Blaubeertage

Die Weinbauern und ihre Helfer beginnen heute zu wimmen (Trauben lesen). Da auch an unsere Hausfassade drei Weinstöcke wachsen, lasse ich mich gerne von ihrem Tun anstecken. Ein grosser Korb Trauben wird sachte geköchelt, zu Saft gepresst und anschliessend unter tatkräftiger Mithilfe zu Gelée verarbeitet.

Und das Mädchen wird mit einer Weste beschenkt, welche in ebendiesen Herbsttönen leuchtet. Bora vom Blog „Kirschkernzeit“ strickte doch tatsächlich für mein Baby eine „In Threes“! Die Farbe ist perfekt für mein blauäugiges Mädchen. Sanft, aber nicht süss. Das Westchen ist warm und weich und genügend gross gestrickt, dass es uns noch lange erfreuen wird. Und das Modell ist einfach hinreissend. Boras Adaption mit der Häkelkante und die schönen Perlmuttknöpfe vervollkommnen das Ganze. Ach, ich bin so gerührt und glücklich.

Stolperstein: Geburtsvorbereitung II


Wie immer bei meinen in ganz loser Folge hingeschriebenen Stolpersteinen möchte ich betonen, dass ich andere persönliche Erlebnisse, Meinungen oder Standpunkte nicht abwerten oder kritisieren möchte. Erfahrungen sind unterschiedlich und führen zu unterschiedlichen Haltungen. Und meine eigene entspricht jeweils nur einem momentan aktuellen Gefühl oder einem Gedanken und ist selbst von Veränderungen nicht ausgeschlossen. Dogmen, Polemik, Fundamentalismus etc. liegen mir fern.

Mein letzter Stolperstein beschäftigte sich mit Geburtsvorbereitungen, wie sie mich vor der Geburt des Frischlings umtrieben. Sie betrafen vor allem meine Funktion als Frau und Mutter. Nicht nur der Frischling wurde geboren, auch ich als Mutter durfte und musste mich an diese neue Lebensaufgabe herantasten. Dieses grosse Neusortieren bleibt jetzt aus. Ich bin ja jetzt bereits Mutter.

Dieses Mal ist es das kleine Kind, welches im Zentrum meiner Gedanken zur Geburtsvorbereitung steht. Wie kann ich ihm helfen, geborgen und geschützt den Übergang in diese unsere Welt zu schaffen? Wie kann ich ihm unnötigen Schrecken ersparen? Wie schütze ich es vor der Gedankenlosigkeit unsinniger, aber routinierter Abläufe rund um Geburt und Wochenbett? Und was gehört überhaupt alles zur Geburt? Wenn von Geburt gesprochen wird, denken viele an die Stunden im Gebärzimmer. Aber ist das Ankommen in dieser Welt nicht ein viel längerer Prozess? Und wo heisst es deshalb auch in den Stunden, Tagen und Wochen nach dem „offiziellen“ Geburtsmoment, entsprechend achtsam zu sein?

Wiederum dank einiger Bücher taste ich mich vor in die „Planung“ von Geburt und Wochenbett. Dies ist fraglos eine Zeit, welcher ein grosser Zauber innewohnt.

Fréderick Leboyer beschreibt in seinem Buch „Geburt ohne Gewalt“ (erstmals erschienen 1974) eindrücklich, wie unaufmerksam, ja brutal mit Neugeborenen umgegangen wird/wurde. Ich hoffe doch sehr, dass das Buch ziemlich überholt ist. Trotzdem leistet es (für mich jedenfalls) den immer noch wichtigen Aufruf, das Neugeborene als in seinem Fühlen und mit seinen Sinnen kompetentes, „fertiges“ Wesen zu behandeln. Die oben formulierten Fragen resultieren aus diesem Ansatz.

Ein weiteres seiner Bücher, „Das Fest der Geburt“, ist ganz anders gestaltet. Es entführt mit poetischen, bisweilen auch sehr amüsanten und einen dann und wann tief berührenden Texten in das Mysterium der Geburt. Leitfaden für die Texte sind Werke aus der bildenden Kunst, vorwiegend Mariendarstellungen (Verkündigung, Anbetung des Kindes, Maria mit Kind,…) aber auch grossartige Werke von Hokusai und anderen japanischen Künstlern, welche Meister waren in der Darstellung der Kraft des Wassers (ein Bild, welches Leboyer oft verwendet, um den Geburtsprozess zu verbildlichen). Ein wunderbares, inspirierendes, bildgewaltiges Buch, welches neue Bezüge schafft und in meinem Falle zwei meiner momentanen Lebenslinien miteinander verknüpft.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier „Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann, gehört das Buch doch zu den grossen Standardwerken rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Tatsächlich habe ich es aber erst jetzt gelesen. Vieles ist mir nicht neu, wurde und werde ich doch ebenfalls von einer phantastischen Hebamme begleitet. Zudem finde ich die ständige Bewerbung der eigenen Produkte im Buch äusserst penetrant. Aber Stadelmann schafft es, dass man beginnt, selbst kleinsten Dingen Aufmerksamkeit zu schenken. So bewerte ich beispielsweise jetzt das Tragen eines Käppchens bei Neugeborenen ganz neu. Oder die Farbe einer Babydecke.

