fein bemützt

Die Zwergenmützen aus dem Hause Kirschkernzeit (Siehe Post vom 16. Februar 2016) wärmen unsere Köpfe und passen so gut zu uns, dass sie sich in einem wunderbaren Sinne gar nicht neu anfühlen. Sie wärmen nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz. Wie wohltuend, erstaunlich und berührend, wenn die bisweilen etwas gar virtuelle Bloggerei plötzlich so handfest wird. Weiche Wolle, bezaubernde Farben, von einem fremd-vertrauten Menschen extra für uns geduldig verstrickt. Dankbarkeit und Freude pur!

Natürlich tragen auch wir Grossen unsere Mützen! Als Zwergenmützen-Models taugen wir aber nur bedingt, das kriegen die beiden echten Zwerge besser hin. So wandle ich mit meiner Länge von 1,85m also momentan glücklich als längster Zwerg durch die Lande.

Herzensarbeit

Die Herstellung einer Puppe ist dermassen antiquiert, schrullig und weltfremd, dass sie bereits als Form des Widerstandes gegen das Tempo und die Werte unserer Spass- und Konsumgesellschaft gesehen werden kann. Dieses kleine bisschen heile Welt aus Schafwolle, Trikot, Mohairgehäkel und Miniaturgenähe macht mich selbst glücklich, kann ich dabei doch wunderbar vor mich hinwursteln, nicht weniger aber auch äusserst skeptisch. Sind dies reaktionäre Handlungen? Ist das eine Flucht vor den Herausforderungen dieser Tage? Augen verschliessen und nur mein Gärtchen pflegen?

Das geschieht zur Genüge. Seichte Pseudo-Achtsamkeit mit „Flow“ und „Kinfolk“, DIY nach stupider Anleitung, meist noch verbunden mit der Anschaffung von exklusivem Rohmaterial, Hauptsache selbstgemacht, egal wie schlecht…, Shabby Chic ohne echte Spuren von Zeit und damit ohne Ehrlichkeit, oder kunstvolle Brotdoseninhalte von Supermoms, für welche eine Mama wie ich, die bis anhin eine Brotscheibe und nen Apfelschnitz als Znüni für angemessen hielt, mindestens einen mehrwöchigen Abendkurs belegen müsste sind nur einige wenige und willkürlich zusammengetragene Felder der „neu erstarkten Biederkeit“. Seid mir nicht bös‘, fühlt euch nicht angegriffen, ich selbst bin nicht frei von diesen „Verlockungen“. Nicht zuletzt pflegt ja auch mein Blog offensichtlich eine Ästhetik und Grundstimmung, welche immer wieder gefährlich nahe an diesen Abgrund herantänzelt.

Zum Glück, zum grossen Glück ist diese Puppe aber ganz anders entstanden. Oft hatte ich beim Werkeln meine Ohren dank Radio draussen in der Welt, und meine Gedanken und mein Herz konnten reisen, lernen und Anteil nehmen. Wenn Ohnmachtsgefühle und Wut überhand nahmen, legte ich die Arbeit beiseite, wollte ich sie doch nicht mit meinen düsteren Gedanken aufladen. Entsprechend langsam ist die Puppe entstanden. Je länger je mehr ist in mir aber auch die Zuversicht gewachsen, wie ich auf die aktuellen Geschehnisse reagieren kann, reagieren möchte.

Immer wieder und sehr gerne dachte ich mich während der Arbeit zu einem kleinen Mädchen, welches ich gar nicht persönlich kenne, malte mir aus, wie es auch dank der Puppe hineinwachsen würde in seine Welt. Indem es mit ihr Mitgefühl übte, Freundschaft probte, Verbundenheit spürte, Einsamkeit bezwänge. Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Puppe ziehen lassen konnte. Dass ich sie nicht in meiner eigenen kleinen Welt behalten und besitzen muss, sondern dass sie anderswo bewirken kann, was in ihrer Macht steht. Ganz ganz wenig für die Massstäbe der Welt. Aber vielleicht sehr viel für dieses eine kleine Mädchen.

Und sonst so:

Noch immer bin ich blutige Anfängerin, was die Puppenmacherei betrifft. Es finden sich einige kleinere und grössere Fehler, welche ich jetzt aber einfach akzeptiere. Dies ist meine zweite selbstgemachte Puppe, und die kleinen Makel dürfen sein.

