zu fünft

Das kleinste Krähenkind ist gut gelandet in unserer Familie. Trotz drittem Kind fühle ich mich aber nicht als „alter Hase“, was mein Muttersein anbelangt. Natürlich, ich bin gelassener geworden, vieles läuft routinierter ab. Dennoch ist der kleine Junge, man merkt es schon jetzt, noch einmal ein ganz unvergleichlich anderes Kind als seine Geschwister. Mit eigenen Vorlieben, eigenen Rhythmen, einer eigenen Temperaments- und Gefühlslage. Und all das gilt es kennenzulernen. Neugierig und vorurteilsfrei ohne ständigen „Vergleichsblick“ zu den älteren Geschwistern.

Bereits ist das Kind drei Wochen alt, und die frühe Wochenbettzeit ist damit definitiv abgeschlossen. Die grösste Herausforderung sind aber weder das kleinste Kind noch meine eigene Regeneration, sondern die grossen Geschwisterkinder. Gewiss spielt das Neusortieren des Familiengefüges eine Rolle, das ist ganz normal und braucht Zeit. Aber auch die einfache Tatsache, dass hier jetzt drei unterschiedlich alte Kinder leben (5 Jahre/knapp 3 Jahre/3 Wochen), welche keine Einrichtungen besuchen und sich weitgehendst alle ständig hier aufhalten, erweist sich als happige Aufgabe. Alle drei haben unterschiedliche Bedürfnisse. Da will gekuschelt und gekämpft, gebastelt, geschnippelt und erzählt werden. Es gilt Hunger zu stillen und in den Schlaf zu singen. Da wird gestritten und geweint, gebaut und zerstört. Wir halten uns im Haus auf und werkeln draussen herum, kriegen Besuch und werden eingeladen. Kurz: Es ist immer was los.

Ich bin reich beschenkt und fühle mich sehr gesegnet, habe eine unsägliche Freude an meinen wilden, lauten, grandiosen Kindern. Aber ich erkenne, dass ich in den kleinen Zeitfenstern, welche mir das kleinste Kind zwischen Still-, Trage- und Pflegepausen lässt, für die beiden Grossen zu Verfügung stehen möchte. Oder mir selbst und dem Gefährten Aufmerksamkeit schenken will. Oder auch dem Haushalt. Tatsächlich.

Das Blogschreiben wird deshalb ganz bewusst gestrichen für die nächste Zeit. Denn nichts stresst mehr als die leise Stimme im Hinterkopf, welche ständig von liegengebliebenen Aufgaben flüstert, während man eh schon nicht mehr weiss wohin mit sich.

Aber natürlich gilt nach wie vor: Instagram geht immer.

Habt es fein. Bis bald. Ich komme wieder, keine Frage!

Ich muss mich beschweren

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Letzthin habe ich ein Buch gekauft*. Es hat mich in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht:

Punkt 1: Das Buch sieht auf den ersten Blick ziemlich umfangreich aus. Es scheint also wirklich ein ganz normales Buch zu sein. Keine Broschüre. Kein Prospektchen. Die Schrift ist auch nicht grösser als in anderen Büchern. Dennoch hatte ich es nach zwei Tagen ausgelesen. Bis heute ist mir schleierhaft, wie das geschehen konnte.

Punkt 2: Man darf sich nicht täuschen lassen von der hübschen, harmlosen Aufmachung des Buches und seinem freundlichen, ebenso harmlosen Inhalt. Zwischen den Deckeln verbirgt sich eine Revolution. Ihr Ausmass erschliesst sich erst nach Tagen und Wochen, was sie besonders unberechenbar macht.

Punkt 3: Ich weine nicht gerne in der Öffentlichkeit. Dennoch hat dieses Buch genau das geschehen lassen. Ich habe geheult im Zug, auf dem Bahnsteig und auf der Parkbank. Vor Rührung. Vor Erkenntnis. Vor Lachen. Überwältigt von der Schlichtheit der Ideen.

