Sichtbarkeit, Authentizität und Kooperationen

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Zwei Tage nach dem Bloggertreffen hat sich das Gehörte gesetzt. Einiges hat Auswirkungen auf mich, resp. meinen Blog, anders kann ich getrost an mir vorbeiziehen lassen. Tatsächlich treffen mich diverse Aussagen an der Swiss Blog Family empfindlich.

So kümmere ich mich offensichtlich zu wenig um den technischen Kram, den die Bloggerei mit sich bringt. Natürlich ist es nicht optimal, dass ich nicht täglich einen Post veröffentliche. Aber das lässt mein Leben nicht zu und diesem Druck möchte ich mich selbst gar nicht aussetzen. Natürlich könnte ich mehr Überschriften, knackige Schlagworte und andere clevere Strategien anwenden, um den Suchmaschinen zu gefallen. Aber das finde ich ätzend. Ich will schreiben, wie ich schreiben möchte. Nicht so, wie ein Algorithmus mir aufzwingen will.

Gleichzeitig ist es einfach dumm, wenn ich meine Sichtbarkeit durch mangelnde ICT-Kenntnisse selbst sabotiere. Diese Anregungen beispielsweise nehme ich mir deshalb sehr zu Herzen. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit in diese Themen einarbeiten. Ohne am Blog selbst etwas zu ändern und dennoch von Interessierten besser gefunden zu werden, macht schliesslich nur Sinn. Auch „das Tanzen auf verschiedenen Hochzeiten“ leuchtet mir ein. Solange es nicht zur lästigen Pflicht verkommt. Dass sich Frau Krähe auch auf facebook und instagram findet, ist schon mal ein netter Anfang, der aber noch keinesfalls optimal umgesetzt ist. Dennoch bläht sich bereits da ein grosses Fragezeichen in meinem Kopf auf: Weshalb das alles? Wofür?

Wenn ein Blog Sichtbarkeit haben und als Folge davon gross werden will, dann doch deshalb, um für Kooperationspartner interessant zu werden. Denn diese bedeuten, dass die eigene Bloggerei vom extrem zeitintensiven Hobby zur bescheidenen oder gar veritablen Einnahmequelle werden kann. Dagegen habe ich grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Geld zu verdienen ist nun mal wichtig, und wenn dies durch das Bloggen realisiert werden kann und man dafür vielleicht sogar auf den ein oder anderen ungeliebten Job verzichten oder ihn zumindest reduzieren kann, so kann auch mir das nur recht sein. Theoretisch. Oder gibt es noch andere Gründe, welche für Sichtbarkeit und Wachstum sprechen?

Aber definitiv beginnt sich etwas in mir zu winden, wenn die beiden freundlichen Frauen einer Marketingabteilung und einer PR-Agentur an der Swiss Blog Familiy von den Bloggern als „Influencern“ sprechen, wenn begeistert erzählt wird, wie man gemeinsam „authentische“ Geschichten entwickelt, welche zu der jeweiligen Familie passen und nicht versucht werde, die Familien zu etwas zu überreden, was ihnen nicht entspreche. „Beide Seiten sind schliesslich an authentischen Geschichten interessiert. Weil das auch bei den Lesern ankomme. Und letztlich den Erfolg der Strategie garantiere.“ (Frei von mir paraphrasiert.)

Ich erinnere mich an das amerikanische Experiment, in welchem eine „Familie“ (alles Schauspieler) ihren Nachbarn Produkte empfohlen hat. Der Effekt war gigantisch, Empfehlungsmarketing, wozu eben auch die Kooperationen mit Blogs gehören, funktioniert einfach sehr gut. Die Nachbarn glaubten sogar noch an die Produkte, als man sie darüber aufklärte, dass es sich bei der „Familie“ um eine komplett künstliche und konstruierte Marketingstrategie gehandelt hatte. Sie konnten diesen Menschen, die sie zu kennen glaubten, ihr Vertrauen einfach nicht absprechen. (Funktioniert ja übrigens auch beim Product Placement in Filmen und Serien.) Der Hebel bei den Blogs ist genau der selbe: Zuerst wird Vertrauen geschaffen, man „lernt sich kennen“. Dann wird das Produkt eingeführt und empfohlen. „Unter Freunden“. Zieht immer. Sogar wenn der Beitrag deutlich als Werbung gekennzeichnet ist. Willkommen in der Trueman Show.

Da noch von Authentizität zu sprechen, finde ich arg grenzwertig. Natürlich geht es nicht, dass Frau Krähe für Fleisch aus Massentierhaltung oder Ferber-Schlaftraining wirbt. Dass dies nicht authentisch wäre, muss ja nicht diskutiert werden. Aber will wirklich jemand, dass ich eine Story entwickle, in welcher ich ein (durchaus phantastisches) Produkt in meinen Alltag einbaue (welches ich vielleicht tatsächlich sowieso schon überzeugt seit Jahren benutze) und dies dann verblogge? Klar, ich kann das klar und deutlich als Werbung kennzeichnen, und ich finde es auch nicht einmal verwerflich, dafür Geld zu kriegen. Schliesslich gebe ich ja was dafür. Arbeitszeit und meinen Namen. Aber will wirklich irgend jemand da draussen von Frau Krähe Werbung präsentiert bekommen? Ich bezweifle das stark. Einmal vielleicht sehr gerne. Zweimal auch. Aber zehnmal? Zwanzigmal? Echt jetzt?

