beschweren

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Letzthin habe ich ein Buch gekauft*. Es hat mich in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht:

Punkt 1: Das Buch sieht auf den ersten Blick ziemlich umfangreich aus. Es scheint also wirklich ein ganz normales Buch zu sein. Keine Broschüre. Kein Prospektchen. Die Schrift ist auch nicht grösser als in anderen Büchern. Dennoch hatte ich es nach zwei Tagen ausgelesen. Bis heute ist mir schleierhaft, wie das geschehen konnte.

Punkt 2: Man darf sich nicht täuschen lassen von der hübschen, harmlosen Aufmachung des Buches und seinem freundlichen, ebenso harmlosen Inhalt. Zwischen den Deckeln verbirgt sich eine Revolution. Ihr Ausmass erschliesst sich erst nach Tagen und Wochen, was sie besonders unberechenbar macht.

Punkt 3: Ich weine nicht gerne in der Öffentlichkeit. Dennoch hat dieses Buch genau das geschehen lassen. Ich habe geheult im Zug, auf dem Bahnsteig und auf der Parkbank. Vor Rührung. Vor Erkenntnis. Vor Lachen. Überwältigt von der Schlichtheit der Ideen.

Punkt 4: Dieses Buch beschreibt mein Lebensgefühl. Ich kann darin über mein eigenes Herumwursteln, meine eigenen Sorgen, meinen täglichen Stress lesen. Dafür muss ich doch nicht lesen, das kriege ich ja täglich frei Haus geliefert! Das Buch lässt dieses Chaos zudem auch noch in einem milden, gnädigen Licht strahlen. Wer Ratgeber liest, will doch knallharte Lösungsansätze. Neue Strategien. Komplett andere Welten (auch wenn sich diese erfahrungsgemäss kaum adaptieren lassen). Einen Anreiz, das Leben um 180° zu ändern und dem eigenen Schweinehund endlich den Hals umzudrehen. Das Buch liefert nichts davon. Schwach. Es ist eher wie eine weiche Kaschmirdecke, welche sich freundlich, warm und tröstend um die Schultern schmiegt und so Zuversicht und neuen Mut spendet. Als wäre das Leben ein Ponyhof. Und das kann doch nicht sein. Oder etwas doch? Aber das wäre ja noch schöner!

Punkt 5: Seit dieser Lektüre quillt mein Herz über vor Liebe für meine Kinder und unser Sein als Familie. Wie ich den ganzen Quatsch drumherum auf die Reihe kriegen soll, ist mir indes ein Rätsel. Wenn schon Ratgeber, dann aber bitte richtig! Inkl. „Wie schaffe ich es, endlich rechtzeitig zu Bett zu gehen?“ und „Was tun, wenn der Hund sich wieder mal nur von Katzenscheisse ernähren möchte?“ Schliesslich will ich gerettet werden. Komplett und ohne Wenn und Aber. Bitte auch ohne eigenes Nachdenken.

Punkt 6: Dieses Buch mit seinen Gedanken geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit der Lektüre leuchtet mein Nordstern richtig hell (soll gut sein für die Orientierung). Penetrant hell. Schmerzhaft hell. Zwischenzeitliches saloppes Südsteuern zu Bikiniatollen und seichten Gewässern ist kaum mehr möglich. Dabei wollte ich doch noch Eis essen gehen…

Punkt 7: Das Buch kann nicht sinnvoll verstaut werden: Es taugt nicht richtig als Erziehungsratgeber, dafür ist es zu frei geschrieben, zu persönlich. Es ist auch kein Roman, obwohl es zahlreiche Geschichten enthält. Als Stütze für den wackelnden Tisch ist es zu dick, als Blumenpresse zu dünn. Es ist zu schön für den Badewannenrand und aufgrund zahlreicher von mir selbst während des Lesens angebrachter Markierungen, Ausrufe-Post-it’s und hineingekritzelter Randbemerkungen dennoch nicht mehr zum Verschenken geeignet. Sowieso will ich es ständig griffbereit in der Nähe haben. Es wird also bis ans Ende meiner Tage ständig irgendwo im Weg herumliegen. Furchtbar.

Wer also noch Lesestoff sucht für die nächsten Wochen (oder Stunden, Siehe Punkt 1), der besorge sich doch „slow family, Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt. Beschwert Euch dann aber nicht bei mir, wenn Ihr plötzlich zwischen Eisbären und Seelöwen segelt. Oder Euch beim seligen Barfusslaufen durch den ersten Schnee ertappt. Oder den Schwimmunterricht Schwimmunterricht sein lasst und stattdessen mit Euren Kindern durch Nachbars Garten robbt. Oder mit Wölfen tanzt resp. – unseren Verhältnissen angepasst – mit Fliegen spricht. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

*Wie immer gibt es hier keine bezahlte Werbung. Der Text ist ohne das Wissen der Autorinnen oder des Verlages entstanden. Ich berichte, was ich möchte. Völlig frei und ohne persönlichen Vorteil oder irgendwelche Verpflichtung.

Gezeiten

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Es ist so viel und nichts geschehen in letzter Zeit. Eine eigenartige Mischung, welche das Bloggen hat in den Hintergrund treten lassen.

