Zitat

Ich erlebe im Augenblick zuviel – und wer viel erlebt, der hat wenig zu erzählen, dem fällt wenig ein. (Peter Bichsel)

Meine Lieben. Der Blog ruht. Frau Krähe brütet, schützt das Gelege, beschimpft den Marder und dreht kleine Kundschafter-Runden, wie es sich für eine Nachfahrin von Hugin und Munin (Gedanke und Erinnerung, die beiden Raben Odins) gehört.

Im Moment treiben mich zu viele Gedanken, Gefühle und Erlebnisse um. Schreiben als Fokus mag nicht gelingen. Einiges ist mir zu privat, zu aufwühlend, zu verwirrend, anderes wiederum scheint demgegenüber zu banal. Es werden wieder andere Zeiten kommen, das hoffe ich sehr. Wer mag, folgt mir bis dahin auf Instagram. Denn: Bilder gehen immer.

Aber keine Sorge. Es geht mir gut. Euch hoffentlich auch. Habt es fein. Bis bald.

 

 

Gezeiten

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Es ist so viel und nichts geschehen in letzter Zeit. Eine eigenartige Mischung, welche das Bloggen hat in den Hintergrund treten lassen.

Die Schwangerschaft ist schön und komplikationslos. Dennoch habe ich latent das Gefühl, dem kleinsten Kind viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken zu können. Bereits Halbzeit. Und ich bin noch kaum dazu gekommen, zu ihm hinzuhorchen. Zudem möchte ich noch einige Dinge in aller Ruhe besorgen resp. ganz im Sinne des Nestbaus Dies und Das umorganisieren, bevor in wenigen Monaten unsere Familie um ein neues Menschlein wachsen wird.

Grosse Geschehnisse in meinem digitalen Netzwerk liessen mich etwas verstummen. Nicht alles waren Tragödien, es waren auch Wunder dabei. Ob schlimm oder schön, ich konnte und kann mich zeitweise einfach nicht mehr aufraffen, über die Nichtigkeiten des Alltags zu schreiben. Dieser Kram will und muss gelebt werden. Aber verbloggt? Ich hoffe auf Milde, Grosszügigkeit und Nachlässigkeit diesbezüglich in meinem eigenen Denken und Fühlen. Familienblogs leben über weite Strecken von diesen Trivialitäten, da ist nichts Schlechtes dabei.

Viel zu oft habe ich in den letzten Wochen Blogs gelesen. Bin von der Produzentin zur Konsumentin geworden, nicht immer mit einem guten Gefühl. Manchmal geschah es aus reiner Erschöpfung. Hätte ich ein TV-Gerät, hätte ich wohl stundenlang gezappt. Das eine oder andere Spannende habe ich sicherlich gelesen, das ist unbestritten. Dennoch wäre schlafen oft die bessere Entscheidung gewesen. Eine digitale Konsumauszeit scheint sich anzubahnen. Paradoxerweise habe ich Instagram „entdeckt“ (obwohl ich es natürlich schon lange kenne). Ich bin sehr angetan von dieser schnellen, ästhetisch ansprechenden Möglichkeit des Bildaustauschs.

Und vor allem: Die Zeit, die Zeit! Es gibt so viel zu leben, zu lesen, zu stricken, zu diskutieren, zu denken, zu schlafen, zu kuscheln, zu organisieren,… In den letzten Wochen habe ich anderen Dingen als dem Schreiben den Vorrang gegeben. Manchmal ganz bewusst und von Herzen, manchmal widerwillig, einfach weil die Umstände es erforderten. Aber so oder so: Ich vertraue diesen Gezeiten meines Lebens mittlerweile.

*zum Bild: Genau zum Schwangerschaftszenit hat mir die liebe Bora ein Baby-Einstimmungs-Geschenk geschickt. Welche Freude! Ich bin hingerissen und gerührt ob so viel Aufmerksamkeit. Das darauf folgende Telefongespräch war mir zudem eine riesige Freude!

Frau Krähe macht auf Phönix

pixabay

Die einen Leserinnen und Leser freuen sich, die anderen sind irritiert. Bei allen möchte ich mich für das Durcheinander entschuldigen.

