der letzte Gang

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Triggerwarnung: Dieser Text beschreibt detailliert die Schlachtung von drei Schafen. 

 

Das Schlimmste sind die Tage davor. Dieses Countdown-Zählen. Etwas zu wissen, wovon sie keine Ahnung haben. Ich schäme mich. Fühle mich als Verräter.

Als der Tag da ist, gehts mir nicht gut. Aber ich verbiete mir Schwäche. Ihnen zuliebe. Ich funktioniere. Gehe Schritt für Schritt ruhig und zielgerichtet vor. Stelle morgens schon mal das mobile Gatterstück in den Stall, ich werde es mittags brauchen, um die drei Tiere eng stellen zu können. Dann darf nämlich keine Hektik durch ungewohnte Tätigkeiten aufkommen.

Als Saba dann dennoch misstrauisch reagiert, als ich, nach einer grosszügigen Handvoll Getreidefutter im Trog zur Ablenkung, den Zugang zur Weide versperre, und sie mich in Folge davon beinahe über den Haufen rennt, bricht mir der Schweiss aus. Bitte bitte bitte, jetzt kein Drama, kein Durchbrennen, kein Gatterüberspringen und ähnliches. Die Verlockung des Futters ist aber dann doch stärker. Ich kann die drei Schafe problemlos eng stellen, was sie ja grundsätzlich sehr mögen.

Ein Hoch auf unseren Freundeskreis! Weil wir keinen eigenen Tiertransporter besitzen und uns kein Schafhalter seinen Wagen ausleiht (zu Recht, unsere Tiere sind ja mit der hochansteckenden Moderhinke infiziert), fand sich die nahezu perfekte Lösung in Form eines Anhängers, welcher normalerweise für anfallendes Sägemehl einer Zimmerei benutzt wird. Der befreundete Zimmermann agiert zudem als Chauffeur und furchtloser Begleiter der Unternehmung.

Schon beim Verladen kommt uns seine Anwesenheit zugute. Zu zweit drei Schafe zu bewegen, und sind es auch nur einige Meter vom Stall zum Transporter, ist ungefähr so kompliziert wie die Geschichte mit dem Wolf, dem Schaf und dem Salatkopf auf der Fähre. Das haben wir beim Schafescheren mehr als einmal erlebt. Ein Schaf kann einfach nicht alleine sein. Unmöglich.

So betreten wir also zu dritt den Stall, der Zimmermann, der Gefährte und ich, während uns die drei Grazien, etwas misstrauisch, aber ganz ruhig, nicht aus den Augen lassen. Da sie schon eng stehen, muss nur einfach jeder von uns ein Schaf ruhig am Halsband fassen, und schon verlässt eine kleine, durchaus friedliche Prozession den Stall. Eine weitere Handvoll Getreide erleichtert den Einstieg in den Anhänger. Alles geht so rund und schnell von sich, dass wir es kaum glauben können.

Die nötigen Papiere sind eingesteckt, den Weg ins kleine Schlachthaus haben wir tags zuvor sicherheitshalber bereits einmal abgefahren. Der Gefährte kann es aber nicht lassen, mir während der Fahrt gut zuzureden. Er erklärt mir nochmals Dinge, die keiner Erklärung bedürfen. Seine gut gemeinten Worte kratzen empfindlich an meiner Selbstbeherrschung. Mir zittert wohl ein wenig das Kinn, und beinahe heule ich los. Barsch weise ich einen Gesprächsthemenwechsel an. Die Fahrt dauert rund 10 Minuten. Das kleine Schlachthaus liegt verlassen zwischen Feldern und Wald an einer Überlandstrasse. Dann und wann ein vorbeifahrendes Auto, ansonsten pure Idylle. Wir sind als Erste da und öffnen den Deckel des Anhängers einen schmalen Spalt breit. Die Schafe sind aufmerksam, aber neugierig. Von Angst oder gar Panik keine Spur. Saba stellt sich natürlich gleich auf die Hinterbeine und verschafft sich durch den Spalt einen kleinen Überblick. Unsere Wächterin und Beschützerin der kleinen Herde. Wer sonst. Wir warten im Spätsommerlicht, schwatzen über Nichtigkeiten.

Nach einigen Minuten trifft der Metzger ein. Er öffnet die grossen Schiebetüren des hohen, gekachelten Raumes, lässt einen Metallbalken von der Decke herunter, an welchen er drei grosse Metallhaken hängt. Jetzt trägt er eine grosse, weisse Plastikschürze und Gummistiefel, hantiert mit kleinerem Gerät, schleift Messer, spritzt den Boden mit einem Wasserschlauch gründlich ab. Seine Ruhe und Konzentration beruhigt mich. Jeder seiner Handgriffe sitzt. Da arbeitet ein Profi. Die letzte Nervosität und Unsicherheit, welche noch in mir herumgeflattert ist, verschwindet.

Auftritt Tierarzt. Lebendschau. Der Geländewagen mit vollbepacktem Kofferraum parkiert schwungvoll, der Tierarzt stellt sich auf die Radkappe des Anhängers und guckt ins Innere. Drei Schafe, lebendig, ok. Tierarzt ab.

