Sonnwendlig

Ausgewählt und per Handschlag besiegelt

Lichtfänger beblinzelt
Wintervorbereitungen getroffen
Das Geheimnis des Feuermachens weitergegeben
In weiche Wolle gegriffen
Das Schultertuch wachsen lassen
Vermicelles genossen
Das Tagwerk bestaunt
Viel gespielt
Vieles geerntet
Den Rücken gebeugt
Auf das Kommende gefreut
Von oben nach unten und von links nach rechts die Impressionen des Wochenendes.
Habt es fein.

Frischer Fisch

05:55
Was einem so alles entgeht, wenn man daheim im Bett liegt… Ich geniesse jede Minute in vollen Zügen, derweil sich der Herr Papa der Ausrüstung zuwendet, der Gefährte wie ich an seinem Gerätchen herumfummelt und der Frischling noch ganz zufrieden in seinem Wagen sitzt und von alledem nicht viel versteht.

06:07
Ein zauberhafter Sonnenaufgang belohnt das frühe Aufstehen.

06:08
Petri Heil. Kindheitserinnerungen werden wach. Es ist wieder wie früher. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die damals empfundene Langeweile genüsslicher Ruhe gewichen ist.

07:17
Kleiner Fisch bestaunt kleinen Fisch.

08:31
Die Sonne steigt schnell höher und der angenehm kühle Morgen weicht einem weiteren heissen Sommertag. Gegen 09:30 verlassen wir den Steg.

12:09
Schuppen, ausnehmen und ggf. filetieren. Fasziniert lasse ich mich in diese Verarbeitungsschritte einführen. Eine sinnliche Wahrnehmungsexplosion; die Textur der Körper, das Geräusch des Messers auf den Schuppen, der charakteristische Geruch.

12:12
Die Tiere sind unglaublich schön. Ich bin sehr angetan.

12:56
Köstlich!

14:00
Satt, müde und glücklich gebe ich mich dem matten Dämmerzustand des heissen Sommernachmittages hin. Wenn ich zu andern Zeiten über Flow, Entschleunigung und Achtsamkeit nachdenke – heute habe ich dies alles und noch mehr erlebt.

Schafe und Stroh

Nachdem ich gestern früh am Morgen die beiden Grabser-Böcke aufgestallt, ihnen Stricke um den Hals gelegt und sie in den Transporter geführt hatte, übernahm der Gefährte den letzten Teil ihres Weges. Mein Herz blutete. Es ist Zeit, dass die Auen einziehen bei uns.

Den ausgeliehenen Transporter nutzend, brachte der Gefährte auf dem Heimweg gleich noch einige Strohballen mit. Wir hielten uns wohl für besonders schlau, als wir das Auto samt Anhänger vorsichtig rückwärts bis vor den Stall rollen liessen. Das Gefälle erschien uns nicht gross genug, dass das Auto damit Probleme haben würde. Weit gefehlt. Das Stroh war rasch ausgeladen, nur leider war es unmöglich, das Auto im morgenfeuchten Gras die wenigen Meter bis auf den Hofplatz wieder hochzufahren. Pröbeln, fluchen, lachen,… nichts half. Schliesslich koppelten wir den Anhänger ab. Fingerspitzengefühl durch den Gefährten auf dem Fahrersitz und rohe Gewalt in anschiebender Position von mir schafften den Wagen endlich wieder auf festen Untergrund. Einigermassen naiv versuchten wir anschliessend, den kleinen Anhänger mit reiner Muskelkraft zu bewegen. Es blieb beim Versuch. Zu guter Letzt gelang es uns mit 4m zusammengeknüpften Spanngurten, welche wir an der Anhängerkupplung des Wagens befestigten, den Anhänger ebenfalls hochzuziehen.

Die Aktion hatte uns mehr Zeit, Kraft und Nerven gekostet, als es das Heruntertragen der Strohballen getan hätte. Ausser Atem, ein bisschen beschämt über die depperte Idee und stolz, dass wir es ohne die Hilfe eines benachbarten Bauern mit Traktor geschafft hatten, fühlten wir uns jedenfalls als unschlagbares Team. Ein gutes Gefühl, um unseren zweiten Hochzeitstag zu begehen.

Realität schlägt Idylle

Gestern noch habe ich vom jungen Hausrotschwänzchen berichtet. Heute Abend finde ich es tot wenige Meter neben dem Nest.

