Manifest

Endlich dürfen sie an die Wand, diese Worte.
Immer wieder beruhigen und ermutigen sie mich.

Verflixte Typographie, noch immer fällt mir das Buchstabenbüscheln schwer.

*Die liebe Ulma mit ihrem Kommentar hat mich drauf gebracht: Nein, verkaufen will ich dieses Bildchen nicht. Verschenken hingegen sehr gerne. Wer ein PDF ohne Krähen-Wasserzeichen erhalten möchte, der solle mich doch bitte kontaktieren. Per Mail verschickt, kann das Manifest danach auf A3 oder kleiner für private Zwecke ausgedruckt werden.

Freudenränder

So lange wurde gedacht und geplant. Jetzt ist die Zeit des Handelns angebrochen. Wir legen Gartenbeete an, bringen Pflanzen und Samen aus, verbrennen Unmengen von altem Holz (morsche Pfähle etc.), gründen einen neuen Kompostplatz, errichten einen Weidenzaun, sagen dem Unkraut und den Schnecken den Kampf an,…

Sogar der Frischling hat schwarze Ränder unter den Fingernägeln. Wer schuf wohl den unpassenden Namen „Trauerränder“? Freudenränder sind das! Wir alle geniessen das Werkeln unter freiem Himmel sehr.

Obwohl dieses Blog ja nach Schafen, Kompost und Wiesenblumen „riecht“: Für uns sind all diese Arbeiten neu, ungewohnt und aufregend. Von unseren Nachbarn, den echten Bauern, werden wir, wo immer nötig, freundlich unterstützt, wohl aber auch etwas belächelt. Es ist uns egal. Wir verwirklichen hier unseren Lebenstraum, wachsen langsam hinein in die Arbeiten, welche die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen. Dass wir nicht von landwirtschaftlichen Erträgen leben müssen, macht die Haus-und-Hof-Projekte unbeschwert und sehr lustvoll. Der Hof bildet ein wohltuendes Gegengewicht zu unseren Erwerbsarbeiten, welche wunderbar, aber auch sehr „flüchtig“ und in ihrer Wirkung schwer messbar sind.

So haben wir also den Konjunktiv II zum Schweigen gebracht und wagen uns gemeinsam an ein Leben, welches unseren kühnsten und tiefsten Träumen entspricht. Was für ein Glück.

Esel und Gockel. Eine Parade der Eitelkeiten?

Es lesen sich spannende Worte bei MiMa und Ulma. Ich kann mich nicht kurz fassen, und deshalb schreibe ich hier meine Antwort. Ganz bewusst nicht als Kommentar zu dem Geschriebenen, sondern als meinen aktuellen persönlichen Standpunkt. Der natürlich nicht in Stein gemeisselt ist.

Schon als Kind habe ich gezeichnet und gewerkelt. Für Bastelanleitungen konnte ich mich immer wahnsinnig begeistern. Vieles habe ich angefangen, kaum etwas fertiggestellt. Diese Tendenz begleitet mich bis heute. Und genau deshalb führe ich unter anderem mein Blog. Um durchzuhalten bis zum Schluss, da die Aussicht auf Präsentation auf mich zu wirken scheint wie die Karotte an der Angel auf den Esel. Aber ein Esel bin ich gerne. Und glücklich darf ich feststellen, dass meine Strategie funktioniert.

Für mich hat dieser DIY-Boom (oder wie man das nennen mag) tatsächlich die Hemmschwelle tiefer gelegt. YouTube-Tutorials, Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Fotos und verschiedenste Blogs haben gerade Strickprojekte, welche für mich ein Buch mit sieben Siegel waren, möglich gemacht. Die Erkenntnis, dass da andere auch einfach probieren und improvisieren und nur mit Wasser kochen, hat einen „Intelligenz-Transfer“ ermöglicht, wo vorher nur resignierte Hilflosigkeit regiert hat.

Die Entscheidung „Zeit statt Geld“, welche der Gefährte und ich für unser Leben und speziell für die Phase mit einem kleinen Kind getroffen haben, führt zwangsläufig dazu, dass man DIY betreibt. Nicht dieses DIY der Hochglanzbuchdeckel. So habe ich beispielsweise heute im Wald Ausschau nach Holundersetzlingen gehalten und einiges an Geäst mit dem Kinderwagen nach Hause geschleppt (den Frischling hats nicht gestört, der hat, darunter „begraben“, friedlich gepennt). Gartencenter wär die Geld-Variante gewesen. Für mich passts so. Auch in andern Lebensbereichen. Sammeln, finden, verwerten, reparieren, umfunktionieren,… Kompost statt Kunstdünger. Waldspaziergang statt Fitnesscenter. Qualität statt Quantität.

Wenn mich in fremden Blogs kleine Basteleien anlächeln, sind dies oft Variationen von Sachen, die mir schon früher lieb waren. In Vergessenheit geratene, einfache Techniken, Ideen, Möglichkeiten. Bei Rezepten ist es dasselbe. Vertrautes, welches in etwas neuer Form plötzlich wieder meinen Weg kreuzt. Eine wunderbare Möglichkeit, mich an frühere Herzenssachen zu erinnern.

Ich will ein ehrliches Leben leben. Dazu gehört beispielsweise, dass Dinge ihre Zeit brauchen und diese auch kriegen sollen. Kochen ist so ein Beispiel. Nichts geht über das Warten, wenn ein Teig zu gehen hat. Stricken funktioniert auch nicht zwischen Tür und Angel. Zeichnen auch nicht.