Punkt 4: Dieses Buch beschreibt mein Lebensgefühl. Ich kann darin über mein eigenes Herumwursteln, meine eigenen Sorgen, meinen täglichen Stress lesen. Dafür muss ich doch nicht lesen, das kriege ich ja täglich frei Haus geliefert! Das Buch lässt dieses Chaos zudem auch noch in einem milden, gnädigen Licht strahlen. Wer Ratgeber liest, will doch knallharte Lösungsansätze. Neue Strategien. Komplett andere Welten (auch wenn sich diese erfahrungsgemäss kaum adaptieren lassen). Einen Anreiz, das Leben um 180° zu ändern und dem eigenen Schweinehund endlich den Hals umzudrehen. Das Buch liefert nichts davon. Schwach. Es ist eher wie eine weiche Kaschmirdecke, welche sich freundlich, warm und tröstend um die Schultern schmiegt und so Zuversicht und neuen Mut spendet. Als wäre das Leben ein Ponyhof. Und das kann doch nicht sein. Oder etwas doch? Aber das wäre ja noch schöner!

Punkt 5: Seit dieser Lektüre quillt mein Herz über vor Liebe für meine Kinder und unser Sein als Familie. Wie ich den ganzen Quatsch drumherum auf die Reihe kriegen soll, ist mir indes ein Rätsel. Wenn schon Ratgeber, dann aber bitte richtig! Inkl. „Wie schaffe ich es, endlich rechtzeitig zu Bett zu gehen?“ und „Was tun, wenn der Hund sich wieder mal nur von Katzenscheisse ernähren möchte?“ Schliesslich will ich gerettet werden. Komplett und ohne Wenn und Aber. Bitte auch ohne eigenes Nachdenken.

Punkt 6: Dieses Buch mit seinen Gedanken geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit der Lektüre leuchtet mein Nordstern richtig hell (soll gut sein für die Orientierung). Penetrant hell. Schmerzhaft hell. Zwischenzeitliches saloppes Südsteuern zu Bikiniatollen und seichten Gewässern ist kaum mehr möglich. Dabei wollte ich doch noch Eis essen gehen…

Punkt 7: Das Buch kann nicht sinnvoll verstaut werden: Es taugt nicht richtig als Erziehungsratgeber, dafür ist es zu frei geschrieben, zu persönlich. Es ist auch kein Roman, obwohl es zahlreiche Geschichten enthält. Als Stütze für den wackelnden Tisch ist es zu dick, als Blumenpresse zu dünn. Es ist zu schön für den Badewannenrand und aufgrund zahlreicher von mir selbst während des Lesens angebrachter Markierungen, Ausrufe-Post-it’s und hineingekritzelter Randbemerkungen dennoch nicht mehr zum Verschenken geeignet. Sowieso will ich es ständig griffbereit in der Nähe haben. Es wird also bis ans Ende meiner Tage ständig irgendwo im Weg herumliegen. Furchtbar.

Wer also noch Lesestoff sucht für die nächsten Wochen (oder Stunden, Siehe Punkt 1), der besorge sich doch „slow family, Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt. Beschwert Euch dann aber nicht bei mir, wenn Ihr plötzlich zwischen Eisbären und Seelöwen segelt. Oder Euch beim seligen Barfusslaufen durch den ersten Schnee ertappt. Oder den Schwimmunterricht Schwimmunterricht sein lasst und stattdessen mit Euren Kindern durch Nachbars Garten robbt. Oder mit Wölfen tanzt resp. – unseren Verhältnissen angepasst – mit Fliegen spricht. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

*Wie immer gibt es hier keine bezahlte Werbung. Der Text ist ohne das Wissen der Autorinnen oder des Verlages entstanden. Ich berichte, was ich möchte. Völlig frei und ohne persönlichen Vorteil oder irgendwelche Verpflichtung.

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Die letzten Wochen habe ich gespürt, wie verzahnt das Leben von Eltern ist. Der Gefährte befand sich in der Schlussphase der Planung seiner neuen Band. Und wie das so ist vor Premieren, legte er unglaublich lange, intensive Arbeitstage hin. Mehr noch, er war natürlich auch gedanklich und emotional total eingespannt für sein neues, grosses Projekt. Was für uns „Daheimgebliebene“ hiess: Er war faktisch abwesend.

Da der Gefährte ansonsten ein Vater ist, welcher sehr eng und engagiert mit seinen Kindern und mir zusammenlebt (und tatsächlich auch massenhaft Carearbeit übernimmt; hier bei der grossartigen dasnuf gibts mehr darüber zu lesen), bekam ich während einiger Wochen zu spüren, was für die meisten Mütter der ganz normale Familienalltag ist.