Auch die Eidechsen und Grillen werden gemeuchelt von den beiden Katzen, dass es ein Graus ist. Dass der Kater mit seinem Blinzeln Regenbogen fabriziert, ist zwar magisch, vermag aber nicht über seine Raubtiernatur hinwegzutäuschen.

Letzthin fängt die Katze eine junge Wühlmaus. Im Gras lässt sie das verletzte Tierchen liegen. Der Hund trägt es auf die Strasse. Kaum davon abgelassen, landet eine Krähe, hackt die Maus tot und fliegt mit ihr davon. So geht das. Todesstafette.

Heute hier, morgen fort.

Heimlich

Für heute noch einmal ein älteres Bild. Ich mag sie sehr, die Wildtiere am Haus.

Heute beobachtete ich das Hausrotschwanz-Pärchen mit ihrem Jungen, entdeckte eine Eidechse und einen winzigen Molch im Gras und hörte die Grillen zirpen.

Endlich ist er da, der Frühling, der schon fast nach Sommer riecht.

Zwiesprache

Vor zwei Jahren im Mai erblickte ich morgens um 04:43 Uhr aus dem Küchenfenster auf der Wiese ein Reh. Ich zückte die Kamera, denn ich hatte mir vorgenommen, alle Wildtiere fotografisch festzuhalten, welche sich am Haus zeigten. Erst beim Sichten der Bilder am Computer bemerkte ich den Fuchs auf der Strasse. Was sich die beiden heimlichen Nachbarn wohl zu sagen hatten?

Meine Tage sind rappelvoll. Die bezahlte Arbeit wächst mir über den Kopf, beglückt mich aber auch sehr. Der Frischling dreht seine Runden, plappert und werkelt und nimmt mich ganz für sich ein. So vieles will geschaffen, gedacht, gelesen, gepflanzt, gehört, gesprochen, gefeiert werden. Gut und schön und sehr anstrengend ist es, mein Leben.

Schlotterhose

Graubraune Tage liegen hinter mir. Unscheinbare, schöne Tage. Es sind die Farben dieses (zugegebenermassen späten) Vorfrühlings. Schwere braune Erde, Laub und Steine. Bärlauchteppiche, Schafmomente und hier und dort Farbtupfer in Form von Schlotterhose und Bettseicherli. Wieviel klangvoller sind doch diese alten Dialektnamen als die gängigen Bezeichnungen Lungenkraut und Buschwindröschen.

Auch die zweite Pebble-Weste, welche diese Tage fertig geworden ist, zeigt sich in genau dieser Tonalität. Ein zartes Graubraun mit ganz feinen Einsprengseln in lila, blau, grün.
(Rowan revive, 35% Seide, 36% BW, 28% Viskose, alles recycled, Farbe: Basalt 00462)

Die Neuen sind da

Frau Krähe begrüsst die neuen Hofbewohner.

Es handelt sich zum einen um Grabser-Schaf-Zwillinge (Fleischrasse) und zum anderen um zwei besondere hübsche Tiere, welche mit ihren Hängeohren und den spitzen Gesichtern unschwer ihre Engadiner-Mütter erkennen lassen. Dass diese Rasse als besonders zutraulich gilt, zeigt sich sofort. Die beiden Lämmer sind zwar noch nicht zahm, aber doch sehr gelassen. So bleiben sie beispielsweise auch wiederkäuend liegen, wenn ich mit Hund und Kinderwagen vorbeispaziere. Für den täglichen Umgang ist dies sehr schön, das Schlachten wird aber dafür umso schwieriger sein.

Unsere zukünftige kleine Herde weiblicher Tiere wird aus Engadinerschafen (mehr zu dieser Rasse hier und hier) bestehen. Doch diese werden frühestens im Herbst bei uns einziehen. Jetzt dürfen erst einmal die vier Böckchen den Lenz begrüssen.

Hasengruss

Sie hoppeln durch das Blog-Universum und haben auch hier kurz vorbeigeschaut.

Sag schnell, mein lieber Osterhase
liegt da Schnee auf deiner Nase?
Sind das weisse weiche Flocken,
welche zwischen Zehen hocken?
Du willst doch lieber Gräser mümmeln
als durch Winterreime dich zu schümmeln.

Hoppla, so weit ist es nun also gekommen mit mir…
Ich brauche eine Frühlingskur! Licht! Wärme! Sofort!