Adieu Festtage – Willkommen 2014

Die Schafe fressen die Weihnachtsbäume aus Familien- und Freundeskreis. Und mit jedem weiteren weissen Baumgerippe, welches ich schliesslich noch für den Kompost zerhacke, fasse ich Fuss in diesem neuen Jahr, welches so verhalten und eigenartig begonnen hat. Krankheit, viel Arbeit und ein Wetter, welches nicht zur Neujahrszeit zu gehören schien, brachten Kopf und Herz ein bisschen aus der Spur.

Aber jetzt nehme ich Anlauf und springe mit viel Schwung hinein in ein Jahr, welches mit Sicherheit wahnsinnig spannend wird. Springt ihr mit?

ein Jahr

Ein Jahr gibts Frau Krähe, und genauso lange dauert der Versuch, immer wieder mal ein Bild oder ein bisschen Text zu posten, jetzt an. Bei Tagebüchern und ähnlichem habe ich jeweils geschätzte sieben Seiten geschafft, bevor meine Ausdauer zum Erliegen kam. Frau Krähe flattert immer noch ganz munter und kann somit durchaus als Erfolg verbucht werden.

Es hat mir tatsächlich geholfen, mich selbst mit dieser eigenartig öffentlich-anonym-virtuellen Form ein bisschen unter Druck zu setzen, damit ich nicht immer nur über Dinge nachdenke, sondern sie tatsächlich realisiere. Realisiere bis zur letzten Masche, zum letzten Strich, zum schützenden Lack. Das war mein Gründungswunsch. Und ist jetzt meine Rückblickfreude.

Eine von mehreren. Denn da sehe ich auch Lebensaspekte von mir in Wort und Bild gefasst, die sonst im Alltag eher so nebenher laufen. Ganz bewusst möchte ich hier nicht mein Leben zeigen, welches oft von Hektik, Organisation und straffer Planung bestimmt ist und sich vor allem um Kind und bezahlte Arbeit dreht. Hier bekommen die Randzonen ihren Platz. Die stillen Abendstunden, die berührenden Erlebnisse mit dem Frischling und dem Gefährten, das Leben auf dem Hof mit den Tieren, besondere Stunden draussen in der Welt, das Wahrnehmen der Zeiten und Wetter, das Aufblitzen von Poesie und Schönheit. Ich beschenke durch diesen Blog immer wieder mich selbst mit Achtsamkeit für meinen Alltag.

Und da seid ihr, meine lieben Leserinnen. Ihr, die ich mir eigentlich gar nicht gewünscht, sondern einfach als notwendiges „öffentliches Druckmittel“ in Kauf genommen habe. Ich bin froh, dass mein Blog ein unscheinbares Plätzchen mit wenigen Leserinnen geblieben ist. Genau so ist es mir am wohlsten. Die, welche ich „kenne“, sind mir ans Herz gewachsen. Eure Kommentare dann und wann ermutigen zum Dranbleiben. Ich bin keine fleissige Kommentareschreiberin. Aber ich lese jeden Post von euch (so ihr euch zu erkennen gebt und es mir bei euch gefällt). Ihr begleitet meinen Alltag, inspiriert mich, schenkt mir ein seltsam klein Stückchen Heimat in einer Form, deren virtueller Gestalt ich sehr ambivalent, aber doch immer wieder wahnsinnig berührt gegenüberstehe.

Und jetzt: Einfach mutig vorangeschritten in eine weitere Runde! Und mich und euch überraschen lassen, was sie so alles hervorbringen wird.

Habt Dank für alles!

*Der Frischling zeichnet. Krähenzeugs. Ich bin ganz verliebt.

lange Zeit

Seit einigen Wochen ist unser Leben ein bisschen anders organisiert. Der Gefährte ist verantwortlich für die Musik eines Theaterstückes. Täglich wird geprobt, und das nicht gerade hier um die Ecke. Mittlerweile finden die Intensivproben statt und das bedeutet, heute jedenfalls, dass der Gefährte schon weg war, als der Frischling und ich erwachten und er erst wieder hier sein wird, wenn wir beide schon längst schlafen.

Ich hätte nicht gedacht, wie anders sich dieses Leben anfühlt. Denn meine beiden „bezahlten Tage“ bin ich ja nach wie vor unterwegs. Es fallen eigentlich nur einige Stunden weg, welche mir während der restlichen Wochentage fürs Vorbereiten des Unterrichts „offiziell zustehen“. Bis jetzt konnte ich mir aber doch immer irgendwie irgendwo das eine und andere Stündchen freischaufeln. Also alles fast wie immer, könnte man denken.