Um es kurz zu machen: Jetzt ist es vorbei, die Premiere ist geschafft, und wir sind alle froh, dass der Alltag wieder einkehrt. Und ich bin dankbar. Weil ich wieder eindrücklich vor Augen geführt bekommen habe, weshalb ich lebe, wie ich lebe. Dass es nichts für mich wäre, mehr oder weniger alleine für den Familienalltag verantwortlich zu sein. Wobei ich persönlich ja überzeugt bin, dass niemand für diese spezielle Form der Einsamkeit innerhalb der Kleinfamilie gemacht ist (hier noch einmal ein interessanter Text über die „Vereinbarkeitslüge“); Homo Sapiens ist schliesslich eine „kooperativ aufziehende Art“.

Weil ich so wahnsinnig stolz bin auf diesen neuen Streich des Gefährten, gibts hier für alle Interessierten den Zeitungsbericht zur grandiosen Premiere der „Cheibe Choge“ zu lesen.

Und weils so lustig ist, gibts noch dieses kleine Schmankerl obendrauf (Der Gefährte hat zufälligerweise am Radio zur besten Sendezeit an der Verlosung von Konzerttickets teilgenommen, ist durchgekommen und hat natürlich die Gelegenheit schamlos ausgenutzt und Werbung für seine Combo gemacht. Und nebenbei die absurdeste Liebeserklärung platziert, welche ich je erhalten habe. Doch hört selbst!):

Und ja, ihr habt richtig gehört! Im Krähenhorst wird gebrütet. Wir freuen uns sehr.

 

Von den Bäumen und dem Wald

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Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Da ist ein kleines Baby, ganz oder ziemlich frisch auf dieser Welt. Und da sind wir. Und egal ob Liebe oder biologisches Programm oder beides zusammen, wir wollen, dass es diesem Baby gut geht. Wir füttern es, wir halten es trocken und warm, wir unterhalten es, wir trösten es.

Doch schnell stellen sich Fragen und Unsicherheiten ein. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir dies oder jenes, was uns einfach logisch erscheint, nicht machen dürften. Wir hören von Gefahren und Spätfolgen unseres Umgangs mit dem Baby. Wir müssen versuchen, einen Überblick zu gewinnen über den riesigen Markt an Baby-Dingen. Brauchen wir das? Welches Produkt ist besser, X oder Y? Manchmal verstehen wir unser Baby nicht. Und manchmal nicht einmal mehr uns selbst. Spricht hier mein Bauchgefühl, meine „gesunde“ Intuition oder höre ich „nur“ die Stimmen meiner Eltern, also meine eigene Erziehungs-Prägung? Ist das ein verinnerlichtes Muster oder tief verwurzeltes Urwissen?

Oft finden wir Antworten, wenn wir facebook, Mütterforen, verwirrenede Ratgeberliteratur und Ratschläge von Freunden und Bekannten hinter uns lassen und uns allein auf unser Kind einlassen. Wenn wir Verbundenheit spüren, aufmerksam sind und uns viel Zeit zum Beobachten, Nachdenken und Nachspüren nehmen können.

Aber manchmal bleiben Fragen. Bleiben Unsicherheiten. Dann brauchen wir Menschen, die uns genau zuhören. Die unsere Situation verstehen, nicht darüber urteilen, ob wir etwas so oder anders machen. Die uns liebevoll unterstützen und uns dort inspirieren, wo es uns weiterhilft, ohne uns von Neuem zu verwirren und von unserem Weg abzubringen.

Manchmal kann dein Partner dieser Anker sein, manchmal findest du in einer Freundin den Engel der Stunde. Manchmal sind es deine Hebamme oder eine Kinderärztin, welche dir genau die richtigen Infos geben können, welche du brauchst. Und manchmal sind es eine kleine Gruppe von Menschen, wie sie in einem offenen Artgerecht-Treffen zusammenkommen, welche neue Energie in Form von Kraft und Vertrauen in dich und dein Kind in dir freisetzen. Damit du vor lauter Bäumen den Wald wieder sehen kannst. (Oder vor lauter Gräsern das Kind dahinter, Siehe Bild) Denn ich bleibe dabei: Eigentlich ist doch alles ganz einfach.

Schon bald, nämlich am 10. September 2016, hast du die Gelegenheit, in Weinfelden an einem offenen Artgerecht-Treffen teilzunehmen. Hier gehts zu den genaueren Infos. Gerne darfst du den Anlass auch weiterempfehlen, es hat noch freie Plätze. Herzlichen Dank.