Die Schwangerschaft ist schön und komplikationslos. Dennoch habe ich latent das Gefühl, dem kleinsten Kind viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken zu können. Bereits Halbzeit. Und ich bin noch kaum dazu gekommen, zu ihm hinzuhorchen. Zudem möchte ich noch einige Dinge in aller Ruhe besorgen resp. ganz im Sinne des Nestbaus Dies und Das umorganisieren, bevor in wenigen Monaten unsere Familie um ein neues Menschlein wachsen wird.

Grosse Geschehnisse in meinem digitalen Netzwerk liessen mich etwas verstummen. Nicht alles waren Tragödien, es waren auch Wunder dabei. Ob schlimm oder schön, ich konnte und kann mich zeitweise einfach nicht mehr aufraffen, über die Nichtigkeiten des Alltags zu schreiben. Dieser Kram will und muss gelebt werden. Aber verbloggt? Ich hoffe auf Milde, Grosszügigkeit und Nachlässigkeit diesbezüglich in meinem eigenen Denken und Fühlen. Familienblogs leben über weite Strecken von diesen Trivialitäten, da ist nichts Schlechtes dabei.

Viel zu oft habe ich in den letzten Wochen Blogs gelesen. Bin von der Produzentin zur Konsumentin geworden, nicht immer mit einem guten Gefühl. Manchmal geschah es aus reiner Erschöpfung. Hätte ich ein TV-Gerät, hätte ich wohl stundenlang gezappt. Das eine oder andere Spannende habe ich sicherlich gelesen, das ist unbestritten. Dennoch wäre schlafen oft die bessere Entscheidung gewesen. Eine digitale Konsumauszeit scheint sich anzubahnen. Paradoxerweise habe ich Instagram „entdeckt“ (obwohl ich es natürlich schon lange kenne). Ich bin sehr angetan von dieser schnellen, ästhetisch ansprechenden Möglichkeit des Bildaustauschs.

Und vor allem: Die Zeit, die Zeit! Es gibt so viel zu leben, zu lesen, zu stricken, zu diskutieren, zu denken, zu schlafen, zu kuscheln, zu organisieren,… In den letzten Wochen habe ich anderen Dingen als dem Schreiben den Vorrang gegeben. Manchmal ganz bewusst und von Herzen, manchmal widerwillig, einfach weil die Umstände es erforderten. Aber so oder so: Ich vertraue diesen Gezeiten meines Lebens mittlerweile.

*zum Bild: Genau zum Schwangerschaftszenit hat mir die liebe Bora ein Baby-Einstimmungs-Geschenk geschickt. Welche Freude! Ich bin hingerissen und gerührt ob so viel Aufmerksamkeit. Das darauf folgende Telefongespräch war mir zudem eine riesige Freude!

Sichtbarkeit, Authentizität und Kooperationen

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Zwei Tage nach dem Bloggertreffen hat sich das Gehörte gesetzt. Einiges hat Auswirkungen auf mich, resp. meinen Blog, anders kann ich getrost an mir vorbeiziehen lassen. Tatsächlich treffen mich diverse Aussagen an der Swiss Blog Family empfindlich.

So kümmere ich mich offensichtlich zu wenig um den technischen Kram, den die Bloggerei mit sich bringt. Natürlich ist es nicht optimal, dass ich nicht täglich einen Post veröffentliche. Aber das lässt mein Leben nicht zu und diesem Druck möchte ich mich selbst gar nicht aussetzen. Natürlich könnte ich mehr Überschriften, knackige Schlagworte und andere clevere Strategien anwenden, um den Suchmaschinen zu gefallen. Aber das finde ich ätzend. Ich will schreiben, wie ich schreiben möchte. Nicht so, wie ein Algorithmus mir aufzwingen will.

Gleichzeitig ist es einfach dumm, wenn ich meine Sichtbarkeit durch mangelnde ICT-Kenntnisse selbst sabotiere. Diese Anregungen beispielsweise nehme ich mir deshalb sehr zu Herzen. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit in diese Themen einarbeiten. Ohne am Blog selbst etwas zu ändern und dennoch von Interessierten besser gefunden zu werden, macht schliesslich nur Sinn. Auch „das Tanzen auf verschiedenen Hochzeiten“ leuchtet mir ein. Solange es nicht zur lästigen Pflicht verkommt. Dass sich Frau Krähe auch auf facebook und instagram findet, ist schon mal ein netter Anfang, der aber noch keinesfalls optimal umgesetzt ist. Dennoch bläht sich bereits da ein grosses Fragezeichen in meinem Kopf auf: Weshalb das alles? Wofür?

Wenn ein Blog Sichtbarkeit haben und als Folge davon gross werden will, dann doch deshalb, um für Kooperationspartner interessant zu werden. Denn diese bedeuten, dass die eigene Bloggerei vom extrem zeitintensiven Hobby zur bescheidenen oder gar veritablen Einnahmequelle werden kann. Dagegen habe ich grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Geld zu verdienen ist nun mal wichtig, und wenn dies durch das Bloggen realisiert werden kann und man dafür vielleicht sogar auf den ein oder anderen ungeliebten Job verzichten oder ihn zumindest reduzieren kann, so kann auch mir das nur recht sein. Theoretisch. Oder gibt es noch andere Gründe, welche für Sichtbarkeit und Wachstum sprechen?