„Jetzt könnt ihr sie bringen, nacheinander.“ Mehr Anweisung braucht es nicht. Ich schlüpfe in den Transporter. Saba steht zuvorderst. Ich reiche den Strick, der an ihrem Halsband befestigt ist, nach draussen, in die Hand des Gefährten. Er zieht ein bisschen, ich schiebe. Sie steigt problemlos aus, der Zimmermann spielt den Türwächter und verschliesst die Luke sofort wieder. Ich stehe im Dämmerlicht, die Hände an Sirahs und Karambas Halsbändern, während ich ihre Hälse mit jeweils einem Finger kraule.

Schon öffnet sich die Luke wieder, ich schiebe Sirah, die liebe, verschmuste, verfressene Sirah, etwas nach vorne. Der Gefährte übernimmt sie, und schon ist sie weg. Karambas Kopf halte ich nun in beiden Händen, ich kraule sie hinter ihren unsagbar schönen Ohren, beuge mich hinunter zu ihr, die mir lange Zeit die Liebste der Dreien war, und atme noch einmal den wunderbaren Geruch ihres Schafkopfes ein. Einige Flüsterworte. Dann wird es wieder hell, der Gefährte übernimmt Karamba, ich steige direkt hinter den beiden aus dem Transporter, blinzle ins Licht. Karamba braucht nur 3, vielleicht 4 Meter zu gehen, doch sie  zögert kurz. Vor ihr, auf dem Boden des Schlachthauses, liegen zwei grosse, braune Körper. Was weiss ich von Schafen, aber ich glaube nicht, dass sie versteht. Ich selbst verstehe es ja nicht einmal richtig in diesem Moment. Bereits übergibt sie der Gefährte dem Metzger. Schnell und ruhig setzt dieser den Schlachtschussapparat an. Und schon fällt sie.

Den drei Grazien werden Seile an jeweils einem Hinterlauf befestigt, diese wiederum an die vorbereiteten Haken gehängt, und dann wird der Balken hochgefahren. Es folgt der Kehlschnitt und die Tiere bluten aus. Wir entfernen die Halsbänder, und während der Gefährte sie unterm Wasserhahn sauber spült, trennt der Metzger den drei Tieren die Köpfe ab und beginnt anschliessend in friemeliger Arbeit, dem ersten Tier, beginnend am Hinterlauf, das Fell abzuziehen.

Wir verabschieden uns. Es ist keine halbe Stunde seit unserer Ankunft vergangen.

Ich bin alles: Aufgewühlt, beruhigt, erleichtert, dankbar, traurig, betroffen. Voller Gedanken und Gefühle und gleichzeitig furchtbar leer.

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(Für alle, welche hier noch nicht so lange mitlesen: Wir haben während beinahe zwei Jahren erfolglos versucht, die Moderhinke, eine äusserst schmerzhafte und ansteckende Klauenkrankheit, bei unseren Schafen auszumerzen. Weitere ungünstige Faktoren haben den Entschluss reifen lassen, uns von den Tieren zu trennen. Da verständlicherweise kein Schafhalter „Moderhinke-Schafe“ in seine Herde aufnehmen möchte und eine externe Moderhinke-Sanierung ungemein kompliziert und kostspielig gewesen wäre, entschieden wir uns schliesslich schweren Herzens und nach langem Hin und Her für die Schlachtung.)

 

Lassie, Bagheera und Miramis

The Magic of Lassie Quad

Tiere gehören zu meinem Clan

Zu meinem Clan gehören neben den Menschen auch Tiere. Sie spielen für mich eine wesentliche Rolle. Sie sind Vermittler zur Natur, auch zu unserer eigenen Natur, sie sind Lehrer, Freunde, Mitgeschöpfe. Ich erfreue mich am Hausrotschwänzchenpaar, welches unter dem Dach brütet genauso wie am Hühnervolk, welches mit seiner emsigen Geschäftigkeit pure Glückseligkeit verbreitet und mich nebenbei auch noch mit besten Eiern beschenkt. Ohne Tiere wäre mein Leben viel ärmer.

Es gibt viele gute Gründe, mit Tieren zu leben. Es gibt aber auch viele gute Gründe, darauf zu verzichten.

Verantwortung für jemanden tragen

Sehr wertvoll war für mich die Erfahrung, dass durch mein Leben mit dem Hund der Verantwortungsschock, welcher gemeinhin mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht, spürbar abgefedert wurde. Ich war zu jenem Zeitpunkt schon seit 8 Jahren daran gewohnt, Bedürfnisse eines Familienmitgliedes miteinzuplanen, welche nicht immer mit meinen eigenen deckungsgleich sind. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei Terminanfragen, Einladungen und ähnlichem zuerst zu denken: „Und was ist mit dem Hund? Wie lange dauert das und was bedeutet das für uns? Soll er zuhause warten? Mitkommen? Im Auto bleiben? Oder soll ich ihn zu meinen Eltern bringen, damit er dort gut versorgt ist?“ Es war eigentlich alles möglich, aber es musste eben immer zuerst geplant werden. Wenn es auf eine Reise ging, musste sein Kram auch mit, und manchmal wurde er krank und brachte unsere Pläne durcheinander. Durch sein Dasein ergaben sich neue Freundschaften, dank ihm beurteilte ich meine Umgebung neu (Verkehrssituation, Orte, wo freies Spiel ohne Konfliktpotential stattfinden kann,…). Ich musste lernen, ihn und mich vor übergriffigen Bemerkungen und gar Handlungen zu schützen und spürte grossen Stolz, wenn er eine Aufgabe eifrig und fröhlich meisterte. Ich erkannte meine Leidenschaft für Erziehungsratgeber und das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität (vor allem meines Selbstbildes). Ich kam mit Erziehungsstilen und Beziehungsphänomenen in Kontakt. Ich wurde mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert und kam nicht umhin, Pauschalisierungen zu hinterfragen.