Raus aus meinem Bett!

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Über die Pro und Kontra des Familienbetts gibt es auf einschlägigen Blogs viel zu lesen. Ich möchte deshalb nicht wiederholen, weshalb ich das Familienbett anderen Schlafarrangements bevorzuge, sondern nur auf einige lesenswerte Artikel verweisen:

Kathrin von nestling.org hat das Thema sehr ausführlich behandelt.
Bei Susanne von geborgen-wachsen.de finden sich ebenfalls fundierte Tipps, zudem gibt es wunderbare Inspirationen für kreative Schlaflösungen.

Wir kamen ungeplant zum Familienbett. Zwar stand nach Geburt des ersten Kindes noch ein Beistellbettchen neben unserem Bett, aber Stillen und Kuscheln verlangt nach Nähe, und so diente es eigentlich immer nur als luxuriöse Buchablage. Wie bei so vielen Familien hat es sich einfach ergeben, dass das Kind ganz selbstverständlich bei uns schlief und schläft. Dass sich dies Familienbett nennt, erfuhr ich erst viel später.

ein bisschen Statistik

Übrigens lassen viele Kinder ihren Eltern auch gar keine Wahl. Largo erwähnt in seinem Buch „Babyjahre“, dass rund 10-15% der Drei- bis Vierjährigen jede Nacht im Elternbett schläft und weitere beinahe 40% der Kinder dieser Altersgruppe noch mindestens einmal pro Woche am Morgen bei den Eltern aufwachen. Die Kinder sind auf nächtliche Nähe „programmiert“. Und das ist auch gut so, schliesslich war das über Jahrtausende ein wertvoller Garant fürs Überleben.

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Familienbett – und dann?

Tatsächlich habe ich auch keine Sorge, dass ich mein Kind verwöhnen oder seine Abhängigkeit verstärken würde, im Gegenteil. Dennoch verstehe ich Eltern, welche dem Familienbett skeptisch gegenüberstehen, weil sie befürchten, damit später Probleme zu kriegen, welche von vornherein vermeidbar wären. Ein süsses Baby im Arm hat ja was, mit ein oder zwei oder drei Kleinkindern das Bett zu teilen, ist dann aber doch was anderes. Wie geht es denn weiter nach dem Familienbett?
Erstaunlicherweise findet sich zum „Umzug ins Kinderzimmer“ wenig Konkretes im Netz. Deshalb stelle ich heute unser Schlafarrangement vor. Es gibt viele Wege nach Rom und zu einem guten Schlaf, unsere Variante ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten. Aber vielleicht ist sie genau die richtige Idee für dich. Oder sie bringt dich auf eine eigene, für dich noch passendere Idee.

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Schlafsituation im Krähenhorst

Denn wir haben in unserem Schlafsetting zwei Komponenten, welche für uns von grossem Wert sind, die mir aber in meinem Umfeld sonst noch nirgends begegnet sind:

Schlafzimmer und Spielzimmer getrennt

Unsere beiden Kinder haben nicht zwei eigene Zimmer, sondern es gibt bei uns ein „Kinder-Schlafzimmer“ und ein „Spiel- und Arbeitszimmer“. Diese Aufteilung ist vor allem deshalb entstanden, weil ich es für ein Kleinkind einfacher finde, abends in den „Ruhemodus“ zu kommen, wenn es nicht alle seine – gerade hochaktuellen – Spielverlockungen im Blickfeld hat. So können wir auch das Spielzimmer-Chaos problemlos über Tage „aufrecht erhalten“, ohne uns abends daran zu stören. Die Idee ist, dass später dort auch gebastelt und gewerkelt wird und auch Projekte der Erwachsenen (Nähmaschine etc.) sich ausbreiten dürfen. Miteinander spielen und arbeiten und Chaos verbreiten, perfekt!