Aber definitiv beginnt sich etwas in mir zu winden, wenn die beiden freundlichen Frauen einer Marketingabteilung und einer PR-Agentur an der Swiss Blog Familiy von den Bloggern als „Influencern“ sprechen, wenn begeistert erzählt wird, wie man gemeinsam „authentische“ Geschichten entwickelt, welche zu der jeweiligen Familie passen und nicht versucht werde, die Familien zu etwas zu überreden, was ihnen nicht entspreche. „Beide Seiten sind schliesslich an authentischen Geschichten interessiert. Weil das auch bei den Lesern ankomme. Und letztlich den Erfolg der Strategie garantiere.“ (Frei von mir paraphrasiert.)

Ich erinnere mich an das amerikanische Experiment, in welchem eine „Familie“ (alles Schauspieler) ihren Nachbarn Produkte empfohlen hat. Der Effekt war gigantisch, Empfehlungsmarketing, wozu eben auch die Kooperationen mit Blogs gehören, funktioniert einfach sehr gut. Die Nachbarn glaubten sogar noch an die Produkte, als man sie darüber aufklärte, dass es sich bei der „Familie“ um eine komplett künstliche und konstruierte Marketingstrategie gehandelt hatte. Sie konnten diesen Menschen, die sie zu kennen glaubten, ihr Vertrauen einfach nicht absprechen. (Funktioniert ja übrigens auch beim Product Placement in Filmen und Serien.) Der Hebel bei den Blogs ist genau der selbe: Zuerst wird Vertrauen geschaffen, man „lernt sich kennen“. Dann wird das Produkt eingeführt und empfohlen. „Unter Freunden“. Zieht immer. Sogar wenn der Beitrag deutlich als Werbung gekennzeichnet ist. Willkommen in der Trueman Show.

Da noch von Authentizität zu sprechen, finde ich arg grenzwertig. Natürlich geht es nicht, dass Frau Krähe für Fleisch aus Massentierhaltung oder Ferber-Schlaftraining wirbt. Dass dies nicht authentisch wäre, muss ja nicht diskutiert werden. Aber will wirklich jemand, dass ich eine Story entwickle, in welcher ich ein (durchaus phantastisches) Produkt in meinen Alltag einbaue (welches ich vielleicht tatsächlich sowieso schon überzeugt seit Jahren benutze) und dies dann verblogge? Klar, ich kann das klar und deutlich als Werbung kennzeichnen, und ich finde es auch nicht einmal verwerflich, dafür Geld zu kriegen. Schliesslich gebe ich ja was dafür. Arbeitszeit und meinen Namen. Aber will wirklich irgend jemand da draussen von Frau Krähe Werbung präsentiert bekommen? Ich bezweifle das stark. Einmal vielleicht sehr gerne. Zweimal auch. Aber zehnmal? Zwanzigmal? Echt jetzt?

Wenn ich also aus Überzeugung auf Kooperationen verzichte und deshalb aus monetären Gründen auch nicht gross werden will mit meinem Blog, wieso sollte ich dann für mehr Sichtbarkeit sorgen? Frau Krähe startete als Web-Log, wie diese ursprünglich mal gedacht waren: Als eine Art freies Tagebuch über das eigene Tun und Lassen, als eigene Plattform, um mit Texten und Bildern zu spielen. So ist es heute noch.  Frau Krähe hat in den letzten vier Jahren an einem kleinen, feinen Netz mitgesponnen, hoch hinauf in den Norden Deutschlands, rüber nach Österreich, ins Südtirol, nach Frankreich und auch zu umliegenden Dörfern meiner Region. Es sind Freundschaften entstanden, welche ich nicht mehr missen möchte und die mein Leben sehr bereichern. In meiner kleinen Blogecke muss ich keine Kompromisse eingehen, keine Auflagen erfüllen, keine Statistiken halten oder verbessern. Wieso sollte ich mehr wollen? Was sollte ich wollen? Natürlich gibt es heute Blogs, welche anders ausgerichtet sind. Professionell. Monetär. Das ist ok. Nur befürchte ich, dass sich viele Bloggerinnen, v.a. „Jungbloggerinnen“ nicht klar sind, was es wirklich heisst, einen finanziell erfolgreichen Blog zu realisieren. Das ist harte Arbeit. Und gerade im Sektor der Familienblogs mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

So ist mir anhaltend leicht unwohl während diesem ansonsten durchaus netten Bloggertreffen in Basel. Die Euphorie, wie da von und über Kooperationen gesprochen wird, dazu die (durchaus mit schönen und hochwertigen Produkten bestückten) „Goodie-Bags“ und die den Anlass flankierenden Stände einiger (tatsächlich bewährter) Marken… Alles eigentlich sehr sympathisch. Aber leider eben nur eigentlich.

Die Fragezeichen in diesem Post sind keineswegs rhetorisch gesetzt. Wer mir Anregungen und Ideen hat, Hinweise, die ich bis anhin nicht bedacht habe, Möglichkeiten, welche mein Radar nicht erfasst hat, der oder die möge mir doch bitte einen Kommentar da lassen. Oder mir persönlich eine Mail schicken.