Hunde sind keine Kinder, aber diese und viele weitere Prozesse, welche bei mir ausgelöst wurden, sind identisch. Natürlich war es kein bewusster Entscheid, mit einem Hund zusammenzuleben, um das Leben mit Kindern zu üben. Rückblickend aber ist genau das geschehen.

nonverbale Kommunikation

Ebenfalls wahnsinnig bereichernd war für mich, dass meine Antennen durch den Hund bereits sehr fein eingestellt waren. Ich war es gewohnt, mit einem nicht mit Worten sprechenden Lebewesen zusammenzuleben. Ganz feine Signale zu erkennen und zu verstehen fiel mir nach Jahren der Übung leicht. Das kam zweifellos meinem ersten Kind zugute. Obwohl ich das erste Mal Mutter wurde, hatte ich dank meinem vierbeinigen Freund und Lehrer einen entsprechenden „Erfahrungsvorsprung“ gegenüber anderen „Erstlingsmüttern“.

ein Tier fürs Kind?

Meine Familie ist gewachsen, der Hund hat sich an ein erstes und an ein zweites Kind gewöhnt. Und so dürfen sie jetzt mit ihm aufwachsen. Kind und Hund, wie schön, wie perfekt. Lassie lässt grüssen. Wer wünscht sich das nicht? Mein Sohn beispielsweise. Er fürchtet sich vor dem Hund. Er fasst ihn niemals an, spricht nicht mit im und geht ihm wo immer möglich aus dem Weg.

Meine Tochter hingegen liebt den Hund. Sie betüddelt ihn, füttert ihn heimlich und offensichtlich, möchte ihn striegeln und streicheln und herzen. Ob sie mich in einigen Jahren dazu überreden will, ein Pony in die Garage zu stellen?

Ich werde dies (ziemlich sicher) nicht tun. Weil Tiere nicht für Kinder angeschafft werden sollten und mein Herz nicht für Ponys schlägt. Ich wünschte mir, dass alle Eltern sich bewusst sind, dass die Hauptverantwortung für ein Tier immer bei ihnen bleibt. Natürlich können bereits kleine Kinder in die täglichen Routinen mit dem Tier eingebunden werden. Aber auch wenn sie das Interesse verlieren, die Schule mehr Aufmerksamkeit verlangt oder das Fussballspielen hoch im Kurs steht, behält das Tier seine Bedürfnisse. Und es verdient, dass diese erfüllt werden. Während seines ganzen Lebens. Es sollte selbstverständlich sein, dass man sich vor Anschaffung jedes Tieres genau informiert, wie diese Bedürfnisse aussehen. Und dann ehrlich abwägt, ob diese zur eigenen Lebenssituation passen. Das Internet, Fachliteratur und seriöse Tierhalter helfen da gerne weiter. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

grenzenlos bedürfnisorientiert

Glaube mir, wenn du deine Kinder bedürfnisorientiert begleitest, wirst du diese Haltung bei deinem Tier nicht einfach wie auf Knopfdruck ausschalten können. Und so wirst du selbst sehr darunter leiden, wenn du die Bedürfnisse deines Tieres erkennen, aber nicht in der Lage sein wirst, diese zu erfüllen. Unter diesem Phänomen habe ich die letzten Jahre öfters sehr gelitten.

Ich höre oft die Bemerkung, dass Tierhaltung einen ja so „anbinde“. „Man kann nicht mehr in die Ferien“, ist der meistgehörte Ausspruch, wenn es um das Für und Wider von Tierhaltung geht. Der Satz ist einfach nur falsch. Ich kann mit entsprechender Planung problemlos in Urlaub fahren und weiss meine Schafe, Hühner, Katzen und den Hund bestens versorgt.

Anstrengend sind die täglichen Kleinigkeiten. Der Hund sollte dringend raus, aber das kränkelnde Kind ist soeben auf dem Sofa eingeschlafen. Die Katzen schleichen sich durch offene Fenster und Türen ins Haus. Und dort natürlich in die Betten. Oder in nicht ganz geschlossene Kleiderschränke. Auch wenn sie nass und schmutzig sind. Besuch mit Kindern schneit herein, der Hund wird ins Homeofficezimmer ausquartiert und zerfetzt dort frustriert meinen Lieblingspulli. Der Sohn legt sich einen Keks zurück, leider nicht hundesicher platziert. Schwupps und weg, grosses Drama. Das Baby ist endlich eingeschlummert, da bellt der Hund, weil er ein „verdächtiges“ Geräusch hört. Und so weiter und so fort.

Ich halte auch nicht viel von der Strategie, mir eine Katze anzuschaffen, weil ich Hunde sehr mag, Katzen aber einfacher zu halten sind. Wenn mein Herz nicht für Katzen schlägt, werde ich ihre Eigenheiten bald als Last empfinden. Und gleichzeitig kenne ich Frauen, deren Herz brennt nebst Kindern auch noch innig für Pferde oder Hunde, und die kriegen das gewuppt, einfach weil ihnen dies so unendlich wichtig ist.

