Liebeserklärung

Dieser Post ist ein Abschied. Ein Abschied von Frau Krähe. Aber es soll kein trauriger Abschied sein, weil es nämlich gar keinen Grund zu Traurigkeit gibt. Ich habe mich entschlossen, die Form meines Blogs zu verändern. Frau Krähe geht (vermutlich), ich selbst bleibe.

Zuerst aber möchte ich mich bedanken. Dieser Blog ist vor 3.5 Jahren aus dem Wunsch entstanden, regelmässig zu schreiben, meinen Gedanken einen Raum zu geben. Eine Art Tagebuch über meine Tätigkeiten sollte entstehen, zu meiner mehr oder weniger alleinigen Freude. „Frau Krähe“ ist immer klein geblieben. Und ich war sehr glücklich damit. Gerade deshalb „kenne“ ich wohl viele meiner Leserinnen. Ihr Lieben, ihr habt mir die letzten Jahre so viel geschenkt, und ich bin so glücklich, euch durch eure Blogs kennengelernt zu haben.

Wo fange ich an? Alphabetisch? Nach Kennenlernzeitpunkt? Thematisch? Ach herrje, verzeiht mir meine chaotische Auflistung. Die Holunderblüten sind natürlich exklusiv für euch!

Danke liebe Ulma. Für alles. Du weisst schon.

Danke liebe Melanie. Deine Zeichnungen erfreuen mich. Deine Familie berührt mich. Dein Leben verändert mich.

Danke liebe Bora. Du bist meine Schweizer Soulemama. Dein Blog leuchtet still und unerschütterlich voller Liebe für deine Familie und durch die Wertschätzung, welche du den täglichen kleinen Wundern schenkst. Ich lerne viel von dir.

Danke liebe Patricia. So anders, dein Leben dort im fernen Berlin. Und doch fühle ich mich immer wieder so daheim in deinen Schilderungen, Überlegungen und Standpunkten.

Danke liebe Dania. Für deine Offenheit und deine Stärke.

Danke liebe Katja. Für deine feinen Worte und schönen Bilder.

Danke liebe Susanne, liebe Uta, liebe Caroline, liebe Miriam, liebe Jana. Euer Blick und eure Worte auf und über Kinder prägen mich, machen mir Mut und bestärken mich, meinen Weg zu gehen.

Danke liebe Carmen. Deinen Garten bewundere ich sehr. Unsäglich weit bin ich von einer solchen Pracht entfernt. Aber das Weidenflechten durfte ich ja wenigstens schon von dir lernen.

Danke liebe Friederike für deine präzisen Worte über die Schönheit des Landlebens fernab von Landlust-Romantik-Kitsch.

Danke liebe Rike, liebe Andrea, liebe Katharina: Ihr bringt mich zum Lachen, zum Nachdenken, zum mich-Aufregen bisweilen. Viel Herz und viel Inspiration.

Danke liebe Mareice, liebe Iren, liebe Gabriela, durch euch ist Inklusion von meinem Kopf in mein Herz gewandert.

Danke liebe Kathrin. Du bist der einzige Mensch aus meinem Leben 1.0, der ebenfalls einen Blog schreibt. Sowas verbindet.

Danke liebe Maria und liebe Julia für eure ansteckende Liebe zu den Puppen.

Danke liebe Frederike und liebe Lena, für euer Lesen und Kommentieren, für das gemeinsame Gehen eines Stück des Weges.

Danke liebe Stephanie für deine Poesie, deine klugen Gedanken und wunderbaren Buchempfehlungen.

Danke liebe Sybille für dein Bild, welches mich durch die Geburt der Zaunkönigin getragen hat.

Danke liebe Bianca für den schönen Mailkontakt.

… Und jetzt habe ich diese dumme Angst, dass ich jemanden vergessen habe. Habe ich ja wahrscheinlich auch. Deshalb noch einmal ganz pauschal und inklusive alle Nicht-Genannten: Danke, dass ich soviel von euch lesen und lernen darf. Danke, dass ihr mich inspiriert.