Zum Schlafen finden die Kinder dennoch jederzeit eine ruhige, aufgeräumte, gemütliche Atmospähre im anderen Zimmer.

ein zweites Familienbett

Viel wichtiger ist jedoch die zweite Besonderheit: Auch im Kinderzimmer steht ein weiteres „Familienbett“: Unsere alte 140x200m-Matratze liegt auf schlichtesten Lattenrosten und zwecks Stabilität einzig von zusammengeschraubten Dachlatten „umrahmt“ auf dem Boden. Kinderbetten sucht man vergebens. Das Bett liegt schon immer dort und wurde lange Zeit nur zum Spielen und Toben verwendet, nachts blieb es meist leer. Als die Zaunkönigin mittags noch schlief, wollte sie sich aber bevorzugt zusammen mit mir dorthin legen, keine Ahnung wieso.

Ich finde es äusserst entspannend, dass ich mich überall bequem dazulegen kann, um die Kinder in den Schlaf zu begleiten. Das „eigene“ Bett ist für die Kinder dadurch tatsächlich dem „Elternbett“ gleichwertig. Wenn die Kinder im „Elternbett“ einschlafen und wir Grossen uns nicht dazulegen wollen, müssen wir nicht schlafende Kinder durch die Wohnung tragen, sondern können genauso komfortabel im „Kinderbett“ schlafen. (Hier macht auch wieder die Trennung von Spiel- und Schlafzimmer Sinn, ich habe nämlich tatsächlich ästhetische Ansprüche an meine Schlafumgebung und möchte nicht zwischen Legohelikoptern und Plastikdinos pennen.) Auch kann man durch ein „Floorbed“ gefährliche Stürze aus dem Bett verhindern, was bei kleinen Kindern durchaus ein nicht zu unterschätzendes Argument ist.

Wenn der Gefährte abends zuhause ist, begleite ich meist die Zaunkönigin in dem einen Bett stillend in den Schlaf, während sich der Gefährte und der Frischling vor dem Einschlafen im andern Bett noch Räubergeschichten erzählen. Wenn wir Erwachsenen dann später zu Bett gehen, tragen wir meistens, aber nicht immer, eines der Kinder zum anderen. So schläft die Zaunkönigin eigentlich nie alleine, der Frischling bisweilen schon, wenn ich sie gleich bei mir liegen lasse.

Wenn ich mit den Kindern alleine bin, liegen wir drei gemeinsam in einem Bett (manchmal im einen, manchmal im andern). Entweder schlafe ich dann gerade mit den Kindern ein und der Gefährte kann sich spät nachts, ohne uns aufzuwecken, im andern Bett ausbreiten. Oder ich stehe nochmals auf und hab dann, wenn ich zu Bett gehe, dieses so lange für mich allein, bis der Gefährte nach Hause kommt. Es gibt natürlich noch andere Kombinationen. Tatsächlich liegen spätestens am Morgen nicht selten alle wieder im gleichen Bett, was wir alle aber total geniessen. Unsere Kinder sind bei uns ausdrücklich willkommen, nicht nur geduldet. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich der Frischling nachts brummelnd über die Hitze und Enge beschwert und sich, ohne eine Antwort abzuwarten, alleine getrollt hat ins andere, leere Bett. Damals war er wohl ungefähr drei Jahre alt (von wegen, die bringt man nie mehr raus…).

Das Kinderbett könnt ihr also getrost von der langen Erstausstattungsliste streichen. (Wie das meiste andere übrigens auch, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Bed-Sharing bei Kleinkindern

Es ist für mich stimmig, dass die Kinder nicht getrennt in Kinderbetten liegen. Ich bin überzeugt, dass sie im Schlaf spüren, dass sie nicht alleine sind. Klar, manchmal kommen sie sich in die Quere, meist liegen sie aber friedlich nebeneinander. Studien weisen übrigens darauf hin, dass Kinder, welche gemeinsam im selben Bett schlafen, auch tagsüber weniger miteinander streiten und allgemein die bessere Geschwisterbeziehung aufbauen.

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Sicherheit

Aber egal, wie und wo ihr schläft, beachtet bitte immer die nötigen Sicherheitsaspekte (ihr findet sie beispielsweise ebenfalls in den Artikeln von Kathrin und Susanne, auf welche ich im ersten Abschnitt verlinkt habe). Im Familienbett, aber natürlich auch überall sonst! Das ist übrigens ein Punkt, der mich immer etwas stört, wenn es um Sicherheit im Familienbett geht. Es wird impliziert, dass man vieles beachten müsse, um Kinder sicher zu sich ins Bett nehmen zu dürfen. Dabei gelten die meisten Punkte natürlich auch für alle „Alleineschläfer“. Eigentlich noch viel mehr, da man dort eine kritische Situation, in welche das Baby nachts kommen könnte (z.B. gefährlich lange Atemaussetzer, Überhitzung oder Unterkühlung, Fieber bekommen, von einem Kissen oder Tier zugedeckt werden,…), sicherlich nicht bemerken würde, da man nicht bei ihm ist. Beachtet, egal ob im Familienbett oder anderswo, unbedingt die Empfehlungen und überprüft eure individuelle Schlafumgebung kritisch. Es versteht sich auch von selbst, dass man einen wehrlosen Säugling nicht zu einer wild strampelnden Vierjährigen ins Bett legt. Ihr kennt Euch und Eure Kinder, findet eine sichere Lösung für alle.