Es ist ok, ein bisschen planlos in die Bloggerei hinein zu stolpern. Ignorant und unbelehrbar zu sein, ist hingegen nur dumm.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die Durchführung des Anlasses bei den beiden Organisatorinnen Sévérine und Katharina bedanken. Das Treffen war perfekt organisiert und ich habe sehr schöne Kontakte mit interessanten Menschen erleben dürfen. Herzlichen Dank!

*einige Gedanken zum Bild:
Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit?
Wer wird gesehen, wer geht in der Masse unter und weshalb?
Muss man sich Sichtbarkeit verschaffen oder kommt die von selbst?
Und letztlich immer wieder: Wer bin ich?

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Die letzten Wochen habe ich gespürt, wie verzahnt das Leben von Eltern ist. Der Gefährte befand sich in der Schlussphase der Planung seiner neuen Band. Und wie das so ist vor Premieren, legte er unglaublich lange, intensive Arbeitstage hin. Mehr noch, er war natürlich auch gedanklich und emotional total eingespannt für sein neues, grosses Projekt. Was für uns „Daheimgebliebene“ hiess: Er war faktisch abwesend.

Da der Gefährte ansonsten ein Vater ist, welcher sehr eng und engagiert mit seinen Kindern und mir zusammenlebt (und tatsächlich auch massenhaft Carearbeit übernimmt; hier bei der grossartigen dasnuf gibts mehr darüber zu lesen), bekam ich während einiger Wochen zu spüren, was für die meisten Mütter der ganz normale Familienalltag ist.

Um es kurz zu machen: Jetzt ist es vorbei, die Premiere ist geschafft, und wir sind alle froh, dass der Alltag wieder einkehrt. Und ich bin dankbar. Weil ich wieder eindrücklich vor Augen geführt bekommen habe, weshalb ich lebe, wie ich lebe. Dass es nichts für mich wäre, mehr oder weniger alleine für den Familienalltag verantwortlich zu sein. Wobei ich persönlich ja überzeugt bin, dass niemand für diese spezielle Form der Einsamkeit innerhalb der Kleinfamilie gemacht ist (hier noch einmal ein interessanter Text über die „Vereinbarkeitslüge“); Homo Sapiens ist schliesslich eine „kooperativ aufziehende Art“.

Weil ich so wahnsinnig stolz bin auf diesen neuen Streich des Gefährten, gibts hier für alle Interessierten den Zeitungsbericht zur grandiosen Premiere der „Cheibe Choge“ zu lesen.

Und weils so lustig ist, gibts noch dieses kleine Schmankerl obendrauf (Der Gefährte hat zufälligerweise am Radio zur besten Sendezeit an der Verlosung von Konzerttickets teilgenommen, ist durchgekommen und hat natürlich die Gelegenheit schamlos ausgenutzt und Werbung für seine Combo gemacht. Und nebenbei die absurdeste Liebeserklärung platziert, welche ich je erhalten habe. Doch hört selbst!):

Und ja, ihr habt richtig gehört! Im Krähenhorst wird gebrütet. Wir freuen uns sehr.

 

dringend vs. wichtig

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Wenn es ruhig wird auf einem Blog, heisst dies ja meist, dass das Leben der Schreibenden gerade umso turbulenter verläuft. So auch hier. Macht Euch keine Sorgen, es ist alles gut. Es sind vor allem innere Vorgänge, welche meine Aufmerksamkeit benötigen und das Schreiben in den Hintergrund treten lässt.

Das Dringende ist nicht immer das Wichtige. Irgendwo in den Weiten des www habe ich diesen Satz aufgefangen. Es ging da wohl um Zeitmanagement, produktives Arbeiten und so. Dass man einen ganzen Tag lang Bürokram erledigen kann, alles furchtbar dringend, eine Mail nach der andern, Telefongespräche, Sitzungen, aber sich keine Zeit nimmt, das grosse Ganze zu sehen, an der Grundstrategie zu arbeiten („kann ich ja auch morgen noch“, „pressiert ja nicht“). Und ich habe mir vorgenommen, dass ich ab sofort verstärkt darauf achten will. Manchmal sind dringende Dinge ja tatsächlich auch wichtig. Aber manchmal sind sie aber eben nur dringend und sollten nicht zuviel Macht über mich bekommen. Umgekehrt ist es noch frappanter: Dinge, Handlungen, Momente, welche ich als essentiell wichtig für mein Leben erachte, können oft gut warten. Und werden so allzu oft von einem Tag auf den nächsten geschoben. Schwupp macht es, und Stunden, Tage, Wochen, Jahre sind um, ohne dass man sich um Wichtiges gekümmert hätte, obwohl man ständig betriebsam rotiert hatte. Eine beängstigende Vorstellung.

Einige Beispiele gefällig?

Die Liebe ist geduldig. Sie ist wohl die offensichtlichste Wichtigkeit, welche sich nie vordrängelt und so tatsächlich vor lauter Alltag vergessen werden kann. Der Gefährte und ich können gut „nebeneinander“. Durch das Aufteilen der Erwerbsarbeit und der Familienzeit mit Kindern und Haushalt geben wir uns oft die Klinke in die Hand. Keinesfalls möchte ich eines fernen Tages aufwachen und spüren, dass wir uns „auseinander gelebt haben“, weil wir diese grosse, wunderbare Wichtigkeit nicht genügend gepflegt haben.

