ein perfekter Spielplatz

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„Und wir spielten und spielten und spielten, so daß es das reine Wunder ist, daß wir uns nicht totgespielt haben.“ (Astrid Lindgren)

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1 Das Piratenschiff gerät in Sturm, wird beinahe von einem Blauwal gerammt und ankert schliesslich vor einer Schatzinsel.

2 Das Wasserspiel erfrischt, ermöglicht Mutproben und zahlreiche Experimente.

3 Städte werden gebaut und zerstört, Kuchen gebacken und Saurierspuren studiert.

4 Der Frischling fliegt seinen Gleitschirm durch atemberaubende Wolkengebilde.

5 Expeditionen ins Tierreich finden statt.

6 Eine Wolfsfalle wird gegraben.

7 Die Zaunkönigin ernährt sich von der Hand in den Mund.

8 Die Zwergenwohnung wird mit einer neuen Radioantenne ausgestattet.

9 Beim gemeinsamen Singen und Kuscheln schöpfen alle neue Kraft für weitere Abenteuer.

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Na, ein bisschen neidisch geworden?

Für diesen Spass wird benötigt:
-eine Hängematte (1+4+9)
-ein Wasseranschluss mit Gartenschlauch und Brause, zudem einige Emaille- und Plastikbecken, Tassen und Schälchen (2+3)
-ein kleiner Sandkasten (3)
-ein bisschen Platz und Natur (Blätter, Erde, Stöckern,…) (2+5+6+8)
-ein Johannisbeer- und ein Himbeerstrauch (7)

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Rutschen und Trampolins, Pools und Klettertürme, das alles ist gut und recht. Nötig ist es aber nicht. Ein bisschen Gelassenheit und Grosszügigkeit (naja, so ne ausgehobene Grube im Rasen als Wolfsfalle will mit Fassung getragen werden) genügt, um Kinder sehr glücklich zu machen. Es ist mir klar, dass auch die genannten Dinge nicht überall realisierbar sind. Aber ich möchte ermutigen zur Einfachheit. In materieller Hinsicht brauchen Kinder meist viel weniger, als uns oft weisgemacht wird.

Und wie verbringt ihr diese schönen Sommertage?

über den Horizont

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Weil der Morgen so schön war, dass ich dazu gar nichts sagen mag, beantworte ich hier jetzt einfach gerne die Fragen von Michaela.

1. Du hast in deinem Garten genau einen einzigen Platz für einen Baum. Welchen suchst du dir aus? Ein Holunderbaum dürfte nicht fehlen. Sein tiefer Symbolgehalt fasziniert und berührt mich, zugleich wäre er mir Blüten- und Beerenspender für zahlreiche Köstlichkeiten. Notabene, hier steht ja tatsächlich einer. Eigenhändig gepflanzt.

2. Der Titel deiner Autobiographie könnte lauten…? Aller Farben schwarzer Faden

3. Es ist einer dieser fiesen Tage, an denen nix hinhaut – wie kannst du dich selbst aufheitern? Aus Erfahrung kann ich sagen: Schlichte Spaziergänge durch Feld und Wald helfen immer.

4. Umgekehrt (Aufheiterung für andere): ein Lieblingswitz vielleicht? Mein Lieblingswitz, der leider nur auf Schweizerdeutsch funktioniert (in Erinnerung an David):

Was haben ein Casino und eine Pizza gemeinsam?
: Im Casino häts Automate und uf de Pizza häts au Tomate.
(…hats auch Tomaten.)

Umgekehrt lässt er sich auch erzählen, ich kann mich nicht entscheiden, welche Variante besser ist:

Was haben eine Pizza und ein Casino gemeinsam?
: Uf de Pizza häts Tomate und im Casino häts Automate.

