Ich muss mich beschweren

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Letzthin habe ich ein Buch gekauft*. Es hat mich in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht:

Punkt 1: Das Buch sieht auf den ersten Blick ziemlich umfangreich aus. Es scheint also wirklich ein ganz normales Buch zu sein. Keine Broschüre. Kein Prospektchen. Die Schrift ist auch nicht grösser als in anderen Büchern. Dennoch hatte ich es nach zwei Tagen ausgelesen. Bis heute ist mir schleierhaft, wie das geschehen konnte.

Punkt 2: Man darf sich nicht täuschen lassen von der hübschen, harmlosen Aufmachung des Buches und seinem freundlichen, ebenso harmlosen Inhalt. Zwischen den Deckeln verbirgt sich eine Revolution. Ihr Ausmass erschliesst sich erst nach Tagen und Wochen, was sie besonders unberechenbar macht.

Punkt 3: Ich weine nicht gerne in der Öffentlichkeit. Dennoch hat dieses Buch genau das geschehen lassen. Ich habe geheult im Zug, auf dem Bahnsteig und auf der Parkbank. Vor Rührung. Vor Erkenntnis. Vor Lachen. Überwältigt von der Schlichtheit der Ideen.

Punkt 4: Dieses Buch beschreibt mein Lebensgefühl. Ich kann darin über mein eigenes Herumwursteln, meine eigenen Sorgen, meinen täglichen Stress lesen. Dafür muss ich doch nicht lesen, das kriege ich ja täglich frei Haus geliefert! Das Buch lässt dieses Chaos zudem auch noch in einem milden, gnädigen Licht strahlen. Wer Ratgeber liest, will doch knallharte Lösungsansätze. Neue Strategien. Komplett andere Welten (auch wenn sich diese erfahrungsgemäss kaum adaptieren lassen). Einen Anreiz, das Leben um 180° zu ändern und dem eigenen Schweinehund endlich den Hals umzudrehen. Das Buch liefert nichts davon. Schwach. Es ist eher wie eine weiche Kaschmirdecke, welche sich freundlich, warm und tröstend um die Schultern schmiegt und so Zuversicht und neuen Mut spendet. Als wäre das Leben ein Ponyhof. Und das kann doch nicht sein. Oder etwas doch? Aber das wäre ja noch schöner!

Punkt 5: Seit dieser Lektüre quillt mein Herz über vor Liebe für meine Kinder und unser Sein als Familie. Wie ich den ganzen Quatsch drumherum auf die Reihe kriegen soll, ist mir indes ein Rätsel. Wenn schon Ratgeber, dann aber bitte richtig! Inkl. „Wie schaffe ich es, endlich rechtzeitig zu Bett zu gehen?“ und „Was tun, wenn der Hund sich wieder mal nur von Katzenscheisse ernähren möchte?“ Schliesslich will ich gerettet werden. Komplett und ohne Wenn und Aber. Bitte auch ohne eigenes Nachdenken.

Punkt 6: Dieses Buch mit seinen Gedanken geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit der Lektüre leuchtet mein Nordstern richtig hell (soll gut sein für die Orientierung). Penetrant hell. Schmerzhaft hell. Zwischenzeitliches saloppes Südsteuern zu Bikiniatollen und seichten Gewässern ist kaum mehr möglich. Dabei wollte ich doch noch Eis essen gehen…

Punkt 7: Das Buch kann nicht sinnvoll verstaut werden: Es taugt nicht richtig als Erziehungsratgeber, dafür ist es zu frei geschrieben, zu persönlich. Es ist auch kein Roman, obwohl es zahlreiche Geschichten enthält. Als Stütze für den wackelnden Tisch ist es zu dick, als Blumenpresse zu dünn. Es ist zu schön für den Badewannenrand und aufgrund zahlreicher von mir selbst während des Lesens angebrachter Markierungen, Ausrufe-Post-it’s und hineingekritzelter Randbemerkungen dennoch nicht mehr zum Verschenken geeignet. Sowieso will ich es ständig griffbereit in der Nähe haben. Es wird also bis ans Ende meiner Tage ständig irgendwo im Weg herumliegen. Furchtbar.