Wer kleine Kinder hat und sich die Anschaffung eines Tieres überlegt, dem empfehle ich folgendes Gedankenspiel: Kannst du dir vorstellen, einen Teenager bei dir aufzunehmen? Natürlich ist ein Hund was ganz anderes. Wie ein Jugendlicher ist er aber (sobald ausgewachsen) ziemlich selbständig und braucht einen nicht mehr rund um die Uhr wie ein kleines Kind. Auf den ersten Blick „läuft er einfach so mit“. Aber das stimmt einfach nicht. Sie haben eigene Bedürfnisse, stillere, welche neben dem Kleinkindchaos gerne übersehen werden. Oder, wenn sie dann zu lange übersehen werden, plötzlich ganz grosse, welche schwierig zu lösen sind und Zeit und Kraft erfordern. Du tust gut daran, genau hinzuhören und zu -spüren, ob du noch Lust und Power für ein weiteres, ganz anderes „Bedürfnispaket“ hast.

wertvolle Tierbegegnungen

Wenn du das alles schon weisst und deshalb oder aus anderen guten Gründen auf das Halten von Tieren verzichtest: Hab kein schlechtes Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du ihnen ihren Wunsch nach einem Pony, einem Hund oder einem Hamster ausschlägst. In meinem nächsten Post werde ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du auch ohne Hund und Katze im eigenen Haushalt die positiven Aspekte der Tierbegegnungen für dich und deine Kinder erlebbar machen kannst. Denn ein bisschen Lassie im Abendrot hat schon was.

Bildquelle: http://www.thebestlittlefilmhouse.com/the-magic-of-lassie-original-quad-1978-mickey-rooney–james-stewart-4027-p.asp

10 Gründe für Wäscheberge, zerkratzte Hände und Sand im Bett

Kinderwetter?

„So’n Sch****wetter, da kann man ja nicht raus. Schon gar nicht mit kleinen Kindern.“ Diesen und ähnliche Sätze höre ich oft. Während der letzten nassen Tage. Im kalten Winter. Während des Tauwetters im Frühling und im stürmischen oder nebligen Herbst. Sommer gefiele den meisten Menschen, wären da nicht die gefährliche Sonne, die Zecken und die unangenehme Hitze.

„Meine“ Müttergruppe trifft sich grundsätzlich draussen (darüber habe ich schon geschrieben). Neben praktischen Gründen ist ein Aufenthalt in der Natur mit Kindern für mich immer die erste Wahl.

10 gute Gründe

1. Draussen sein ist gesund. Draussen kann das Kind sich herrlich austoben und seinen Bewegungsdrang befriedigen. Schnupfennasen können nach einem Aufenthalt in der kalten Winterluft wieder durchatmen, das Sonnenlicht ist wichtig für ausreichende Vitamin-D-Versorgung. Das Immunsystem wird aufgebaut, das Tageslicht reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus und vieles mehr. (Es gibt draussen tatsächlich auch Dinge, die nicht unproblematisch sind; Fuchsbandwurm, Sonnenbrand, Zecken und anderes. Bitte entsprechende Massnahmen treffen.) Und wenn tatsächlich mal ein Kind bereits hustet, vielleicht sogar leicht fiebert oder ähnliches, dünkt es mich, dass das Ansteckungsrisiko draussen kleiner ist als in einem geschlossenen Raum, wo alle „aufeinanderhocken“ und die wenigen Kubikmeter Luft miteinander teilen. Ein leicht(!) kränkelndes Kind unter anderen Kindern stört mich draussen tatsächlich viel weniger als in der Enge eines Kinderzimmers.

2. Wenn Kinder draussen spielen, ist kein einziges von ihnen über- oder unterfordert, sogar wenn sie ganz unterschiedlich alt sind. Jedes findet den kleinen Stein oder die hohe Mauer, wo ein mutiger Sprung gewagt werden kann. Während die einen Löwenzahnstiele zu Wasserleitungen zusammenstecken, kochen die andern mit Wasser und Gras „Gemüsesuppe“. Eines erkennt den Specht, ein anderes entdeckt den grossartigen Regenwurm.

3. Streit um Spiel-Zeug kommt in der Natur kaum vor. Es sind Steine im Überfluss vorhanden, welche aufgereiht, im Weiher versenkt, in Hosentaschen gehortet werden können. Jedes Kind findet einen Ast für den Schwertkampf. Der gefällte Baum bietet allen gleichzeitig Platz zum Klettern und Balancieren.

4. Die Spielmaterialien sind um Welten vielseitiger als herkömmliches Spielzeug. Die alte, morsche Holzlatte wird zuerst in der Matschküche als Gurke verkocht, später dient sie als Machete beim Pirschgang durch den Bärlauch, danach wird sie Tablett für die leeren Schneckenhäuser und vielleicht darf sie zum Schluss sogar noch eine geherzte Baby-Puppe sein. Alles kann alles werden: das Spiel ist frei, kreativ und phantasievoll.

5. Der Aussenraum ist multifunktional. Es braucht keine Leseecke, kein „Gumpi-Zimmer“, keinen Zvieritisch. Die Wiese verwandelt sich mit den Bedürfnissen der Gruppe vom Tobeplatz zur Kuschelzone und wieder zurück.

