warme Maschen

Der Frischling hat das Glück, neben seinen sechs Grosseltern (Patchworkfamilie sei Dank) auch noch zwei Urgrossmütter erleben zu dürfen. Zufälligerweise haben ihm diese zur Geburt beide eine jeweils selbstgestrickte Decke geschenkt, welche ich hier zeigen möchte.

Urgrossmutter B. zählt ungefähr 75 Jahre. Sie ist die Grossmutter des Gefährten, und Stricken ist ihre grosse Passion. Entsprechend kunstvoll ist das Muster der Decke gefertigt. Akkurat und perfekt bis ins Detail gearbeitet, voller Liebe und Geduld zu Material und Handwerk strahlt die einfarbig gehaltene Decke Noblesse und vornehme Zurückhaltung aus.

Urgrossmutter M., meine Grossmutter, ist 90 Jahre alt. Diese Zeiten von textilen Grossprojekten sind vorbei, Kraft und Konzentration für grössere Projekte fehlen. Die gestrickten Quadrate weisen dann und wann kleine Unregelmässigkeiten, ja sogar Fehler auf. Die Decke leuchtet in fröhlichen Farben und wirkt mit ihren Unzulänglichkeiten unglaublich ungezwungen und charmant.

So verschieden die Decken sind, so sehr liebe ich sie. Beide entsprechen genau ihren Schöpferinnen und verkörpern die Liebe dieser beiden lebenserfahrenen Frauen, die sie dem kleinen Menschlein zukommen lassen.

Und sowieso sind doch Decken perfekte Geburtsgeschenke von Gross- oder Urgrossmüttern. Sie repräsentieren den Schutz, die Wärme und Geborgenheit, die ich mit der Familie, der Sippe assoziiere. Es dünkt mich, es kann einem (fast) nichts mehr geschehen, wenn man mit zwei so famosen „Schutzschilden“ ausgestattet ist.

Linie wird Fläche

Ich platze fast vor Stolz! Habe ich doch zum ersten Mal in meinem Leben eine englische Strickanleitung ins Deutsche übersetzt, die Maschenzahl auf die entsprechende Grösse für meinen schon etwas älteren kleinen Menschen hochgerechnet, neue Maschen stricken gelernt, Knöpfe angenäht und das Ganze auch noch in passabler Frist zu Ende gebracht.

Die Anleitung der „Pebble-Weste“ ist von hier, motiviert haben mich die Vorstrickerinnen von kirschkernzeit und mme ulma mit ihren wundervollen Beschreibungen und Bildern. Danke Euch beiden! 
Verstrickt habe ich „Rowan felted tweed“, Nadelstärke 3.5, statt der empfohlenen 80 habe ich 124 Maschen angeschlagen. Der Frischling ist jetzt 10 Monate alt, und wie geplant kann er so sogar noch etwas in das Schlüttchen reinwachsen. Perfekt!

Geschafft!

Da habe ich es doch tatsächlich geschafft, einen kleinen Pullover zu stricken! Mein erstes (einigermassen) gelungenes Strickprojekt! Andern scheinen ja die Strickwaren nur so von den Nadeln zu hüpfen, ich jedoch musste mir sogar das Vernähen der Fäden erklären lassen. Meine Helpline Nr.1 via youtube: elizza13, sie ist quasi mein Personaltrainer. Der Link führt direkt zur Anleitung.


Der Pullover ist ein kleines Irgendwas, zu kurz, mit viel zu langen Ärmeln und zu weitem Ausschnitt. Aber meine Freude ist grenzenlos, der Funke entzündet. Wie weiter? Ein zweiter, besser bemessener Pullover? Oder eine hübsche kleine Weste?

Ich bin mir noch nicht ganz klar darüber, ob ich dieses erste Resultat so stehen lasse, um mich immer wieder an seiner Unzulänglichkeit zu erheitern, oder ob ich eine Optimierung wagen soll, indem ich mutig versuche, am Kragen einen weiteren Rollsaum anzubringen.