Ich will intensive Tage mit meinen Kindern verbringen, Anteil an ihrem Leben nehmen und ihnen täglich „Highlights“ bescheren (Mit Highlights meine ich übrigens ganz kleine Dinge wie eine unerwartete Kitzel-Kuschel-Runde, eine hervorgezauberte Zvieri-Überraschung, eine besonders ambitioniert erfundene Gutenachtgeschichte usw.). Dennoch ertappe ich mich oft dabei, dass meine Zuhause-Tage mehr meiner zurechtgelegten Pendenzenliste folgen (über weite Strecken der ganze Kram, welcher als „Haushalt“ bezeichnet wird) als dem grandiosen Lebensgefühl meiner Kinder, und meine Motivation im Umgang mit ihnen darin liegt, sie „auf der Spur“ zu halten, damit ich möglichst problemlos alles erledigen kann. Was für ein Fehler!

Neujahrsvorsätze sind übrigens die Klassiker der ewig verschobenen Wichtigkeiten. In den Tagen zwischen den Jahren nehmen wir uns Zeit, über unser Leben nachzudenken und erkennen oft sehr klar, was uns gut tut und wichtig für uns ist. Aber dann kommt der Alltag, und…

Viele Wichtigkeiten sind sehr unspektakulär: Es ist mir beispielsweise wichtig, Zeit alleine mit mir zu verbringen, trotz Kinderchaos dem alten Hund ungeteilte Momente der Aufmerksamkeit schenken zu können, raus in die Natur zu gehen, mir ganz bewusst und ohne Hektik Zeit für eine Tasse Tee, das Anfeuern des Ofens oder das Lesen einiger Buchseiten zu nehmen. Im meinem Haushalt ist gerade ausmisten (noch) wichtiger als putzen und aufräumen. Alles kleine, aber wichtige Tätigkeiten, die allzu oft von den lauten, dringenden Dingen zurückgedrängt werden.

Ich habe mir deshalb eine kleine Erinnerungshilfe gebastelt. Wenn Du dich in meinen Worten wiederfindest und Dir das Blatt gefällt (es gibt sogar zwei Varianten), darfst Du es Dir gerne herunterladen und ausdrucken. Besonders nett sieht es auf etwas festerem, leicht gekörnten Papier aus. Mit Klebeband unprätentiös irgendwo gut sichtbar aufgehängt oder vielleicht sogar schick gerahmt, kann es Dich in den nächsten Tagen und Wochen ebenfalls daran erinnern, Deinen ganz individuellen Wichtigkeiten genügend Raum zuzugestehen.

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Haushalt, gesellschaftliche Verpflichtungen und anderes (ja, auch Blogs!), dürfen schon mal ein bisschen warten lernen.

Habt es fein.

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Ein Mückenstich, ein winziger Schnitt, ein abstehendes Hautfetzchen beim Fingernagel: Die Zaunkönigin interessiert sich auffallend stark für kleinste Hautverletzungen. Immer wieder werden solche untersucht und der gesamten Verwandtschaft vorgeführt.

Dann wird von ebendieser mikroskopisch geguckt, gestreichelt, beschwichtigt. Und anschliessend die Prognose gewagt: „Das Mädel wird bestimmt mal Krankenschwester.“

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Das Spezielle an dieser Aussage: Sie ist zweimal, natürlich von verschiedenen Erwachsenen und zu verschiedenen Zeitpunkten, absolut identisch gefallen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, wäre die Zaunkönigin ein Junge, die Folgerung eine andere gewesen wäre: „Der wird bestimmt mal Arzt.“

Wie ich reagiert habe? Lachend berichtigt: „Krankenschwester? Wenn sie dann mag, wird sie Ärztin!“ Aber lustig fand ichs eigentlich nicht.

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Natürlich darf die Zaunkönigin einmal Krankenschwester (Fachfrau Gesundheit) werden, wenn sie das denn möchte. Oder Lebensmittelinspektorin, Kindergärtnerin, Elektrikerin, Spieleprogrammiererin, Floristin, Geografin, Kosmetikerin, Ärztin, Polygrafin, Atomphysikerin, KFZ-Mechanikerin oder was auch immer. Aber sie soll wählen können. Richtig wählen, mit weitem Blick und offenem Herzen.

Was keine Selbstverständlichkeit ist: 75% der jungen Frauen im Kanton Zürich auf Lehrstellensuche im Jahr 2013 verteilten sich auf gerade mal auf 11 Berufe (hier nachzulesen)! Und das hat ganz gewiss nichts mit einem naturgegeben engen Begabungsspektrum zu tun. Genausowenig liegt es an den Mädchen selbst, dass immer noch viel zu wenige selbstbewusst, ehrgeizig und ambitioniert hochgesteckte Berufsziele ins Auge fassen (hier dazu ein sehr spannendes Positionspapier).

Es sind zu weiten Teilen die Signale des (erwachsenen) Umfelds, welche die Entscheide der Jugendlichen massiv beeinflussen. Und zwar nicht erst, wenn es konkret wird mit der Berufswahl. Die Beeinflussung (oder sollte man von Gehirnwäsche sprechen?) beginnt tatsächlich schon bei zweijährigen Kindern. Spätestens.

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Raus aus meinem Bett!