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Fazit

Guter Schlaf, gerade für Eltern und Kinder, hat einen unschätzbaren Wert. Es geht nicht um die Art des Einschlafens, um die Häufigkeit des Aufwachens oder die Wahl der Schlafplätze, auch wenn uns das oft suggeriert wird. Es ist alles ok, wenn wir morgens glücklich und ausgeruht aufwachen.

Es ist wichtig, dass alle Menschen einer Familie gut und gerne schlafen können. Ob im Familienbett oder auf verschiedene Matratzen oder gar Zimmer verteilt: Findet eure eigene Lösung. Aber getraut euch, auch unkonventionelle Ideen auszuprobieren. Die 08-15-Variante ist nicht immer die beste. Probiert aus und entdeckt schöne neue Möglichkeiten. Damit die Nächte und damit auch Schlaf, Dunkelheit und Ruhe für alle ein beliebter „Programmpunkt“ voller Erholung und Geborgenheit im Tagesablauf sein können.

Und bleibt offen. Bedürfnisse verändern sich immer wieder. Was heute stimmt, passt vielleicht schon morgen nicht mehr. Nur etwas nehmt nicht hin: Dass ein oder mehrere Menschen eurer Familie nachts unglücklich sind. Das darf einfach nicht sein.

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zu den Bildern

Gerne hätte ich euch die allerliebsten Fotos meiner Kinder gezeigt, wie sie nachts aneinander gekuschelt schlafen. Aber für mich übertrifft kaum etwas die Intimität schlafender Menschen, deshalb ist das Netz leider nicht der richtige Platz dafür.

Einen netten Ersatz habe ich dennoch gefunden. Kontaktliegen schätzen all unsere Tiere ebenfalls ganz besonders. Generell aber gilt: Kinder und Tiere zusammen bitte nicht beieinander liegen lassen! Das letzte Bild zeigt übrigens den Gefährten, wie er mit Bandscheibe darniederlag und die Tiere seine Hilflosigkeit gnadenlos ausnutzten und das Bett (und improvisierte Büro!) enterten. Tz tz tz…

10 Gründe, weshalb du einen Clan brauchst

Der Mensch – ein Rudeltier

Homo Sapiens ist nicht gerne alleine. Kinder schlafen bevorzugt im Elternbett, Jugendliche sind per Smartphone fast rund um die Uhr mit ihren Freunden in Kontakt und Erwachsene teilen sich Wohnungen und Büroräume. Soziale Kontakte prägen unser Dasein. Vom ersten Tag an.

Der Mensch hat während Jahrtausenden eng mit seinen Mitmenschen zusammengelebt. Jäger- und Sammlerkulturen lebten und leben in Gruppen. Die Gruppe schützt und stärkt das Individuum. Wer den Kontakt zu seiner Gruppe verliert, ist verloren. Unsere Kleinsten „wissen“ das genau. Sie setzen alles daran, mit ihren Bindungspersonen in Kontakt zu bleiben. Sich irgendwohin legen lassen? Alleine schlafen? Undenkbar! Viel zu gefährlich!

Die moderne Kleinfamilie ist eine neue Erfindung. Noch vor gar nicht langer Zeit haben gewöhnlich mindestens drei Generationen unter einem Dach gelebt (nicht nur in bäuerlichen Strukturen). Zudem wurde die „Kernfamilie“ ergänzt von Angestellten/Dienern/Knechten/Mägden und weiteren Verwandten, wie beispielsweise unverheirateten Frauen, Menschen mit geistig-kognitiven Beeinträchtigungen, Mündeln und anderen. Privatsphäre gab es kaum, Konflikte waren an der Tagesordnung.