Obwohl man meinem Haushalt noch nicht ansieht, dass in wenigen Wochen hier wohl ein Neugeborenes leben wird, bereite ich mich intensiv auf das Kleine vor. Am besten gelingt mir dies beim Stricken. Jeder Zentimeter des Fadens wandert durch meine Finger (und er wandert langsam!), und meine Gedanken sind währenddessen beim kleinen Kind.

Für alle Interessierten: Einmal mehr ist es eine Pebble-Weste geworden (wie schon hier und hier), gestrickt nach der wunderbar ins Deutsche übersetzten Anleitung von Bora (einmal mehr ein riesiges Danke!). Verstrickt wurde 100% Biobaumwolle von Lana Grossa: Linea Pura, Organico Print.

Verästeln

Der erste Ferientag.
Grosse Pläne, lange Listen.
Und dann einfach nichts gemacht.
Auf jeden Fall keine Listenpunkte in Angriff genommen.

Dafür:

– Alleine mit dem Hund spaziert. Ein seltenes Glück für uns.
– Mit Kind und Hund draussen rumgetrödelt.
– Des Frischlings Welt um Löwenzahn, Bienen und Hummeln erweitert.
– Den Frischling alle Bagger und Traktoren und Traktörchen des Nachbarn besteigen und bewundern lassen.
– Dem Mirabellenbaum beim Blühen zugeschaut.
– Eine brütende Henne entdeckt und, als ebenfalls „brütendes“ Wesen, Mitgefühl gezeigt (Sie darf!).
– Gestrickt und Fäden vernäht.
– Der Melancholie gefrönt mit schönsten Klängen.
– Mich an meiner winzigen, hochkarätigen Leserschaft erfreut.

Was für ein Glück, dies alles.

Anwärmen

Schon lange hielt ich Ausschau nach einer Puppe für den Frischling. Er ist zwar kein Puppen- und Stofftier-Kind, seine Präferenzen liegen mehr bei Gebrauchsgegenständen wie Hammer und Lippenstift. Ich möchte aber eine Puppe im Haus haben, welche all die kleinen Dinge „ausprobieren“ darf, die bald schon hervorgeräumt werden: das Tragtuch, den Autositz, die winzigen Kleidchen und Windeln und anderes mehr. Damit der Frischling mindestens eine vage Vorstellung davon kriegt, was mit „Baby“ gemeint sein könnte. Und damit er ebenfalls etwas zu versorgen hat, wenn es dann soweit ist und ich mit dem kleinen Kind beschäftigt sein werde. Falls er das dann überhaupt möchte.
Deshalb sollte die Puppe ein Baby sein, kein Puppenkind wie der Junge, den ich einst für den Frischling gefunden und fertiggestellt hatte. Aber diese erhältlichen „Newborn“-Plastikdinger sind riesig und ziemlich unhandlich für einen Zweijährigen. Und man kann sie so schlecht herzen. Sie sind hart und kalt.
Schliesslich habe ich diese Puppe gefunden. Joyk-Empathiepuppen werden in Ergotherapie, Logopädie und in der Demenzpflege eingesetzt (Ich habe keine Page der Marke selbst gefunden, nur Onlineshops, von welchen ich hier keinem den Vortritt geben will. Mit Hilfe einer Suchmaschine werdet ihr bei Interesse aber sicher fündig.). Auch scheint sich die Baby-Variante für zahlreiche Ausbildungslehrgänge zu eignen, wo man aufs Üben mit „echten falschen Babys“ angewiesen ist, z.B. Shiatsu u.ä. Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher „Kinder“, die Baby-Version ist als Knaben- und Mädchenvariante erhältlich. Die Grösse des Babys entspricht einem echten Baby, auch muss beispielsweise das Köpfchen gestützt werden. Der Mund ist so gestaltet, dass man einen Finger oder Schnuller hineinstecken kann. Trotz der offensichtlichen Reduktion wirkt die Puppe deshalb sehr lebendig.
Die gelieferte Puppe war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, zumal sie anders aussieht als das Ansichtsexemplar in den Onlineshops. Sie hat etwas gnomhaftes, ist ein kleiner, knubbliger Troll. Da sie aber durchaus nett in die Welt schaut und als Probeträger für mein Gestrick herhalten muss, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich sie dann und wann aus ihrer Schachtel hole (es ist noch etwas zu früh, sie dem Frischling anzuvertrauen). Wenn ich diese Puppe dann wie ein Neugeborenes an die Schulter nehme oder im Arm trage, anders kann man sie kaum halten, erinnern sich meine Hände an die erste Zeit mit dem Frischling. Und ich spüre, wie sehr ich mich freue auf das richtige, lebendige kleine Kind.
Verstrickt habe ich die Drops-Wolle „Baby Alpaca Silk“ (70% Alpaca, 30%Seide), eine ganz wunderbar zarte Wolle. Das Jäckchen ist ein „Sunnyside Baby Sweater“ von hier. Es ist wirklich erstaunlich einfach zu stricken und lässt mich Strickbanause einen scheuen Blick in die goldenen Hallen der altehrwürdigen Strickerinnen werfen. Die Kappe „Quynn“ kommt von hier (Danke liebe Ulma für den Tipp!). Auch sie strickt sich fast von selbst. Wer jetzt übrigens meint, nur weil ich die Jungen-Variante gestrickt habe, kriege der Frischling einen kleinen Bruder, liegt übrigens zu 50% falsch. Wir wissen nicht, ob ein Junge oder ein Mädchen da seine Kapriolen macht in meinem Bauch.