5. Du darfst dich in der Kiste der Superkräfte bedienen – welche wählst du? Weil ich es so grandios fand, zitiere ich hier, selbst ganz ideenlos, Patricia Cammarata, welche diese Frage mal (im Podcast „der Weisheit“) beantwortet hat mit: „aus den Ohren bluten können, wenn jemand furchtbar dummes Zeug erzählt.“ DAS würde mir auch gefallen.

6. Eines der schönsten Liebeslieder ever ist…? Die schönsten Liebeslieder sind wohl jene, welche die melancholischen, traurigen Facetten des Liebeskummers besingen. Für mich jedenfalls. Mit einer Ausnahme:

Vom relativ unbekannten Schweizer Volkslied „Mis Büeli geit über Sapünersteg“ gibt es eine wunderschöne melancholische Version nur mit Frauenstimme und Akkordeon (keine Ahnung von wem). Gänsehaut pur. Leider habe ich sie im Netz nirgendwo gefunden. Alles andere (interpretiert von Chören, Liedermachern etc.) gefällt mir nicht. Deshalb kein Link. Leider.

Lying to you, von Keaton Henson

Lass uns ein Wunder sein, von Ton Steine Scherben

Patent Ochsner darf hier keinesfalls fehlen:
Scharlachrot
Wysses Papier
Niemer im Nüt
Novämber
Grossbrand
Ach, wie oft hab’ ich geheult zu diesen PO-Liedern und meine Liebeskummerwunden geleckt… Bin ich froh, bin ich nicht mehr zwanzigjährig…

7. Woran hast du gemerkt, dass du verliebt bist? Rückblickend: Daran, dass ich den Menschen gezeichnet habe. Damals waren Herz und Hand schneller als der Verstand.

8. Stell dir vor: Du stehst vor einem allwissenden Orakel. Welche Frage stellst du? „Wo bitte ist hier der Lichtschalter?“ Oder so.

9. Gibt es etwas, das dir heilig ist? Wenn ja, was? Die Freiheit zu denken. Die Freiheit zu glauben. Die Freiheit zu lieben.

10. Was ist stärker: Liebeskummer oder Liebe? Ist nicht Liebeskummer eine der grössten Triebfedern für die Kunst (Siehe Punkt 6)? Dennoch tendiere ich zur Liebe. Ihre stille, demütige Kraft, die sich im Alltag immer wieder bewähren muss und ungeahnte Transformationen ermöglicht und erfordert, beinhaltet soviel mehr Entwicklungspotenzial als die lodernde Dramatik des Liebeskummers. Ja, je länger ich darüber nachdenke: unbedingt: die Liebe.

Danke liebe Michaela für die vielen schönen und starken Erinnerungen, welche ich beim Schreiben geniessen durfte.

Frau Krähe macht auf Phönix

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Die einen Leserinnen und Leser freuen sich, die anderen sind irritiert. Bei allen möchte ich mich für das Durcheinander entschuldigen.

Die Sache ist die: Ich habe einige Jahre frischfröhlich und ziemlich ziellos als „Frau Krähe“ gebloggt (bei Blogger). Mit meinem Artgerecht-Engagement (Siehe Reiter oben rechts auf dieser Website) wollte ich jedoch einen sauberen Neuanfang machen. „Mein Clan“ wurde geboren (diesmal bei WordPress). Schnell merkte ich jedoch, dass mich das Format nicht glücklich machte. Mein persönliches Schreiben wurde gehemmt, ständig war ich mir nicht sicher, ob beispielsweise eine Berichterstattung aus dem Hühnerstall, ein Gedanke über Dies oder Jenes jetzt Platz hätte in diesem neuen, „professionelleren“ Blog. Und ich merkte je länger je mehr, dass ich über diese kleinen Dinge schreiben wollte. Über meinen Alltag, über meine Erlebnisse. Auch wenn sie nicht direkt etwas mit dem Artgerecht-Projekt zu tun hatten.