Dennoch war und ist es gerade für Eltern in vielerlei Hinsicht von Vorteil, in eine grössere Gruppe eingebettet zu sein: Kinder müssen rund um die Uhr betreut werden. Kinder sind anstrengend. Gleichzeitig kann es auf intellektueller Ebene ätzend langweilig werden, Tag für Tag mit Kleinkindern alleine zu sein. Kinder torpedieren die Privatsphäre. Mal wieder alleine gemütlich auf dem Klo sitzen und in einem Büchlein blättern? Fehlanzeige! Alleine bist du dort selten, und wenn doch, so ist es sicher nicht gemütlich, weil du annehmen musst, dass dein Kleinkind währenddessen irgend etwas anstellt.

Wenn du mit Kindern zusammenlebst, brauchst du starke Nerven. Damit dir diese lange erhalten bleiben, benötigst du erholsame Nächte und auch tagsüber regelmässig kleine Pausen. Momente, die nur dir gehören und in welchen du durchatmen kannst. Du brauchst helfende Hände. Du brauchst manchmal auch nur jemanden, der dir sagt, dass das, was du gerade erlebst, wirklich anstrengend ist. Du brauchst jemanden, der dir sagt und zeigt, dass es auch bald wieder anders wird, das Leben. Du brauchst einen Clan.

Mütter zwischen Kindern, Haushalt und Beruf

Gerade hier in der Schweiz gibt es noch viele Frauen, welche sich mit Geburt ihrer Kinder weitgehend aus dem Berufsleben zurückziehen (nicht zuletzt, weil in der Schweiz die Betreuung der Kinder durch eine Kita sehr teuer ist). Sie verbringen dann während Jahren die meisten Stunden der Woche alleine zuhause mit ihren Kindern. Auch wenn diese Form der Arbeitsteilung bewusst gewählt wurde und viele Vorzüge beinhaltet, ist die Gefahr der Isolation für diese Frauen gross.

Nicht besser ergeht es Müttern, welche trotz Kindern zu einem grossen Teil oder voll berufstätig geblieben sind. Sie möchten die verbleibenden Stunden mit ihren Kindern in vollen Zügen geniessen und sind zögerlich, wenn es darum geht, die wertvolle freie Zeit, welche sie mit ihren Kinder verbringen, mit Spielverabredungen und anderen Terminen zu besetzen. Auch sind durch die Berufstätigkeit weniger Stunden für Haushalt und soziale Verpflichtungen vorhanden. Sich mit anderen Müttern zu verabreden ist eine logistische Herausforderung und scheitert letztlich oft am Gefühl, gar keine Zeit für so einen „verplemperten Nachmittag“ zu haben. So sind auch Frauen, welche zwar beruflich gut vernetzt sind, als Mütter meist mit ihren Kindern und dem Haushalt alleine und entsprechend isoliert.

Die Kinder selbst sind durch Kindergarten und Schule meist gut vernetzt. Sie besuchen einander gegenseitig. Dies allein ist aber noch kein Clanleben. Die kleineren Kinder und die Eltern profitieren davon nicht massgeblich.

Wer gehört zu deinem Clan?

Du bestimmst, wer zu deinem Clan gehört.

Dein Clan kann sich aus Familienmitgliedern zusammensetzen. Wenn deine Eltern oder Schwiegereltern, dein Schwager oder deine Schwester oder sonst ein Verwandter in der Nähe wohnen und ihr ein gutes Verhältnis habt, hole ihn oder sie ins Boot. Frage um Hilfe und lass dich überraschen, wie gerne die meisten Menschen helfen, wo immer sie können.

Dein Clan kann sich aus Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammensetzen. Nicht alle müssen selbst Kinder haben. Frage dich zuerst, was du schenken kannst, ohne dass du dir noch mehr aufbürdest. Vielleicht freut sich jemand, wenn er einmal pro Woche nicht für sich allein kochen muss, sondern bei euch an den Tisch sitzen darf. Vielleicht ist jemand glücklich, wenn sein Hund einmal pro Woche dich und dein Kind auf einen Spaziergang begleiten darf, während er noch im Büro sitzen muss. Es gibt viele Möglichkeiten. Knüpfe Beziehungen und lasse dich überraschen, wie auch du auf Unterstützung zählen kannst.