stille Vorfreude

Es sind unspektakuläre Tage. Und doch geschieht so viel. Die Wunder zeigen sich im Kleinen.

Der Frühling knallt einem seine ganze Pracht noch nicht um die Ohren, aber er schleicht sich leise heran. Der Weidezaun trägt Kätzchen und der frischgepflanzte Kornelkirschbaum blüht. Meine grösste Freude sind jedoch die zarten Blättchen am Holunderbaum. Ich wusste nicht, ob er meine brachiale Umsiedlung überlebt hatte. Vor einiger Zeit grub ich ihn nämlich in unserem Waldstück an steilster Hanglage bei nassfeuchtem Wetter aus, während der Frischling im Kinderwagen schlief. Entsprechend winzig war der Wurzelballen, mein grobes Gezerre am Baum und nur mässiges Gegrabe liess viele Wurzeln abbrechen. Und jetzt spriessen überall diese kleinen Blättchen. Ein tapferes, zähes, braves Bäumchen.

Die Hennen legen Ei um Ei. Täglich von neuem diese warmen Handschmeichler aus dem Stroh zu bergen erfüllt mit Bewunderung und Dankbarkeit. Eier als Symbol für Fruchtbarkeit. Was ich schon immer gewusst habe, verstehe ich jetzt auch mit dem Herzen.

Der Frischling spielt und tanzt und werkelt und palavert und zeichnet. Er zeichnet überall. Auf Papier, auf die schöne alte Holztruhe, auf die gläserne Türe der Duschkabine. Fast immer freut es mich sehr. Sein Wachsen und Lernen ist wunderbar anzuschauen.

Ein ziemlich spontan gekauftes Baumwollgarn zeigt mit jeder gestrickten Reihe mehr von seiner Schönheit. Jede Masche hilft mir, in meinem Alltag meine Aufmerksamkeit auf das kleine Menschenkind zu richten und ihm liebevolle Gedanken zukommen zu lassen. Wie der schüchterne Frühling wirkt seine Gegenwart nämlich trotz aller Vorboten noch etwas fern. Man wagt kaum, daran zu glauben. Doch schon ganz bald wird es (hoffentlich) mit uns leben und wir können uns dann nicht mehr vorstellen, wie wir es ohne seine Gegenwart aushalten konnten.

Stille, heimliche, versteckte Wunder. Die aber alle doch schon ihre Boten vorausschicken und Zeichen setzen in diesen Tagen.

Reggae im Blut, im Ohr und auf dem Kopf

Diese Mütze, gestrickt nach Frau Kirschkernzeits wunderbarer Anleitung (bereits einmal für den Frischling in XXL gestrickt, hier), ist ein Geschenk für das Babykind befreundeter Eltern. Erst gerade eben noch (naja, 2008) hat genannter Vater mit Reggae-Rhythmen (s)ein Lebensgefühl beschrieben. Es ist so gut wie gewiss, dass auch Klein-J. den Offbeat im Blut hat. Jah!

Bob Marley war übrigens mehr als einmal die einzige Möglichkeit, den Frischling beim anfangs offensichtlich verhassten Autofahren beruhigen zu können. Danke, Bobby, das werd‘ ich dir nie vergessen!