Und ganz speziell an meine Leserinnen, die natürlich nicht deckungsgleich sind mit den oben Genannten: Danke, dass ihr mich gelesen habt. Danke, dass ihr mir immer (!) freundliche und wohlwollende Kommentare auf meine Posts hinterlassen habt. Was für ein Geschenk!

Doch wie gehts jetzt weiter? Fast genau gleich. Ich lese euch weiterhin. Und freue mich, wenn ihr, sofern ihr schon „Frau Krähe“ gemocht habt, mitkommt zu meinem neuen Blog. Er fokussiert stärker auf das Leben mit Kindern und dient zudem als Webauftritt für meine neue Tätigkeit als Artgerecht-Coach. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingen wird, trotz der leichten Professionalisierung viel Persönliches und Überraschendes in den Posts bewahren zu können.

„Frau Krähe“ wird wohl fürs Erste verstummen. Das Schreiben für zwei Blogs übersteigt meine Ressourcen. Trotzdem scheue ich mich, diesen mir liebgewordenen Platz vom Netz zu nehmen. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Bleibt froh und mutig!
Eure „Frau Krähe“

P.S.: In zwei Tagen sollten die Küken ausschlüpfen. Bereits dann kann ich es mir wohl nicht verkneifen, hier ein paar Bildchen zu platzieren…

Altes Jahr

Jetzt bist du dann bald geschafft, du altes Jahr 2015. Du warst nicht wunderbar, funkelnd, grossartig. Du warst ein Jahr voller Nachdenklichkeiten und Irritationen, ja sogar voller Traurigkeiten. In meinem kleinsten Radius warst du unspektakulär. Nicht richtig schlecht, aber halt auch nicht wahnsinnig toll.

Du hast mich vielleicht gerade deshalb einiges gelehrt. Auch hast du den Weg bereitet für Neuerungen. Dafür bin ich dir dankbar. Aber jetzt darfst du gerne gehen. Adieu.
Ich freue mich auf ein frisches, junges, energiegeladenes 2016.
* Den alten Hund würde ich hingegen um keinen Preis gegen ein junges Exemplar eintauschen wollen. Er ist mir lieb und vertraut, mit jedem Tag mehr. 

Demut und Dank

Ein Papa und eine Grossmutter sterben.
Ein kleines Mädchen wird nur wenige Tage alt.
Ein Vater verunfallt schwer.

Die Endlichkeit des Lebens und die Fragilität des Glücks nehmen Raum ein diese Tage.

Und dann ist da dieser Abend unter Freunden.
Wo plötzlich ein Gespräch den Smalltalk hinter sich lässt.
Wo ich lachen, staunen, fachsimpeln und zuhören kann.
Wo ich mich wohl und ganz und richtig fühle wie schon lange nicht mehr.
So wenig. So viel.

Wurzeln

Gestern ist sie gegangen.
(Hier und hier erzähle ich von ihr.)

Ich trage ihre Uhr, ihren Lippenschwung und die ersten drei Buchstaben ihres Namens. Ich spreche wie sie sprach: Viel, schnell, mit Hang zu Übertreibung und Ungenauigkeit und manchmal viel zu direkt. Und ich hoffe, dereinst so zufrieden und dankbar wie sie meine letzte Reise antreten zu können.

Liebe Grossmutter, ich danke dir für alles.
Du bist eine der ganz Grossen für mich.

eine Frage

Kann man sich im Kreis drehen und trotzdem vorankommen?

*Hier gibts viel zu tun. Die Tage mit den Kindern sind schön und voll. Ebenso die Tage in der Schule. Die Abende gehören dem Gefährten, dem Schlaf und allem Liegengebliebenem. Ich lese natürlich nach wie vor alle mir liebgewordenen Blogs, komme aber nicht zum Kommentieren und schon gar nicht zum Verfassen eigener Posts. Es werden wieder andere Zeiten kommen.

**Der Frischling trägt den Gehörschutz, während ich staubsauge. Das Ungetüm ist ihm sonst zu laut. Ich war gerade haushälterisch tätig, bevor ich zum Fotoapparat griff.