Ich vermisste meine vertraute und liebgewonnene „Internet-Identität“, und den Kommentaren zu schliessen, wohl einige meiner Leserinnen auch. So importierte ich irgendwann den ganzen „Frau-Krähe“-Blog hinüber zu „Mein Clan“. Und da das hier jetzt faktisch wieder Frau Krähe ist (neu bei WordPress und deshalb in etwas neuem Gewand), heisst diese Website/dieser Blog jetzt auch wieder Frau Krähe. Eigentlich alles ganz einfach.

Entfernt also bitte „Mein Clan“ aus eurer Lesezeichenliste oder eurem Blogroll und vor allem aus euren Gedanken. Aber kommt doch mit zu Frau Krähe. Begleitet mich. Inspiriert mich. Überrascht mich. Ich bin gespannt auf alles Kommende.

Natürlich freue ich mich auch sonst immer sehr über jeden Kommentar. Doch heute gilt es ganz besonders: Bitte zögert nicht! Das ganze Gewurstel und diese Entscheidereien lassen mich etwas konfus zurück. Euch hier zu wissen (gerade die „alten“ Krähenfreundinnen, gerne aber auch die herzlich willkommenen NeuleserInnen), wäre mir eine grosse Beruhigung und Freude.

Bild von Pixabay. Danke.

12 von 12 (Juli 2016)

IMG_7053Natürlich weiss ich, dass man die 12 von 12 am 12. des jeweiligen Monats festhält. Ich habs vergessen. Deshalb einfach heute. Dafür beginnts bereits spektakulär: Diese Nacht bin ich noch einmal Tante geworden. Juhui! Herzlich Willkommen auf dieser wunderbaren Welt, kleiner L.! Ich freue mich schon sehr, dich bald kennenzulernen.IMG_7037Während der Gefährte am Vormittag zusammen mit den Kindern und dem Hund nach draussen geht und Mittagessen kocht, hole ich mir im Wollladen endlich wieder einmal einige Knäuel Garn für ein hübsches kleines Ferienprojekt. Die Qual der Wahl…IMG_7039Ich geniesse die Fahrt mit mir allein zu boesner. Kennt ihr den Fachmarkt für Künstlerbedarf? Ich besorge dort ein Geschenk, und natürlich kann ich auch diesmal bei den schönen Papieren, den tollen Heften und den praktischen Stiften nicht widerstehen. IMG_7056Kaum wieder zuhause, werden die Neuzugänge getestet und für gut befunden.IMG_7045Nach dem Mittagessen gehts nach draussen. Weil die Küken immer wieder durch die weiten Maschen des Zauns schlüpfen und am Waldrand herumirren, bringe ich ein weiteres Drahtnetz an. Schliesslich möchte ich nicht jetzt noch die Küken aus Unachtsamkeit verlieren. IMG_7043Während die Kinder im neuen Sandkasten spielen (doch doch, auch bei uns ist es kalt, aber der Frischling hasst Sand in den Stiefeln…),…IMG_7049…lege ich die Füsse hoch, habe ein Ohr bei den Kindern und meine Augen im dichten Grün. Urlaubsreisen werden überbewertet. Definitiv.IMG_7055Am Nachmittag bereitet der Frischling fast ohne Hilfe Bananenmilch zu: Bananen, Kokosraspel, Reismilch und Milch mixen. Gerecht (!) in Gläser verteilen. Strohalme dazugeben. Geniessen. Die Zaunkönigin verlustiert sich derweil mit dem heimlichen Anbeissen zahlreicher Äpfel.IMG_7058Die Maschenprobe weckt die Vorfreude vollends.IMG_7070Nach dem Nachtessen gibt es für den Frischling noch eine Runde Memory, während die Zaunkönigin ein bisschen puzzlet.
IMG_7051Nachdem die Kinder schlafen (was im Moment leider immer erst um rund 21:00 der Fall ist), beschäftige ich mich noch ein bisschen mit einer Drucksache, für deren Gestaltung ich verantwortlich bin.IMG_7059Danach bastle ich an einem Flyer herum. Und schliesslich schreibe ich diesen Post.