6. Die sensorischen Reize sind wundervoll. In die Baumkronen blinzeln, dem Vogelgezwitscher lauschen, die kitzelnden Gräser spüren, etwas Gundermann probieren, den Geruch feuchter Erde atmen: Alles ist wohltuend und nur in seltensten Fällen unangenehm. Nicht nur die Kinder profitieren von der Qualität der Sinneseindrücke, auch für die Eltern fühlt sich das phantastisch an. Ich zumindest bin jeweils ziemlich fertig, wenn mehrere Kinder in einer Wohnung um mich herumwuseln; zu viele Sinneseindrücke, zu viel Chaos, alles zu eng. Draussen entspanne und erhole ich mich trotz einer ganzen anwesenden Kinderhorde hervorragend.

7. Die Natur bietet basale Spielerfahrungen: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Alle Kinder werden von den Elementen magisch angezogen. Welch Glück, wenn sie dieser tiefen Freude und Faszination intensiv nachgehen dürfen. Welch Glück, sie dabei zu beobachten. Und die Wetter: laue Lüftchen, steife Brise, heftiger Sturm, liebliche Tröpfchen und prasselnder Regen. Zaghafte Strahlen, Sonnenglut. Schneeflocken und Hagel. Kinder bewerten Wetter noch nicht. Sie stapfen gerne durch den Regen, und solange sie warm eingepackt sind, macht ihnen auch Kälte nichts aus. Nach zwölf Jahren mit dem Hund weiss ich es: Es gibt nur ganz selten richtig schlimmes Wetter, wo man am besten zuhause bleibt. Nämlich wenn es gleichzeitig sehr nass, sehr kalt und sehr windig ist.

8. Ein Nachmittag in der Natur ist voller Überraschungen. Echte Entdeckungen werden gemacht. Ich selber liebe ganz besonders die Momente, wo auch ich als Erwachsene staune, rätsle, innehalte, oder vielleicht auch mal schockiert bin. Kinder lieben es, unsere Begeisterung, unser Interesse für die und an der Natur zu teilen. Natürlich spüren sie, dass meine Aufmerksamkeit eine andere Qualität hat, wenn sie mir aus dem Wald einen geheimnisvollen Schädelknochen eines Tieres anschleppen als die 95. Zeichnung eines Feuerwehrautos (welche mich aber natürlich auch sehr freut!).

9. Die Natur ist ein grossartiger Lehrer. Sie lehrt uns echte Konsequenzen: Zappel rum, und der Vogel fliegt weg. Zieh dir die Jacke nicht an, und dir wird kalt. Sei unachtsam beim Gang dem Waldrand entlang, und du berührst die Brennnesseln. Die Natur lehrt uns Geduld und tiefes Mitgefühl. Die Natur nimmt uns auf, wir können in ihr Teil eines grossen Ganzen sein. Gleichzeitig kann sie sich uns als unbeeindrucktes, stoisches, gelassenes Gegenüber entgegenstellen. Beides ist sehr wohltuend.

10. Wenn wir oft draussen sind, machen wir uns mit unserer Umgebung vertraut. Wir schliessen Freundschaften mit Orten, Pflanzen, Tieren. Wir lernen Gerüche und Geräusche kennen. Was wir kennen, lieben wir. Was wir kennen, wird unsere Heimat. Das ist wichtig für uns. Und auch für die Natur. Nur was wir kennen und lieben, sind wir bereit zu pflegen und zu schützen.

Literaturtipp

Wer mehr über Kinder und Natur lesen möchte, dem seien folgende Bücher empfohlen:
Richard Louv: Das letzte Kind im Wald (Herder Verlag)
Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther: Wie Kinder heute wachsen (Beltz Verlag)

Meine Literaturtipps sind übrigens einzig eine persönliche Empfehlung. Sie werden nicht bezahlt, gesponsert oder anderweitig werbetechnisch und/oder monetär genutzt.

Kinderwetter!

Die 10 Gründe hatte ich rasch beisammen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie siehst du das? Weshalb gehst du gerne raus mit deinem Kind?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar. Danach aber bitte: Weg vom Bildschirm, rein in die Gummistiefel und raus mit euch! Das Wetter ist ja gerade ausgesprochen fabelhaft. Wie jeden Tag.

Liebe Grüsse
Martina

Wie du deinen Clan findest

Der Wunsch

Seit letzter Woche grübelst du darüber nach, wie du deinen Clan finden könntest. Du möchtest unter Gleichgesinnten leben, Unterstützung erfahren, deinem Kind das Leben in einer Gemeinschaft ermöglichen, wo es gut aufgehoben ist. Du spürst, dass du mit einem Clan im Rücken weniger frustriert, genervt und ungeduldig wärst. Wie also beginnen?

gründen statt finden

Ein wenig habe ich es bereits letzte Woche angetönt. Du musst auch geben, um nehmen zu können. Idealerweise aber Dinge (oder Zeit), welche dir nicht noch mehr Arbeit aufbürden. Bleibe locker und offen, dein Clan kann aus Leuten bestehen, welche dir auf den ersten Blick nicht sonderlich nahe stehen. Ein kleiner Schwatz mit der alten Dame am Ende der Strasse an ihrem Gartenzaun schenkt dir eine Vertraute mehr. Sie ist es vielleicht, die dich irgendwann in der Zukunft anruft, weil dein Kind von einem unbekannten Mann entführt wird (bei dem es sich dann aber nur um deinen Bruder handelt, der bei euch zu Besuch ist und mit dem Kind zum Spielplatz wackelt). Der Clan denkt mit, hilft aus, passt auf,… Ein Clan umfasst im Idealfall Nachbarn, Verwandte, Familien, Kinderlose, Alte, Junge, Durchschnittstypen und schräge Vögel, Handwerkerinnen und Intellektuelle und vieles mehr. Löse dich für den Anfang von der Idee, dass ihr alle gemeinsam um ein Lagerfeuer herum sitzen werdet und eure Lebensziele synchronisiert. Verstehe den Clan einfach als dein Netzwerk. Es müssen sich nicht alle Beteiligten kennen, es müssen nicht alle mit der Clan-Philosophie explizit vertraut sein. Ändere deine Gedanken: Du musst nicht deinen Clan finden. Du musst deinen Clan gründen. Es fängt bei dir an. Werde aktiv. Am besten noch heute.