Sicherlich werde ich beim nächsten Mal robusteren Stoff für den Körper verwenden, so werden die störrischen Schafwollhaare der Füllung auch weniger als eigenwillige „Brusthaare“ da und dort hervorlugen. Mit dem Formen und der Stabilität des Halses tat ich mich schwer, ein kleiner, sehr provisorischer Loop (der eigentlich ein Haarband hätte werden sollen, dann aber zu klein war), kaschiert die Stelle. Es ist nicht ganz einfach, die richtige Füllmenge und damit die Härte resp. Weichheit der Puppe zu definieren. Nachdem meine erste Puppe ein hartes Klötzchen wurde, ist diese Puppe jetzt bewusst sehr weich geblieben. Ob und wie sie damit längerfristig zurechtkommt, wird sich zeigen. Auch die Lippen hab ich ein bisschen vermurkst, aber da vertraue ich auf den neutralisierenden Zeitfaktor.

Da die Puppe in ein Heim gezogen ist, wo wunderbarst gestrickt und genäht wird, bereitete mir die Puppenkleidung das meiste Kopfzerbrechen. Am liebsten hätte ich die Puppe nur in ein Stöffchen gehüllt übergeben, aber dann führte eines zum anderen. Ein kleines Hemdchen für die Reise rief nach einem Röckchen, dieses wiederum nach Unterwäsche. Schuhe wurden plötzlich dringend nötig und die Weste musste als baumwollenes Augenzwinkern einfach sein, schliesslich bin ich via Bora auf die „Pebbles“ gestossen und habe davon auch schon mehrere für meine Kinder gestrickt. Für die gesamte Garderobe habe ich ausschliesslich Restematerial verwendet. Und natürlich freut es mich, wenn die Puppengarnitur ergänzt/ersetzt wird mit kleinen Kostbarkeiten aus dem Hause Kirschkernzeit. Damit die Puppe ganz verwoben wird mit ihrem Wirkungsfeld.

Auch habe ich die Haare bewusst nicht kompliziert frisiert und eher eine Spur zu lang gelassen. Gerne darf da noch ein bisschen optimiert werden, wenn sich herauskristallisiert, welche Frisur gut zur Puppe und den täglichen Anforderungen passt. Und da ja auch Kinder manchmal Scheren in die Hände kriegen und bei Puppen (und sich selbst) verwegene Frisuren produzieren, legte ich den Restknäuel des Mohairgarns zum Paket. Vielleicht ist man da mal noch froh darüber…

Und jetzt, jetzt spüre ich dieses Entzugs-Kribbeln, diese Unruhe, die mich gerne erfasst, wann immer ein grösseres Projekt beendet ist. Was darf es denn als nächstes sein?

Funkelgrüsse

Zwar komme ich nicht zum Schreiben, aber immer wieder denke ich an euch.

An dich, Ulma, und an das Füchslein, wenn der Frischling Fuchsspuren malt. Seht ihr wie das Tier übers Blatt geschnürt ist?

An dich, Bora, und an dein Mädchen. Langsam komplettiert sich die Garderobe der kleinen Puppe. Bald darf sie hoffentlich umziehen.

An dich, Katja. Diese Katze hat mich ganz zufällig beim Restaurantbesuch von der Flaschenetikettenrückseite im schönsten Gletscherblau angelächelt. Und zwar hat es etwas gedauert, bis ich das Wort verstanden habe (da phonetisch in Appenzellerdialekt geschrieben), aber dann kam mir natürlich sofort dieser Post in den Sinn.

Liebe Grüsse an euch und alle andern Leserinnen. Bald gibt es hoffentlich wieder mehr von uns zu lesen. Bis dahin funkeln wir hier noch etwas durch unsere Tage. O-Ton Frischling über die Zaunkönigin: „Sie stört mich wahnsinnig beim Spielen. Sie funkelt die ganze Zeit dazwischen!“

Mimi

Mimi guckt so frech wie das Mädchen, von welchem sie hoffentlich schon bald innig geliebt werden wird. Sie ist, obwohl voller kleiner Fehler und Unzulänglichkeiten, das perfekte Geschenk zum ersten Geburtstag der Zaunkönigin, welchen wir bald feiern dürfen. Ganz langsam ist sie entstanden (hier und hier ist sie bereits im Blog aufgetaucht), Schritt für Schritt hat sie ihre Gestalt, ihren Ausdruck und ihre Kleidung erhalten.