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Über die Pro und Kontra des Familienbetts gibt es auf einschlägigen Blogs viel zu lesen. Ich möchte deshalb nicht wiederholen, weshalb ich das Familienbett anderen Schlafarrangements bevorzuge, sondern nur auf einige lesenswerte Artikel verweisen:

Kathrin von nestling.org hat das Thema sehr ausführlich behandelt.
Bei Susanne von geborgen-wachsen.de finden sich ebenfalls fundierte Tipps, zudem gibt es wunderbare Inspirationen für kreative Schlaflösungen.

Wir kamen ungeplant zum Familienbett. Zwar stand nach Geburt des ersten Kindes noch ein Beistellbettchen neben unserem Bett, aber Stillen und Kuscheln verlangt nach Nähe, und so diente es eigentlich immer nur als luxuriöse Buchablage. Wie bei so vielen Familien hat es sich einfach ergeben, dass das Kind ganz selbstverständlich bei uns schlief und schläft. Dass sich dies Familienbett nennt, erfuhr ich erst viel später.

ein bisschen Statistik

Übrigens lassen viele Kinder ihren Eltern auch gar keine Wahl. Largo erwähnt in seinem Buch „Babyjahre“, dass rund 10-15% der Drei- bis Vierjährigen jede Nacht im Elternbett schläft und weitere beinahe 40% der Kinder dieser Altersgruppe noch mindestens einmal pro Woche am Morgen bei den Eltern aufwachen. Die Kinder sind auf nächtliche Nähe „programmiert“. Und das ist auch gut so, schliesslich war das über Jahrtausende ein wertvoller Garant fürs Überleben.

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Familienbett – und dann?

Tatsächlich habe ich auch keine Sorge, dass ich mein Kind verwöhnen oder seine Abhängigkeit verstärken würde, im Gegenteil. Dennoch verstehe ich Eltern, welche dem Familienbett skeptisch gegenüberstehen, weil sie befürchten, damit später Probleme zu kriegen, welche von vornherein vermeidbar wären. Ein süsses Baby im Arm hat ja was, mit ein oder zwei oder drei Kleinkindern das Bett zu teilen, ist dann aber doch was anderes. Wie geht es denn weiter nach dem Familienbett?
Erstaunlicherweise findet sich zum „Umzug ins Kinderzimmer“ wenig Konkretes im Netz. Deshalb stelle ich heute unser Schlafarrangement vor. Es gibt viele Wege nach Rom und zu einem guten Schlaf, unsere Variante ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten. Aber vielleicht ist sie genau die richtige Idee für dich. Oder sie bringt dich auf eine eigene, für dich noch passendere Idee.

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Schlafsituation im Krähenhorst

Denn wir haben in unserem Schlafsetting zwei Komponenten, welche für uns von grossem Wert sind, die mir aber in meinem Umfeld sonst noch nirgends begegnet sind:

Schlafzimmer und Spielzimmer getrennt

Unsere beiden Kinder haben nicht zwei eigene Zimmer, sondern es gibt bei uns ein „Kinder-Schlafzimmer“ und ein „Spiel- und Arbeitszimmer“. Diese Aufteilung ist vor allem deshalb entstanden, weil ich es für ein Kleinkind einfacher finde, abends in den „Ruhemodus“ zu kommen, wenn es nicht alle seine – gerade hochaktuellen – Spielverlockungen im Blickfeld hat. So können wir auch das Spielzimmer-Chaos problemlos über Tage „aufrecht erhalten“, ohne uns abends daran zu stören. Die Idee ist, dass später dort auch gebastelt und gewerkelt wird und auch Projekte der Erwachsenen (Nähmaschine etc.) sich ausbreiten dürfen. Miteinander spielen und arbeiten und Chaos verbreiten, perfekt!

Zum Schlafen finden die Kinder dennoch jederzeit eine ruhige, aufgeräumte, gemütliche Atmospähre im anderen Zimmer.

ein zweites Familienbett

Viel wichtiger ist jedoch die zweite Besonderheit: Auch im Kinderzimmer steht ein weiteres „Familienbett“: Unsere alte 140x200m-Matratze liegt auf schlichtesten Lattenrosten und zwecks Stabilität einzig von zusammengeschraubten Dachlatten „umrahmt“ auf dem Boden. Kinderbetten sucht man vergebens. Das Bett liegt schon immer dort und wurde lange Zeit nur zum Spielen und Toben verwendet, nachts blieb es meist leer. Als die Zaunkönigin mittags noch schlief, wollte sie sich aber bevorzugt zusammen mit mir dorthin legen, keine Ahnung wieso.

Ich finde es äusserst entspannend, dass ich mich überall bequem dazulegen kann, um die Kinder in den Schlaf zu begleiten. Das „eigene“ Bett ist für die Kinder dadurch tatsächlich dem „Elternbett“ gleichwertig. Wenn die Kinder im „Elternbett“ einschlafen und wir Grossen uns nicht dazulegen wollen, müssen wir nicht schlafende Kinder durch die Wohnung tragen, sondern können genauso komfortabel im „Kinderbett“ schlafen. (Hier macht auch wieder die Trennung von Spiel- und Schlafzimmer Sinn, ich habe nämlich tatsächlich ästhetische Ansprüche an meine Schlafumgebung und möchte nicht zwischen Legohelikoptern und Plastikdinos pennen.) Auch kann man durch ein „Floorbed“ gefährliche Stürze aus dem Bett verhindern, was bei kleinen Kindern durchaus ein nicht zu unterschätzendes Argument ist.