Die Müttergruppe

alleine sein ist nicht artgerecht

Besonders eingehen möchte ich nun aber auf die besondere Form der Müttergruppe (oder Vätergruppe oder Elterngruppe). Als Mutter die meiste Zeit des Tages allein zuhause zu sein und für eines oder mehrere Kinder zu sorgen, ist nicht artgerecht. Wer immer sich beispielsweise wie ich schon dabei ertappt hat, sein süsses Baby genervt anzuschnauzen oder seinem Kleinkind fiese Kommentare zukommen zu lassen und sich dabei nicht wiedererkennt, dem sei gesagt, dass diese „Aussetzer“ ganz normal sind, wenn man in einer solch widernatürlichen Lebensform feststeckt.

Die Artgerecht-Projekt-Gründerinnen empfehlen die Müttergruppe als Ort des Austauschs, als gegenseitig Entlastung, als emotionale und tatkräftige Unterstützung. Die Idee ist, dass Mütter sich bewusst zusammenschliessen, um den Alltag zufriedenstellender, eben artgerechter gestalten zu können. Noch einmal: Die Müttergruppe wird vom Clangedanken getragen, ist aber im Idealfall nur eine Untergruppe. Aber eine sehr wichtige.

gemeinsam gehts besser

Die Empfehlung: Rund vier Mütter von Säuglingen schliessen sich zusammen, ähnliche Werte-/Erziehungsvorstellungen sind sinnvoll, absolute Übereinstimmung ist jedoch nicht nötig. Es geht schliesslich nicht darum, gemeinsam die Kinder zu erziehen, sondern einfach füreinander da zu sein. In der ganzen Unterschiedlichkeit und trotzdem voller Respekt. Idealerweise leben sie im selben Quartier, Stadtteil, Dorf. Sie treffen sich reihum, also während vier Wochentagen, beieinander zuhause. Dort kann dann z.B. die „Hausherrin“ all die Dinge erledigen, welche mit Baby kaum möglich oder mindestens umständlich sind, während die anderen Frauen die Babys betreuen und vielleicht nebenher noch einen Stapel Wäsche zusammenfalten, Kinderzimmer-Kleinkram sortieren oder ein bisschen Unkraut jäten. Was immer hat gerade der betroffenen Frau Entlastung bringt. Oder die vier Frauen putzen gemeinsam die Fenster. Oder kochen/backen gemeinsam. Oder bringen zur Sprache, was sie beschäftigt. Die Kinder hat man nebenher im Auge, und wann immer eines die Mama benötigt, kann diese die Arbeit unterbrechen. Der Möglichkeiten sind viele. Entscheidend ist, dass die „Gastgeberin“ die anderen Frauen nicht als Besuch wahrnimmt und vorher keinesfalls alleine die Wohnung putzt. Wenn geputzt wird, dann miteinander. Oder gar nicht. Gemeinsam gehts einfach leichter. Und weil die Frauen sich gegenseitig reihum unterstützen, ist es auch einfacher, die Hilfe anzunehmen. Die Kinder profitieren von ihren entspannteren Müttern, den anderen Kindern und lernen nebenbei neue Orte und Menschen kennen, auf welche sie sich vertrauensvoll einlassen können (der sichere Hafen „Mama“ ist ja schliesslich immer ganz in der Nähe).

Gruppengrösse und verbindliche Termine

Es bewährt sich, nicht zu kleine Gruppen zu machen, da sonst bei kurzfristigen Ausfällen einer Familie (Krankheit, Termine, Wegzug,…) immer gleich die ganze Gruppe zusammenbricht. Ebenfalls ungünstig sind zu grosse Gruppen, da dies platzmässig und logistisch schwierig werden kann. Gerade auch kleine Babys sind von zu vielen Menschen schnell überfordert.

Ebenfalls wichtig ist es, grundsätzlich fixe Termine zu wählen (auch nur ein- oder zweimal wöchentlich ist natürlich möglich), sonst ist der Spass vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Wenn man jedesmal über ein neues Datum diskutieren muss, empfinden alle Teilnehmerinnen die Treffen schnell als mühsamen Zusatzaufwand.

Wo sind die tollen Frauen?

Wie findet man die anderen Frauen? Vielleicht hast du bereits in der Schwangerschaftsvorbereitung, dem Rückbildung-Yoga, dem Babymassagekurs etc. Mütter kennengelernt, welche du gerne näher kennenlernen würdest. Nicht zögern, einfach ansprechen! Oder du bist noch ein bisschen mutiger und quatschst die sympathische Mutter im Supermarkt oder auf dem Spielplatz an. Bedenke: Wenn es nicht passt, merkt ihr das schnell, jeder Clan ist dynamisch. Ebenfalls gibt es „Orte“, wo du tendenziell „clan-affine“ Menschen triffst: z.B. in Piklerkursen, an PEKIP-Treffen, aber auch in genossenschaftlich organisierten Strukturen und überall, wo Leute versuchen, mehr im Einklang mit der Natur zu leben (beispielsweise in Wildnisschulen).