Wer also noch Lesestoff sucht für die nächsten Wochen (oder Stunden, Siehe Punkt 1), der besorge sich doch „slow family, Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt. Beschwert Euch dann aber nicht bei mir, wenn Ihr plötzlich zwischen Eisbären und Seelöwen segelt. Oder Euch beim seligen Barfusslaufen durch den ersten Schnee ertappt. Oder den Schwimmunterricht Schwimmunterricht sein lasst und stattdessen mit Euren Kindern durch Nachbars Garten robbt. Oder mit Wölfen tanzt resp. – unseren Verhältnissen angepasst – mit Fliegen spricht. Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

*Wie immer gibt es hier keine bezahlte Werbung. Der Text ist ohne das Wissen der Autorinnen oder des Verlages entstanden. Ich berichte, was ich möchte. Völlig frei und ohne persönlichen Vorteil oder irgendwelche Verpflichtung.

Sichtbarkeit, Authentizität und Kooperationen

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Zwei Tage nach dem Bloggertreffen hat sich das Gehörte gesetzt. Einiges hat Auswirkungen auf mich, resp. meinen Blog, anders kann ich getrost an mir vorbeiziehen lassen. Tatsächlich treffen mich diverse Aussagen an der Swiss Blog Family empfindlich.

So kümmere ich mich offensichtlich zu wenig um den technischen Kram, den die Bloggerei mit sich bringt. Natürlich ist es nicht optimal, dass ich nicht täglich einen Post veröffentliche. Aber das lässt mein Leben nicht zu und diesem Druck möchte ich mich selbst gar nicht aussetzen. Natürlich könnte ich mehr Überschriften, knackige Schlagworte und andere clevere Strategien anwenden, um den Suchmaschinen zu gefallen. Aber das finde ich ätzend. Ich will schreiben, wie ich schreiben möchte. Nicht so, wie ein Algorithmus mir aufzwingen will.

Gleichzeitig ist es einfach dumm, wenn ich meine Sichtbarkeit durch mangelnde ICT-Kenntnisse selbst sabotiere. Diese Anregungen beispielsweise nehme ich mir deshalb sehr zu Herzen. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit in diese Themen einarbeiten. Ohne am Blog selbst etwas zu ändern und dennoch von Interessierten besser gefunden zu werden, macht schliesslich nur Sinn. Auch „das Tanzen auf verschiedenen Hochzeiten“ leuchtet mir ein. Solange es nicht zur lästigen Pflicht verkommt. Dass sich Frau Krähe auch auf facebook und instagram findet, ist schon mal ein netter Anfang, der aber noch keinesfalls optimal umgesetzt ist. Dennoch bläht sich bereits da ein grosses Fragezeichen in meinem Kopf auf: Weshalb das alles? Wofür?

Wenn ein Blog Sichtbarkeit haben und als Folge davon gross werden will, dann doch deshalb, um für Kooperationspartner interessant zu werden. Denn diese bedeuten, dass die eigene Bloggerei vom extrem zeitintensiven Hobby zur bescheidenen oder gar veritablen Einnahmequelle werden kann. Dagegen habe ich grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Geld zu verdienen ist nun mal wichtig, und wenn dies durch das Bloggen realisiert werden kann und man dafür vielleicht sogar auf den ein oder anderen ungeliebten Job verzichten oder ihn zumindest reduzieren kann, so kann auch mir das nur recht sein. Theoretisch. Oder gibt es noch andere Gründe, welche für Sichtbarkeit und Wachstum sprechen?

Aber definitiv beginnt sich etwas in mir zu winden, wenn die beiden freundlichen Frauen einer Marketingabteilung und einer PR-Agentur an der Swiss Blog Familiy von den Bloggern als „Influencern“ sprechen, wenn begeistert erzählt wird, wie man gemeinsam „authentische“ Geschichten entwickelt, welche zu der jeweiligen Familie passen und nicht versucht werde, die Familien zu etwas zu überreden, was ihnen nicht entspreche. „Beide Seiten sind schliesslich an authentischen Geschichten interessiert. Weil das auch bei den Lesern ankomme. Und letztlich den Erfolg der Strategie garantiere.“ (Frei von mir paraphrasiert.)

Ich erinnere mich an das amerikanische Experiment, in welchem eine „Familie“ (alles Schauspieler) ihren Nachbarn Produkte empfohlen hat. Der Effekt war gigantisch, Empfehlungsmarketing, wozu eben auch die Kooperationen mit Blogs gehören, funktioniert einfach sehr gut. Die Nachbarn glaubten sogar noch an die Produkte, als man sie darüber aufklärte, dass es sich bei der „Familie“ um eine komplett künstliche und konstruierte Marketingstrategie gehandelt hatte. Sie konnten diesen Menschen, die sie zu kennen glaubten, ihr Vertrauen einfach nicht absprechen. (Funktioniert ja übrigens auch beim Product Placement in Filmen und Serien.) Der Hebel bei den Blogs ist genau der selbe: Zuerst wird Vertrauen geschaffen, man „lernt sich kennen“. Dann wird das Produkt eingeführt und empfohlen. „Unter Freunden“. Zieht immer. Sogar wenn der Beitrag deutlich als Werbung gekennzeichnet ist. Willkommen in der Trueman Show.