Wenn der Gefährte abends zuhause ist, begleite ich meist die Zaunkönigin in dem einen Bett stillend in den Schlaf, während sich der Gefährte und der Frischling vor dem Einschlafen im andern Bett noch Räubergeschichten erzählen. Wenn wir Erwachsenen dann später zu Bett gehen, tragen wir meistens, aber nicht immer, eines der Kinder zum anderen. So schläft die Zaunkönigin eigentlich nie alleine, der Frischling bisweilen schon, wenn ich sie gleich bei mir liegen lasse.

Wenn ich mit den Kindern alleine bin, liegen wir drei gemeinsam in einem Bett (manchmal im einen, manchmal im andern). Entweder schlafe ich dann gerade mit den Kindern ein und der Gefährte kann sich spät nachts, ohne uns aufzuwecken, im andern Bett ausbreiten. Oder ich stehe nochmals auf und hab dann, wenn ich zu Bett gehe, dieses so lange für mich allein, bis der Gefährte nach Hause kommt. Es gibt natürlich noch andere Kombinationen. Tatsächlich liegen spätestens am Morgen nicht selten alle wieder im gleichen Bett, was wir alle aber total geniessen. Unsere Kinder sind bei uns ausdrücklich willkommen, nicht nur geduldet. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich der Frischling nachts brummelnd über die Hitze und Enge beschwert und sich, ohne eine Antwort abzuwarten, alleine getrollt hat ins andere, leere Bett. Damals war er wohl ungefähr drei Jahre alt (von wegen, die bringt man nie mehr raus…).

Das Kinderbett könnt ihr also getrost von der langen Erstausstattungsliste streichen. (Wie das meiste andere übrigens auch, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Bed-Sharing bei Kleinkindern

Es ist für mich stimmig, dass die Kinder nicht getrennt in Kinderbetten liegen. Ich bin überzeugt, dass sie im Schlaf spüren, dass sie nicht alleine sind. Klar, manchmal kommen sie sich in die Quere, meist liegen sie aber friedlich nebeneinander. Studien weisen übrigens darauf hin, dass Kinder, welche gemeinsam im selben Bett schlafen, auch tagsüber weniger miteinander streiten und allgemein die bessere Geschwisterbeziehung aufbauen.

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Sicherheit

Aber egal, wie und wo ihr schläft, beachtet bitte immer die nötigen Sicherheitsaspekte (ihr findet sie beispielsweise ebenfalls in den Artikeln von Kathrin und Susanne, auf welche ich im ersten Abschnitt verlinkt habe). Im Familienbett, aber natürlich auch überall sonst! Das ist übrigens ein Punkt, der mich immer etwas stört, wenn es um Sicherheit im Familienbett geht. Es wird impliziert, dass man vieles beachten müsse, um Kinder sicher zu sich ins Bett nehmen zu dürfen. Dabei gelten die meisten Punkte natürlich auch für alle „Alleineschläfer“. Eigentlich noch viel mehr, da man dort eine kritische Situation, in welche das Baby nachts kommen könnte (z.B. gefährlich lange Atemaussetzer, Überhitzung oder Unterkühlung, Fieber bekommen, von einem Kissen oder Tier zugedeckt werden,…), sicherlich nicht bemerken würde, da man nicht bei ihm ist. Beachtet, egal ob im Familienbett oder anderswo, unbedingt die Empfehlungen und überprüft eure individuelle Schlafumgebung kritisch. Es versteht sich auch von selbst, dass man einen wehrlosen Säugling nicht zu einer wild strampelnden Vierjährigen ins Bett legt. Ihr kennt Euch und Eure Kinder, findet eine sichere Lösung für alle.

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Fazit

Guter Schlaf, gerade für Eltern und Kinder, hat einen unschätzbaren Wert. Es geht nicht um die Art des Einschlafens, um die Häufigkeit des Aufwachens oder die Wahl der Schlafplätze, auch wenn uns das oft suggeriert wird. Es ist alles ok, wenn wir morgens glücklich und ausgeruht aufwachen.

Es ist wichtig, dass alle Menschen einer Familie gut und gerne schlafen können. Ob im Familienbett oder auf verschiedene Matratzen oder gar Zimmer verteilt: Findet eure eigene Lösung. Aber getraut euch, auch unkonventionelle Ideen auszuprobieren. Die 08-15-Variante ist nicht immer die beste. Probiert aus und entdeckt schöne neue Möglichkeiten. Damit die Nächte und damit auch Schlaf, Dunkelheit und Ruhe für alle ein beliebter „Programmpunkt“ voller Erholung und Geborgenheit im Tagesablauf sein können.

Und bleibt offen. Bedürfnisse verändern sich immer wieder. Was heute stimmt, passt vielleicht schon morgen nicht mehr. Nur etwas nehmt nicht hin: Dass ein oder mehrere Menschen eurer Familie nachts unglücklich sind. Das darf einfach nicht sein.