Eine kleine Bemerkung, wenn du um klassische Elternplätze einen Bogen machst: Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, fürchtete ich mich etwas vor der Vorstellung, mich nur noch mit Müttern abgeben zu können, welche mir aber mit ihren Werten, Lebensentwürfen etc. total fremd wären. „Diese Mütter, die überleb ich nicht!“, klagte ich meiner kinderlosen Freundin. Sie entgegnete lapidar: „Ja ja ja, nur unsympathische, dumme, langweilige Frauen kriegen Kinder.“ Damit holte sie mich zurück auf den Boden der Realität. Überall gibt es Menschen, mit welchen man gerne zusammen ist. Sie zu finden ist nicht immer ganz einfach. Aber durchaus möglich.

Sonderfall Schweiz

Die oben ausgeführte Form der Müttergruppe wird von den Gründerinnen des Artgerecht-Projektes vorgeschlagen. Als Deutsche leben sie in der Situation, dass Mütter von Babys meist rund ein Jahr Elternzeit nehmen. Da macht dieses Setting Sinn.

In der Schweiz ist es aber ganz anders: Nach den 16 Wochen bezahltem Mutterschaftsurlaub steigen viele Frauen wieder in den Beruf ein. Während dieser 16 Wochen ist eine entsprechende Vernetzung meist noch nicht dringend nötig. Nach der Geburt muss sich die neue Familienkonstellation erstmal einpendeln, das kleine Menschlein will kennengelernt werden. Gerade wenn eine Frau weiss, dass sie nach diesen 16 Wochen wieder arbeiten wird, kann sie die Tage daheim geniessen, es bleibt ihr kaum Zeit für den Aufbau eines Mütternetzes. Dass auch sie als Mutter andere Mütter benötigt, schwant ihr erst viel später.

Natürlich gibt es auch hier Mütter, welche sich mit Geburt ihres ersten Kindes aus dem Berufsleben zurückziehen. Für sie könnte die vorgeschlagene Form allenfalls Sinn machen.

Berufstätigkeit und grössere Kinder

Wenn sich aber Mütter zusammenschliessen möchten, welche noch berufstätig sind, wird es komplizierter: Es ist logistisch wohl nicht möglich, sich während vier Wochentagen reihum zu besuchen und zu unterstützen, da ja alle an unterschiedlichen Wochentagen arbeiten.

Ebenfalls verändert sich die Situation, wenn bereits ältere Kinder zu betreuen sind. Vier Sechsjährige, mehrere kleinere Kinder und dazu noch deren Mütter in eine Vierzimmerwohnung sperren? Viel Spass, sag ich da nur…

Meine massgeschneiderte, persönliche Lösung

Weil die vorgeschlagene Variante für meine Bedürfnisse nicht praktikabel war, pröbelte ich so lange herum, bis ich eine andere Form gefunden hatte, welche zu unserer aktuellen Lebenssituation passt:

ein Treffpunkt in der Natur

Ich habe initiiert, dass unser Grundstück (welches ziemlich gross und abwechslungsreich ist) jeden Mittwochnachmittag (in der Schweiz unterrichtsfrei) Kindern und Eltern offensteht. Die Kinder können im Sand buddeln, den Bach stauen, ein Feuer machen, über den Baumstamm ans andere Bachufer balancieren, Hühnereier einsammeln, die Schafe füttern und vieles mehr. Je nach Zusammensetzung der Gäste bietet sich eine Expedition in den nahen Wald oder in die Weinberge an. Es wird aber nicht ein superpädagogisches Kinderprogramm auf die Beine gestellt. Null Vorbereitung. Vielleicht schneide ich bei Bedarf die Brennnesseln beim Hühnerstall etwas zurück oder füttere vorrangig extra die Tiere nicht, damit ich diesen Job an die Kinder übertragen kann. Das ist aber alles. Wenn es bei dir zuhause ebenfalls genügend Platz für viele Leute hat: ok. Wenn nicht, könnt ihr euch auch in einem Park, an einer Picknickstelle oder anderswo verabreden. Sinnvoll finde ich die Abmachung, dass man prinzipiell draussen ist. Das tut allen gut, ist immer ein Erlebnis und niemand muss „Gastgeber spielen“. Es kann auch nicht geschehen, dass plötzlich zu viele Erwachsene und Kinder eine Wohnung „sprengen“. Auf den Wert der Natur werde ich in einem späteren Post noch genauer eingehen. Denn die Natur ist viel mehr als nur ein praktischer Aufenthaltsort.

die gemischtaltrige Kindergruppe

Ich bin begeisterte Befürworterin der gemischtaltrigen Kindergruppe. Es gibt wohl nichts, was Kinder optimaler fördert und fordert, sie glücklich macht und ansonsten von der Gesellschaft und den Bildungseinrichtungen kaum mehr geboten wird. Ich werde im Post von nächster Woche noch näher auf dieses Thema eingehen. Dann werde ich auch erläutern, welche Effekte solche Gruppen auf Kinder haben können.