***Die Duplo-Schienen waren der erste Herzenswunsch des Frischlings. Sein Staunen, seine Freude und Begeisterung beim Auspacken des Paketes zu erleben, war unbeschreiblich. Seit längerer Zeit hörten wir mehrmals täglich: „Ich brauche richtige Schienen. Dringend.“ Seit er nämlich das Hörspiel kennt, spielt er „Jim Knopf“. Vor allem Nepomuks Vulkan und der Kampf zwischen Lokomotive und Drache haben es ihm angetan. Ein Krokodil muss als Frau Mahlzahm (tja, er besteht auf dieses „m“!), ein Nilpferd als Nepomuk herhalten. Lokomotive und Personen sind vorhanden. Aufgezeichnete Schienen brachten nur kurze Entspannung der Lage. Jetzt ist seine Welt in Ordnung. Einziger Wermutstropfen: Die Räder befinden sich nicht auf, sondern über den Schienen. Das ist falsch. Ganz falsch. Findet er.

Wurzeln zum Zweiten


Den Torbogen kennt ihr schon. Darunter steht diesmal meine Urgrossmutter, wie sie mir in lebhafter Erinnerung ist. Die Resonanz auf den Post über das besondere Häuschen und die Frauen, die darin leb(t)en, hat mich sehr gefreut. Schön, dass die Atmosphäre auf meinen Fotos zu spüren ist.

Es gibt Bilder aus vergangenen Zeiten. Aus Zeiten, in welchen die ersten Automobile auf der Strasse mit grossem Hallo von den Kindern begrüsst wurden. In welchen die Menschen in Schwarz heirateten und ihnen zur Konfirmation Gebisse geschenkt wurden. Aus Zeiten, in welchen drei Generationen und ein Stickereilokal im Häuschen Platz gefunden haben. Die Kleidung der Menschen hat sich geändert, das Lebensumfeld sich verändert. Da ich die Menschen auf den Bildern zum Teil persönlich kenne und kannte, wird die Zeit auf eine eigenartige Weise relativ. Zumal sich das Häuschen praktisch nicht verändert hat. Heute mit meiner Grossmutter vor dem Häuschen sitzen und über dies und das palavern zu können und gleichzeitig das Bild ihrer Konfirmation im Kopf zu haben, ist fast magisch.

Nun geht es also, als kleinen Nachschlag sozusagen, auf eine Reise in die Vergangenheit. Ich habe mich auf Bilder beschränkt, welche in unmittelbarer Umgebung des Häuschens aufgenommen wurden. Immer wieder erkennt man die typischen Holzschindeln der Fassade und die steinerne Türschwelle. Alle Bilder liegen ausschliesslich analog vor und wurden von mir nur digitalisiert. Die Farbfotos wurden von meiner Mutter gemacht, bei den alten Bildern kenne ich den/die Urheber nicht.

Um 1900 sieht das Häuschen nicht viel anders aus als heute.

Die Konfirmation meiner Grossmutter. Ihre Eltern, der Grossvater (mein Ururgrossvater) und weitere Personen stehen vor dem Häuschen.

Die Goldene Hochzeit meiner Ururgrosseltern. Auf dem Bild sind zudem auch ein weiterer Ururgrossvater und meine Urgrosseltern zu sehen.

Meine Urgrosseltern sitzen vor dem Haus.
Meine Urgrossmutter mit ihrer Enkelin/meiner Mutter auf dem Arm.

Meine Grossmutter und Urgrossmutter. Und ich.

Und dann verändern sich eigentlich nur noch meine kleine Schwester und ich. Meine Urgrossmutter hat die knapp 20 Jahre, die ich sie gekannt habe, immer gleich ausgesehen.

Beim Zusammenstellen der Bilder ist die Erinnerung an das Grosseli, wir wir sie genannt haben, wieder sehr lebendig geworden. Ich erinnere mich an die Wärme in der winzigen Stube, wenn wir unsere vom Schnee nassen Sachen zum Trocknen auf den Ofen legten. Ich erinnere mich an ihre Hände, wie sie die Teekanne umfassten, an ihre Stimme und ihren über Jahrzehnte perfektionierten Hüftschwung, mit welchem sie die Türe von der Küche zur Stube gleichsam elegant und energisch schliessen konnte, wenn sie das Tablett mit Tee und Gebäck hereinbalancierte.