Das war er also, mein 12 von 12er am 13.. Und wie war euer Tag?

Mehr 12 von 12 gibts hier.

Sterne

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Man sagt, die Sterne strahlen am Himmel. Wenn ich aber so hochschaue in einer wolkenlosen Sommernacht, und der ganze Himmel sternenübersät ist, mag es mir doch nicht gelingen, einen einzelnen genau zu betrachten. Wann immer ich einen besonders hellen auswähle, scheint er zu verglimmen und sich in die samtenen, beschützenden Falten des Universums zurückzuziehen. Die Kuppel vermag die unzähligen Sterne kaum mehr zu fassen, dicht aneinander gedrängt funkeln sie prächtiger als alle Schätze der Erde. Aber sobald man sich auf einen konzentriert, scheint sich dieser scheu zu verbergen, während die restlichen, wie man in den Augenwinkeln sieht, noch heller strahlen. Sterne wollen nicht beobachtet werden.

In meinem Zenit ballen sie sich zu ganzen Herden, während knapp über dem Horizont keine zu sehen sind. Ob sie die Menschen fürchten? Vielleicht schicken sie von Zeit zu Zeit Kundschafter herunter, welche aber immer nur bestätigen können, was alle Sterne bereits wissen. Dass die Menschen krank und verloren sind, aber dass sie doch noch Träume haben und sich sogar von Zeit zu Zeit nach einer Sternschnuppe sehen. Ich bräuchte eine solche, ganz dringend, aber ich schaue nicht mehr hoch, suche nicht mehr das Himmelsgewölbe ab, sondern setze meinen einsamen Gang fort durch die ruhig atmenden Felder.

Weitab der anderen leuchtet plötzlich ein kleiner Stern in der Wiesenböschung, ein gefallener Lichtbringer, ein verstossener Engel, vielleicht einer der Kundschafter und Boten. Ein Glühwürmchen ist’s, sitzt still zwischen den harten Stängeln und zarten Gräsern, und leuchtet wie ein Lotse in die Nacht hinaus. Durch seinen Chitinpanzer strahlt ein geheimnisvoll grünliches Zeichen. Zwei Punkte und parallel dazu zwei Streifen. Ob es das Signet wohl wie auf einer digitalen Anzeigetafel verändern kann? Wohl kaum.

Ich weiss nichts von Glühwürmchen, und von Sternen eigentlich auch nicht. Vielleicht weiss das Glühwürmchen mehr von ihnen, aber ich mag es nicht fragen. Es untersteht womöglich einer Schweigepflicht, Menschen gegenüber, und ich möchte es nicht in Verlegenheit bringen. Es kann aber auch sein, dass es einfach so im Gras sitzt, ohne sich um die Sterne zu kümmern, und geduldig auf einen Partner wartet. Aber was, wenn das alle tun? Wenn die Welt voll ist von im Dunkeln sitzenden Würmchen? Wer findet sie? Ich muss annehmen, dass die einen sitzen und leuchten, und die andern durch die Nächte reisen, auf der Suche nach dem hellen Schein. Ob sie wissen, wonach sie Ausschau halten müssen? Weder leuchte ich, noch habe ich eine Vorstellung vom Ziel meines Ganges durch die Nacht.

Über den Himmel wandert der gebündelte Strahl eines Scheinwerfers. Eigentlich dient er Werbezwecken einer Diskothek. Mir scheint es aber eher, als suche er das Firmament nach irgend etwas Verborgenem ab, als wolle er alle dunklen Verstecke ausleuchten. Weiss denn keiner, dass die Sterne so nicht mehr leben können? Dass sie durch das ständige Ausweichenmüssen ein Vielfaches an Energie verbrauchen? Dass sie so immer scheuer leuchten und schliesslich in Gebiete fortziehen werden, die vom Menschen noch nicht erschlossen sind?