Wenn ich also aus Überzeugung auf Kooperationen verzichte und deshalb aus monetären Gründen auch nicht gross werden will mit meinem Blog, wieso sollte ich dann für mehr Sichtbarkeit sorgen? Frau Krähe startete als Web-Log, wie diese ursprünglich mal gedacht waren: Als eine Art freies Tagebuch über das eigene Tun und Lassen, als eigene Plattform, um mit Texten und Bildern zu spielen. So ist es heute noch.  Frau Krähe hat in den letzten vier Jahren an einem kleinen, feinen Netz mitgesponnen, hoch hinauf in den Norden Deutschlands, rüber nach Österreich, ins Südtirol, nach Frankreich und auch zu umliegenden Dörfern meiner Region. Es sind Freundschaften entstanden, welche ich nicht mehr missen möchte und die mein Leben sehr bereichern. In meiner kleinen Blogecke muss ich keine Kompromisse eingehen, keine Auflagen erfüllen, keine Statistiken halten oder verbessern. Wieso sollte ich mehr wollen? Was sollte ich wollen? Natürlich gibt es heute Blogs, welche anders ausgerichtet sind. Professionell. Monetär. Das ist ok. Nur befürchte ich, dass sich viele Bloggerinnen, v.a. „Jungbloggerinnen“ nicht klar sind, was es wirklich heisst, einen finanziell erfolgreichen Blog zu realisieren. Das ist harte Arbeit. Und gerade im Sektor der Familienblogs mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

So ist mir anhaltend leicht unwohl während diesem ansonsten durchaus netten Bloggertreffen in Basel. Die Euphorie, wie da von und über Kooperationen gesprochen wird, dazu die (durchaus mit schönen und hochwertigen Produkten bestückten) „Goodie-Bags“ und die den Anlass flankierenden Stände einiger (tatsächlich bewährter) Marken… Alles eigentlich sehr sympathisch. Aber leider eben nur eigentlich.

Die Fragezeichen in diesem Post sind keineswegs rhetorisch gesetzt. Wer mir Anregungen und Ideen hat, Hinweise, die ich bis anhin nicht bedacht habe, Möglichkeiten, welche mein Radar nicht erfasst hat, der oder die möge mir doch bitte einen Kommentar da lassen. Oder mir persönlich eine Mail schicken.

Es ist ok, ein bisschen planlos in die Bloggerei hinein zu stolpern. Ignorant und unbelehrbar zu sein, ist hingegen nur dumm.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die Durchführung des Anlasses bei den beiden Organisatorinnen Sévérine und Katharina bedanken. Das Treffen war perfekt organisiert und ich habe sehr schöne Kontakte mit interessanten Menschen erleben dürfen. Herzlichen Dank!

*einige Gedanken zum Bild:
Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit?
Wer wird gesehen, wer geht in der Masse unter und weshalb?
Muss man sich Sichtbarkeit verschaffen oder kommt die von selbst?
Und letztlich immer wieder: Wer bin ich?

Krankenschwester {Stolperstein}

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Ein Mückenstich, ein winziger Schnitt, ein abstehendes Hautfetzchen beim Fingernagel: Die Zaunkönigin interessiert sich auffallend stark für kleinste Hautverletzungen. Immer wieder werden solche untersucht und der gesamten Verwandtschaft vorgeführt.

Dann wird von ebendieser mikroskopisch geguckt, gestreichelt, beschwichtigt. Und anschliessend die Prognose gewagt: „Das Mädel wird bestimmt mal Krankenschwester.“

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Das Spezielle an dieser Aussage: Sie ist zweimal, natürlich von verschiedenen Erwachsenen und zu verschiedenen Zeitpunkten, absolut identisch gefallen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, wäre die Zaunkönigin ein Junge, die Folgerung eine andere gewesen wäre: „Der wird bestimmt mal Arzt.“

Wie ich reagiert habe? Lachend berichtigt: „Krankenschwester? Wenn sie dann mag, wird sie Ärztin!“ Aber lustig fand ichs eigentlich nicht.

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Natürlich darf die Zaunkönigin einmal Krankenschwester (Fachfrau Gesundheit) werden, wenn sie das denn möchte. Oder Lebensmittelinspektorin, Kindergärtnerin, Elektrikerin, Spieleprogrammiererin, Floristin, Geografin, Kosmetikerin, Ärztin, Polygrafin, Atomphysikerin, KFZ-Mechanikerin oder was auch immer. Aber sie soll wählen können. Richtig wählen, mit weitem Blick und offenem Herzen.

Was keine Selbstverständlichkeit ist: 75% der jungen Frauen im Kanton Zürich auf Lehrstellensuche im Jahr 2013 verteilten sich auf gerade mal auf 11 Berufe (hier nachzulesen)! Und das hat ganz gewiss nichts mit einem naturgegeben engen Begabungsspektrum zu tun. Genausowenig liegt es an den Mädchen selbst, dass immer noch viel zu wenige selbstbewusst, ehrgeizig und ambitioniert hochgesteckte Berufsziele ins Auge fassen (hier dazu ein sehr spannendes Positionspapier).

Es sind zu weiten Teilen die Signale des (erwachsenen) Umfelds, welche die Entscheide der Jugendlichen massiv beeinflussen. Und zwar nicht erst, wenn es konkret wird mit der Berufswahl. Die Beeinflussung (oder sollte man von Gehirnwäsche sprechen?) beginnt tatsächlich schon bei zweijährigen Kindern. Spätestens.

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