Trotzdem, alles ist jetzt ganz anders. Die fünf Tage am Stück, welche alle ziemlich gleich ablaufen, ziehen sich in die Länge. Wegfahren und Freundinnen besuchen geht nicht, das Auto ist mit dem Gefährten unterwegs. Sogar aufs Einkaufen verzichte ich. Und anstatt dieses Heimchen-Leben einfach mal zu geniessen, diese Zeitlosigkeit, dieses Dümpeln im Jetzt, werde ich antriebslos, melancholisch und träge. Ich fühle mich abends erschöpfter, oder auf eine ganz andere Art erschöpft, als nach einem rappelvollen Tag, wie ich ihn gewohnt bin. Es ist kalt und neblig, meine Gesprächspartner sind ein Kleinkind und eigenartige Tiere, die Tage sind ohne Unterschied. Ich vergesse, welcher Wochentag ist und was wir heute zu Mittag gegessen haben. Pasta? Oder war das gestern?

Manchmal nerven mich die tausend täglichen Absprachen mit dem Gefährten. Katzen schon gefüttert? Wer geht mit dem Hund raus? Geht noch einer von uns einkaufen? Wickelst du den Frischling diesmal? Wer räumt die Küche auf? Hast du gestern staubgesaugt oder soll ich heute?… Aber oh, wie schön das doch ist! Alles kann, nichts muss. Ein bisschen Lust und Unlust liegt drin, immer wieder, jeden Tag. Jetzt nicht. Jetzt mach ich die hier anfallenden Dinge einfach. Weil sonst niemand hier ist. Das ist überschaubar, tatsächlich gemütlicher, aber auch lähmender und irgendwie frustrierender. Wahrscheinlich würde ich mich anders organisieren, wenn dieser Zustand von Dauer wäre. Jetzt bleibt mir aber vor allem die Erkenntnis, dass ich, allem bisweiligen Geschimpfe und Gehetze zum Trotz, unsäglich glücklich bin mit der Organisation unseres Familien- und Berufslebens. Dankbar für die vielen Inputs von „draussen“, dankbar für das gemeinsame Gestalten des Lebens daheim. Bis ich es wieder habe, mein gewohntes Leben, versuche ich jetzt aber einfach mit besten Kräften, diese besonderen Tage zu geniessen.

Und dass der Frischling einen regelrechten Weinkrampf hatte heute Abend beim Vorsingen des Liedes „Schlaf, Kindlein, schlaf“, weil da der Papa drin vorkommt und ihm scheinbar erst in diesem Moment bewusst wurde, dass er ihn heute noch gar nicht gesehen hatte (Ob er das schon einmal erlebt hat? Ich glaube nicht…),… da tat er mir zwar schampar leid, aber ich habe mich auch sehr gefreut. Weil es so wahnsinnig gut tut, die Verantwortung zu teilen und nur einer von zwei ganz wichtigen Menschen sein zu müssen.

Quersumme

Der Gefährte hat mich heute Abend mit meiner Geburtstags-Quersumme bekocht und das Herbstgericht auf acht Gänge verteilt. Wahnsinnig lecker war das. Und einmal mehr konnte ich am eigenen Leib erfahren, dass Liebe durch den Magen geht.

Weil wir nach genüsslichem Verputzen des ersten Ganges erschüttert feststellten, dass wir das Fotografieren desselben vergessen hatten, durfte ich mir die Wartezeiten zwischen den Gängen mit Zeichnen verkürzen. Voilà.

Pullover

Gestern vor zwei Jahren am Nachmittag verunfallte der Gefährte schwer. Wir waren frisch verheiratet und genauso frisch in froher Erwartung. Wie jeden Nachmittag fuhr der Gefährte mit dem Mofa den Berg hinunter zur Arbeit. Da löste sich der Pullover, welchen er auf den Gepäckträger gewurstelt hatte, verhedderte sich im Rückrad und blockierte dieses schliesslich abrupt. Es kam zum Sturz. Leider blieb es nicht bei einigen Überschlägen, ein mögliches mehr oder weniger sanftes Abrollen wurde durch einen Granitblock am Strassenrand verhindert.

Resultat: eine schwere Gehirnerschütterung und zahlreiche komplizierte Knochenbrüche auf der linken Körperseite: Schulter, Ellbogen, Handgelenk, mehrere Rippen, Knie und Fuss. Die Erleichterung und Dankbarkeit, dass weder Gehirn noch Wirbelsäule Schaden genommen hatten, war unsäglich. Trotzdem merkten wir bald, dass dem Gefährten eine langwierige Heilungszeit bevorstand. Mehrere Monate in Spital und Rehaklinik veränderten unser beider Tagesabläufe und brachten einige schwierige, aber auch schöne Momente mit sich. Am schlimmsten war aber wohl die langanhaltende Ungewissheit, ob der Gefährte je wieder als Musiker (Gitarrist) arbeiten könnte. Während eines ganzen Jahres war es ihm nicht möglich, den Unterarm weit genug auszudrehen, um das Instrument spielen zu können. Diese lange Arbeitsunfähigkeit bescherte uns im Gegenzug dafür einen wunderbaren Start als Familie, da wir so die ersten Monate mit dem Frischling rund um die Uhr zusammen erleben durften.