Da noch von Authentizität zu sprechen, finde ich arg grenzwertig. Natürlich geht es nicht, dass Frau Krähe für Fleisch aus Massentierhaltung oder Ferber-Schlaftraining wirbt. Dass dies nicht authentisch wäre, muss ja nicht diskutiert werden. Aber will wirklich jemand, dass ich eine Story entwickle, in welcher ich ein (durchaus phantastisches) Produkt in meinen Alltag einbaue (welches ich vielleicht tatsächlich sowieso schon überzeugt seit Jahren benutze) und dies dann verblogge? Klar, ich kann das klar und deutlich als Werbung kennzeichnen, und ich finde es auch nicht einmal verwerflich, dafür Geld zu kriegen. Schliesslich gebe ich ja was dafür. Arbeitszeit und meinen Namen. Aber will wirklich irgend jemand da draussen von Frau Krähe Werbung präsentiert bekommen? Ich bezweifle das stark. Einmal vielleicht sehr gerne. Zweimal auch. Aber zehnmal? Zwanzigmal? Echt jetzt?

Wenn ich also aus Überzeugung auf Kooperationen verzichte und deshalb aus monetären Gründen auch nicht gross werden will mit meinem Blog, wieso sollte ich dann für mehr Sichtbarkeit sorgen? Frau Krähe startete als Web-Log, wie diese ursprünglich mal gedacht waren: Als eine Art freies Tagebuch über das eigene Tun und Lassen, als eigene Plattform, um mit Texten und Bildern zu spielen. So ist es heute noch.  Frau Krähe hat in den letzten vier Jahren an einem kleinen, feinen Netz mitgesponnen, hoch hinauf in den Norden Deutschlands, rüber nach Österreich, ins Südtirol, nach Frankreich und auch zu umliegenden Dörfern meiner Region. Es sind Freundschaften entstanden, welche ich nicht mehr missen möchte und die mein Leben sehr bereichern. In meiner kleinen Blogecke muss ich keine Kompromisse eingehen, keine Auflagen erfüllen, keine Statistiken halten oder verbessern. Wieso sollte ich mehr wollen? Was sollte ich wollen? Natürlich gibt es heute Blogs, welche anders ausgerichtet sind. Professionell. Monetär. Das ist ok. Nur befürchte ich, dass sich viele Bloggerinnen, v.a. „Jungbloggerinnen“ nicht klar sind, was es wirklich heisst, einen finanziell erfolgreichen Blog zu realisieren. Das ist harte Arbeit. Und gerade im Sektor der Familienblogs mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

So ist mir anhaltend leicht unwohl während diesem ansonsten durchaus netten Bloggertreffen in Basel. Die Euphorie, wie da von und über Kooperationen gesprochen wird, dazu die (durchaus mit schönen und hochwertigen Produkten bestückten) „Goodie-Bags“ und die den Anlass flankierenden Stände einiger (tatsächlich bewährter) Marken… Alles eigentlich sehr sympathisch. Aber leider eben nur eigentlich.

Die Fragezeichen in diesem Post sind keineswegs rhetorisch gesetzt. Wer mir Anregungen und Ideen hat, Hinweise, die ich bis anhin nicht bedacht habe, Möglichkeiten, welche mein Radar nicht erfasst hat, der oder die möge mir doch bitte einen Kommentar da lassen. Oder mir persönlich eine Mail schicken.

Es ist ok, ein bisschen planlos in die Bloggerei hinein zu stolpern. Ignorant und unbelehrbar zu sein, ist hingegen nur dumm.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die Durchführung des Anlasses bei den beiden Organisatorinnen Sévérine und Katharina bedanken. Das Treffen war perfekt organisiert und ich habe sehr schöne Kontakte mit interessanten Menschen erleben dürfen. Herzlichen Dank!

*einige Gedanken zum Bild:
Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit?
Wer wird gesehen, wer geht in der Masse unter und weshalb?
Muss man sich Sichtbarkeit verschaffen oder kommt die von selbst?
Und letztlich immer wieder: Wer bin ich?