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Gerne hätte ich euch die allerliebsten Fotos meiner Kinder gezeigt, wie sie nachts aneinander gekuschelt schlafen. Aber für mich übertrifft kaum etwas die Intimität schlafender Menschen, deshalb ist das Netz leider nicht der richtige Platz dafür.

Einen netten Ersatz habe ich dennoch gefunden. Kontaktliegen schätzen all unsere Tiere ebenfalls ganz besonders. Generell aber gilt: Kinder und Tiere zusammen bitte nicht beieinander liegen lassen! Das letzte Bild zeigt übrigens den Gefährten, wie er mit Bandscheibe darniederlag und die Tiere seine Hilflosigkeit gnadenlos ausnutzten und das Bett (und improvisierte Büro!) enterten. Tz tz tz…

12 von 12 (August 2016)

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Gestern waren wir abends bei Freunden und kamen erst sehr spät ins Bett. War deshalb der Schlaf unruhig und wenig erholsam? Etwas zerknittert geniessen alle das Porridge zum Frühstück.

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Anschliessend wird ein bisschen gemalt, und es braucht einiges an Enthusiasmus von meiner Seite, die Kinder für die Hunderunde zu motivieren.

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Schlapp wie ich bin, schätze ich heute den Kinderwagen, welchen die Zaunkönigin gnädig gewählt hat. Das ist nicht immer der Fall, sie möchte jetzt oft zu Fuss mitkommen. Das ist schön, aber oft auch ziemlich mühsam. Der Frischling fungiert als Kutscher und lässt sich einen grossen Teil der Strecke ebenfalls schieben.

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Freitags verbringen die Kinder den Mittag bei meiner Schwiegermutter. Der Gefährte und ich essen jedoch zusammen. Er hat aber bereits wieder Termine. Und so geniesse ich meinen Tee ganz alleine. Eine ungewohnte Situation.

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Den Nachmittag verbringe ich mit den üblichen anfallenden Tätigkeiten im Haushalt.

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Bei Versorgen der Hühner beobachte ich zufrieden die Küken. Hennen und Hähne lassen sich jetzt deutlich unterscheiden. 2:2 (Auf dem Bild Hahn-Henne-Hahn). Das ist ideal für uns, können wir so unsere Gruppe mit Hennen aufstocken und erst noch zwischen zwei Hähnen wählen (grosse Aggressivität beispielsweise ist für uns ein Ausschlusskriterium).

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Im Schafstall herrscht das übliche Gerangel ums Futter. In wenigen Tagen werden unsere drei Grazien geschlachtet. Ich schwanke zwischen Tagen, wo ich tief in ihr wunderbares Fell greife und ihren Duft einatme, wohl wissend, dass ich lange Zeit nicht mehr mit Schafen zusammenleben werde. Und solchen, wo ich sie möglichst emotionslos versorge, richtiggehend abfertige, und so bereits eine Barriere aufbaue zwischen ihnen und mir und mich dadurch auf den Abschied vorbereite.

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Auch dem Spielzimmer widme ich heute etwas Zeit. Wir räumen nicht täglich auf, Eisenbahninstallationen und anderes darf wachsen und sich verändern. Dennoch, ab und zu ist es auch für die Kinder wohltuend, wieder viele freie Flächen mit neuen Spielideen besetzen zu können.

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Ich gönne mir eine kurze Pause im Garten. Die Hängematte will schliesslich ausgekostet werden, vor allem jetzt, an meinem letzten offiziellen Sommerferientag.

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Die Suche nach einem einst ausgeliehenen Teil, welches ich endlich zurückgeben sollte, führt mich in die Tiefen meiner Schränke und dazu, wenigstens den einen oder anderen Stapel zu ordnen und zu sortieren. Ein schöner Nebeneffekt, den Grund der Sucherei finde ich jedoch nicht.

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Pünktlich zum Nachtessen trudelt die Familie ein. Der Gefährte muss zwar gleich wieder weiter zur nächsten beruflichen Verpflichtung, aber die Kinder und ich geniessen den feinen Zopf, welcher von einem lieben Clanmitglied überraschend vorbeigebracht wurde.

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Im Badezimmer finden nebst Zähneputzen, akrobatischem Toiletten-Erklimmen und kompliziertem, langwierigem Pyjama-Auswählen auch noch intensive Wasserschlachten zwischen Mensch und Urzeitechse statt.

 

Mehr 12 von 12 gibts wie immer hier.

 

noch da

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Erst als der erlösende Anruf eintrifft, spüre ich die von mir abfallende Anspannung. Der Hund hat sich einer kleinen Operation unterziehen müssen. Der Eingriff selbst war harmlos und unkompliziert, erfolgte aber unter Vollnarkose. Davor hatte ich Respekt, steht doch Herr Hund mit seinen gut zwölf Jahren an der Schwelle zum Greisenalter.

Aber wie gesagt, alles ist gut gegangen. Ich bin froh und hoffe auf ein möglichst beschwerdefreies und glückliches Weiteraltern.

Lüsler, du bist stur und faul und deine Haare machen mich fertig. Aber es ist schön, dass du bei uns bist. Trotz allen Macken bist du ein feiner Freund.

*Ein sehr typisches Bild: Hund an Tischkante, den Blick gebannt aufs irdische Paradies gerichtet.