Mit Ablauf der zwei Jahre gilt der Gefährte jetzt als „austherapiert“, und die wöchentlichen Trainings bei der Physiotherapeutin gehören der Vergangenheit an. Auch arbeitet er seit einem Jahr wieder als Musiker und Musiklehrer. Schlechter ist sein Spiel nicht geworden. Besser leider auch nicht.

Dieser Jahrestag ist schwer zu vergessen, weil genau in dieser Woche bei uns im Dorf jeweils eine grosse Herbstmesse, und bei mir in der Schule zufälligerweise eine Projektwoche stattfindet. Und so musste dieser denkwürdige Tag auch „gefeiert“ werden: Im schönsten sonnigen Herbstlicht haben wir den Unglückspullover verbrannt, welcher damals vor zwei Jahren unser Leben so verändert hat. Am Abend durfte der Frischling die Grosseltern unterhalten, während wir seit langer Zeit wieder einmal gemeinsam auswärts essen gingen und unter anderem die vergangenen zwei Jahre Revue passieren liessen.

Das Alte ist vorbei, aber nicht vergessen. Ich bin von riesiger Dankbarkeit erfüllt, dass wir noch zusammensein dürfen. Dass es uns gut geht, dass wir weiter an unseren Lebensplänen herumbasteln dürfen, und dass wenig Schlechtes und viel Gutes aus dieser schwierigen Zeit noch heute unsere Tage begleitet.

Chaos überall

Als ich die aufgedrehte Wolle zu einem Knäuel wickeln möchte und Entwirrungsversuche auch solche bleiben, entschlüpft mir der ein und andere Fluch. Nach langem Gewickel, Entknoten und Probieren liegt aber schliesslich doch ein akkurat aufgewickelter Knäuel Wolle vor mir.

Der Elektrozaun der Schafe verheddert beim Umstecken. Das Gezerre, Gefädel, Untendrüber- und Untendurchziehen erinnert mich an die Wolle, nur dass ich jetzt mitten drin stehe im Chaos. Ich schaffe es, einigermassen ruhig zu bleiben und mich den 60 Metern Herausforderung zu stellen. Die Schafe beobachten mich interessiert mal von der einen, mal von der andern Seite des Durcheinanders, um sich schliesslich ganz brav wieder auf der gewünschten Seite der Wiese, abgetrennt durch einen sauber gespannten Zaun, einzufinden.
Wenn mein Blick jetzt auf den Schreibtisch fällt, auf mein Materialregal, in die ein oder andere Schublade, in den Kleiderschrank und an noch so manchen Ort, weiss ich, dass alles zu schaffen ist. Irgendwie, irgendwann. Und dass ich bis dahin nicht die Nerven und Zuversicht verlieren sollte.

Lob dem Dunkel

Es greift leichte Wehmut um sich, jetzt, wo sich der Sommer verabschiedet. Wir mögen uns auf lange Abende mit Tee, Strickwolle und erste Kerzen freuen. Gemeinhin ist aber das Dunkle in unserm Kulturkreis negativ besetzt. Deshalb will ich jetzt hier einmal dem Dunkel ein Kränzchen winden.

Die Dunkelheit schützt, verbirgt, ins Dunkle kann man sich zurückziehen. Das Dunkle ist gnädig. Das Dunkle ist warm, weich und rund, das weibliche Prinzip. Der Tod ist weiss, hart und kalt. Im Dunkel entspringt das Leben. Im Dunkel ist alles enthalten, es absorbiert, vereint. Schwarz ist alles, während Weiss nichts ist.

Oh, ich freue mich auf die Dunkelheiten. Sogar auf die melancholischen.

Es grüsst Frau Krähe

Abendgedanken

Jetzt sind sie also schon wieder zu Ende, die grossen Sommerferien. Morgen früh 07:20 geht es los. Und obwohl mir die ersten paar Stunden nur vertraute Gesichter begegnen werden, bin ich nervös. Immer noch, nach all den Jahren. Ich bin gut vorbereitet, freue mich auf die anstehenden Aufgaben und hoffe, dass ich den einen und andern Funken entzünden kann bei der „Kundschaft“. 

Es gibt einiges zu berichten, wofür die Zeit heute nicht reicht. Viele Maschen habe ich gestrickt die letzten Wochen, einige Stoffe zerschnitten und neu zusammengesetzt, einer Puppe ein Gesicht geschenkt, Schafverwandlungen bestaunt und vor einigen Tagen schliesslich das Herbstlicht begrüsst. 
Die Farben haben sich verändert. Als es endlich regnete nach der langen Hitze, atmete die Natur auf und zeigte ein ganz anderes Gesicht als im gleissenden, harten Sommersonnenschein. Geradezu irisches Wetter und Licht umgab und beglückte mich. Und auch jetzt, wo die Tage wieder hell und freundlich sind, ist etwas davon zurückgeblieben. Eine Tiefe in den Grüntönen, warme Dunkelheiten und eine satte Weichheit, welche leise den Herbst ankündigt.