(Weil das Käppchen für den Frischling bereits etwas knapp ist, trägt er es, mit der Attitüde eines Fotomodells, ganz lässig mit offenem Bindeband. Die grüne Mähne ist eine freie Erweiterung der Anleitung meinerseits, irgendwie musste ich ja die dritte Farbe noch ins Spiel bringen. Zuerst habe ich es mit einem Bommel-Plämpel-Bömpel-Pompon an der Spitze der Mütze versucht, dieser wurde aber viel zu gross und schwer. Er zog die Mütze nach hinten und das Ganze sah richtig doof und unbequem aus. Die Mähne hingegen wird den Träger nicht stören.)

mein Wochenende

Spuren setzen: Der Frischling entdeckt nach Kritzeleien und Spiralen die Zickzacklinie.
Theaterpremiere: Der Gefährte wird beschenkt und ich freue mich mit.
Verstrickungen: Ein kleines Supplement zum Jäckchen nimmt seinen Anfang.
Gaumenfreuden: Ulma sei Dank.

Und die Nase läuft und der Husten rasselt. Aber ob all dem Schönen lässt sich das aushalten.

kleine Neuigkeiten – neue Kleinigkeiten

Es mäandert in mir. Ideen gären, wechseln die Richtung, bilden Furchen, verlassen das Bett aber bald darauf wieder. Das ist nicht neu. Konkrete Aufgaben helfen, das innere und äussere Chaos einigermassen im Überblick zu behalten.

Da war mir mein Strickprojekt immer ein guter Anker, das erste grössere dieser Art und erstmals für mich selbst gedacht. Mein Schultertuch aus wunderbarer Drops-Wolle. Aber ich habs vermasselt: Statt ruhig und gelassen Reihe für Reihe zu stricken, habe ich meine Rolls-Royce-Rundstricknadel aus Rosenholz mit einem Garn ersetzt, um mir das schöne Stück mal um die Schultern zu schlingen und zu schauen, ob wohl schon ein Ende der Strickerei in Sicht sei. So weit, so gut. Nur hätte ich anschliessend die Nadel nicht verlieren-verhühnern-verlegen-vernuschen dürfen. Nadel im Heuhaufen! Seit mehreren Wochen zerbreche ich mir den Kopf und suche immer wieder an allen möglichen und unmöglichen Orten…

Ein neues Projektchen musste also her. Und weil kleine Neuigkeiten gerne mit neuen Kleinigkeiten begrüsst werden, wagte ich mich an ein Jäckchen mit einer für meine Verhältnisse hochkomplizierten Anleitung. Mein erstes Strickerlebnis für den Frischling vor einem Jahr lässt mich heute noch lachen, wie sehr hat sich mein Anspruch im Verlauf des letzten Jahres doch verändert. Aus zartem grauen Alpaka-Seide-Gemisch soll jetzt langsam ein Jäckchen entstehen, welches mit seinem angedeuteten Zopfmuster all meine bisherigen Bemühungen in den Schatten stellt. Und mit jeder Reihe staune ich selbst mehr und mehr: Ganz selbstverständlich wächst in meinen Händen Abend für Abend das Kleidungsstück, während sich dann und wann das zukünftige Jäckchenträgerkind mit noch einigermassen zarten Tritten bemerkbar macht.

Sonnwendlig

Ausgewählt und per Handschlag besiegelt

Lichtfänger beblinzelt
Wintervorbereitungen getroffen
Das Geheimnis des Feuermachens weitergegeben
In weiche Wolle gegriffen
Das Schultertuch wachsen lassen
Vermicelles genossen
Das Tagwerk bestaunt
Viel gespielt
Vieles geerntet
Den Rücken gebeugt
Auf das Kommende gefreut
Von oben nach unten und von links nach rechts die Impressionen des Wochenendes.
Habt es fein.

Schlotterhose

Graubraune Tage liegen hinter mir. Unscheinbare, schöne Tage. Es sind die Farben dieses (zugegebenermassen späten) Vorfrühlings. Schwere braune Erde, Laub und Steine. Bärlauchteppiche, Schafmomente und hier und dort Farbtupfer in Form von Schlotterhose und Bettseicherli. Wieviel klangvoller sind doch diese alten Dialektnamen als die gängigen Bezeichnungen Lungenkraut und Buschwindröschen.

Auch die zweite Pebble-Weste, welche diese Tage fertig geworden ist, zeigt sich in genau dieser Tonalität. Ein zartes Graubraun mit ganz feinen Einsprengseln in lila, blau, grün.
(Rowan revive, 35% Seide, 36% BW, 28% Viskose, alles recycled, Farbe: Basalt 00462)