Von den Bäumen und dem Wald

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Eigentlich ist doch alles ganz einfach. Da ist ein kleines Baby, ganz oder ziemlich frisch auf dieser Welt. Und da sind wir. Und egal ob Liebe oder biologisches Programm oder beides zusammen, wir wollen, dass es diesem Baby gut geht. Wir füttern es, wir halten es trocken und warm, wir unterhalten es, wir trösten es.

Doch schnell stellen sich Fragen und Unsicherheiten ein. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir dies oder jenes, was uns einfach logisch erscheint, nicht machen dürften. Wir hören von Gefahren und Spätfolgen unseres Umgangs mit dem Baby. Wir müssen versuchen, einen Überblick zu gewinnen über den riesigen Markt an Baby-Dingen. Brauchen wir das? Welches Produkt ist besser, X oder Y? Manchmal verstehen wir unser Baby nicht. Und manchmal nicht einmal mehr uns selbst. Spricht hier mein Bauchgefühl, meine „gesunde“ Intuition oder höre ich „nur“ die Stimmen meiner Eltern, also meine eigene Erziehungs-Prägung? Ist das ein verinnerlichtes Muster oder tief verwurzeltes Urwissen?

Oft finden wir Antworten, wenn wir facebook, Mütterforen, verwirrenede Ratgeberliteratur und Ratschläge von Freunden und Bekannten hinter uns lassen und uns allein auf unser Kind einlassen. Wenn wir Verbundenheit spüren, aufmerksam sind und uns viel Zeit zum Beobachten, Nachdenken und Nachspüren nehmen können.

Aber manchmal bleiben Fragen. Bleiben Unsicherheiten. Dann brauchen wir Menschen, die uns genau zuhören. Die unsere Situation verstehen, nicht darüber urteilen, ob wir etwas so oder anders machen. Die uns liebevoll unterstützen und uns dort inspirieren, wo es uns weiterhilft, ohne uns von Neuem zu verwirren und von unserem Weg abzubringen.

Manchmal kann dein Partner dieser Anker sein, manchmal findest du in einer Freundin den Engel der Stunde. Manchmal sind es deine Hebamme oder eine Kinderärztin, welche dir genau die richtigen Infos geben können, welche du brauchst. Und manchmal sind es eine kleine Gruppe von Menschen, wie sie in einem offenen Artgerecht-Treffen zusammenkommen, welche neue Energie in Form von Kraft und Vertrauen in dich und dein Kind in dir freisetzen. Damit du vor lauter Bäumen den Wald wieder sehen kannst. (Oder vor lauter Gräsern das Kind dahinter, Siehe Bild) Denn ich bleibe dabei: Eigentlich ist doch alles ganz einfach.

Schon bald, nämlich am 10. September 2016, hast du die Gelegenheit, in Weinfelden an einem offenen Artgerecht-Treffen teilzunehmen. Hier gehts zu den genaueren Infos. Gerne darfst du den Anlass auch weiterempfehlen, es hat noch freie Plätze. Herzlichen Dank.

10 Gründe, weshalb du einen Clan brauchst

Der Mensch – ein Rudeltier

Homo Sapiens ist nicht gerne alleine. Kinder schlafen bevorzugt im Elternbett, Jugendliche sind per Smartphone fast rund um die Uhr mit ihren Freunden in Kontakt und Erwachsene teilen sich Wohnungen und Büroräume. Soziale Kontakte prägen unser Dasein. Vom ersten Tag an.

Der Mensch hat während Jahrtausenden eng mit seinen Mitmenschen zusammengelebt. Jäger- und Sammlerkulturen lebten und leben in Gruppen. Die Gruppe schützt und stärkt das Individuum. Wer den Kontakt zu seiner Gruppe verliert, ist verloren. Unsere Kleinsten „wissen“ das genau. Sie setzen alles daran, mit ihren Bindungspersonen in Kontakt zu bleiben. Sich irgendwohin legen lassen? Alleine schlafen? Undenkbar! Viel zu gefährlich!

Die moderne Kleinfamilie ist eine neue Erfindung. Noch vor gar nicht langer Zeit haben gewöhnlich mindestens drei Generationen unter einem Dach gelebt (nicht nur in bäuerlichen Strukturen). Zudem wurde die „Kernfamilie“ ergänzt von Angestellten/Dienern/Knechten/Mägden und weiteren Verwandten, wie beispielsweise unverheirateten Frauen, Menschen mit geistig-kognitiven Beeinträchtigungen, Mündeln und anderen. Privatsphäre gab es kaum, Konflikte waren an der Tagesordnung.