Innen und aussen ist Mimi ganz mit uns verwoben. Gefüllt ist sie nämlich ausschliesslich mit der Wolle unserer lieben, schönohrigen Karamba. Und für die Kleidung habe ich abgelegte Kleidungsstücke von mir zerschnitten und neu zusammengenäht. Das Jäckchen schliesslich ist aus einem Restknäuel Sockenwolle entstanden.

Um einen guten Tipp, wie die rund vorgestickten Augen sich nicht durchs Sticken unförmig zusammenziehen, bin ich sehr dankbar. Dieses Detail möchte ich bei einer nächsten Puppe (so es denn eine gibt) definitiv besser hinkriegen. Auch von der Entscheidung, die Puppe nicht ganz waldorf-schlicht, sondern mit Nasenlöchern und einem anders aufgebauten Mund auszustatten, bin ich nicht mehr restlos überzeugt.

Aber für dieses Mal ist es gut. Die Zaunkönigin und Mimi passen zu einander, das Mädchen beschenkt die Puppe mit dem gleichen Singsang, mit welchem sie auch die Katzen begrüsst. Ich habe es nämlich nicht geschafft, ganz im Geheimen zu arbeiten. Die Puppe bezog Quartier im Bücherregal, zuerst als gesicht- und haarloses, nacktes Geschöpf bis schliesslich als eingekleidetes Persönchen mit Schalk in den Augen (und hinter den Ohren). Eine zarte Freundschaft hat sich bereits angebahnt. Jetzt lasse ich die Puppe verschwinden, und dann, in rund einem Monat, wird sie feierlich ihrer Puppenmama übergeben.

Harte Fakten:
Die Anleitung ist von hier resp. hier und sehr zu empfehlen.
Puppenjersey stammt von hier. (Die Qualität der Website hat nichts mit der Qualität des Stoffes gemeinsam.)
Puppenmohair von hier.
Die Anleitung fürs Strickjäckchen „Little Kina“ gibt es hier und ist sehr einfach nachzustricken. (Es hat einen kleinen Fehler in der Anleitung, der aber so offensichtlich ist, dass er keine Probleme bereitet.)

Hühnerjäckchen

Das Hühnerjäckchen (benannt nach den süssen Knöpfen) wurde kaum getragen. Viel zu lange hat der Winter gedauert und zu schnell ist die Zaunkönigin gewachsen. Ob ich eine zweite, grössere Version in Angriff nehme? Die Anleitung war nämlich wirklich gut zu verstehen und somit schnell gestrickt. Und ich liebe das leichte, griffige Rowan-Garn „Revive“, welches auf den ersten Blick nicht den Baby-Flausch-Reflex bedient, sich aber ganz fein von kleinen Menschen tragen lässt.

Weil es gerade so schön zum Thema passt: Seit gestern brütet eine unserer Hennen. Wir lassen sie gewähren. Und schieben ihr täglich weitere Eier ihrer Kolleginnen unter.

Und jetzt: Frohe Ostertage!

verkatert-verstrickte Gedanken

Manche Strickprojekte erlauben keinen Aufschub. Für sie setze ich alle Hebel in Bewegung, dass ich einen übertrieben baldigen Abstecher in den Wollladen schaffe, um mich mit Material einzudecken. Dann stricke ich; unterwegs, zuhause, wenn das Kind im Tragtuch schläft, nachts,… Atemlos fast werden Fäden und Knöpfe ver- und angenäht. Und dann staune ich selbst über das Produkt, welches da, zaubergleich fast, Gestalt angenommen hat unter meinen Händen.

Dann gibt es die gemütlichen Projekte. Meistens sind es einfache, aber grössere Arbeiten, schlichte Decken zum Beispiel. Immer wieder kann man sich dransetzen, und auch nach einer längeren Pause gelingt ein Wiedereinstieg problemlos. Schon während der Entstehung stellt sich eine freundliche Vertrautheit mit dem Strickstück ein. Man kennt und schätzt sich.

Und dann gibt es Arbeiten, die eine erfahrene Strickerin vielleicht souverän einfach wieder aufribbeln würde. Weil einfach gar nichts passt. Aber soweit bin ich noch nicht, zu gross ist mein Anfängerinnenstolz immer noch über jede geschaffte Masche.