Die Sache ist die: Ich habe einige Jahre frischfröhlich und ziemlich ziellos als „Frau Krähe“ gebloggt (bei Blogger). Mit meinem Artgerecht-Engagement (Siehe Reiter oben rechts auf dieser Website) wollte ich jedoch einen sauberen Neuanfang machen. „Mein Clan“ wurde geboren (diesmal bei WordPress). Schnell merkte ich jedoch, dass mich das Format nicht glücklich machte. Mein persönliches Schreiben wurde gehemmt, ständig war ich mir nicht sicher, ob beispielsweise eine Berichterstattung aus dem Hühnerstall, ein Gedanke über Dies oder Jenes jetzt Platz hätte in diesem neuen, „professionelleren“ Blog. Und ich merkte je länger je mehr, dass ich über diese kleinen Dinge schreiben wollte. Über meinen Alltag, über meine Erlebnisse. Auch wenn sie nicht direkt etwas mit dem Artgerecht-Projekt zu tun hatten.

Ich vermisste meine vertraute und liebgewonnene „Internet-Identität“, und den Kommentaren zu schliessen, wohl einige meiner Leserinnen auch. So importierte ich irgendwann den ganzen „Frau-Krähe“-Blog hinüber zu „Mein Clan“. Und da das hier jetzt faktisch wieder Frau Krähe ist (neu bei WordPress und deshalb in etwas neuem Gewand), heisst diese Website/dieser Blog jetzt auch wieder Frau Krähe. Eigentlich alles ganz einfach.

Entfernt also bitte „Mein Clan“ aus eurer Lesezeichenliste oder eurem Blogroll und vor allem aus euren Gedanken. Aber kommt doch mit zu Frau Krähe. Begleitet mich. Inspiriert mich. Überrascht mich. Ich bin gespannt auf alles Kommende.

Natürlich freue ich mich auch sonst immer sehr über jeden Kommentar. Doch heute gilt es ganz besonders: Bitte zögert nicht! Das ganze Gewurstel und diese Entscheidereien lassen mich etwas konfus zurück. Euch hier zu wissen (gerade die „alten“ Krähenfreundinnen, gerne aber auch die herzlich willkommenen NeuleserInnen), wäre mir eine grosse Beruhigung und Freude.

Bild von Pixabay. Danke.

Sterne

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Man sagt, die Sterne strahlen am Himmel. Wenn ich aber so hochschaue in einer wolkenlosen Sommernacht, und der ganze Himmel sternenübersät ist, mag es mir doch nicht gelingen, einen einzelnen genau zu betrachten. Wann immer ich einen besonders hellen auswähle, scheint er zu verglimmen und sich in die samtenen, beschützenden Falten des Universums zurückzuziehen. Die Kuppel vermag die unzähligen Sterne kaum mehr zu fassen, dicht aneinander gedrängt funkeln sie prächtiger als alle Schätze der Erde. Aber sobald man sich auf einen konzentriert, scheint sich dieser scheu zu verbergen, während die restlichen, wie man in den Augenwinkeln sieht, noch heller strahlen. Sterne wollen nicht beobachtet werden.

In meinem Zenit ballen sie sich zu ganzen Herden, während knapp über dem Horizont keine zu sehen sind. Ob sie die Menschen fürchten? Vielleicht schicken sie von Zeit zu Zeit Kundschafter herunter, welche aber immer nur bestätigen können, was alle Sterne bereits wissen. Dass die Menschen krank und verloren sind, aber dass sie doch noch Träume haben und sich sogar von Zeit zu Zeit nach einer Sternschnuppe sehen. Ich bräuchte eine solche, ganz dringend, aber ich schaue nicht mehr hoch, suche nicht mehr das Himmelsgewölbe ab, sondern setze meinen einsamen Gang fort durch die ruhig atmenden Felder.