Ich schaue hoch, knapp an den Sternen vorbei, damit sie sich nicht bedrängt fühlen und spreche ihnen leise mein Beileid aus. Bevor ich weiterziehe durch die Nacht, von der ich eigentlich nichts verstehe, wünsche ich dem Glühwürmchen, dass es recht bald gefunden werden möge. Um danach wieder heimkehren zu dürfen in das grenzenlose Universum, zurück zu den anderen Sternen.

ml. 04.07.1999

 

Diesen alten Text habe ich ausgegraben, nachdem ich vor einigen Tagen eine Hochzeitsnacht der Glühwürmchen erleben durfte. Ich gebe ihn hier unverändert wieder. Entstanden ist er im „Freikurs Schreiben“ bei Herrn Schneider, damals am Lehrerseminar. Einige wenige Lektionen waren das, welche mich bis heute nachhaltig geprägt haben. Tausend Dank an dieser Stelle an meine beiden wichtigsten Lehrer Schneider und Graf, welche sich an der Patentfeier damals, bereits etwas angetrunken, beinahe in die Haare gerieten, weil sie sich nicht einig wurden, ob man mich zum Weiterverfolgen der Schreiberei oder der Gestalterei anhalten sollte. Sie einigten sich auf den dringenden Rat, einfach bitte „möglichst lange nicht zu heiraten und mit dem Kinderkriegen zuzuwarten“ und ansonsten halt zu tun, was ich tun wolle. Mission accomplished. Das war einer der ganz grossen Momente meiner Schulzeit. Und er ist es bis heute.

Ich verstehe heute zwar nicht viel mehr von der Welt als damals, wohl aber hat sich die Grundstimmung meiner Seele, meines Fühlens und Denkens etwas verändert. Ich bin nicht mehr zwanzig Jahre jung, melancholisch-romantisch am Anfang meiner Suche durch das eigene Leben stehend. Deshalb möchte ich bald mit meinen heutigen Worten darüber schreiben, wie das kürzlich erlebte Naturschauspiel der Glühwürmchen meine Seele berührt hat.

Zwei

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Liebe Zaunkönigin

Ich hatte damals keine Ahnung, wie sehr dein Blogname zu dir passt:
Klein und dennoch wahnsinnig laut bist du. Vor allem wenn du singst.
Du bist ein wunderbar klarer Mensch. Seit deinem ersten Atemzug schon.
Was für ein Glück.

Der Geburtstag der Zaunkönigin ist schon ein Weilchen her und genau in die Blogumstellungs-Phase gefallen. Jetzt, wo das weitere Vorgehen sich langsam abzeichnet, darf dieses Ereignis aber nicht fehlen.

Lassie, Bagheera und Miramis

The Magic of Lassie Quad

Tiere gehören zu meinem Clan

Zu meinem Clan gehören neben den Menschen auch Tiere. Sie spielen für mich eine wesentliche Rolle. Sie sind Vermittler zur Natur, auch zu unserer eigenen Natur, sie sind Lehrer, Freunde, Mitgeschöpfe. Ich erfreue mich am Hausrotschwänzchenpaar, welches unter dem Dach brütet genauso wie am Hühnervolk, welches mit seiner emsigen Geschäftigkeit pure Glückseligkeit verbreitet und mich nebenbei auch noch mit besten Eiern beschenkt. Ohne Tiere wäre mein Leben viel ärmer.

Es gibt viele gute Gründe, mit Tieren zu leben. Es gibt aber auch viele gute Gründe, darauf zu verzichten.