Vergangen. Nicht vergessen.

Wurzeln

Das sind meine Grossmutter und meine Mutter. Zum Abschied nach einem gemütlichen Nachmittag stehen sie unter dem üppigen Torbogen auf der kleinen Brücke über dem noch kleineren Bach, winkend und zwinkernd. Und erinnern mich an meine Urgrossmutter. Doch dazu später.

Meine Urgrossmutter lebte ihr ganzes Leben lang in diesem Häuschen. Auch meine Grossmutter ist hier geboren und aufgewachsen. Als es nach dem Tod meiner Urgrossmutter leer stand, kümmerte sich meine Mutter um den Garten, die Wasserleitungen, die Heizung. Kleine Renovationen wurden gemacht, und sachte begann sie, das Häuschen zu verändern. Langsam zog sie mehr und mehr selbst ein und hinterliess ihre eigene Handschrift in den Räumen. Heute ist das winzige Haus ihr Atelier und Rückzugsort, wo sie ungefähr einen Drittel ihrer Tage verbringt.

An diesem Fleckchen Erde scheint die Zeit stillzustehen. Vieles erzählt von früher. Weniges hat sich verändert. Und doch wird hier gelebt und gearbeitet. Und es entsteht viel Neues. Schöpfungskraft manifestiert sich in diesen alten Wänden (mehr Kunst gabs schon hier zu sehen).

Obwohl ich nur dann und wann als Gast an diesen Ort komme, ist er mir lieb und teuer und auf eine eigenartige Weise sehr vertraut. Mehr als durch die Tatsache geschuldet, dass ich ihn schon mein ganzes Leben lang kenne. Es ist vielmehr das Wissen und Spüren meiner Ahnenreihe.

Auf dieser Türschwelle spielt heute mein Junge, wie ich es einst tat. Und vor mir meine Mutter, meine Gross- und meine Urgrossmutter, alle drei übrigens grossartige Frauen. Das ist Heimat. Wenigstens eine Form davon.

ich und wir


„Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich.“ 
Robert Walser

Letzthin habe ich eine durch ihre eigene Dünnhäutigkeit irritierte Kollegin darauf hingewiesen, dass sie als frischgebackene Mutter und stillende Frau ja auch noch nicht wieder ganz „sie selbst“ sei: Die Antennen voll ausgefahren und hochempathisch für das kleine Bündel Mensch, könne man diese für die Brutpflege wichtigen Qualitäten halt leider nicht per Knopfdruck im Kontakt mit anderen Menschen ausschalten.

Und ich selbst? Seit rund drei Jahren bin ich entweder schwanger, stillend oder gleich beides zusammen. Und es ist kein Ende in Sicht. 

Bin ich eigentlich noch ich? Bin ich zurzeit eine unvollständige Ausgabe meiner selbst? Oder vielleicht eine bessere Version von mir? 

(Der Wicht auf dem Bild ist natürlich der Frischling, damals noch fast ganz glatzköpfig… Es dauert noch ein Weilchen, aber der Geburtstermin vom kleinen Kind rückt unaufhaltsam näher.) 

Verästeln

Der erste Ferientag.
Grosse Pläne, lange Listen.
Und dann einfach nichts gemacht.
Auf jeden Fall keine Listenpunkte in Angriff genommen.

Dafür:

– Alleine mit dem Hund spaziert. Ein seltenes Glück für uns.
– Mit Kind und Hund draussen rumgetrödelt.
– Des Frischlings Welt um Löwenzahn, Bienen und Hummeln erweitert.
– Den Frischling alle Bagger und Traktoren und Traktörchen des Nachbarn besteigen und bewundern lassen.
– Dem Mirabellenbaum beim Blühen zugeschaut.
– Eine brütende Henne entdeckt und, als ebenfalls „brütendes“ Wesen, Mitgefühl gezeigt (Sie darf!).
– Gestrickt und Fäden vernäht.
– Der Melancholie gefrönt mit schönsten Klängen.
– Mich an meiner winzigen, hochkarätigen Leserschaft erfreut.

Was für ein Glück, dies alles.