Dennoch war und ist es gerade für Eltern in vielerlei Hinsicht von Vorteil, in eine grössere Gruppe eingebettet zu sein: Kinder müssen rund um die Uhr betreut werden. Kinder sind anstrengend. Gleichzeitig kann es auf intellektueller Ebene ätzend langweilig werden, Tag für Tag mit Kleinkindern alleine zu sein. Kinder torpedieren die Privatsphäre. Mal wieder alleine gemütlich auf dem Klo sitzen und in einem Büchlein blättern? Fehlanzeige! Alleine bist du dort selten, und wenn doch, so ist es sicher nicht gemütlich, weil du annehmen musst, dass dein Kleinkind währenddessen irgend etwas anstellt.

Wenn du mit Kindern zusammenlebst, brauchst du starke Nerven. Damit dir diese lange erhalten bleiben, benötigst du erholsame Nächte und auch tagsüber regelmässig kleine Pausen. Momente, die nur dir gehören und in welchen du durchatmen kannst. Du brauchst helfende Hände. Du brauchst manchmal auch nur jemanden, der dir sagt, dass das, was du gerade erlebst, wirklich anstrengend ist. Du brauchst jemanden, der dir sagt und zeigt, dass es auch bald wieder anders wird, das Leben. Du brauchst einen Clan.

Mütter zwischen Kindern, Haushalt und Beruf

Gerade hier in der Schweiz gibt es noch viele Frauen, welche sich mit Geburt ihrer Kinder weitgehend aus dem Berufsleben zurückziehen (nicht zuletzt, weil in der Schweiz die Betreuung der Kinder durch eine Kita sehr teuer ist). Sie verbringen dann während Jahren die meisten Stunden der Woche alleine zuhause mit ihren Kindern. Auch wenn diese Form der Arbeitsteilung bewusst gewählt wurde und viele Vorzüge beinhaltet, ist die Gefahr der Isolation für diese Frauen gross.

Nicht besser ergeht es Müttern, welche trotz Kindern zu einem grossen Teil oder voll berufstätig geblieben sind. Sie möchten die verbleibenden Stunden mit ihren Kindern in vollen Zügen geniessen und sind zögerlich, wenn es darum geht, die wertvolle freie Zeit, welche sie mit ihren Kinder verbringen, mit Spielverabredungen und anderen Terminen zu besetzen. Auch sind durch die Berufstätigkeit weniger Stunden für Haushalt und soziale Verpflichtungen vorhanden. Sich mit anderen Müttern zu verabreden ist eine logistische Herausforderung und scheitert letztlich oft am Gefühl, gar keine Zeit für so einen „verplemperten Nachmittag“ zu haben. So sind auch Frauen, welche zwar beruflich gut vernetzt sind, als Mütter meist mit ihren Kindern und dem Haushalt alleine und entsprechend isoliert.

Die Kinder selbst sind durch Kindergarten und Schule meist gut vernetzt. Sie besuchen einander gegenseitig. Dies allein ist aber noch kein Clanleben. Die kleineren Kinder und die Eltern profitieren davon nicht massgeblich.

Wer gehört zu deinem Clan?

Du bestimmst, wer zu deinem Clan gehört.

Dein Clan kann sich aus Familienmitgliedern zusammensetzen. Wenn deine Eltern oder Schwiegereltern, dein Schwager oder deine Schwester oder sonst ein Verwandter in der Nähe wohnen und ihr ein gutes Verhältnis habt, hole ihn oder sie ins Boot. Frage um Hilfe und lass dich überraschen, wie gerne die meisten Menschen helfen, wo immer sie können.

Dein Clan kann sich aus Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammensetzen. Nicht alle müssen selbst Kinder haben. Frage dich zuerst, was du schenken kannst, ohne dass du dir noch mehr aufbürdest. Vielleicht freut sich jemand, wenn er einmal pro Woche nicht für sich allein kochen muss, sondern bei euch an den Tisch sitzen darf. Vielleicht ist jemand glücklich, wenn sein Hund einmal pro Woche dich und dein Kind auf einen Spaziergang begleiten darf, während er noch im Büro sitzen muss. Es gibt viele Möglichkeiten. Knüpfe Beziehungen und lasse dich überraschen, wie auch du auf Unterstützung zählen kannst.