Verantwortung für jemanden tragen

Sehr wertvoll war für mich die Erfahrung, dass durch mein Leben mit dem Hund der Verantwortungsschock, welcher gemeinhin mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht, spürbar abgefedert wurde. Ich war zu jenem Zeitpunkt schon seit 8 Jahren daran gewohnt, Bedürfnisse eines Familienmitgliedes miteinzuplanen, welche nicht immer mit meinen eigenen deckungsgleich sind. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei Terminanfragen, Einladungen und ähnlichem zuerst zu denken: „Und was ist mit dem Hund? Wie lange dauert das und was bedeutet das für uns? Soll er zuhause warten? Mitkommen? Im Auto bleiben? Oder soll ich ihn zu meinen Eltern bringen, damit er dort gut versorgt ist?“ Es war eigentlich alles möglich, aber es musste eben immer zuerst geplant werden. Wenn es auf eine Reise ging, musste sein Kram auch mit, und manchmal wurde er krank und brachte unsere Pläne durcheinander. Durch sein Dasein ergaben sich neue Freundschaften, dank ihm beurteilte ich meine Umgebung neu (Verkehrssituation, Orte, wo freies Spiel ohne Konfliktpotential stattfinden kann,…). Ich musste lernen, ihn und mich vor übergriffigen Bemerkungen und gar Handlungen zu schützen und spürte grossen Stolz, wenn er eine Aufgabe eifrig und fröhlich meisterte. Ich erkannte meine Leidenschaft für Erziehungsratgeber und das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität (vor allem meines Selbstbildes). Ich kam mit Erziehungsstilen und Beziehungsphänomenen in Kontakt. Ich wurde mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert und kam nicht umhin, Pauschalisierungen zu hinterfragen.

Hunde sind keine Kinder, aber diese und viele weitere Prozesse, welche bei mir ausgelöst wurden, sind identisch. Natürlich war es kein bewusster Entscheid, mit einem Hund zusammenzuleben, um das Leben mit Kindern zu üben. Rückblickend aber ist genau das geschehen.

nonverbale Kommunikation

Ebenfalls wahnsinnig bereichernd war für mich, dass meine Antennen durch den Hund bereits sehr fein eingestellt waren. Ich war es gewohnt, mit einem nicht mit Worten sprechenden Lebewesen zusammenzuleben. Ganz feine Signale zu erkennen und zu verstehen fiel mir nach Jahren der Übung leicht. Das kam zweifellos meinem ersten Kind zugute. Obwohl ich das erste Mal Mutter wurde, hatte ich dank meinem vierbeinigen Freund und Lehrer einen entsprechenden „Erfahrungsvorsprung“ gegenüber anderen „Erstlingsmüttern“.

ein Tier fürs Kind?

Meine Familie ist gewachsen, der Hund hat sich an ein erstes und an ein zweites Kind gewöhnt. Und so dürfen sie jetzt mit ihm aufwachsen. Kind und Hund, wie schön, wie perfekt. Lassie lässt grüssen. Wer wünscht sich das nicht? Mein Sohn beispielsweise. Er fürchtet sich vor dem Hund. Er fasst ihn niemals an, spricht nicht mit im und geht ihm wo immer möglich aus dem Weg.

Meine Tochter hingegen liebt den Hund. Sie betüddelt ihn, füttert ihn heimlich und offensichtlich, möchte ihn striegeln und streicheln und herzen. Ob sie mich in einigen Jahren dazu überreden will, ein Pony in die Garage zu stellen?

Ich werde dies (ziemlich sicher) nicht tun. Weil Tiere nicht für Kinder angeschafft werden sollten und mein Herz nicht für Ponys schlägt. Ich wünschte mir, dass alle Eltern sich bewusst sind, dass die Hauptverantwortung für ein Tier immer bei ihnen bleibt. Natürlich können bereits kleine Kinder in die täglichen Routinen mit dem Tier eingebunden werden. Aber auch wenn sie das Interesse verlieren, die Schule mehr Aufmerksamkeit verlangt oder das Fussballspielen hoch im Kurs steht, behält das Tier seine Bedürfnisse. Und es verdient, dass diese erfüllt werden. Während seines ganzen Lebens. Es sollte selbstverständlich sein, dass man sich vor Anschaffung jedes Tieres genau informiert, wie diese Bedürfnisse aussehen. Und dann ehrlich abwägt, ob diese zur eigenen Lebenssituation passen. Das Internet, Fachliteratur und seriöse Tierhalter helfen da gerne weiter. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