Und da bin ich schon bei der Krux. Beim Anspruch. Basteln kann ich nicht gut, deshalb fällt es mir leicht. Ich bin schon über löchrig gestrickte Reihen glücklich und stolz. Zeichnen ist viel schwieriger. Da habe ich meine Vorstellungen. Kenne alles von Jan Van Eyck bis Anselm Kiefer (um nur zwei zu nennen). Ich habe zwar Zugang zu Siebdruckausrüstung, Fotolabor, Brennofen, Schweissgerät,… weiss aber, dass gute Gestaltung harte (wenn auch schöne) Arbeit ist. Neben Erwerbsarbeit und Familie und dem täglichen Wahnsinn fehlt mir (meistens) der Mut, die Kraft und die Zeit, mich ans weisse Blatt Papier zu wagen. Die Bastelei hingegen macht mich glücklich und stolz, gerade weil sie NICHT kreativ ist. Ich finde, einer Strickanleitung zu folgen ist unkreativer, als ein Sudoku zu lösen. Das Resultat hingegen macht viel mehr Freude.  Maschen zählen, buntes Papier aufkleben oder falten, Gummibänder um Eier wickeln und diese dann einfärben, solche Sachen schaffe ich aber alleweil. Und geniesse das zudem sehr.

Vor längerer Zeit unterhielt ich mich mal mit einer Schafzüchterin. Dass wir uns noch nicht klar seien, wie wir die Tiere halten wollten (regelmässige Leserinnen kennen diese Fragen bereits). Dass es halt schon Vorteile habe, im Frühling jeweils Lämmer zu kaufen und diese dann jeweils im Herbst zu schlachten. Vorteile schon, meinte die gescheite Frau, aber das sei einfach Pseudo-Schafhaltung. Recht hatte sie! Aber manchmal ist Pseudo ein guter Start. Eine Schmalspurvariante, bei welcher man Erfahrungen sammeln kann, Sicherheit gewinnt und Fehler nicht so sehr ins Gewicht fallen.

In diesem Sinne werde ich hier immer wieder banales Gebastel zeigen. Und jedes Mal, wenn es eine Zeichnung in dieses Blog schafft, will ich doppelt und dreifach stolz sein. Deshalb lass ich jetzt den Gockel doch noch auftreten. Obwohl er überhaupt nicht zum Thema passt. Aber ich musste mir vor einigen Tagen das Aquarellieren vergegenwärtigen, und da hat er sich einfach so herausgemausert aus dem Papier.

Liebste, beste d., ich weiss, du liest mit. Hab Dank für die schönen Gespräche dann und wann. Inspiration, Zuspruch, manchmal Kritik, du bereicherst mein Leben sehr. Wie öde wärs ohne dich.

Frühlingserwachen

Die bezahlte Arbeit verlangt mir im Moment einiges ab. Vor allem die vielen ausserordentlichen Termine machen mir zu schaffen, da sie für die ganze Familie eine riesige, bisweilen unverhältnismässige Organisiererei bedeuten. Umso erstaunlicher und schöner ist es aber, dass mir die eigentliche Arbeit leicht von der Hand geht und fröhlich und inspirierend auf mich wirkt. Was für ein Glück.

Ist es das Frühlingsgezwitscher der Vögel? Der Duft, welcher aus der feuchten Erde aufsteigt? Das Bimmeln der Schafglocken (fremder Schafe, leider)? Die Narzissen und Schneeglöckchen, welche ihre Köpfe ans Licht strecken?

Meine Laune ist über weite Strecken phantastisch, der Kopf und das Herz sind voller Tatendrang. Vor einigen Tagen habe ich mir Soulemamas Familien- und Jahreszeitenbuch geschenkt. Das Schmökern in freien Minuten kurbelt meine Stimmungslage weiter an.

Eine kleine Strickarbeit nimmt langsam Form an. Ich wage mich an das erste Paar Socken für Grosse, natürlich für den Gefährten. Dass es sich dabei um einen von ihm geäusserten Wunsch handelt, den ich, praktischerweise für den nahenden Geburtstag, erfüllen kann, macht das Stricken gerade noch einmal so schön.

Für den Frischling habe ich kurzentschlossen ein Geburtstagsgeschenk gebastelt, welches ich zu einem späteren Zeitpunkt zeigen will. Ein bisschen Geheimniskrämerei gehört schliesslich zu Geburtstagsgeschenken…

Ich habe mich nach Ewigkeiten wieder in die Küche gestellt (seit Geburt des Frischlings kocht hier der Gefährte) und Pancakes und Kuchen gebacken. Lecker wars!

Alte Mitgliedschaften habe ich gekündigt, andere neu abgeschlossen. Diese kleine Tatsache, dieses Ordnen meines Lebens wirkt beflügelnd. Bald schon bin ich Gönnermitglied von ProSpecieRara. Meine „Schafentscheidung“ hat mich zu dieser Organisation geführt. Die Möglichkeit, neben den Schafen und Hühnern (nach den Schafen dann) auch gefährdete Pflanzen zu kultivieren, ist bestechend. In der Agenda finden sich jetzt Termine wie „Schafschurfest“ und „Kompostierkurs“. Juhui!

An Plänen und Startschüssen fehlt es also nicht. Jetzt brauchts einfach noch konzentrierte, fokussierte Tatkraft. Kondition, Nachsicht, Beständigkeit. Ich hoffe, ich packs. So wie der Frühling. Der sich trotz Widrigkeiten durchsetzen wird. Ganz gewiss.