grosse Gruppe

Grössere Kinder können eine buntere Gruppe verkraften. Es sind dann auch mehr Leute für eine regelmässige Durchführung nötig, da es bei grösseren Kindern und berufstätigen Eltern immer wieder Verhinderungen gibt. Deshalb gehören viel mehr Familien zu meiner Gruppe. Aus logistischen Gründen verzichten wir deshalb auch auf eine Rotation.

alle Varianten sind toll

Da immer nur einige Mütter mit ihren Kindern die Gelegenheit eines Treffens nutzen können/wollen, ergeben sich jeden Mittwoch leicht unterschiedliche, aber immer sehr schöne Zusammensetzungen. Mal dominieren die grossen Kinder, mal ergibt sich eher ein Babytreff. Manchmal rotten sich mehr als zehn Kinder zusammen und erfinden die tollsten Spiele, während unterschiedlichste Frauen miteinander ins Gespräch kommen. Manchmal kommt nur eine Frau mit ihrem Kind vorbei. Dann können wir uns sehr persönlich und gemütlich austauschen, ein wenig entspannen und eine schöne Zeit mit unseren Kindern verbringen. Beide Varianten und alle Zwischenschritte geniesse ich sehr. Ausdrücklich können neue Familien von allen Clanmitgliedern eingeladen/mitgebracht werden. Ich vertraue auf die natürliche Regulation. Wer nicht in die Gruppe passt, fühlt sich nicht wohl und fasst nicht Fuss. Und wer ähnlich tickt, bleibt gerne, kommt wieder und wird wertvolles Mitglied des Clans.

Wie man Clanmitglieder vergrault

Ein kleiner Tipp am Rande: Da bei mir der Wunsch nach einem Clan gross war und ich alles zig-mal vor- und rückwärts durchdacht hatte, überforderte ich wohl tendenziell die Frauen, welche ich zu Beginn einlud. Ich erklärte ihnen meine Idee en détail, betonte, dass sie auch mitgestalten dürften, schwärmte vom Clanleben der Ureinwohner und den Möglichkeiten eines über Jahre gewachsenen Clans. Da muss man es ja mit der Angst kriegen! Heute erkläre ich nicht mehr viel. „Kommt doch mal am Mittwoch bei uns vorbei wenn ihr mögt, wir sind immer da, die Kinder spielen und wir Erwachsenen haben lustige Ideen oder hängen etwas ab. Gummistiefel und Ersatzkleidung mitbringen.“ Punkt. Fertig. Das genügt völlig. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

persönlichen Schwerpunkt setzen

Was bei diesem Setting fehlt, ist die Unterstützung in Form von tatkräftiger Mithilfe im Haushalt. Mich stört das aber nicht, ich schätze den Austausch mit den Müttern und das Beobachten meiner Kinder in dieser besonderen Gruppe. Da für mich kein nennenswerter Mehraufwand entsteht (da wir ja draussen sind), ist der Nachmittag überhaupt nicht mit Stress verbunden.

Die Tatsache, dass es sich dafür um einen institutionalisierten Feld-Wald-Wiesen-Nachmittag handelt, ist hingegen für mich ein deutliches Plus zur vorgeschlagenen Müttergruppen-Form. Das ist gesund, einfach und in vielerlei Hinsicht optimal. Draussen zu sein macht einfach glücklich.

die Fakten

Hier noch einmal unsere harten Fakten:
-Anmeldung per SMS bis 10 Uhr vormittags.
-Wir sind grundsätzlich draussen. Klo, Wickeltisch, Küche etc. darf man aber natürlich wann immer nötig benutzen.
-Die Kinder bringen ihre eigenen Wasserflaschen mit (das ist einfacher als wenn unzählige Becher im Garten rumstehen).
-Ich stelle einen einfachen Zvieri zu Verfügung (z.B. Äpfel), meist entsteht aber ein lustiges Buffet aus mitgebrachten Zwischenverpflegungen unterschiedlichster Art.
-Wer jemanden mitbringen möchte, darf dies gerne tun (die Gruppe darf wachsen).

Ich schreibe es dir ehrlich, am Anfang zweifelte ich, ob ich dann nicht jeden Mittwoch wie gehabt alleine zuhause rumsitze. Mittlerweile darf ich aber sagen, dass die Rückmeldungen eindeutig sind. Diese Nachmittage werden, so unspektakulär sie sind, von den Kindern und den Müttern als echte Bereicherung wahrgenommen.

Diese Form stimmt im Moment für uns. Es kann sein, dass in einem halben Jahr schon wieder alles anders aussieht. Man könnte auch gegenseitig für einander kochen. Oder die Samstag-Vormittage zusammen mit Vätern und Grosseltern gestalten. Zusammen Ausflüge machen. Für einander Kuchen backen… Probiere aus, worauf du Lust hast und gib nicht gleich auf, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Es lohnt sich auf jeden Fall!

In den Kommentaren zu meinem letzten Post findet sich der Link zu einer Website, welche der Vernetzung dient. Vielleicht ist das etwas für dich?

ein persönliches Wort

Ich bin überwältigt von der Resonanz auf meinen ersten Beitrag, welchen ich für „mein clan“ geschrieben habe. Vielen Dank fürs Lesen und Teilen! Ich freue mich sehr, für dich weiterzuschreiben. Geplant ist fürs Erste ein wöchentlicher Post.

Ich hoffe, dass du wieder hier liest, wenn ich in rund einer Woche meine Gedanken über die Kinder und deren Clanerfahrungen veröffentliche.