Weitab der anderen leuchtet plötzlich ein kleiner Stern in der Wiesenböschung, ein gefallener Lichtbringer, ein verstossener Engel, vielleicht einer der Kundschafter und Boten. Ein Glühwürmchen ist’s, sitzt still zwischen den harten Stängeln und zarten Gräsern, und leuchtet wie ein Lotse in die Nacht hinaus. Durch seinen Chitinpanzer strahlt ein geheimnisvoll grünliches Zeichen. Zwei Punkte und parallel dazu zwei Streifen. Ob es das Signet wohl wie auf einer digitalen Anzeigetafel verändern kann? Wohl kaum.

Ich weiss nichts von Glühwürmchen, und von Sternen eigentlich auch nicht. Vielleicht weiss das Glühwürmchen mehr von ihnen, aber ich mag es nicht fragen. Es untersteht womöglich einer Schweigepflicht, Menschen gegenüber, und ich möchte es nicht in Verlegenheit bringen. Es kann aber auch sein, dass es einfach so im Gras sitzt, ohne sich um die Sterne zu kümmern, und geduldig auf einen Partner wartet. Aber was, wenn das alle tun? Wenn die Welt voll ist von im Dunkeln sitzenden Würmchen? Wer findet sie? Ich muss annehmen, dass die einen sitzen und leuchten, und die andern durch die Nächte reisen, auf der Suche nach dem hellen Schein. Ob sie wissen, wonach sie Ausschau halten müssen? Weder leuchte ich, noch habe ich eine Vorstellung vom Ziel meines Ganges durch die Nacht.

Über den Himmel wandert der gebündelte Strahl eines Scheinwerfers. Eigentlich dient er Werbezwecken einer Diskothek. Mir scheint es aber eher, als suche er das Firmament nach irgend etwas Verborgenem ab, als wolle er alle dunklen Verstecke ausleuchten. Weiss denn keiner, dass die Sterne so nicht mehr leben können? Dass sie durch das ständige Ausweichenmüssen ein Vielfaches an Energie verbrauchen? Dass sie so immer scheuer leuchten und schliesslich in Gebiete fortziehen werden, die vom Menschen noch nicht erschlossen sind?

Ich schaue hoch, knapp an den Sternen vorbei, damit sie sich nicht bedrängt fühlen und spreche ihnen leise mein Beileid aus. Bevor ich weiterziehe durch die Nacht, von der ich eigentlich nichts verstehe, wünsche ich dem Glühwürmchen, dass es recht bald gefunden werden möge. Um danach wieder heimkehren zu dürfen in das grenzenlose Universum, zurück zu den anderen Sternen.

ml. 04.07.1999

 

Diesen alten Text habe ich ausgegraben, nachdem ich vor einigen Tagen eine Hochzeitsnacht der Glühwürmchen erleben durfte. Ich gebe ihn hier unverändert wieder. Entstanden ist er im „Freikurs Schreiben“ bei Herrn Schneider, damals am Lehrerseminar. Einige wenige Lektionen waren das, welche mich bis heute nachhaltig geprägt haben. Tausend Dank an dieser Stelle an meine beiden wichtigsten Lehrer Schneider und Graf, welche sich an der Patentfeier damals, bereits etwas angetrunken, beinahe in die Haare gerieten, weil sie sich nicht einig wurden, ob man mich zum Weiterverfolgen der Schreiberei oder der Gestalterei anhalten sollte. Sie einigten sich auf den dringenden Rat, einfach bitte „möglichst lange nicht zu heiraten und mit dem Kinderkriegen zuzuwarten“ und ansonsten halt zu tun, was ich tun wolle. Mission accomplished. Das war einer der ganz grossen Momente meiner Schulzeit. Und er ist es bis heute.

Ich verstehe heute zwar nicht viel mehr von der Welt als damals, wohl aber hat sich die Grundstimmung meiner Seele, meines Fühlens und Denkens etwas verändert. Ich bin nicht mehr zwanzig Jahre jung, melancholisch-romantisch am Anfang meiner Suche durch das eigene Leben stehend. Deshalb möchte ich bald mit meinen heutigen Worten darüber schreiben, wie das kürzlich erlebte Naturschauspiel der Glühwürmchen meine Seele berührt hat.