grenzenlos bedürfnisorientiert

Glaube mir, wenn du deine Kinder bedürfnisorientiert begleitest, wirst du diese Haltung bei deinem Tier nicht einfach wie auf Knopfdruck ausschalten können. Und so wirst du selbst sehr darunter leiden, wenn du die Bedürfnisse deines Tieres erkennen, aber nicht in der Lage sein wirst, diese zu erfüllen. Unter diesem Phänomen habe ich die letzten Jahre öfters sehr gelitten.

Ich höre oft die Bemerkung, dass Tierhaltung einen ja so „anbinde“. „Man kann nicht mehr in die Ferien“, ist der meistgehörte Ausspruch, wenn es um das Für und Wider von Tierhaltung geht. Der Satz ist einfach nur falsch. Ich kann mit entsprechender Planung problemlos in Urlaub fahren und weiss meine Schafe, Hühner, Katzen und den Hund bestens versorgt.

Anstrengend sind die täglichen Kleinigkeiten. Der Hund sollte dringend raus, aber das kränkelnde Kind ist soeben auf dem Sofa eingeschlafen. Die Katzen schleichen sich durch offene Fenster und Türen ins Haus. Und dort natürlich in die Betten. Oder in nicht ganz geschlossene Kleiderschränke. Auch wenn sie nass und schmutzig sind. Besuch mit Kindern schneit herein, der Hund wird ins Homeofficezimmer ausquartiert und zerfetzt dort frustriert meinen Lieblingspulli. Der Sohn legt sich einen Keks zurück, leider nicht hundesicher platziert. Schwupps und weg, grosses Drama. Das Baby ist endlich eingeschlummert, da bellt der Hund, weil er ein „verdächtiges“ Geräusch hört. Und so weiter und so fort.

Ich halte auch nicht viel von der Strategie, mir eine Katze anzuschaffen, weil ich Hunde sehr mag, Katzen aber einfacher zu halten sind. Wenn mein Herz nicht für Katzen schlägt, werde ich ihre Eigenheiten bald als Last empfinden. Und gleichzeitig kenne ich Frauen, deren Herz brennt nebst Kindern auch noch innig für Pferde oder Hunde, und die kriegen das gewuppt, einfach weil ihnen dies so unendlich wichtig ist.

Wer kleine Kinder hat und sich die Anschaffung eines Tieres überlegt, dem empfehle ich folgendes Gedankenspiel: Kannst du dir vorstellen, einen Teenager bei dir aufzunehmen? Natürlich ist ein Hund was ganz anderes. Wie ein Jugendlicher ist er aber (sobald ausgewachsen) ziemlich selbständig und braucht einen nicht mehr rund um die Uhr wie ein kleines Kind. Auf den ersten Blick „läuft er einfach so mit“. Aber das stimmt einfach nicht. Sie haben eigene Bedürfnisse, stillere, welche neben dem Kleinkindchaos gerne übersehen werden. Oder, wenn sie dann zu lange übersehen werden, plötzlich ganz grosse, welche schwierig zu lösen sind und Zeit und Kraft erfordern. Du tust gut daran, genau hinzuhören und zu -spüren, ob du noch Lust und Power für ein weiteres, ganz anderes „Bedürfnispaket“ hast.

wertvolle Tierbegegnungen

Wenn du das alles schon weisst und deshalb oder aus anderen guten Gründen auf das Halten von Tieren verzichtest: Hab kein schlechtes Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du ihnen ihren Wunsch nach einem Pony, einem Hund oder einem Hamster ausschlägst. In meinem nächsten Post werde ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du auch ohne Hund und Katze im eigenen Haushalt die positiven Aspekte der Tierbegegnungen für dich und deine Kinder erlebbar machen kannst. Denn ein bisschen Lassie im Abendrot hat schon was.