Verbünde dich mit anderen Familien. Schliesslich erlebt ihr alle ungefähr das Gleiche. Jede Mutter ist froh, wenn sie sich auf eine anstehende Tätigkeit konzentrieren kann und nicht gleichzeitig Kinder beaufsichtigen muss. Teilt euch das Backen der Weihnachtsplätzchen auf, putzt gemeinsam die Fenster eurer Wohnungen, helft euch aus mit Dingen, welche man nicht alle selbst besitzen muss (Lötkolben, Nähmaschine, Schwimmwesten für den Segeltörn, Schlafsäcke,…).

Vorteile des Clans für Eltern und Kinder

Gerade die bewusste Clanbildung mit anderen Familien beinhaltet grossartige Möglichkeiten.

  • Wenn dein Kind müde wird oder das ruhige Spiel bevorzugt, kann es sich jederzeit an einen ruhigeren Platz oder sogar zu dir zurückziehen. Du bleibst jederzeit abrufbar. Kinder wie Eltern lieben diese „lange Leine“. Weil du nicht die einzige Erwachsene vor Ort bist, kannst du entspannt stillen, trösten oder ein Kind auf dem Arm tragen; die Arbeit bleibt trotzdem nicht liegen.
  • Dein Kind liebt es, in einer altersdurchmischten Gruppen zu spielen. Es kann sich von älteren Kindern Fertigkeiten abschauen und ggf. ebenfalls ausprobieren oder die jüngeren mit seinen Fähigkeiten und seiner Hilfsbereitschaft beeindrucken. Dies ist ein grosser Unterschied zu Spielverabredungen, wie wir sie von Schulkindern kennen.
  • Gemeinsam Kinder zu betreuen, ist viel einfacher, als alleine nur für die eigenen Kinder da zu sein. Eine Hand, ein Arm, ein Ohr sind immer frei. Irgend jemand hat immer noch die Nerven zu trösten, eine Geschichte zu erzählen oder einen Schnürsenkel zu binden. Dein Kind lernt ganz entspannt neue Erwachsene kennen, welchen es vertraut. Es erweitert sein Beziehungsnetz und erlebt, dass immer jemand verlässlich auf seine Bedürfnisse reagiert.
  • Innerhalb deines Clans kriegst du keine Rat-Schläge, sondern offene Ohren und Verständnis. Du darfst über deine Frustrationen, deine Ängste oder ganz praktische Probleme sprechen. Ein funktionierender Clan fängt dich auf, auch wenn es mal nicht so rund läuft.
  • Ein gemeinsamer Nachmittag, vor allem im Freien, macht müde und glücklich. Eltern lieben diese Kombination, vor allem im Hinblick auf die darauf folgenden Abendstunden.
  • Dein Clan informiert dich ganz nebenbei über wichtige Kleinigkeiten: Weshalb Sonnencreme X sich bewährt hat, dass nächste Woche im Gemeindezentrum ein Kasperletheater aufgeführt wird und wer ein nicht mehr benötigtes Laufrad zu verschenken hat.
  • Alleine mit zwei Kindern ein Feuer zu machen, ist ganz nett. Neun Kinder ohne die Hilfe von Erwachsenen ein Feuer machen zu lassen und sie dabei heimlich zu beobachten, ist hingegen grandios.
  • Niemand weiss, welche Überraschungen ein gemeinsamer Nachmittag bereithält. Der kleine Unfall mit dem Taschenmesser, der tote Vogel hinter dem Komposthaufen, der gewagte Sprung vom Findling ins Gras: Echte Erlebnisse hallen lange nach.
  • Wenn alle Kinder friedlich spielen, kannst du endlich wieder einmal entspannt Kaffee trinken und mit befreundeten Eltern plaudern. Oder im Liegestuhl 20 min dösen und wissen, dass immer jemand ein Auge auf die Geschehnisse hat.
  • Und das Beste: Mit einem Clan erfährst du, dass du nicht alleine bist.

Vom Traum zur Realität

Hast du Sehnsucht nach (d)einem Clan gekriegt? Im nächsten Post werde ich dir erzählen, wie aus Träumen Wirklichkeit wird. Ich verspreche es dir jetzt schon, es ist viel einfacher, als du denkst.

Falls du konkrete Fragen zur Clanbildung hast, schreibe sie doch als Kommentar unter diesen Text. Dann kann ich im nächsten Post darauf eingehen.

Oder hast du bereits einen starken Clan?