Dieses Jäckchen ist so ein Projekt, wo sich das Glücksgefühl einfach nicht einstellen möchte. Zum einen lag es lange brach, geplant und angeschlagen wurde es ursprünglich für den Frischling. Entsprechend verflogen ist die Starteuphorie. Aber jetzt habe ich es fertiggestellt. Immerhin. Es überzeugt mich dennoch nicht. Sein Sitz ist bereits äusserst knapp für die Zaunkönigin, was gerade bei einem Modell mit nur zwei Knöpfen ungünstig ist. Die Wolle ist angenehm weich, aber dieser Farbverlauf… Mein Geschmack hat sich verändert im letzten Jahr, wie es scheint. Die Umrandung dreht sich ständig unschön ein, auch fühlt sich die dafür verwendete Wolle kratzig an. Allein die halblangen Ärmel finde ich ganz praktisch.

Jedenfalls sind jetzt die Nadeln wieder frei. Yeah!

Der grössenwahnsinnige Kater wird übrigens nicht von der Zaunkönigin bedrängt, nein, es verhält sich genau umgekehrt. Glücklicherweise fürchtet sie sich nicht vor den aufdringlichen Liebesbekundungen.

Januarflocken

Die Tage sind lang und die Nächte auch (Nein, nicht die Kinder halten mich wach, sondern all die tausend Dinge, die tagsüber liegenbleiben). Dunkle Wolken, heftige Winde und strahlende Sonnenstunden geben sich die Klinke in die Hand. Wöchentlich, täglich, manchmal sogar im Stunden- oder Minutentakt.

Vieles ist im Entstehen begriffen, weniges wird geschafft.
Gut oder schlecht? Keine Ahnung. Es ist, wie es ist.

So entsteht ganz langsam (wirklich ganz langsam, angeschlagen wurden die Maschen einst für den Frischling, und ich hoffe,  Madame Zaunkönigin wird es jetzt dann noch tragen können) ein „Mossy Jacket“ (gestrickt mit Drops Big Delight).

Farbkopien aus aktuell beliebten Bilderbüchern werden gerahmt, um des Frischlings Welt auf seiner Augenhöhe zu verschönern.

Selbstgemachte und ganz und gar unbedenkliche Möbelpolitur kommt zum Einsatz.

Lesehunger wird befriedigt.

Und ein Herzensprojekt für die Zaunkönigin nimmt langsam Gestalt an.

gut behütet volle Kraft voraus

Die Weihnachtstage liegen schon wieder ewig weit zurück, so fühlt es sich jedenfalls an. Ganz präsent sind jedoch noch die Weihnachtsgeschenke.

Die kleine Glückskatze ist von mir in letzter Minute bestrickt worden. Die zauberhafte Aviatrix-Mütze von Just Jussi (Free-Download via Ravelry) hatte es mir schon vor langer Zeit angetan. Sie ist schnell und leicht gestrickt. Allein die gut sichtbaren „Wende-Maschen“ verlangen vielleicht eher nach einem etwas flauschigeren Garn, welches diese Technik etwas kaschiert. Mützen zu stricken finde ich eine wundervolle Geste. Behütet soll das Kind sein, gut geschützt vor allen stürmischen Zeiten und kalten Winden, welche das Leben so mit sich bringen kann. Mit jeder Masche habe ich die besten Wünsche eingestrickt. Und jetzt guckt die Kleine in die Welt wie eine behelmte Schildkröte.

Der Frischling spielt und spielt und spielt mit seiner neuen (alten) Eisenbahn. Das Geschenk ist kurz vor Weihnachten eingetrudelt. Der Frischling (und wir mit ihm) hat nämlich das Glück, von zwei Nachbarjungen im Schulalter alle nicht mehr benötigten Kleidungsstücke und Spielsachen „erben“ zu dürfen. Vom Dreirad über Bauklötze, Nachziehdackel, Puzzles,… bis zur kompletten Garderobe und Schuhen in jeder Grösse. Eigentlich hatten wir ein anderes Weihnachtsgeschenk für ihn vorgesehen. Aber da Lokomotiven sowieso das Thema Nr. 1 sind, haben wir der Briobahn den Vorzug gegeben. Rund ein Drittel des Materials, völlig ausreichend für den Zwerg, lag unter dem Weihnachtsbaum. Und seither ist er selig. Stundenlang lauscht er dem Jim-Knopf-Hörspiel und tuckert mit seinen Lokomotiven (Brio, Duplo, Wäschekorb, Sofalehne,…) durch die Gegend.