Verbünde dich mit anderen Familien. Schliesslich erlebt ihr alle ungefähr das Gleiche. Jede Mutter ist froh, wenn sie sich auf eine anstehende Tätigkeit konzentrieren kann und nicht gleichzeitig Kinder beaufsichtigen muss. Teilt euch das Backen der Weihnachtsplätzchen auf, putzt gemeinsam die Fenster eurer Wohnungen, helft euch aus mit Dingen, welche man nicht alle selbst besitzen muss (Lötkolben, Nähmaschine, Schwimmwesten für den Segeltörn, Schlafsäcke,…).

Vorteile des Clans für Eltern und Kinder

Gerade die bewusste Clanbildung mit anderen Familien beinhaltet grossartige Möglichkeiten.

  • Wenn dein Kind müde wird oder das ruhige Spiel bevorzugt, kann es sich jederzeit an einen ruhigeren Platz oder sogar zu dir zurückziehen. Du bleibst jederzeit abrufbar. Kinder wie Eltern lieben diese „lange Leine“. Weil du nicht die einzige Erwachsene vor Ort bist, kannst du entspannt stillen, trösten oder ein Kind auf dem Arm tragen; die Arbeit bleibt trotzdem nicht liegen.
  • Dein Kind liebt es, in einer altersdurchmischten Gruppen zu spielen. Es kann sich von älteren Kindern Fertigkeiten abschauen und ggf. ebenfalls ausprobieren oder die jüngeren mit seinen Fähigkeiten und seiner Hilfsbereitschaft beeindrucken. Dies ist ein grosser Unterschied zu Spielverabredungen, wie wir sie von Schulkindern kennen.
  • Gemeinsam Kinder zu betreuen, ist viel einfacher, als alleine nur für die eigenen Kinder da zu sein. Eine Hand, ein Arm, ein Ohr sind immer frei. Irgend jemand hat immer noch die Nerven zu trösten, eine Geschichte zu erzählen oder einen Schnürsenkel zu binden. Dein Kind lernt ganz entspannt neue Erwachsene kennen, welchen es vertraut. Es erweitert sein Beziehungsnetz und erlebt, dass immer jemand verlässlich auf seine Bedürfnisse reagiert.
  • Innerhalb deines Clans kriegst du keine Rat-Schläge, sondern offene Ohren und Verständnis. Du darfst über deine Frustrationen, deine Ängste oder ganz praktische Probleme sprechen. Ein funktionierender Clan fängt dich auf, auch wenn es mal nicht so rund läuft.
  • Ein gemeinsamer Nachmittag, vor allem im Freien, macht müde und glücklich. Eltern lieben diese Kombination, vor allem im Hinblick auf die darauf folgenden Abendstunden.
  • Dein Clan informiert dich ganz nebenbei über wichtige Kleinigkeiten: Weshalb Sonnencreme X sich bewährt hat, dass nächste Woche im Gemeindezentrum ein Kasperletheater aufgeführt wird und wer ein nicht mehr benötigtes Laufrad zu verschenken hat.
  • Alleine mit zwei Kindern ein Feuer zu machen, ist ganz nett. Neun Kinder ohne die Hilfe von Erwachsenen ein Feuer machen zu lassen und sie dabei heimlich zu beobachten, ist hingegen grandios.
  • Niemand weiss, welche Überraschungen ein gemeinsamer Nachmittag bereithält. Der kleine Unfall mit dem Taschenmesser, der tote Vogel hinter dem Komposthaufen, der gewagte Sprung vom Findling ins Gras: Echte Erlebnisse hallen lange nach.
  • Wenn alle Kinder friedlich spielen, kannst du endlich wieder einmal entspannt Kaffee trinken und mit befreundeten Eltern plaudern. Oder im Liegestuhl 20 min dösen und wissen, dass immer jemand ein Auge auf die Geschehnisse hat.
  • Und das Beste: Mit einem Clan erfährst du, dass du nicht alleine bist.

Vom Traum zur Realität

Hast du Sehnsucht nach (d)einem Clan gekriegt? Im nächsten Post werde ich dir erzählen, wie aus Träumen Wirklichkeit wird. Ich verspreche es dir jetzt schon, es ist viel einfacher, als du denkst.

Falls du konkrete Fragen zur Clanbildung hast, schreibe sie doch als Kommentar unter diesen Text. Dann kann ich im nächsten Post darauf eingehen.

Oder hast du bereits einen starken Clan?