Bildquelle: http://www.thebestlittlefilmhouse.com/the-magic-of-lassie-original-quad-1978-mickey-rooney–james-stewart-4027-p.asp

12 von 12 (Juni)

 

12 von 12 kennen wohl die meisten Blogleserinnen und -leser schon. Hier noch einmal die Details. Ich freue mich, diese Aktion nutzen zu können, um dir monatlich einen kleinen Einblick in meinen persönlichen Alltag geben zu können.

Geweckt werde ich von leisem Gemurmel: „Sarcosuchus, Seismosaurus, Ankylosaurus,…“ Der Junge hat gestern auf einem Kinderflohmarkt ein Saurierbuch gefunden. Was für ein Glücksfund!

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Nach dem Frühstück wird aus aktuellem Anlass ein ausgedrucktes Ausmalbild erbettelt. Ich bin überzeugte Freundin des freien Zeichnens, erinnere mich aber an meine eigene Freude an solchen Bildern. Was solls, davon geht die Welt nicht unter.

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Anschliessend gehts raus auf den Hundespaziergang. Eines unserer Schafe hat nachts den Zaun übersprungen, und der Gefährte waltet als Schafflüsterer. Während er den Hühnerauslauf kükensicher umbaut, drehen wir unsere Runde.

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Heutiges Highlight auf dem gut 3 km langen Spaziergang ist das lustige Wellblech beim Schiessstand. Aber wir finden auch Walderdbeeren, retten einige Weinbergschnecken, bewundern einen riesigen Holunderbaum, stemmen uns gegen den Wind, schleichen und rennen, palavern und machen uns so unsere Gedanken.

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Wieder zurück, dürfen die Küken das Gehege im Gehege in Augenschein nehmen. Sie sind ganz aufgeregt. Ich beobachte, wie die Hennen Würmer ausscharren und den Kleinen gnädig überlassen. Diese veranstalten dann Wurmziehen (kann man sich vorstellen wie Seilziehen).

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Während der Gefährte Mittagessen kocht, erzähle ich den Kinder Bilderbücher.

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Nach dem Essen gibts Nachtisch, und alle sind so friedlich, dass ich ein bisschen meine analoge Inspirationssammlung weiter erstellen kann. (spannende Beiträge aus Zeitschriften ausschneiden, in Sichthüllen stecken und in thematische Ordner ablegen).

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Weil das Mädchen danach aber doch sehr müde und übellaunig wird, darf sie ein halbes Stündchen schlafen. Ich nutze die „Pause“ und erledige meine Unterrichtsvorbereitung.

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Der Gefährte geht „den Stall saubermachen“. Aha. Ohne Fussball geht im Moment gar nichts. (Geputzt wurde aber tatsächlich auch sehr fleissig!)

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Weil es endlich mal wieder trocken ist, werkle ich noch ein bisschen im Garten. Die Kinder „helfen“. Zwischendurch wird natürlich immer wieder nach den Küken geschaut und ein bisschen geglotzt.

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Dann ist schon wieder Zeit fürs Nachtessen, und danach spielen die einen noch ein bisschen Lego, die andern lesen ein wenig.

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Während die Kinder noch kurz in die Badewanne hüpfen, räume ich ein bisschen das Spielzimmer auf und bin leicht bekümmert. Ob wir es schaffen werden, die gefühlten 193 Playmobil-Teilchen wieder zusammenzukriegen, welche in die Kiste gehören, welche nächste Woche zur Ludothek zurück muss?

Das Einschlafen (ohne Bild) ist, wie immer im Moment, eine langwierige Sache. Um 21:30 Uhr ist dann aber endlich Ruhe. Jetzt hört man nur noch das Schnarchen des Hundes, das leise Klappern der Tasten unter meinen Fingern und – ratet mal, genau! – Fussballmatchgeräuschkulisse.

Und wie war dein Tag?